Der Jussi-Adler-Olsen-Krimi «Erwartung»

12. Februar: Ein Unbequemer verschwindet

Foto: Klara Cvrckova/Zdf/dpa
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BERLIN: Ein Zufallsfund von dänischen Grenzbeamten bringt im ZDF-Krimi «Erwartung» Bewegung in einen längst zu den Akten gelegten Vermisstenfall. Die Patrouille greift in einem Fernzug den Roma-Jungen Marco (Lubos Olah) auf. Bei dem Kind finden sie Ausweispapiere des dänischen Regierungsbeamten William Stark (Karl-Oskar Olsen). Das mysteriöse Verschwinden des Familienvaters vor fünf Jahren wurde nie aufgeklärt. Alles schien damals darauf hinzudeuten, dass Stark sich ins Ausland abgesetzt oder sich das Leben genommen hat.

Als Schwimmtrainer an einer Schule soll Stark eine 13-jährige Schülerin vergewaltigt haben. Auf der Festplatte seines Computers sind im Zuge der Ermittlungen Kinderpornos gefunden worden. Dem Kopenhagener Ermittler Carl Mørck (Ulrich Thomsen) kommen jedoch bald Zweifel an dieser Version. Der Krimi läuft am Montag um 22.15 Uhr im ZDF.

Es ist die fünfte Verfilmung eines Romans der Thriller-Reihe des dänischen Autors Jussi Adler-Olsen. Unmittelbar nach seinem Erscheinen 2013 stürmte das Buch in Deutschland die Spitze der Bestsellerliste. Mørck ist in diesem Fall nicht auf der Höhe seines Ermittler-Instinktes. Er steht unter den Nachwirkungen eines traumatischen Erlebnisses, verweigert sich der Psychotherapie und versucht obendrein noch mittels Kaugummi das Rauchen aufzugeben. Kein Wunder, dass er sich gegenüber Kollegen wie ein Kotzbrocken benimmt und sich im Umgang mit Zeugen wie ein Elefant im Porzellanladen aufführt.

Immerhin wird Mørck schnell klar, dass der aufgegriffene Roma-Junge der Schlüssel zum Fall ist. Doch der kleine Marco hat Besseres zu tun, als bei Ermittlungen zu helfen. Seine Mutter ist gestorben, sein Vater steht unter dem Druck einer mächtigen Bande und ein krimineller Boss mit vielen Handlangern und Zuträgern will den Jungen als lästigen Zeugen beseitigen.

Die Ermittlungen scheuchen unterdessen im bürgerlichen Dänemark wichtige Strippenzieher in Politik, Wirtschaft und Verwaltung auf. Denn der Vermisste William Stark hatte von seinen Afrika-Reisen im Dienste des Außenministeriums unangenehme Vorwürfe nach Hause gebracht. Berichte über ein kostspieliges Krankenhaus, das nie gebaut wurde, und Millionen, die in dunklen Kanälen versickert sind. Seine Vorgesetzten sprechen gegenüber der Polizei im Rückblick von aufgebauschten Berichten und einzelnen Verfehlungen von Ortskräften. Doch hinter den Kulissen werden die Würdenträger nervös. Zusammen mit seinem Kollegen Assad (Zaki Youssef) wühlt Mørck im Dreck von Korruption und Verschleierung.

Der stellenweise actionreiche Film unter der Regie von Martin Zandvliet ist routiniertes Thriller-Kino für Fans von skandinavischer Krimi-Kost und vermutlich das Beste, was das Fernsehen am Rosenmontag zwischen lauter Wiederholungen und Shows zu bieten hat.

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