Corona-Überblick: Meldungen am Sonntag

Foto: Pixabay/Jeyaratnam Caniceus
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Kampf gegen Corona: Großbritannien führt Schnelltests ein

LONDON: Zur Eindämmung des Coronavirus will Großbritannien zwei neue Arten von Schnelltests einführen. Gesundheitsminister Matt Hancock sagte laut einer Mitteilung seines Ministeriums vom frühen Montagmorgen: «Millionen neuer Coronavirus-Schnelltests werden vor Ort in weniger als 90 Minuten Ergebnisse liefern und uns helfen, Übertragungsketten schnell zu unterbrechen.» Ab der kommenden Woche würden Krankenhäusern, Pflegeheimen und Laboren rund 5,8 Millionen DNA- und 450.000 Abstrichtests zur Verfügung gestellt, hieß es weiter.

Beide Tests könnten Covid-19 und andere vor allem im Winter wütende Viren wie Grippeviren nachweisen, hieß es weiter. Dadurch werde die Testkapazität enorm erhöht. Für die Durchführung der Tests sei kein geschultes medizinisches Fachpersonal erforderlich, was bedeute, dass sie auch in eher nicht-klinischen Umgebungen durchgeführt werden könnten. «Die Tatsache, dass mit diesen Tests sowohl Grippe als auch Covid-19 nachgewiesen werden kann, wird uns auf dem Weg in den Winter enorm helfen, so dass die Patienten den richtigen Rat befolgen können, um sich und andere zu schützen», sagte Hancock.

Das Vereinigte Königreich ist in Europa am schlimmsten von der Pandemie betroffen. Mehr als 306.000 Fälle wurden laut Universität Johns Hopkins in Baltimore bislang registriert, mehr als 46.200 Infizierte starben.


Kosovo-Premier Hoti mit Coronavirus infiziert

PRISTINA: Kosovos Regierungschef hat Avdullah Hoti hat am Sonntag mitgeteilt, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hat. Allerdings zeige er bis auf einen leichten Husten keine Symptome, verriet er auf Facebook. «Ich habe mich heute auf Covid-19 testen lassen, und der Test war positiv», schrieb Hoti. Der Regierungschef des Kosovos will nunmehr die nächsten Wochen in Quarantäne verbringen und von zu Hause aus arbeiten.

Das Kosovo gilt zusammen mit den übrigen Balkanstaaten außerhalb der EU als Corona-Krisengebiet. In dem kleinen Land hat sich das Virus zuletzt stark ausgebreitet. Deswegen hat die Regierung in Pristina die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verschärft.


Trump-Beraterin: Coronavirus «außerordentlich weit» verbreitet

WASHINGTON: Die Beraterin von US-Präsident Donald Trump in der Corona-Krise, die Ärztin Deborah Birx, sieht die USA in einer neuen Phase der Pandemie. «Was wir heute sehen, unterscheidet sich von März und April. Es (das Coronavirus) ist außerordentlich weit verbreitet», sagte Birx am Sonntag dem Sender CNN. Ländliche Gebiete seien ebenso betroffen wie Städte. «An alle, die auf dem Land leben: Sie sind nicht immun oder geschützt vor diesem Virus», warnte Birx. Jeder Amerikaner müsse eine Maske tragen, egal, wo er lebe.

Seit annähernd vier Wochen verzeichnen die USA pro Tag über 55.000 Neuinfektionen pro Tag. An mehreren Tagen lag die Zahl bei mehr als 70.000. Seit Beginn der Pandemie wurden insgesamt mehr als 4,6 Millionen Ansteckungen mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Über 154.000 Menschen starben im Zusammenhang mit der Krankheit Covid-19.

Trump führt die hohe Zahl der nachgewiesenen Infektionen auf die Vielzahl der Corona-Tests zurück, die die USA mittlerweile durchführen. Trump verweist zudem darauf, dass in Europa derzeit wieder «große Flammen» zu sehen seien. «Große China-Virus-Ausbrüche überall auf der Welt, auch in Ländern, von denen man annahm, dass sie großartige Arbeit geleistet haben», twitterte Trump am Sonntag.


Söder: Corona-Risikogebiete sollten täglich überprüft werden

BERLIN: Zum Schutz vor Corona-Ansteckungen durch Urlauber sollte die Bundesregierung nach Ansicht von CSU-Chef Markus Söder die sogenannten Risikogebiete stetig neu bewerten. «Die Flexibilität im Agieren, was ist ein Risikogebiet, sollte man auch täglich überprüfen», sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntag im ARD-Sommerinterview in Berlin. Reiserückkehrer aus Corona-Hotspots, also Gebieten mit einem besonders hohen Ansteckungsrisiko wegen hoher Fallzahlen, müssen sich in Deutschland verpflichtend auf das Virus testen lassen.

