Das Testament

Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Meine Thai-Herzallerliebste ist zu mir zurückgekehrt, nachdem sie aus Gram über ihre (mit meinem Geld finanzierten) verlorenen Fußball-Wetten zu ihrer Familie in den Isaan geflohen war.

Sie fiel mir heulend um den Hals, wedelte mit den Besitzurkunden von irgendwelchen Reisfeldern, die sie mir als Pfand überreichte und versprach, mir all mein Geld zurückzuzahlen - irgendwann.

Aber dann kam sie ganz schnell auf ein anderes Thema, das möglicherweise der Grund für ihre schnelle Rückkehr war: Sie meinte, wir wären nun doch schon so lange zusammen und wegen des großen Altersunterschiedes zwischen uns und für den Fall der Fälle.

"Ja, und weiter?"

"Nun, wir wollen es doch nicht herbeireden, aber"

"Aber was?"

"Es könnte Dir ja etwas passieren, , und dann"

"Was dann?"

"Mae meinte, wir sollten ein Testament aufsetzen - natürlich auf Gegenseitigkeit", fügte sie schnell hinzu, als sie meinem verblüfften Blick begegnete.

Ich musste lachen. "Auf Gegenseitigkeit? Was hättest Du mir denn zu vererben?"

"Zwei Reisfelder."

"Die Du an mich bereits verpfändet hast."

"Und zwei Büffel."

"Na, immerhin."

Meine Herzallerliebste und ihre Mae hatten sich das fein ausgedacht.

Als ich später darüber noch einmal nachdachte, kam ich zu dem Schluss, dass sie so Unrecht nicht hatten. Vier meiner alten Kumpane hatten in den letzten 18 Monaten das Zeitliche gesegnet, und der Jüngste bin ich auch nicht mehr. Also setzte ich mich hin, schrieb auf, was ich an Hab und Gut zu vererben habe und setzte meine Herzallerliebste als Erbin ein.

"So viel sind Deine Immobilien wert?" Sie war ganz blass geworden und bekam feuchte Augen. Den Rest des Tages pfiff sie fröhlich vor sich hin, so als wäre sie bereits Millionärin.

Das weckte mein Misstrauen. Hatte ich einen Fehler gemacht? Ich schlief schlecht und hatte schlimme Träume.

Heute Morgen, als sie mir die obligatorische Reissuppe servierte, bat ich sie um ein Glas Wasser und vertauschte blitzschnell und heimlich unsere Teller. Während ich den ersten Löffel zum Munde führte, beobachtete ich sie aus den Augenwinkeln. Wartete sie jetzt darauf, dass ich vom Stuhl sackte? "Warum isst Du nicht?" fragte ich sie und bemerkte dabei, dass meine Stimme zitterte. "Ist noch zu heiß", antwortete sie und pustete in die Suppe. Aber dann aß sie doch. Gespannt sah ich zu, aber nichts passierte. Plötzlich verspürte ich ein heftiges Kneifen im Magen. Mein Gott! Mir wurde schlecht. Ich musste mich hinlegen. War das mein Ende? Nein, es war wohl nur die Anspannung und die Aufregung.

Nachdem ich mich beruhigt hatte, schwor ich mir, meiner Herzallerliebsten nie wieder zu misstrauen. Das Testament habe ich trotzdem gut versteckt. Wer weiß, vielleicht kommt sie doch noch eines Tages auf dumme Gedanken.

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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Jürgen Franke 04.12.19 22:33
Herr Abel, ein vernünftig formuliertes Testament
läßt keine Fragen offen. Ihre Formulierung: "erst wenn die Erben eine Regelung getroffen haben", ist nicht nachvollziehbar. Denn die Erben werden keine Regelung treffen können, wenn das Testament exakt formuliert ist.
Hans-Dieter Volkmann 04.12.19 20:30
Guten Tag Herr Abel. vielleicht haben Sie meinen Kommentar von 15Uhr 19 nicht gelesen oder nicht verstanden. Aber in dem geschilderten Fall gibt es überhaupt keine Erbmasse von mir. Wo nichts vorhanden ist, gibt es auch nichts zu vererben. Oder kennen Sie ein deutsches Gesetz das den legalen Verkauf / Erwerb einer Immobilie nach 10 oder mehr Jahren, noch für ungültig erklärt ? Wohl kaum. Ansonsten befasse ich mich jetzt gerne mit anderen Themen.
Heinz Abel 04.12.19 16:41
Erben
Interessant, was hier an solidem Halbwissen kommentiert wird. Wir sprechen hier von deutschem Recht: nach dem Tode sind die Erben; also alle; nur gemeinschaftlich handlungsfähig. Ist im BGB so geregelt. Der Partner, ob im Konto bevollmächtigt oder nicht, kann die lfd. Kosten für Rechnungen und seine Lebenshaltung verfügen. Aber nicht das Konto auflösen oder das Vermögen "in Gänze" verfügen. Erst wenn "die Erben" eine Regelung getroffen haben, kann das bisher "gesperrte Konto" freigegeben werden. Erben sind nicht nur der Partner, sondern auch Kinder. Die gemeinsaftliche wie auch die aus früheren Ehen; nicht aber der geschiedene Partner. Eine Bank wird aus Schutz vor Klagen der Erben immer die Konten sperren, sobald der Tod des Vertragpertners bekannt ist. Und zum Thema "Geld abheben und dann melden"; die Bank meldet den Tod und die Kontostände zum Zeitpunkt des Todes an die zuständigen Behörden. Somit also Salden vor dem Abheben. Und immer bitte beachten: wenn sich alle einig sind, oder bereits vor dem Tode schriftliche Vereinbarungen ALLER Betroffenen vorliegen, ist das Thema Tod und Konto kein Thema.
Jürgen Franke 04.12.19 15:57
Herr Volkmann, es ist nicht beabsichtigt, das
Thema auszuweiten, da es in unserem Fall lediglich um die Verfügbarkeit des Kontos bei der Postbank ging. Sie haben genau das getan, was viele Menschen leider versäumen. In meiner beruflichen Laufbahn, habe ich bedauerlicherweise viele zugrude gehende Existenzen erleben und abwickel müssen, weil nichts Schritliches vorlag.
Hans-Dieter Volkmann 04.12.19 15:19
Herr Franke, ich will keine Rechtsberatung praktizieren sondern nur meine persönlichen Erfahrungen mitteilen. Es ist durchaus möglich eine gesetzliche Erbfolge durch den Erblasser zu verhindern wenn man es so macht wie ich es getan habe. Indem man rechtzeitig, also nicht erst einige Monate vor dem Ableben, die Immobilien seinem Ehepartner veräußert und sich selbst ein lebenslanges unentgeltliches Nießbrauchrecht vorbehält. Nächstes Jahr ist meine Frau seit zehn Jahren Besitzer der Immobilien und ich ,achtzigjährig, hab was ich brauche, meinen Willen und mein Einkommen.