Corona-Überblick: Meldungen am Sonntag

Corona-Überblick: Meldungen am Sonntag

Oxfam fordert höhere Steuern für Konzerne und Vermögende

DAVOS: Zur Bekämpfung der weltweiten Ungleichheit fordert die Organisation Oxfam zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums eine stärkere Besteuerung von Konzernen und sehr hohen Vermögen. «Es ist nicht hinnehmbar, dass Konzerne und die dahinter stehenden Milliardärinnen und Milliardäre Rekordgewinne einfahren, während Millionen Menschen Mahlzeiten ausfallen lassen müssen, die Heizung abdrehen, mit ihren Rechnungen im Rückstand sind und sich fragen, was sie als nächstes tun können, um zu überleben», sagte Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland.

Regierungen müssten dringend gegensteuern und Konzerne sowie Superreiche in die Pflicht nehmen. In Deutschland müsse die Vermögensteuer wieder eingeführt werden. Außerdem sei eine einmalige Abgabe auf sehr hohe Vermögen und eine Übergewinnsteuer für Konzerne angesagt.

Zu Beginn der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos stellte die kapitalismuskritische Organisation einen Bericht zu den Profiteuren der globalen Krisen vor. Demnach haben die Corona-Pandemie und steigende Preise für Energie und Lebensmittel zuletzt Armut und soziale Ungleichheit befeuert. Weltweit sei mehr als eine Viertelmilliarde Menschen gefährdet, in diesem Jahr in extreme Armut abzurutschen. Ärmere Länder drohten zudem mehr und mehr, unter ihrer Schuldenlast zu ersticken.

Seit Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 wuchs die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre auf der Welt laut Oxfam deutlich, ihr Vermögen stieg demnach um 42 Prozent. Gleichzeitig seien rund 260 Millionen Menschen gefährdet, wegen zunehmender sozialer Ungleichheit und steigender Lebensmittelpreise in Armut abzurutschen.


Biden führt bilaterale Gespräche mit wichtigem Verbündeten Japan

TOKIO: US-Präsident Joe Biden berät sich am Montag in Tokio mit dem japanischen Regierungschef Fumio Kishida. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und des wachsenden Machtstrebens Chinas in der Indo-Pazifik-Region wollen die USA die Partnerschaft mit ihrem wichtigen Verbündeten Japan weiter stärken. Biden will nach Angaben des Weißen Hauses mit Kishida auch über regionale Konflikte wie Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm sprechen, genauso wie über globale Themen wie die Eindämmung der Corona-Pandemie und den Klimawandel. Im Anschluss an ihre Beratungen wollen Biden und Kishida gemeinsam vor die Presse treten.

Biden war nach einem dreitägigen Staatsbesuch in Südkorea am späten Sonntagnachmittag (Ortszeit) in Tokio angekommen. Vor dem Treffen mit Kishida am Montag sollte Biden noch von Kaiser Naruhito empfangen werden. Am Nachmittag wollte Biden zusammen mit Kishida zudem Angehörige japanischer Bürger treffen, die vor Jahrzehnten von Nordkorea entführt worden waren. Am Abend wird Biden an einem von Kishida ausgerichteten Bankett teilnehmen.

Am Dienstag, dem letzten Tag seiner ersten Asien-Reise als Präsident, will Biden in Tokio an einem Gipfeltreffen mit den Regierungschefs aus Japan, Indien und Australien teilnehmen. Bei dem sogenannten Quad-Gipfel soll das Streben nach einem freien und offenen Indopazifik im Zentrum stehen.


Tausende Juden bei Wallfahrt in Tunesien

HOUMT SOUK: Bunte Kopftücher, Schnaps und Unmengen beschrifteter Eier - auf der tunesischen Insel Djerba haben Tausende Juden in diesem Jahr die Wallfahrt zum Fest Lag Baomer gefeiert. Nach Angaben des tunesischen Fremdenverkehrsamtes vom Sonntag etwa 6700 Pilger in die Synagoge La Ghriba, auch aus anderen Ländern. Auch Tunesiens Premierministerin Nejla Bouden war dabei. Das Fest wurde von einem großem Polizeiaufgebot mit Hubschraubern und Scharfschützen geschützt.

Nach zwei Jahren Pause wegen der Corona-Pandemie durften auch Israelis wieder zur Wallfahrt nach Tunesien. Das nordafrikanische Land hat keine diplomatischen Verbindungen zu Israel, lässt dessen Bürger aber im Rahmen organisierter Touren zum Fest ins Land. «Ich bin das erste Mal hier und sehr berührt, die Heimat meiner Eltern zu sehen», sagt eine Israelin. Auch aus Frankreich und Italien reisten Gläubige an.

In Tunesien selbst leben nach Angaben des Präsidenten der jüdischen Gemeinde von Djerba, Perez Trabelsi, nur noch rund 1800 Juden. Der Großteil davon ist auf Djerba zuhause. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es noch 100.000 Juden in Tunesien. Auf Djerba lebten Muslime und Juden friedlich zusammen, betonte Trabelsi. Ein muslimischer Taxifahrer zeigte Verständnis für die Sicherheitskontrollen. «Aber die Hubschrauber - das ist zu viel. Das macht den Touristen Angst.» 2002 starben bei einem Anschlag der islamistischen Al-Kaida auf die Synagoge 20 Menschen, darunter 14 deutsche Touristen.

