Das Ehrenamt

Unzählige Menschen auf der ganzen Welt betätigen sich ehrenamtlich, um anderen zu helfen. Nicht nur zahlreiche NGOs sondern Privatleute aus allen Schichten setzen sich für Menschen ein, denen es schlechter geht als ihnen.

Besonders die Deutschen engagieren sich in hohem Maße. Egal, ob sie bei Hausaufgaben helfen, alleinstehende Senioren ausführen oder Kinder zum Sport animieren. Wo Angehörige fehlen, wo Pfleger überfordert sind, ist ihre Hilfe gefragt. Ohne sie sähe Deutschland, sähe die Welt heute anders aus. Mein Freund Dieter gibt Flüchtlingen zweimal wöchentlich Sprachunterricht, seine Frau ist ihnen behilflich beim Ausfüllen von Anträgen und bei Besuchen in den Ämtern. Das sehen nicht alle Nachbarn so gern. Aber da Dieter sich außerdem bei der freiwilligen Feuerwehr engagiert und seine Frau im Ortsverein aktiv ist, verzeiht man ihnen großzügig ihre Hilfe für Menschen, die sich aus der Lebensgefahr in ihrer Heimat zu uns gerettet haben, um hier zu überleben. Für mich sind Dieter und seine Frau Helden. Helden von all denen, die einen Teil ihres Lebens opfern für jene, die dieser Hilfe bedürfen. Chapeau! Hochachtung für all diese ehrenamtliche Helfer! Wer Augen im Kopf hat, kann überall Menschen sehen, die Unterstützung brauchen.

Natürlich kann man auch wegsehen. Das machen die meis­ten. Hinzusehen, einzugreifen und versuchen zu helfen, das wäre die Aufgabe zumindest derer, die sich Christen nennen. Leider passiert das nur selten. Warum? Haben diese sogenannten Chris­ten vergessen, nach welchen Gesetzen sie angetreten sind? Liebe deinen Nächsten; das hat sich wohl zu einem guten Teil überlebt. Heute gilt: Jeder muss sehen wie er zurechtkommt. Allerdings ist das vorwiegend das Argument derer, die im Wohlstand leben. Immer wieder habe ich beobachtet, dass gerade ärmere Leute, die gerade so um die Runden kommen, bereit sind, noch etwas abzuzweigen für jene die nichts haben. Dabei könnte jeder helfen, auch ohne Finanzen oder Lebensmittel, sei es, dass man ihnen freundlich gegenübertritt oder sich mit ihnen unterhält. Viele dieser Ausländer, die oft traumatisiert sind oder Familienmitglieder verloren haben, sind ja schon froh, wenn sie spüren, jemand nimmt Anteil an ihrem Leben. Etwas Aufmerksamkeit bedeutet ihnen schon viel. Von Hetzern und Rassisten können sie kein Mitgefühl erwarten. Aber sollten die eines Tages mal in die Situation geraten, auf deren Unterstützung angewiesen zu sein, sei es im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim, dann wünsche ich ihnen, dass hier integrierte Ausländer ihnen zur Seite stehen. Was würde dann wohl in ihren Köpfen abgehen? Mein Feind von gestern ist heute mein Pfleger. Das kann und das wird passieren. Ob sich das Lebensbild dieser Leute wohl verändert, wenn eine türkische Pflegerin sie abschiebert, duscht oder anzieht, weil nicht genug Deutsche diese Arbeit machen wollen? Werden sie dann endlich merken, dass sie viele Jahre auf einer höchst bedenklichen Einbahnstraße verbracht haben, auf dem Weg ins Chaos? Vielleicht sogar bewusst? Nein, unsere Vorfahren haben Jahrhunderte für ihre Freiheit gekämpft. Jetzt ist es an jedem Demokraten, sie zu verteidigen, dafür zu kämpfen und diese Freiheit in all ihren Formen miteinander zu genießen. Jeder, der sich dafür einsetzt, ist ein Held, ebenso wie jeder, der sich um Flüchtlinge kümmert. Es sei nur daran erinnert, wie viele Menschen bereit waren, von Hitler verfolgte Juden aufzunehmen und ihre Flucht in ein sicheres Land zu ermöglichen.

Zurück zum Ausgangsthema: Hilfe ist überall nötig oder erwünscht und jeder (jeder!) kann sich daran beteiligen. Sogar im Urlaub. Kennen sie die von Father Brennan gegründeten Heime für Waisenkinder, Blinde, Taubstumme, Behinderte und Straßenkinder in Pattaya? Etwa eintausend Kinder, vom Babyalter bis zur Berufsausbildung, werden hier versorgt, finden hier freundliche Fürsorge und ein sicheres Heim. Und jeder, der noch empfänglich ist für eine Form der Empathie, der sollte sich diese Einrichtung einmal ansehen. Die Freude dieser Kinder, wenn ein Farang sich ihnen freundlich nähert, das Glück, wenn ein Sponsor sie zu einer guten Mahlzeit einlädt, mit ihnen spielt oder englischen Sprachunterricht gibt. Und jeder, der einen kleinen Betrag erübrigt, damit diese wunderbare Einrichtung – und sie ist nicht die Einzige – überleben kann. Waren Sie schon mal da? Ich bin sicher, der Besuch einer dieser Einrichtungen wird Sie bereichern. Wer einmal das Glück in den Augen dieser Kinder gesehen hat, wird es nie wieder vergessen.

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