Corona-Überblick: Meldungen am Sonntag

Foto: Pixabay/Jeyaratnam Caniceus
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US-Experte Fauci warnt vor Zuspitzung der Corona-Krise im Dezember

WASHINGTON: In den USA ist dem renommierten Immunologen Anthony Fauci zufolge bis Jahresende mit einer weiteren Zuspitzung der Corona-Pandemie zu rechnen. Es sei nicht zu spät, gegenzusteuern, aber wegen der Feiertage und mehr Reisen sei mit einer weiteren Zunahme der Neuinfektionen zu rechnen, sagte Fauci am Sonntag dem Fernsehsender NBC. «Was wir mit Blick auf die nächsten Wochen im Dezember erwarten, ist leider, dass wir eine neue Welle haben könnten - zusätzlich zu der Welle, in der wir uns schon befinden», sagte Fauci.

Experten wie Fauci hatten bereits mit Blick auf den Feiertag Thanksgiving am Donnerstag im ganzen Land mit einer Zunahme der Ansteckungen wegen vieler Reisen und Familientreffen gerechnet. Gleiches gelte für die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage, sagte Fauci. Der prominente Immunologe ist auch ein Mitglied der Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses.

Die Behörden in den USA meldeten zuletzt im Schnitt täglich etwa 160.000 bestätigte Neuinfektionen. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern gibt es seit Beginn der Pandemie bereits mehr als 13 Millionen bekannte Infektionen, mehr als 266.000 Menschen starben. In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele bekannte Infektionen und Todesfälle. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums werden derzeit landesweit rund 90.000 Menschen wegen der von dem Virus verursachten Erkrankungen Covid-19 in Krankenhäusern behandelt.

In den USA haben die Bundesstaaten bei den Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie die Federführung übernommen, weswegen es viele verschiedene Ansätze gibt. Manche Staaten und Bezirke setzen auf strenge Auflagen, andere setzen auf die Eigenverantwortung der Bürger. Unabhängig von den Regeln des eigenen Bundesstaats appellierte die Leiterin der Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses, Deborah Birx, an die Menschen, die Gefahr ernst zu nehmen und sich an Vorsichtsmaßnahmen wie das Tragen von Masken zu halten. «An alle Amerikaner: Jetzt ist der Moment, um sich selbst und ihre Familien zu schützen», sagte Birx im Gespräch mit dem Sender CBS.


Kehrtwende in New York: Schulen dürfen wieder öffnen

NEW YORK: Trotz steigender Corona-Zahlen sollen die öffentlichen Grundschulen in der US-Ostküstenmetropole New York bald wieder öffnen dürfen. Bürgermeister Bill de Blasio teilte am Sonntag mit, dass der Plan ab dem 7. Dezember umgesetzt werde. Damit lässt die Metropole nach Kritik von ihrer selbst gesetzten Schwelle von drei Prozent positiver Corona-Tests ab, ab der die Schulen eigentlich geschlossen bleiben müssten. Lehranstalten für ältere Kinder bleiben zunächst aber zu.

De Blasio hatte erst Mitte des Monats wegen Überschreiten des Grenzwertes bekannt gegeben, die Schulen bis auf weiteres dicht zu machen, gab nun aber offenbar dem Druck von Kritikern nach. Diese hatten sich unter anderem daran gestört, dass Schulen schließen mussten, Restaurants für den Verzehr im Innenbereich aber nicht.

New York war im Frühjahr zum Epizentrum der Pandemie in den USA geworden und hatte Mitte März alle Schulen schließen müssen. Über den Sommer hatte sich das Infektionsgeschehen wieder stabilisiert, eine erneute Öffnung war jedoch immer wieder verschoben worden. Die ersten Schulen konnten schließlich erst ab Ende September wieder aufgemacht werden. Zuletzt hatte sich die Covid-19-Lage jedoch wieder angespannt.


Streit in den Niederlanden um Verkaufsaktion «Black Friday»

ROTTERDAM: Menschenmassen in Einkaufsstraßen und drohende Verstöße gegen Corona-Regeln: In den Niederlanden lehnen sich Städte gegen die Verkaufsaktion «Black Friday» auf. Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb und zwei Dutzend weitere Bürgermeister des Landes setzen sich inzwischen dafür ein, den «Black Friday» zu verbieten, wie die niederländische Nachrichtenagentur ANP unter Berufung auf Äußerungen Aboutalebs berichtete.

Die Rabattaktion des Handels lockt zahlreiche Käufer in mitunter enge Einkaufsstraßen. Vielerorts gibt es Befürchtungen, dass der vorgeschriebene Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden könne. Die Gemeinde Amsterdam rief Bürger am Sonntag dazu auf, die Innenstadt zu meiden und Abstand zu halten.

Rotterdams Bürgermeister Aboutaleb hatte bereits am Freitag wegen der Menschenmassen die Notbremse gezogen und Geschäfte im Zentrum vorzeitig schließen lassen. Auch am Wochenende mussten Innenstadt-Läden der Hafenmetropole früher dichtmachen als üblich. Andere Städte im Land zogen am Wochenende nach, wie ANP berichtete.

