Der olle Koffer steht noch immer in Berlin

Es ist herrlich Berlin – nach Covid – und so vielen Jahren wieder einmal zu besuchen

Es wimmelt nur so von ausländischen Touristen am Berliner Reichstag alias Deutscher Bundestag. Fotos: hf
Es wimmelt nur so von ausländischen Touristen am Berliner Reichstag alias Deutscher Bundestag. Fotos: hf

Ich habe das damalige Westberlin zum allerersten Mal vor 50 Jahren besucht, war seither immer wieder da. Und ich liebe diese Stadt auch im Sommer 2022 noch.

Das herrlich altmodische Hotel Augusta an der Fasanen­straße 22 hat mir eine Kollegin empfohlen. Es liegt 20 Meter vom Kudamm (U-Bahn Uhlandstraße) entfernt und ist eine Wucht. Das geräumige Einzelzimmer (mindestens 3 Meter hoch) kostet etwa 50 Euro weniger als die klimatisierten Affenställe im Motel One und Konsorten, geht auf einen absolut ruhigen, begrünten Innenhof: Ich kann das Fenster die ganze Nacht offenlassen und schlafe herrlich.

Flanieren ohne Ende ist mein Spaß

Mein Programm in Städten wie Berlin ist ganz simpel: Als passionierter Stadtwanderer flaniere ich stundenlang, gehe der Nase nach und schwelge in Erinnerungen. Ich war in meinem bereits so langen Leben sicher 30-mal in Berlin, zuerst auf einer Interrail-Tour mit zarten 15 Jahren: Ich und meine gleichaltrigen sechs Mitreisenden fuhren meist nachts lange Strecken mit der Eisenbahn (um so Geld für Übernachtungen zu sparen) und kamen früh am Morgen am Bahnhof Zoo an, der im damaligen Westberlin das „Zentrum“ war.

Sehr viel Verkehr im Berliner HB.
Sehr viel Verkehr im Berliner HB.

Wir stellten unsere Alu-Rucksäcke irgendwo im Bahnhof Zoo auf den Boden und gingen frohgemut und ausgiebig die Stadt anschauen. Als wir am Abend zurückkamen, waren unsere Rucksäcke erstaunlicherweise verschwunden… Natürlich wandten wir uns an die Bahnhofspolizei. Die freundlichen Beamten hatten uns schon erwartet, die Rücksäcke gerettet und begrüßten uns: „Ach da kommen ja unsere Schweizer!“

Ein Erlebnis: Mein Hotel Augusta.
Ein Erlebnis: Mein Hotel Augusta.

Nun, 50 Jahre später, und wohl etwas weniger naiv, bin ich wieder mit einem Interrail-Ticket da (das war die günstigs­te Variante), aber 1. Klasse und komme im modernen Hauptbahnhof an, fahre auch von dort wieder ab, alles mit Sitzplatzreservierung, sehr behaglich und altersgerecht.

Die Wunder des Alltags besichtigen

Vom Kudamm zieht es mich in Richtung Wittenbergplatz. Öfters begegnet mir dabei das Ampelmännchen aus der ehemaligen DDR. Im KA-DE-WE ist die Lebensmittel-Etage immer noch eindrücklich, aber vielleicht etwas weniger überladen als zur Zeit des Kalten Krieges. Nach wie vor gibt es in Berlin an vielen Häusern die „Löschwassereinspeisungen“, das hat vielleicht mit den Bombardierungen am Ende des Zweiten Weltkriegs zu tun?

In Berlin gibt es auch immer noch die Schwulenszene mit den obligaten Homo-Lokalen, alles ganz locker hier und entspannt wie eh und je.

Wenn ich nicht mehr weiter zu Fuß gehen will, nutze ich mein 9-Euro-Ticket, das nicht nur in allen Regionalzügen Deutschlands noch bis Ende August gilt, sondern auch in U- und S-Bahnen sowie den Bussen. Hier herrscht immer noch FFP2-Maskenzwang, aber der stört mich nicht besonders.

Schlendern am Brandenburger Tor.
Schlendern am Brandenburger Tor.

Ich lasse die „Schwangere Auster“ ebenso auf mich wirken wie Schloss Bellevue, den Bundestag und das Brandenburger Tor, und ich wandle natürlich auch „Unter den Linden“. Der Alexanderplatz ist immer noch ziemlich grässlich.

Verschwunden hingegen ist der „Palazzo di Protzo“, der Palast der Republik, da steht wieder das etwas gar fassadenartig geratene Stadtschloss mit Humboldt-Forum. Das ist neu für mich, das besuche ich dann an einem Regentag.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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