Der 1. August

Deutsche und österreichische Bundesbürger aufgepasst: Jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen und eure Allgemeinbildung hinsichtlich Swissness kommt auf den unerbittlichen Prüfstand mit diesen Fragen: Welche Bedeutung hat der 1. August für die Schweiz? An welches Ereignis der Schweizer Geschichte wird an diesem Tag erinnert?

Quiz für Fortgeschrittene

Ist es A: Der Tag der Apfelschussszene mit Wilhelm Tell?

Ist es B: Der Tag der Leberschussszene auf den Habsburger Vogt Gessler mit demselben Tell? (Quelle: Und der Pfeil stak in seiner ohnehin schon kranken Leber. Max Frisch, Wilhelm Tell für die Schule, Schlusssatz)

Ist es C: Tag der Eröffnung des Wilhelm-Tell-Mausoleums auf der Rütliwiese in der Urschweiz?

Die Auflösung des Quiz muss leider bis zur nächsten Ausgabe des Magazins DER FARANG warten! So viel sei aber verraten: Wer das Mausoleum gewählt hat, bekommt einen Bonus, ich wage nur nicht zu sagen, wofür.

Aber in der Zwischenzeit sind ja die Feierlichkeiten für den Schweizerischen Nationalfeiertag vorüber und ich darf berichten.

Wir hatten in Hua Hin die Qual der Wahl zwischen verschiedenen, sehr verlockenden Angeboten mit kulinarischen und kulturellen Highlights, um den Feiertag würdig zu begehen, wovon sich eines bedeutungsvoll von allen anderen mit dem Versprechen abhob, dass die Schweizer Botschaft den Apéro-Wein zum Anlass spendieren würde. Mit einer Schweizer Qualitätsauslese. Da gab es natürlich kein Zögern mehr. Leserinnen und Leser meiner Kolumne erinnern sich, wie sehr ich ein Glas Wein zu schätzen weiß, ein spendiertes natürlich erst recht in einem Land, das alle Vorzüge der Welt hat, aber leider einen guten Tropfen mit Gold aufwiegt.

Die Schlacht bei Fata Morgana

Wir gingen also hin. Vier unerschrockene Eidgenossen, die ihren Stammbaum bis zur Zeit der Schlacht bei Morgarten (1315) zurückverfolgen können, einer Schlacht, die nach neuesten Erkenntnissen mit großer Wahrscheinlichkeit gar nie stattgefunden hat. Der schlagende Beweis liegt ja auch auf der Hand: Wäre sie geschlagen worden, wären wir gar nicht da, weil unsere Vorfahren nach dem Heldentod lechzten und tote Helden keine Kinder zeugen. Apropos: Die Habsburger waren in dieser Hinsicht diskreter, beim Heldentod war Drängeln verboten, 800 Jahre ununterbrochene Herrschaft bezeugen das.

Und zu Ende gedacht: Ohne Vorfahren hätte unsere Tafel also ohne uns auskommen müssen. Aber vielleicht hätten sich unsere Thai-Ladies auch so ganz gut amüsiert, statt mit Eidgenossen halt mit den Österreichern, den damaligen Gegnern. „Küss die Hand gnäd´ge Frau“ war sicher auch im Mittelalter schon eine Alternative zu „Grüezi woll, Frau Schtirnimaa“.

Die Parkanlage war festlich herausgeputzt, das weiße Kreuz auf rotem Grund in allen Formen und Farben präsent, Blick aufs Meer inklusive, also ganz wie zuhause. Wäre Donald Trump unser Regierungschef, hätte er sich nicht über mangelndes patriotisches Dekor beklagen können, nur hätte die Schweizer Nationalhymne eher nach „Sympathy for the devil“ als nach „Heil dir Helvetia“ geklungen.

Nach diesem abschweifenden Gedankengang machte sich große Erleichterung breit: Das freundliche Gesicht von Simonetta, unserer Bundespräsidentin, tauchte auf einem riesigen Screen auf. Es folgte die Ansprache zum Festakt, die gerne in den entsprechenden Medien nachgelesen werden darf. Ein bisschen vermiss­te ich einen ehemaligen Präsidenten, der uns Schweizern vor Jahren mit Buster Keaton-Miene erklärte, was Humor ist. Jetzt müssen wir das wieder selbst herausfinden.

Wo ist Buster Keaton?

Simonetta hat mir aber so ins Gewissen geredet, dass ich versprach, ein noch besserer Schweizer zu werden. Bis dato antwortete ich auf die Frage, ob ich vorbehaltlos der Schweiz bei einem Fußballspiel die Daumen drücke, so: „In der ersten Halbzeit bin ich selbstverständlich für die Schweiz, in der zweiten für die Mannschaft, die besser spielt.“ Mit diesem Relativismus ist es jetzt vorbei, Simonetta hat meinen Patriotismus beflügelt. „Proscht Schwyz, schtärne föifi!“

PS: Wir sind dann leider ein bisschen zu spät am Event eingetroffen, so um 18.10 Uhr. Der Weißwein soll um ca. 18.05 Uhr ausgegangen sein (vermutlich hat er sich vor meinem Eintreffen gefürchtet). Beim ersten Schluck des verdächtig reichlich vorhandenen Rotweins musste ich an Gorbatschows Worte denken: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben... mit saurem Merlot. Sorry, liebe Schweizer Botschaft, das war aber wirklich der einzige Wermutstropfen in einer sonst makellosen Feier.


