​Das Wort als Waffe

​Friedensnobelpreisträger ausgezeichnet

Die Journalisten Maria Ressa (L) und Dmitry Muratov (R) erhalten den Friedensnobelpreis in Oslo. Foto: epa/Cornelius Poppe
Die Journalisten Maria Ressa (L) und Dmitry Muratov (R) erhalten den Friedensnobelpreis in Oslo. Foto: epa/Cornelius Poppe

OSLO/STOCKHOLM: Die Friedensnobelpreisträger Ressa und Muratow liefern in Oslo klare, furchtlose Worte für die Pressefreiheit. Die weiteren und in normalen Jahren in Stockholm ausgezeichneten Preisträger erhielten ihre Preise schon vorher. Gewürdigt werden sie am Nobeltag trotzdem.

Die Journalisten Maria Ressa und Dmitri Muratow sind mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Die 58-Jährige von den Philippinen und der 60 Jahre alte Russe nahmen den renommiertesten politischen Preis der Erde am Freitag auf einer Zeremonie im Rathaus von Oslo entgegen. Sie waren pandemiebedingt die einzigen der diesjährigen Nobelpreisträger, die ihre Auszeichnungen persönlich in Skandinavien in Empfang nehmen konnten.

Die weiteren elf Preisträger - darunter die beiden deutschen Forscher Klaus Hasselmann in Physik und Benjamin List in Chemie - hatten ihre goldenen Nobelmedaillen und die dazugehörigen Diplome in dieser Woche schon vorab in ihren Heimatländern erhalten. Zu ihren Ehren gab es am Freitag jedoch eine weitere Preiszeremonie in Stockholm, auf der ihre Errungenschaften von den Nobel-Institutionen vor einem lokalen Publikum gewürdigt wurden. Das Ganze wurde mit Aufnahmen von den vorzeitigen Preisübergaben verwoben. Hasselmann und List hatten die Auszeichnungen beispielsweise schon am Dienstag in Berlin bekommen.

Dotiert sind die Nobelpreise in diesem Jahr erneut mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 980.000 Euro) pro Kategorie. Ihre Träger in den Kategorien Medizin/Physiologie, Physik, Chemie, Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften waren bereits im Oktober bekanntgegeben worden.

In normalen Jahren werden die Nobelpreise mit Ausnahme des in Oslo vergebenen Friedensnobelpreises alle am 10. Dezember, dem als Nobeltag bezeichneten Todestag des schwedischen Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896), in Stockholm überreicht. Die Nobelstiftung hatte wegen der Pandemie aber frühzeitig entschieden, die ansonsten in Stockholm vergebenen Nobelpreise vorab in der jeweiligen Heimat der Geehrten zu überreichen.

In Oslo dagegen konnten die Friedensnobelpreisträger vor Ort dabei sein, wenn auch vor kleinerem Publikum als normal. Das hinderte Maria Ressa und Dmitri Muratow nicht daran, eindringliche Appelle an die Welt zu richten, Journalisten besser zu schützen und gemeinsam für die Pressefreiheit einzustehen. Sie erinnerten an zahlreiche Kollegen, die in verschiedenen Teilen der Welt wegen ihrer Arbeit verfolgt und inhaftiert werden oder gar getötet wurden.

Ressa kritisierte dabei nicht nur das Vorgehen der philippinischen Regierung von Präsident Rodrigo Duterte, sondern auch das von Internetkonzernen wie Facebook. Diesen warf sie vor, mit der Verbreitung von Lügen und Hass Profit zu machen. «Was in den sozialen Medien passiert, bleibt nicht in den sozialen Medien. Online-Gewalt ist Gewalt in der echten Welt», sagte sie.

Die mehrfach ausgezeichnete Ressa ist Chefredakteurin des Online-Nachrichtenportals Rappler, Muratow Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung «Nowaja Gaseta». Sie bekamen den Nobelpreis «für ihre Bemühungen um die Wahrung der Meinungsfreiheit, die eine Voraussetzung für Demokratie und dauerhaften Frieden ist».

Mit dem diesjährigen Preis wolle das norwegische Nobelkomitee die Bedeutung der freien Meinungsäußerung und freien Presse im Kampf gegen destruktive Entwicklungen in Gesellschaften unterstreichen, sagte die Komitee-Vorsitzende Berit Reiss-Andersen auf der Zeremonie. «Maria Ressa und Dmitri Muratow sind Teilnehmer in einem Krieg, in dem das geschriebene Wort die Waffe ist, in dem die Wahrheit ihr Ziel ist und jede Aufdeckung von Machtmissbrauch ihr Sieg ist», sagte sie. «Wir müssen an ihrer Seite stehen und jeden Journalisten in jedem Teil der Welt unterstützen, der für die gleichen Ziele arbeitet. Damit verteidigen wir die Meinungsfreiheit und die Demokratie - und geben dem Frieden eine Chance.»

Im Vorjahr konnte gar keiner der Geehrten seinen Nobelpreis in Skandinavien entgegennehmen. Der damalige Friedensnobelpreisträger, das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP), holte diesen Besuch in Oslo nun nach: WFP-Chef David Beasley wies in seiner Rede darauf hin, dass 811 Millionen Menschen in der Welt heute Hunger leiden müssten. Dahinter steckten Konflikte, der Klimawandel und die Pandemie. Im Namen der 20.000 Mitarbeiter der Organisation sagte er: «Zusammen glauben wir, dass Essen der Pfad zum Frieden ist.»

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.