Corona-Überblick: Meldungen am Sonntag

Die Feuerwehr erhält einen Impfstoff der Pfizer-BioNTech gegen COVID-19 im Nationalen Impfzentrum während einer Medienpräsentation und eines Probelaufs, in Prag. Foto: epa/Martin Divisek
Die Feuerwehr erhält einen Impfstoff der Pfizer-BioNTech gegen COVID-19 im Nationalen Impfzentrum während einer Medienpräsentation und eines Probelaufs, in Prag. Foto: epa/Martin Divisek

Tschechiens Regierungschef: Ab 1. Juni Corona-Impftermine für alle

PRAG: Tschechien will die Registrierung für Corona-Impfungen spätestens am 1. Juni für alle Einwohner ab 16 Jahren öffnen. Ab Mittwoch sei die Registrierung für die 50- bis 54-Jährigen möglich, teilte Ministerpräsident Andrej Babis am Sonntag mit. Derzeit werden nur über 55-Jährige und Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten in Tschechien gegen Corona geimpft. In der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen leben in der Tschechischen Republik rund 690.000 Menschen.

Das Land mit 10,7 Millionen Einwohnern hat vor Kurzem die Marke von einer Million vollständig gegen Corona geimpften Menschen überschritten. Weitere 2,17 Millionen Menschen haben bereits ihre erste Impfung erhalten. Sollten die Impfstofflieferungen wie geplant eintreffen, werde die Altersgrenze für die Impfregistrierung im Mai jede Woche zunächst um fünf Jahre sinken, berichtete die Agentur CTK unter Berufung auf Babis.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen geht in Tschechien weiter zurück. Am Samstag sank die Zahl der täglichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen auf 137. Die Zahl der Todesfälle liegt bei 29.343.


Großbritannien schickt weitere 1000 Beatmungsgeräte nach Indien

LONDON: Großbritannien will dem derzeit sehr schwer von der Corona-Pandemie getroffenen Indien weitere 1000 Beatmungsgeräte schicken. «Wir müssen alle zusammenarbeiten, um Covid-19 zu bekämpfen. Niemand ist sicher, bis wir alle sicher sind», sagte Außenminister Dominic Raab am Sonntag einer Mitteilung zufolge. Zuvor hatte Großbritannien bereits 200 Beatmungsgeräte, knapp 500 Sauerstoffkonzentratoren und drei Sauerstoffgeneratoren nach Indien geschickt.

Raab wird bei einem Treffen der G7-Außenminister in London in der kommenden Woche seinen indischen Amtskollegen Subrahmanyam Jaishankar persönlich treffen. Indien ist neben einigen anderen Staaten als Gast zu dem Treffen eingeladen. In mehreren Interviews zeigte sich Raab am Sonntag zurückhaltend zur Forderung, auch Impfstoff nach Indien zu schicken. Man habe bisher keine solchen Anfragen erhalten, sagte der konservative Politiker. Er wolle daher nicht über «hypothetische Szenarien spekulieren.

Zuvor hatten sich Stimmen aus Wissenschaft und Opposition dafür ausgesprochen, Indien zeitnah auch Impfstoff zur Verfügung zu stellen - oder dem Land zumindest eine noch ausstehende Lieferung von mehreren Millionen in Indien produzierten Impfdosen zu überlassen.


Erstmals seit Pandemiebeginn: Kein Corona-Fall mehr in Israels Armee

TEL AVIV: Erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie in Israel gibt es in der Armee des Landes keinen einzigen Infektionsfall mehr. Das Militär teilte am Sonntag bei Twitter mit, es seien null neue Fälle gemeldet worden. Die ganz überwiegende Mehrheit der israelischen Soldaten ist bereits gegen das Coronavirus geimpft. Die genaue Zahl seiner Soldaten hält Israel geheim. Sie wird auf rund 170.000 aktive Soldaten und 465.000 Reservisten geschätzt.

Auch in der allgemeinen Bevölkerung sind die Infektionszahlen auf ein Minimum gesunken. Am Sonntag teilte das Gesundheitsministerium mit, binnen 24 Stunden seien 13 neue Fälle gemeldet worden. Nur 0,1 Prozent von mehr als 9200 Tests fielen demnach positiv aus. Auch die Zahl der Schwerkranken fiel weiter - auf 102. Ende Januar gab es noch rund 1200 schwerkranke Corona-Patienten in Israel.

Angesichts der niedrigen Infektionszahlen sind die meisten Corona-Beschränkungen in Israel inzwischen wieder aufgehoben worden. In öffentlichen Innenräumen gilt allerdings weiterhin eine Maskenpflicht.

Bisher haben mehr als 5,4 Millionen der rund neun Millionen Israelis eine Erstimpfung mit dem Präparat von Biontech/Pfizer erhalten. Das sind fast 60 Prozent der Bevölkerung. Fast 5,1 Millionen Einwohner sind vollständig geimpft.


