Der Geldautomat

Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Der Geldautomat

Callolo, unser Kühlschrank ist kaputt.

Diesen Kühlschrank hatte ich vor neun Jahren gekauft, als ich meine erste Wohnung in Thailand bezog, kurz bevor ich meine Herzallerliebste kennengelernt hatte.

"Und was nun, Schatz?"

"Wenn du ab sofort kein warmes Bier trinken willst, müssen wir wohl einen neuen kaufen, Callolo, aber einen aus Deutschland", fügte sie hinzu, "die sind besser. Schau mal, hier habe ich einen Prospekt."

"Viel zu teuer, Schatz", sagte ich, "einen guten Kühlschrank kann man hier zum halben Preis kaufen."

"Ja, aber die sind auch nur halb so gut."

"Liebste Nai, vergiss bitte nicht, dass ich weder der Haupterbe der Chang-Brauerei bin, noch der Sohn von Khun Thaksin. Ich lebe, das heißt, wir leben hier von meiner Rente, und die setzt unseren Ausgaben Grenzen."

"Das verstehe ich ja, Callolo, aber du hast doch auch eine Kreditkarte."

Das ist ein beliebter Satz meiner Herzallerliebsten, an dem ich eines Tages noch verzweifeln werde. Ich hab ihr wohl schon tausendmal erklärt, dass aus einem Geldautomat nichts raus kommt, wenn man vorher nichts eingezahlt hat.

"Aber Callolo, bisher ist doch immer was rausgekommen."

"Ja, Schatz, nur im Moment gibt es ein Problem, weil nichts drin ist, und deshalb kommt auch nichts raus." Zum Beweis steckte ich meine Karte von der Bangkok-Bank in den Schlitz des Automaten und tippte meine Geheimzahl ein. Natürlich vergeblich. Mein Konto war leer.

Der Araber, der hinter mir stand, hob 20.000 Baht ab. Meine Herzallerliebste war dadurch völlig verwirrt.

"Schau mal, Callolo, da ist doch noch Geld drin."

"Ja, aber nicht für uns."

"Warum nicht?"

Ich versuchte, ihr das Prinzip zu erklären, aber ich bin nicht sicher, dass sie es verstanden hat. Wie sollte ich dieser wundervollen Frau beibringen, dass alles bezahlt werden muss, dass für alles, was wir dem Automaten entnehmen, vorher die Einlage erbracht werden muss?

Und dass diese Einlage vorher hart erarbeitet werden musste. Nein, sie weiß es nicht, sie versteht es nicht, und sie will es wahrscheinlich auch gar nicht wissen. Sie hat doch mich. Ich bin nicht nur ihr Darling, sondern auch ihre Tellermaschine, und die ist, im Gegensatz zu mir, nicht immer bereit.

Nach diesen gedanklichen Abschweifungen beging ich die Dummheit und setzte meine Visa/Master-Card ein, mit der ich 50.000 Baht abhob für einen neuen Kühlschrank.

"Da siehst du es, Callolo, es ist genug Geld in der Tellermaschine. Du hattest nur die falsche Karte."

Ich sah meinen Fehler sofort ein. So wird meine Herzallerliebste es nie begreifen, so wenig, wie sie bisher begriffen hat, dass Strom Geld kostet. Sie steckt einfach den Stecker in die Dose und schon brennt das Licht, funktioniert der Fernseher, arbeitet die Air-Con.

Sie ist herrlich, sie ist zauberhaft, und sie ist wunderschön, meine Herzallerliebste, und eines hat sie gelernt: Wenn wir uns lieben, dann brauchen wir weder Strom noch Licht, dann werden wir ganz von allein heiß.

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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Dracomir Pires 16.05.21 19:20
Irgendwie erinnert mich die Herzallerliebste ...
... intelligenzmässig an unsere Grünen. Diesen beziehen den Strom auch super einfach - schwuppdiwupp - aus der Steckdose.
Klaus Dieter Gerstmann 16.05.21 18:50
Herr Krüger...
schreib Geschichten zum lächeln und nicht um von Deutschen niedergemacht zu werden. Ich bin glücklicherweise nur von Thais umgeben. Die deutsche Nörgelei war auch ein Grund Deutschland zu verlassen.
Schöne Grüße von einem zufriedenen Deutschen.
Norbert Schettler 16.05.21 16:10
Des öfteren
kann man hier Kommentare lesen, in denen es heisst, bitte die Thais nicht immer nieder- oder schlechtmachen. Und nach neun Jahren Zusammenleben hat die Dame das Prinzip von Bankautomaten nicht verstanden? Und das Strom Geld kostet?
Sorry, Herr Krüger, ganz schlechter Humor.
Thomas Sylten 16.05.21 15:00
Meine Tochter schlug auch einmal vor, doch einfach zum Bankomaten zu gehen, als ich ihr eine Bitte um ein weiteres Eis ausschlug, weil ich kein Geld mehr hätte. Sie war damals 5 - und hat die Erklärung dann problemlos verstanden.
Dieselbe (!) Geschichte erzählt übrigens meine Meea von ihrer Tochter - damals ebenfalls ca. 5 Jahre alt: Kinder sind halt pragmatische Problemlösungsstrategen.
Aber sie werden nicht dümmer, wenn sie gößer werden. Auch nicht in Thailand.