Risikogebiete würden sich schnell verändern und die Liste könne sich auch schnell erweitern, betonte Söder. «Deswegen, glaube ich, ist es sehr sinnvoll, gerade innerhalb Europas sehr breit angelegt zu agieren und nicht zu eng auf einen formalen Akt.» Neben kostenlosen Tests und ausreichen Krankenhauskapazitäten könne der Staat den Bürgern nicht viel zurückgeben, zugleich verlange er in der Pandemie von ihnen aber viel ab. Mehr Tests würden auch mehr Sicherheit bedeuten, da viele Menschen verunsichert seien.

Für alle, die sich den Pflichttests verweigerten oder auch die anderen Schutzmaßnahmen wie den Mund-Nase-Schutz in Bussen und Bahnen nicht trügen, müsse es Geldstrafen geben, sagte Söder. «Ich glaube schon, dass wir uns dem ganzen Thema intensiver nähern müssen, sonst haben die ganzen Regeln ja keinen Sinn.» Die Masken seien zu tragen, wo der Abstand schlecht zu wahren sei. «Wer verpflichtende Tests verweigert oder bewusst gegen Maßnahmen verstößt, muss mit Bußgeld rechnen.» Als Beispiel nannte Söder Kontrollen in Zügen und im sonstigen Personen-Nahverkehr. «Gehen tut das schon, wir brauchen nur den Willen.»


Reisebranche: Corona könnte Spanien 750.000 Arbeitsplätze kosten

MADRID: Die spanische Tourismusbranche hat ihre schon bisher pessimistischen Prognosen für dieses Jahr wegen wieder gestiegener Corona-Zahlen und neuer Einschränkungen nach einem Zeitungsbericht noch einmal drastisch nach unten revidiert. Bis zum Jahresende drohten der Verlust von bis zu 750.000 Arbeitsplätzen und ein Rückgang der in normalen Zeiten zu erwartenden Einnahmen um mehr 50 Prozent oder 83 Milliarden Euro, berichtete die Zeitung «El País» am Sonntag unter Berufung auf Schätzungen des Reiseunternehmerverbandes Exceltur. Bis vor kurzem rechnete der Verband noch mit Einbußen von 40 Milliarden Euro im Tourismus, der 2019 mehr als zwölf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beitrug. Der Verband fordert deshalb 30 Milliarden Euro der für Spanien zu erwartenden rund 140 Milliarden aus dem historischen EU-Hilfsfonds zur Überwindung der Corona-Krise.

«Dies ist der katastrophalste Sommer der vergangenen 50 Jahre», zitierte die Zeitung Exceltur-Vizepräsident José Luis Zoreda. Am schlimmsten sei die Entscheidung Großbritanniens, für Rückkehrer aus Spanien eine 14-tägige Quarantäne anzuordnen. Gut ein Fünftel der fast 84 Millionen ausländischen Urlaubsgäste in Spanien kam 2019 aus Großbritannien. Danach folgten Deutsche und Franzosen mit einem Anteil von jeweils gut 13 Prozent. Deutschland hat eine Reisewarnung für Katalonien mit der Tourismusmetropole Barcelona sowie für Aragón und Navarra ausgesprochen. Auch Frankreich rät seinen Bürgern von Reisen nach Katalonien ab.

Mit etwa 288.000 nachgewiesenen Infektionen und über 28.400 Toten ist Spanien eines der von der Pandemie am schwersten betroffenen Länder Europas. Landesweit sind die Zahlen zwar seit Mitte Mai stark gesunken. Seit dem Ende des Corona-Notstands am 21. Juni, als täglich um die 300 Neuinfektionen registriert wurden, hat sich diese Zahl wegen der Lockerungen der Corona-Regeln zuletzt wieder auf fast 2800 pro Tag erhöht, wie die Zeitung schrieb. Allerdings werde inzwischen auch viel mehr getestet, und die Infizierten seien jünger und oft ohne Symptome. Deshalb sei das Gesundheitssystem nicht so extrem belastet wie zur Hochzeit der Pandemie im März und April, als viele der Patienten auf Intensivstationen behandelt werden mussten.


Snooker-Profi Bingham klagt über desinfizierte Kugeln bei der WM

SHEFFIELD: Der englische Snooker-Profi Stuart Bingham hat die Sicherheitsvorkehrungen gegen das Coronavirus dafür verantwortlich gemacht, dass er in der ersten Runde der Snooker-Weltmeisterschaft zeitweise Probleme hatte. «Ich hab mich mit dem Tisch und den Kugeln verloren gefühlt», sagte Bingham nach dem Match am Samstag in Sheffield. «Ich weiß nicht, ob die desinfiziert wurden.»

Der 44-Jährige hatte sich im menschenleeren Crucible-Theater gegen WM-Neuling Ashley Carty streckenweise schwer getan, setzte sich aber letztlich mit 10:7 gegen seinen 19 Jahre jüngeren Landsmann durch. Bingham äußerte allerdings auch Verständnis für die Maßnahmen. «Es ist wie es ist», sagte der Weltmeister von 2015, «und wenn die desinfiziert werden, dann muss man das eben so hinnehmen.»