Die niederländische Regierung hatte Mitte des Monats die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorsichtig gelockert. Seit Mitte Oktober gilt ein Teil-Lockdown.


Wien beginnt Corona-Massentests am 4. Dezember

WIEN: Die freiwilligen Corona-Massentests beginnen in Wien am 4. Dezember, zwei Tage später als ursprünglich geplant. Das sagte der Stadtrat für Gesundheit, Peter Hacker (SPÖ), am Sonntag. Die Berufsfeuerwehr hat drei größere Testzentren eingerichtet, die zusammen jeden Tag 150.000 Tests durchführen können. Die anderen Bundesländer starten auch am kommenden Freitag oder in den Tagen danach mit ihrem Testangebot. Damit sollen Menschen, die nichts von ihrer Infektion wissen, gefunden und Infektionsketten unterbrochen werden. Die Regierung hat die 8,9 Millionen Einwohner zu reger Teilnahme an den Antigen-Schnelltests aufgerufen.

Die Testung sämtlicher 200.000 Lehrerinnen und Lehrer sowie der Betreuungskräfte in Kindergärten soll je nach Bundesland entweder im Zuge der allgemeinen Massentests oder separat am 5. und 6. Dezember stattfinden. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) appellierte in einem Brief an die Lehrer, teilzunehmen: «Sie bekommen nicht nur eine Momentaufnahme über Ihren Infektionsstand, sondern leisten einen wesentlichen Beitrag für einen sicheren Schulbetrieb.»

Wegen der drohenden Knappheit von Intensivbetten für Corona-Patienten in Krankenhäusern sind in Österreich Kulturbetriebe, Gastronomie und Freizeiteinrichtungen geschlossen, seit Mitte November auch Schulen und die meisten Geschäfte. Auch Ausgangsbeschränkungen gelten vorläufig bis zum 7. Dezember. Die Infektionen sind zuletzt gesunken, aber immer noch deutlich höher als in Deutschland. Pro 100.000 Einwohner lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt bei rund 350, in Deutschland bei 136.


Staatsbeamte missachten Corona-Regeln und randalieren

VUKOVAR: Zwei hohe Staatsbeamte haben in der ostkroatischen Stadt Vukovar gegen geltende Corona-Maßnahmen verstoßen und nach dem Einschreiten der Polizei randaliert. Wie das Internet-Portal jutarnji.hr am Samstagabend meldete, richtete sich der Behördeneinsatz in der Nacht zuvor gegen eine Kneipe, die entgegen der Corona-Auflagen spät nachts geöffnet war und Alkohol ausschenkte.

Wie das Portal berichtete, nahm die Polizei einen Staatssekretär aus dem Veteranenministerium sowie den Leiter eines Gedenkzentrums für Massakeropfer aus dem Krieg 1991 mit auf die Wache. Die beiden sollen sich den Amtshandlungen der Polizisten widersetzt haben.

Der Leiter des Gedenkzentrums soll sich gegen die vorläufige Festnahme körperlich gewehrt haben. Er wurde unter Anwendung von Zwangsmaßnahmen abgeführt. Der Staatssekretär hatte sich im Lokal geweigert, den Polizisten seinen Ausweis zu zeigen. Er soll auf der Polizeiwache Inventar beschädigt haben. Beide Staatsbeamte wurden schließlich wegen Randalierens, Sachbeschädigung und Widerstands gegen die Staatsgewalt angezeigt und auf freien Fuß gesetzt.


Französisches Gericht kippt Obergrenze von 30 Gläubigen bei Messen

PARIS: Zum ersten Advent hat das oberste französische Verwaltungsgericht die coronabedingte Maximalzahl von 30 Gläubigen bei religiösen Veranstaltungen gekippt. Nach Auffassung des Staatsrats in Paris ist die bisher geltende Regelung nicht verhältnismäßig, wie die katholische Kirche Frankreichs am Sonntag mitteilte. Wie französische Medien und die dortige Nachrichtenagentur AFP einstimmig berichteten, hat die Regierung drei Tage Zeit, um die Vorgabe zu überarbeiten.

Seit Samstag gelten in Frankreich erste Lockerungen der strikten Corona-Regeln. Auch nichtlebensnotwendige Geschäfte dürfen wieder öffnen, für Sport und Spazieren im Freien wird mehr Zeit eingeräumt. Präsident Emmanuel Macron hatte die Lockerungen in einer Fernsehansprache verkündet - darunter auch, dass Messen wieder mit maximal 30 Gläubigen stattfinden können. Die französische Bischofskonferenz hatte sich daraufhin an die Justiz gewandt.


AfD-Fraktionschef Gauland hat Parteitag verlassen

KALKAR: Der Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, hat nach Angaben von Parteifreunden am Sonntag den Bundesparteitag der AfD in Kalkar aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig verlassen. Ein Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, dem Ehrenvorsitzenden sei in der Nase eine kleine Ader geplatzt. Nach Angaben aus Parteikreisen verließ der 79-Jährige am Morgen das Gelände mit einem Krankenwagen in Begleitung von zwei Fahrzeugen mit Berliner Kennzeichen.

