Zahl der Virusfälle in China übersteigt 70.000

Erster Toter in Europa - Quarantäne in Germersheim endet

Ein Sicherheitsmitarbeiter schließt das Tor der Südpfalz-Kaserne. Foto: Andreas Arnold/Dpa
Ein Sicherheitsmitarbeiter schließt das Tor der Südpfalz-Kaserne. Foto: Andreas Arnold/Dpa

PEKING (dpa) - Die Zahl der Infektionen mit dem neuen Coronavirus hat in China 70 000 überstiegen. Mit 105 neuen Todesfällen innerhalb eines Tages sind jetzt 1770 Todesfälle zu beklagen, wie die nationale Gesundheitskommission am Montag in Peking mitteilte. Die bestätigten Ansteckungen nahmen um 2048 zu und erreichten landesweit 70.548.

Besonders schwer ist in Zentralchina die 60 Millionen Einwohner zählende Provinz Hubei mit der Metropole Wuhan betroffen. Dort sind allein rund 58.000 Infektionen und 1696 Todesfälle durch das Sars-CoV-2 genannte Virus bestätigt.

Mit einem Fahrverbot für privaten Autoverkehr waren in der ohnehin weitgehend von der Außenwelt abgeschotteten Krisenregion am Vortag neue radikale Beschränkungen der Bewegungsfreiheit erlassen worden. In Städten der Provinz dürfen nur noch Dienst- und Notfallfahrzeuge sowie Transporte mit Waren des täglichen Bedarfs auf die Straßen.


Quarantäne in Germersheim endet

GERMERSHEIM/PEKING/YOKOHAMA (dpa) - Während die Zahl der Corona-Fälle in China weiter steigt, entspannt sich die Lage in Deutschland. Im benachbarten Frankreich wurde der erste Todesfall in Europa bekannt. Unter den infizierten Passagieren eines Kreuzfahrtschiffs in Japan sind zwei Deutsche.

Während die Zahl der Infektionen und Todesfälle durch das neue Coronavirus in China weiter steigt, hat sich die Lage in Deutschland am Wochenende entspannt. Im pfälzischen Germersheim endete am Sonntag die Quarantäne für rund 120 China-Rückkehrer. In Bayern wurden Corona-Patienten als geheilt entlassen. Frankreich meldete hingegen den ersten Todesfall durch die neue Lungenkrankheit Covid-19 in Europa. Und auf dem in Japan liegenden Kreuzfahrtschiff «Diamond Princess» haben sich auch zwei Deutsche infiziert.

Erstmals starb auch in Europa ein Mensch an Covid-19. Der chinesische Tourist, ein 80-Jähriger aus der Provinz Hubei, erlag der Krankheit in einer Pariser Klinik, wie die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn am Samstag mitteilte. In Taiwan starb ein Taxifahrer im Alter über 60 Jahren an der Krankheit, wie Gesundheitsminister Chen Shih-chung am Sonntag mitteilte. Zudem wurde die erste Infektion in Afrika bekannt: In Ägypten wurde das Virus bei einer 33-jährigen ausländischen Person nachgewiesen, wie Gesundheitsministerin Hala Said sagte. Sie zeige keine Symptome und bleibe 14 Tage auf einer Isolierstation.

In der chinesischen Provinz Hubei wurde ein Fahrverbot verhängt. In Städten der Provinz, die etwa 60 Millionen Einwohner hat, dürfen nur noch Dienst- und Notfallfahrzeuge sowie Transporte mit Waren des täglichen Bedarfs auf die Straßen, wie die Regierung mitteilte. Private Fahrten seien nicht mehr zugelassen. In Hubei waren zuvor schon Städte abgeriegelt, darunter die Hauptstadt Wuhan, wo das Virus entdeckt worden war.

Im rheinland-pfälzischen Germersheim endete am Sonntag nach rund zwei Wochen die Quarantäne für die rund 120 China-Rückkehrer. Nachdem Tests auf das Virus negativ ausgefallen waren, verließen die Rückkehrer die Bundeswehrkaserne. Die Quarantäne von 14 Tagen entspricht der maximalen Inkubationszeit - also der Zeit zwischen Ansteckung und Symptomen. «Ich bin schon froh, jetzt raus zu sein, obwohl es nicht schlimm war - die Betreuung war echt gut», sagte die Studentin Ann-Sophie Muxfeldt aus Bad Oldesloe.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte, die Quarantäne sei notwendig gewesen, «um die Rückkehrer selbst, ihr Umfeld und die gesamte Bevölkerung zu schützen». So habe man gleich zu Beginn zwei Infizierte entdecken und behandeln können. Diese waren am Freitag aus der Uniklinik Frankfurt entlassen worden. In Bayern wurden am Wochenende weitere Coronavirus-Patienten aus dem Krankenhaus entlassen, wie das Gesundheitsministerium in München mitteilte. Der erste der 14 Patienten in Bayern war am Mittwoch aus einer Münchner Klinik entlassen worden.

Das Gesundheitsministerium hatte bis Sonntag mehr als 1.200 der rund 3.400 Passagiere und Crewmitglieder der «Diamond Princess» getestet. Wie die Deutsche Botschaft mitteilte, sollten bis Montag alle Passagiere getestet sein, die Resultate wurden bis Mittwoch erwartet. Dann sollen negativ getestete Passagiere das Schiff verlassen können.

Bei Passagieren des Kreuzfahrtschiffs «Westerdam», die in Kambodscha an Land gegangen waren, wurde überraschend eine Infektion festgestellt. Eine 83-jährige Amerikanerin wurde bei der Weiterreise in Malaysia positiv getestet und ins Krankenhaus gebracht, wie die malaysische Gesundheitsbehörde mitteilte.

