Nach dem Dax-Rekordhoch: Experten sehen gefährlich gute Stimmung

Nach dem Dax-Rekordhoch: Experten sehen gefährlich gute Stimmung

FRANKFURT/MAIN: Droht der Dax womöglich ins Sommerloch zu fallen? Kurzfristig könnten sich die Aussichten für den deutschen Aktienmarkt eingetrübt haben. Hatte der deutsche Leitindex am Montag noch ein Rekordhoch bei gut 15.800 Punkten erklommen, so fiel er am Freitag auf den niedrigsten Stand seit Monatsanfang.

Gegen Freitagmittag und somit pünktlich zum sogenannten großen Verfall an der Terminbörse Eurex gerieten die Kurse unter Druck und weiteten die Verluste immer mehr aus. Am Ende stand für den deutschen Leitindex ein Verlust von 1,78 Prozent auf 15.448,04 Punkte zu Buche. Die Wochenbilanz fiel mit minus 1,6 Prozent ebenfalls enttäuschend aus. Zu dem alle drei Monate stattfindenden großen Verfall von Terminkontrakten und Optionen auf den Dax versuchen die Investoren, die Kurse in die für sie günstige Richtung zu bewegen.

Die nächste rund Marke von 16.000 Zählern liegt zwar noch immer in Reichweite. Auch zeigt der langfristige Trend weiter klar aufwärts, denn seit Jahresbeginn hat der Dax um fast 13 Prozent zugelegt. Doch gerade hierin sehen Experten eine Gefahr. «Innerhalb eines stark ausgeprägten Bullenmarktes werden Risiken ausgeblendet», warnte Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba. Die Kurse spiegelten mittlerweile sehr hohe Erwartungen wider, die Relation von Chancen zu Risiken sei nicht länger attraktiv.

Zum Auslöser eines Rücksetzers könnte womöglich erneut das Coronavirus werden. «Inzwischen wird auch in Deutschland die Delta-Variante vermehrt nachgewiesen», sagte Volkswirt Christoph Weil von der Commerzbank. In Großbritannien und Portugal stiegen die Zahlen der mit dieser Mutante Infizierten. Das Robert Koch-Institut warnte vor dieser ansteckenderen Variante.

In der neuen Woche dürften sich die ersten Marktakteure in die Sommerferien verabschieden. In Berlin, Hamburg und drei Bundesländern beginnen die Schulferien. Damit dürfte es auch an den Börsen in den kommenden Wochen ruhiger zugehen. Am Mittwoch könnten die Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone und den USA und am Donnerstag das Ifo-Geschäftsklima konjunkturelle Impulse setzen. «Die Lockerungen seit Mai wirken sich in den europäischen Volkswirtschaften positiv aus. Dabei hat die ganz große Öffnungswelle, zum Beispiel im Tourismus und Gastgewerbe, vielerorts noch gar nicht eingesetzt», sagte Helaba-Analyst Stefan Mütze.

Auch mit Blick auf die Unternehmen ist die Agenda überschaubar. Am Donnerstag lädt Siemens zu einem Kapitalmarkttag. «Siemens macht gute Fortschritte», attestierte Guillermo Peigneux Lojo von der Bank UBS den Münchenern. Die Lage auf wichtigen Märkten wie Automatisierung und Elektrifizierung sei gut.

Am Mittwoch laden der britische Pharmariese GlaxoSmithKline und der niederländische Halbleiterzulieferer ASML die Investoren ein. Die ASML-Aktien eilten im Juni von einem Hoch zum nächsten. Das Unternehmen ist an der Börse mittlerweile fast 250 Milliarden Euro wert, mehr als die beiden deutschen Schwergewichte SAP und Allianz zusammen. Die weltweite Halbleiterknappheit lässt die Nachfrage der Chip-Produzenten nach Fertigungsanlagen boomen.

Am Montag werden die von der Deutschen Börse beschlossenen Index-Änderungen wirksam. Neu im MDax sind dann die Papiere des Online-Gebrauchwagenhändlers Auto1. Auch im SDax gibt es Änderungen: So steigen die Anteile der Vodafone-Funkmastentochter Vantage Towers in den Nebenwerteindex auf. Im Dax bleibt alles beim Alten.

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