«Die Wallfahrt ist der Moment des Jahres, in dem alle über uns reden», sagte Moche Uzan aus der Hauptstadt Tunis stolz, mit einer Kippa auf dem Kopf. Zuhause trägt der 33-Jährige die jüdische Kopfbedeckung nicht. «Das wäre für viele dort befremdlich.» Die Stimmung auf dem Fest ist ausgelassen. Frauen in Abendkleider zwängen sich in eine Grotte, um mit Wünschen beschriftete Eier abzulegen. Ein Rabbiner besiegelt die Zeremonie mit einem Gebetsspruch und Feigenschnaps.


Weltwirtschaftsforum beginnt Tagung in Davos - Habeck und Selenskyj

DAVOS: Geprägt vom russischen Krieg in der Ukraine beginnt in Davos am Montag die Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF). Die Auftaktrede hält der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (11.15 Uhr), der digital zugeschaltet wird. Später sind der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko und sein Bruder Wladimir zu Gast (12.30 Uhr). Am Morgen bereits spricht Wirtschaftsminister Robert Habeck in einem Forum drüber, wie Deutschland weniger abhängig von russischer Energie werden will (9.45 Uhr).

Bei dem viertägigen Treffen in den Schweizer Alpen diskutieren fast 2500 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über Lösungen für internationale Probleme. Die Tagung steht in diesem Jahr unter dem Motto «Geschichte an einem Wendepunkt: Regierungspolitik und Geschäftsstrategien».

Im Fokus stehen mit dem Ukraine-Krieg, der Corona-Pandemie und dem Klimawandel gleich mehrere weltweite Krisen. Thematisiert werden unter anderem die Folgen des Kriegs auf Lieferketten, Energieversorgung und Nahrungsmittelsicherheit. Aus Deutschland wird unter anderem Kanzler Olaf Scholz (SPD) erwartet, der am Donnerstag in Davos eine Rede hält. Traditionell findet das Treffen eigentlich Mitte Januar statt, wegen der Corona-Pandemie war es jedoch verschoben worden.


Nach Brand weiterhin U-Haft für 13 Deutsche auf Mallorca

PALMA: 13 Urlauber aus Deutschland, die auf Mallorca wegen mutmaßlicher Brandstiftung festgenommen worden waren, bleiben vorerst hinter Gittern. Der zuständige Ermittlungsrichter in Palma ordnete für die Touristen Untersuchungshaft ohne Anrecht auf Kaution an, wie die Zeitung «Diario de Mallorca» und andere Regionalmedien am späten Samstagabend unter Berufung auf die Justiz der spanischen Mittelmeer-Insel berichteten. Ein Justizsprecher bestätigte am Sonntag auf Anfrage diese Informationen.

Die Deutschen werden beschuldigt, am Freitag bei einer Party auf dem Balkon ihres Hotels in Ballermann-Nähe Zigarettenkippen auf das Terrassendach einer Gaststätte geworfen und auch Alkohol darauf gegossen zu haben. Das Dach aus Schilfrohr fing Feuer, nach Medienberichten beschädigten die Flammen das Lokal und auch noch ein weiteres sowie eine Wohnung und das Hotel. Zwei Menschen seien leicht verletzt worden.

Die noch am Freitagabend festgenommenen Deutschen sollen am Samstag bei ihrem Verhör durch den Richter von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, nicht auszusagen. Der Richter gehe von «gemeinsamer Verantwortung» aus, schrieb «Diario de Mallorca». Woher in Deutschland die Festgenommenen stammen, blieb zunächst unklar.

Derzeit wird am Ballermann wieder so wild wie vor der Corona-Pandemie gefeiert. Es gelten praktisch keine Einschränkungen mehr auf der Insel. In den vergangenen Wochen kam es vermehrt zu Schlägereien und Diebstählen in der deutschen Urlauberhochburg.


WHO: Maßnahmen-Bündel gegen Affenpocken «dringend notwendig»

GENF: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert eine Reihe von Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung der Affenpocken. Es sei «dringend notwendig», das Bewusstsein für die Virenerkrankung zu erhöhen, hieß es Samstagnacht von der UN-Organisation in Genf. Außerdem müssten Fälle umfassend ausfindig gemacht und isoliert werden, sowie Ansteckungswege rückverfolgt werden.

Die Erkrankungen, die bisher in Europa, Nordamerika und Australien bekannt wurden, betrafen laut WHO hauptsächlich - aber nicht nur - Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex haben. Wegen der noch eingeschränkten Beobachtungslage sei es sehr wahrscheinlich, dass Fälle in weiteren Bevölkerungsgruppen und Ländern auftauchen.

Mit Stand von Samstag ging die WHO von rund 90 bestätigten Infektionen und 30 Verdachtsfällen aus. Das Affenpocken-Virus ruft meist milde Symptome wie Ausschlag, Fieber und Pusteln hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen.

Reisebeschränkungen oder Absagen von Veranstaltungen in betroffenen Ländern sind aus Sicht der WHO derzeit nicht notwendig. Die Organisation wies zwar darauf hin, dass es bei Massenveranstaltungen zu Ansteckungen kommen kann, betonte aber auch, dass Vorsichtsmaßnahmen gegen Covid-19 auch gegen Affenpocken wirken.

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