Die Co-Fraktionschefin Alice Weidel sagte am Mittag vor den Delegierten: «Alexander Gauland hat mich gebeten, herzliche Grüße aus dem Krankenhaus auszurichten, und es geht ihm gut.» Sein gesundheitliches Problem sei nur eine «Kleinigkeit», er sei wohlauf.

Gauland hatte am Samstag, dem ersten Tag des zweitägigen Bundesparteitages, scharfe Kritik am Parteivorsitzenden Jörg Meuthen geübt, nachdem dieser in einer Rede unter anderem Gaulands Wortwahl angegriffen hatte. Meuthen hatte gesagt, in Deutschland herrsche keine «Corona-Diktatur». Gauland hatte in einer Rede im Bundestag von einer «Corona-Diktatur auf Widerruf» gesprochen. In einem Interview sagte Gauland in Kalkar, er brauche nicht «irgendwelche Zensuren von Jörg Meuthen für die Fraktionsführung».


Verletzte nach Demo gegen Corona-Ausgangssperre in Lüttich

LÜTTICH: Hunderte Menschen haben im belgischen Lüttich trotz Versammlungsverbots gegen die nächtliche Corona-Ausgangssperre demonstriert. Bei Auseinandersetzungen seien vier Polizisten und drei Demonstranten verletzt worden, meldete das Internetportal L'Avenir.net am Sonntag. Die Polizei habe 17 Personen in Gewahrsam genommen. In Belgien sind wegen der Pandemie öffentliche Versammlungen von mehr als vier Personen verboten.

Ein eineinhalbstündiges Video der Demonstration zeigt vor allem junge Leute mit Maske und Abstand hinter einem Transparent, das «solidarische Gesundheitsmaßnahmen» gegen die Corona-Krise fordert. Gegen Ende ist zu sehen, wie Polizisten den Protestzug auf einer Brücke stoppen.


Mehr als 150 Festnahmen bei Anti-Lockdown-Protesten in London

LONDON: Bei Protesten gegen die Corona-Beschränkungen hat die Polizei in London mehr als 150 Menschen festgenommen. Die Demonstranten seien unter anderem wegen Missachtung der geltenden Corona-Regeln oder Angriffen auf Polizisten festgenommen worden, teilte die Polizei nach der Demonstration am Samstag mit.

Im aktuellen Teil-Lockdown sollen die Bürger in England ihr Zuhause nur aus triftigen Gründen wie Arbeit, Einkauf oder der Pflege Angehöriger verlassen. Demonstrationen gehören nicht zu den erlaubten Ausnahmen. Teilnehmer zogen - zumeist ohne Abstand und Masken - am Samstag durch die Londoner Innenstadt. Auf ihren Plakaten stand etwa «Stop Controlling Us» («Hört auf, uns zu kontrollieren») oder «No More Lockdowns» («Keine Lockdowns mehr»). Es kam mehrfach zu Zusammenstößen mit der Polizei.


Italienischer Experte: Quarantäne, wenn Skigebiete offen bleiben

ROM: Italiens Gesundheitsrat-Präsident hofft angesichts der Corona-Pandemie auf geschlossene Skigebiete bis Jahresende und fordert ansonsten eine Quarantäne für Reiserückkehrer aus dem Ausland. «Wenn das nicht so wäre, würde ich sagen, dass es vernünftig ist, eine Isolationszeit für Rückkehrer zum Schutz der Allgemeinheit vorzusehen», sagte Franco Locatelli der Zeitung «La Stampa» (Sonntag). Österreich sei Teil der EU und er nannte es überraschend, dass Wien den Vorschlag der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und der italienischen Regierung nicht akzeptiere, die Betriebe zum Infektionsschutz geschlossen zu halten.

Die Entscheidung der Schweiz, die Skigebiete offen zu halten, sei ebenfalls enttäuschend, fügte Locatelli an. Er und andere Wissenschaftler beraten das Gesundheitsministerium und erstellen die Corona-Lageberichte.

Seit Tagen streiten die Alpenländer in Europa über eine Schließung der Wintersportbetriebe, um einer erneuten Ausbreitung des Coronavirus etwa durch Urlauber vorzubeugen. Während sich Deutschland und Italien für eine Öffnung erst nach Neujahr stark machen, wollen Österreich und die Schweiz, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen, ihre Skigebiete gar nicht schließen.

Unterdessen zeigen die Corona-Daten in Italien, dass die restriktiven Maßnahmen der vergangenen Wochen Wirkung zeigten. Der Reproduktionswert, der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, sank zuletzt weiter von durchschnittlich 1,2 auf etwa 1,1. Am Sonntag meldeten die Behörden rund 20.600 Neuinfektionen innerhalb eines Tages und damit fast 7700 weniger als noch am Sonntag zuvor. 541 Menschen starben mit Sars-CoV-2 binnen 24 Stunden. Insgesamt wurden seit Pandemie-Beginn etwa 1,585 Millionen Corona-Fälle und fast 55.000 Corona-Toten verzeichnet.

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