Datenschatz-Anhebung im EU-Gesundheitsbereich

Sitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg. Foto: epa/Julien Warnand
Sitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg. Foto: epa/Julien Warnand

STRAßBURG: EU-Bürger sollen ihre Gesundheitsdaten künftig ganz einfach in allen Ländern der Europäischen Union nutzen können. Die EU-Kommission präsentierte dazu am Dienstag einen Vorschlag, wonach ein «Europäischer Gesundheitsdatenraum» geschaffen werden soll. Patientinnen und Patienten könnten ihre Krankengeschichte, Testergebnisse oder Verschreibungen dann mit Krankenhäusern und Ärzten in der gesamten EU teilen, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in Straßburg. EU-Kommissionsvize Margaritis Schinas sagte: «Das ist revolutionär.»

Ein Arzt in Frankreich könne dann etwa die Krankengeschichte eines Portugiesen einsehen, der in Paris krank wird, und die richtigen Medikamente verschreiben, sagte Kyriakides. Unnötige Untersuchungen würden überflüssig. Patienten mit seltenen Krankheiten könnten ihre Daten zudem mit Ärzten in anderen Ländern teilen. Auch würde Geld gespart, weil Untersuchungen nicht wiederholt werden müssten. Die EU-Staaten müssten sicherstellen, dass alle Dokumente ein einheitliches europäisches Format hätten.

Das zweite Ziel des Vorschlags ist, dass Forscher, Industrie und öffentliche Institutionen das Potenzial der Daten nutzen können. So könnten etwa Medikamente und medizinische Geräte entwickelt werden oder die Regierung könne während einer Pandemie besser Entscheidungen treffen. Datenschutz- und Sicherheitsstandards sollten stets beachtet werden, sagte Kyriakides. Bürgerinnen und Bürger sollten die Kontrolle über ihre Daten haben und selbst entscheiden, welche Informationen sie teilen. Forscher bräuchten zudem die Erlaubnis der nationalen Behörden, um mit den Daten zu arbeiten.

Der Raum für Gesundheitsdaten soll Kyriakides zufolge bis 2025 im Einsatz sein. Zuvor müssen sich jedoch noch das Europaparlament und die EU-Staaten damit befassen. Eine Hürde dürfte auch sein, dass die Digitalisierung der Gesundheitssysteme in den EU-Staaten sehr verschieden fortgeschritten ist.

«Für Deutschland heißt das: Wir müssen jetzt Tempo machen bei der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens», sagte der Präsident des Digitalverbands Bitkom Achim Berg. Grundsätzlich begrüßte er den Vorschlag der EU-Kommission. Der europäische Gesundheitsdatenraum könne die Versorgung der Menschen in Europa massiv verbessern. Er bilde die Grundlage «zu einer verbesserten und schnelleren Entwicklung von Therapien, Medikamenten und Untersuchungsmethoden, was Millionen Menschen unmittelbar helfen wird».

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Derk Mielig 04.05.22 22:53
@Krispin
Vermutlich schaffen es die Staedte und Laender in DE aus dem selben Grund nicht, so eine gemeinsame Datenbank fuer Asyl und Grundsicherungsempfaenger mit Fingerabdruck zu installieren, um den bestehenden Missbrauch zu unterbinden, aus dem Sie auch nicht bei allen Moslems, Nazis, Linken usw. verdachtslos schaffen. Datenschutz.
Michael Krispin 04.05.22 13:50
Und ploetzlich gibt es EU weit
kompatible Datenbanken.
Warum schaffen es nicht mal die Staedte und Laender in DE so eine gemeinsame Datenbank fuer Asyl und Grundsicherungsempfaenger mit Fingerabdruck um den bestehenden Missbrauch zu unterbinden?