Daimler-Betriebsratschef: Sparpaket ist erst der Anfang

STUTTGART: Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht erwartet nach dem Corona-Sparpaket im Umfang von 450 Millionen Euro weitere Einschnitte bei dem Autokonzern. «Denn klar ist auch, dass wir damit nicht die ganzen Themen lösen, die noch auf uns zukommen», bekräftigte er in der «Automobilwoche». Weitere Stellenkürzungen könnten die Folge sein. Allerdings könne in einem Konzern mit 300.000 Mitarbeitern Vieles auch über Fluktuation geregelt werden: «Das Durchschnittsalter beträgt 46 Jahre, da bietet die Demografie einen sozialverträglichen Ansatz.»

Unternehmensleitung und Gesamtbetriebsrat hatten sich Ende Juli auf Eckpunkte zur Reduzierung der Personalkosten und zur Beschäftigungssicherung geeinigt. Wesentliche Punkte: Die Arbeitszeit wird reduziert, die Prämie gestrichen und das sogenannte tarifliche Zusatzgeld automatisch in freie Tage umgewandelt. Brecht hatte bereits seinerzeit betont, ein Einsparvolumen von 450 Millionen Euro sei ein Einmaleffekt, der einen zeitlichen Puffer verschaffe. «Das trägt für ein Jahr zur Entspannung bei, kann aber nicht die ganzen anstehenden Themen lösen.»

Die Corona-Krise sorgt für tiefrote Zahlen bei Daimler und zwingt den Autobauer zur Verschärfung seines Sparkurses. Im zweiten Quartal fuhr der Konzern rund zwei Milliarden Euro Verlust ein. Weil weltweit Fabriken stillstanden, Autohäuser schließen mussten und viele andere Unternehmen nicht arbeiteten und somit auch keine Lastwagen kaufen konnten, knickten die Absatzzahlen ein. Fast ein Drittel des Umsatzes brach weg.


Nächtliche Ausgangssperre in Melbourne wegen Corona

MELBOURNE: In Australiens zweitgrößter Stadt Melbourne ist wegen der Corona-Pandemie eine nächtliche Ausgangssperre angekündigt worden. Der Regierungschef des Bundesstaates Victoria, Daniel Andrews, sagte Journalisten, die Ausgangssperre solle von Sonntag an jeden Abend um 20.00 Uhr (Ortszeit) beginnen. Sie gelte jeweils bis 5.00 Uhr des Folgetags. Ausnahmen gibt es für Menschen, die zur Arbeit oder von dort nach Hause fahren oder die sich um jemand anderen kümmern.

Einwohner Melbournes dürfen nur noch einmal am Tag Einkaufen und nicht mehr als eine Stunde draußen Sport machen - und das nur im Umkreis von fünf Kilometern um ihr Zuhause. «Das sind große Schritte, aber sie sind notwendig», sagte Andrews. In der Metropole Melbourne gelten bereits seit Wochen strikte Einschränkungen. Andrews erklärte nun auch den Katastrophenzustand, womit die Polizei und andere Behörden zusätzliche Befugnisse erhalten.

Der besonders schwer von der Corona-Pandemie betroffene Bundesstaat Victoria hatte am Donnerstag die bisher höchste Anzahl Neuinfektionen seit Beginn der Krise verzeichnet. Innerhalb von 24 Stunden kamen 723 Fälle hinzu. Am Sonntag meldete Andrews 671 neue Fälle innerhalb eines Tages. Victoria hat rund 6,7 Millionen Einwohner.


Bund hilft Künstlern und erweitert Kunstsammlung

BERLIN: Der Bund erweitert seine Kunstsammlung, um Künstlern in der Corona-Krise zu helfen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung», dafür sei der diesjährige Ankaufsetat der Sammlung zeitgenössischer Kunst innerhalb des Programms Neustart Kultur um 2,5 Millionen auf drei Millionen Euro erhöht worden. «Mit der kurzfristigen Erhöhung des Ankaufbudgets ermöglichen wir über die Kunstsammlung des Bundes einen raschen und wirkungsvollen Impuls zur Belebung der Kunstproduktion in der aktuell schwierigen Situation», sagte sie.

Mit dem Geld sollen den Angaben zufolge noch in diesem Jahr etwa 150 Kunstwerke für die Sammlung gekauft werden. Eine unabhängige Ankaufkommission solle sowohl auf Kunstmessen als auch bei Künstlern direkt und in Galerien entsprechende Werke aussuchen. Von der breiten Streuung der Ankäufe sollten vor allem kleinere Galerien profitieren und durch den Direkterwerb in Ateliers Künstler «ermutigt und unterstützt werden».

Die 1970 gegründete Sammlung zeitgenössischer Kunst des Bundes wird von der Kulturstaatsministerin verwaltet und betreut. Normalerweise steht dafür eine halbe Million Euro pro Jahr zur Verfügung.

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