Fast 1.000 Menschen, die noch an Bord der «Westerdam» waren, wurden nach Behördenangaben weiteren Kontrollen unterzogen, bevor sie von Bord durften. Zuvor waren bereits mehr als 1.000 Menschen von Bord gegangen. Unter den Passagieren waren laut Reederei 57 Deutsche. Sie sollten laut Twitterangaben der Deutschen Botschaft am Wochenende die Heimreise antreten.

Die «Aidavita» der Rostocker Reederei Aida Cruises stoppte ihre Tour mehr als eine Woche früher als vorgesehen und legte in der Nacht zum Samstag in der thailändischen Hafenstadt Laem Chabang bei Bangkok an, wie ein Sprecher der Reederei bestätigte. Die rund 1.100 Passagiere, überwiegend Deutsche, verließen demnach das Schiff und flogen am Wochenende mit mehreren Flügen von Bangkok aus Richtung Deutschland.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte mehr Geld für die Vorbereitung auf die Epidemie. «Die Welt gibt Milliarden für den Schutz vor Terrorangriffen aus, aber relativ wenig, um sich auf die Attacke durch ein Virus vorzubereiten, die sehr viel mehr Menschenleben fordern könnte und wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich mehr Schaden anrichten könnte», sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus am Samstag auf der Sicherheitskonferenz in München.

Die WHO hatte vergangene Woche um 675 Millionen Dollar (623 Mio Euro) gebeten, vor allem um Ländern mit schwächeren Gesundheitssystemen bei der Vorbereitung auf einen möglichen Ausbruch zu helfen. Weltweit waren bis Sonntag außerhalb des chinesischen Festlands knapp 700 Infektionen und fünf Todesfälle bekannt.


USA holen Landsleute von Quarantäneschiff in Japan zurück

YOKOHAMA (dpa) - Die USA haben Hunderte ihrer Landsleute von Bord des in Japan unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiffes ausgeflogen. Zwei von der US-Regierung gechartete Flugzeuge hoben am Montagmorgen (Ortszeit) wie geplant vom Tokioter Flughafen Haneda ab. Die «Diamond Princess» steht seit zwei Wochen im Hafen der Nachbarstadt Yokohama wegen des neuartigen Virus Sars-CoV-2 unter Quarantäne. Bislang sind 355 Fälle des Erregers unter Menschen von Bord des Schiffes bestätigt. Von den rund 400 US-Bürgern an Bord waren 44 positiv getestet worden. Sie wurden in örtliche Krankenhäuser gebracht.

Die USA ließen ihre Landsleute in der Nacht mit Fahrzeugen des japanischen Militärs aus dem Hafengelände in Yokohama holen. Die Fahrer trugen dabei Schutzanzüge. Die Betroffenen sollen zunächst 14 Tage auf US-Militärstützpunkten in Kalifornien und in Texas in Quarantäne, hieß es. Auch Kanada, Hongkong und Israel bereiten sich nach japanischen Medienberichten vor, ihre eigenen Landsleute von Bord des Schiffes in Japan zurückzuholen. Gegenwärtig befinden sich noch rund 3000 Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff.

Unterdessen landete eine fünfte Chartermaschine der japanischen Regierung mit 36 Landsleuten und 29 ihrer chinesischen Familienmitglieder, die aus der schwer vom neuartigen Coronavirus betroffenen chinesischen Stadt Wuhan stammen, auf Tokios Flughafen Haneda. Zuvor hatte Japan bereits 763 Landsleute aus Wuhan ausgeflogen.


Mundschutz als Modeaccessoire

LONDON (dpa) - Stylische Gesichtsmasken sind auf der London Fashion Week angesagt - auf dem Laufsteg und bei den Zuschauern. Sie gehören britischen Medien zufolge in diesem Jahr wie ein Modeaccessoire zur Schau, die am Dienstag in der britischen Hauptstadt zu Ende geht. Allerdings bieten sie wie alle Mundmasken keinen hundertprozentigen Schutz gegen Krankheitserreger wie das Coronavirus.

Aufgrund der neuartigen Lungenerkrankung ist die Teilnehmerzahl an der Fashion Week in diesem Jahr nach Veranstalterangaben zurückgegangen. Modedesigner beklagten Lieferengpässe, da viele Fabriken in China geschlossen seien. Auch einflussreiche Investoren und Käufer aus Ostasien blieben dem Sender Sky News zufolge aus.

Am Sonntag besuchte Familie Beckham die Fashion Week. Ex-Fußballstar David Beckham verfolgte mit seiner Mutter, Schwiegermutter und den Kindern eine Schau seiner Frau Victoria.

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Hansruedi Bütler 17.02.20 13:21
Meine Empfehlung
Da in der stark betroffenen Provinz Hubei sehr viele chemisch/pharmazeutische Unternehmen diverse Roh- und Fertigprodukte herstellen, die für dringend benötigte Arzneien hergestellt werden, muss damit gerechnet werden, dass Lager langsam zur Neige gehen. Daher empfehle ich denjenigen, die auf Medis angewiesen sind, sich einen Mindestvorrat von drei Monaten zu sichern. Speziell betroffen sind: Antibiotika, Schmerzmittel (Narkosemittel betrifft Spitäler), alle Kreislaufmedikamente, Medikamente zur Behandlung von Epilepsien, psychischen Problemen, Krebs und dergleichen. China und Indien stellen heutzutage das Groß des Medikamenten- und Rohstoff-Cocktails, welche heutzutage aus Kostengründen aus europäischen Produktionen ausgelagert wurden, dar. Dies betrifft auch Produkte, welche "angeblich" in TH hergestellt würden, meistens werden sie nur von Thai-Firmen vertrieben.