Über den Autor

Khun Resjek lebt mit seiner thailändischen Frau und Tochter in Hua Hin. Seine Kolumne „Thailand Mon Amour“ illustriert auf humorvolle Weise den Alltag im „Land des Lächelns“ aus der Sicht eines Farang und weist mit Augenzwinkern auf das Spannungsfeld der kulturellen Unterschiede und Ansichten hin, die sich im Familienalltag ergeben. Ein Clash der Kulturen der heiteren Art, witzig und prägnant auf den Punkt gebracht.

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TheO Swisshai 20.08.20 22:07
@Thorsten Haase / Wahrheit ins Gesicht sehen
Sie wollen Fakten ? Haben Sie noch nie etwas vom Krieg im Jemen, oder dem Putschversuch in Venezuela gehört ? Was denken Sie passiert mit den Waffen die in Saudi Arabien geliefert werden ? Aus dem Irak hat die USA offiziell sämtliche Soldaten abgezogen, jetzt sind dort halt 25'000 Söldner von US-Sicherheitsunternehmen im Einsatz !

Wieso ist Trump ein Narzisst ? Ist diese Frage ernst gemeint, wissen Sie etwa nicht was Narzismus ist ?

Der Ausdruck Narzissmus steht im weitesten Sinne für die Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung eines Menschen, der sich für wichtiger und wertvoller einschätzt, als urteilende Beobachter ihn charakterisieren. In der Umgangssprache wird eine stark auf sich selbst bezogene Person, welche anderen Menschen geringere Beachtung als sich selbst schenkt, als Narzisst bezeichnet. (wikipedia) Alles klar jetzt ?

Apropos Fakten, lassen Sie doch bitte nächstes Mal "wäre/würde/hätte" weg, bevor Sie im anschliessenden Satz von "bitte nächstes Mal Fakten bringen" sprechen.
TheO Swisshai 18.08.20 03:22
Oliver Harms / Fehlinformationen
Keinen direkten Krieg angefangen, sollten Sie sagen !
Die USA führt unter Trump nach wie vor in diversen Ländern Kriege. Wo sie nicht selbst mit Soldaten vertreten sind, lässt er Söldner oder Verbündete Stellvertreterkriege und Putschversuche ausführen. Die USA hat immer noch hunderttausende Soldaten im Ausland stationiert und über 800 Stützpunkten auf der ganzen Welt.
Er ist der erste Präsident der Waffendeals in solchem Ausmass mit Schurken- und Terroristenstaaten vereinbart hat. Das "Kriegsetat" der USA ist unter ihm auf gigantische Rekordhöhe gestiegen. Er ist ein Narzisst sondergleichen.

Das alles haben Sie in Ihrer Pro-Trump Propaganda vergessen zu erwähnen, oder vielleicht ist Ihnen dazu einfach nichts mehr eingefallen.

Ich denke allerdings, es gibt mehr als genug Gründe um über Trump "herzufallen", nur wollen das viele nicht wahrhaben. Sie glauben lieber seinen Lügengeschichten und lassen sich von seiner Show blenden. Das sind die gleichen Leute, die von ihm schon als MISS-Wahlen Veranstalter und TV-Showmaster so begeistert waren. Sie glauben auch der Miss-Kandidatin jedes Wort, wenn diese haucht, ihr grösster Wunsch sei "Weltfrieden" Ziemlich naiv und manipulierbar, würde ich dem sagen.
Oliver Harms 17.08.20 22:52
Die Schweiz war nebensächlich
Die Fehlinformationen über die Geschichte und die Hymne der Schweiz waren wohl nur als Hintergrund gedacht um über den Präsidenten der USA herfallen zukönnen,wenn einem nichts mehr einfällt,muß man nicht anfangen zu diffamieren.
Aber wenn es schon um Krieg geht,so ist dieser Präsident der Erste der USA der in seiner Amtszeit keinen Krieg angefangen hat.Im Gegenteil,durch seine Verhandlungen haben die Emirate Israel letzte Woche als Staat anerkannt.
Dracomir Pires 16.08.20 15:22
Nun, mit dem selbstpropagierten Patriotismus ...
... scheint es bei Khun Resjek leider nicht weit her zu sein. Erstens hat die Schweiz seit 1961 eine total andere Nationalhymne, ganz ohne das "Heil dir Helvetia". In Deutschland ist übrigens auch das "Deutschland über alles" weggefallen. Zweiten hat nach neusten Erkenntnissen die Schlacht bei Morgarten tatsächlich stattgefunden. Ausgrabungen am Ort des Massakers bestätigen sogar den exakten Zeitraum.