Indien meldet Tagesrekord an Corona-Toten

NEU DELHI: In Indien sind an einem Tag noch nie so viele Menschen in Verbindung mit dem Coronavirus gestorben. 3689 Todesfälle wurden nach Daten des Gesundheitsministeriums vom Sonntag registriert. Erst am Samstag hatte Indien mit seinen über 1,3 Milliarden Einwohnern als erstes Land weltweit an einem Tag mehr als 400.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus erfasst. Das Gesundheitssystem ist überfordert, Krankenhäuser und Krematorien sind überfüllt, es mangelt an medizinischem Sauerstoff, Medikamenten und Impfdosen.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Indien rund 19,5 Millionen Menschen angesteckt, insgesamt 215.542 starben. Mehrere Länder, darunter Deutschland, die USA, Großbritannien und Japan, haben Indien Unterstützung zugesagt. Am Samstagabend erreichte eine Maschine der Luftwaffe die Hauptstadt Neu Delhi mit 120 Beatmungsgeräten.


Chile macht Tempo: Menschen ab 35 Jahren können sich impfen lassen

SANTIAGO DE CHILE: Chile gibt bei der Impfkampagne gegen das Coronavirus weiter Gas. Innerhalb der kommenden zwei Wochen sollen sich bereits Menschen zwischen 35 und 45 Jahren impfen lassen können, wie Präsident Sebastián Piñera am Samstag ankündigte. Möglich sei dies wegen eines neuen Vertrags über die Lieferung von drei Millionen zusätzlichen Impfdosen des chinesischen Unternehmens Sinovac. «Wir werden unser Impfprogramm so schnell wie möglich auf die jüngeren Generationen ausdehnen, die sich am häufigsten infizieren», sagte der Staatschef.

Mit rund 35 Prozent liegt Chile bei der vollständig geimpften Bevölkerung weltweit auf einem der vordersten Plätze. Gerade im Vergleich zu den anderen Ländern der Region drückt Chile enorm auf das Tempo. In Brasilien sind gerade mal 6,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, in Kolumbien 3,1 Prozent und in Argentinien 2,1 Prozent. Chile hat sich frühzeitig Impfstoffe einer ganzen Reihe von Herstellern gesichert. Geimpft wird nach einem recht einfachen Priorisierungsplan ohne komplizierte Terminvergabe - in Gesundheitszentren, Fußballstadien und Impfstraßen.


EU-Kommissar: EU-Staaten sollen Abwasser auf Coronaviren untersuchen

BRÜSSEL: Zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollten die EU-Staaten nach Ansicht der EU-Kommission systematisch das Abwasser auf Coronaviren untersuchen. «Die Überwachung von Abwasser kann eine kostengünstige, schnelle und verlässliche Quelle für Informationen sein über die Verbreitung des Virus und seinen Varianten in der Bevölkerung», sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius der «Welt am Sonntag». Die 27 Staaten sollten «schnellstmöglich effektive Abwasser-Überwachungssysteme einrichten». Diese ließen sich innerhalb von maximal sechs Monaten auf die Beine stellen.

Sinkevicius forderte, dass in Städten und größeren Gemeinden künftig möglichst zwei Stichproben wöchentlich genommen werden sollten. Diese wiederum sollten regelmäßig, vorzugsweise zweimal im Monat, analysiert werden. Die Analyse von Abwasser könne als Frühwarnsystem eingesetzt werden. «Wenn das Virus dagegen nicht im Abwasser nachgewiesen wird, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die untersuchten Gebiete als mit geringem Risiko behaftet angesehen werden können», sagte Sinkevicius.


Botschafter in Indien: Lage ist schrecklich und deprimierend

BERLIN: Der deutsche Botschafter in Indien, Walter Lindner, hat sich sehr besorgt über die Lage im von der Corona-Pandemie derzeit heftig getroffenen Land geäußert. «Die Lage ist schrecklich und deprimierend», sagte Lindner am Samstagabend im ZDF-«heute journal». «Die Leute ersticken zum Teil in den Autos, weil sie vom einen Krankenhaus zum nächsten fahren. Die ersticken in der Wartereihe, um auf Sauerstoff zu warten. Das ist alles schrecklichst, was wir draußen erleben.» Laufend würden Hilfeaufrufe in den Sozialen Medien verbreitet - mit der Hoffnung auf ein Krankenhausbett oder Sauerstoff. «Und am nächsten Tag heißt es dann oft: «Leider gestorben, niemand hat uns geholfen».» Die aktuelle Situation sei ein «Riesenschlag» für das Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern.

Indien verzeichnet derzeit Tag für Tag neue globale Höchstwerte bei der Zahl der Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Am Samstag wurden mehr als 400.000 neue Fälle gemeldet. Zahlreiche Länder haben Unterstützung zugesagt, aus Deutschland landete am Samstag ein Flieger mit 120 Beatmungsgeräten an Bord in Neu Delhi. Zudem sollen deutsche Sanitätssoldaten in Indien in den kommenden Tagen eine große Sauerstoffgewinnungsanlage in Betrieb nehmen.

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