Corona-Überblick: Meldungen am Samstag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
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WHO meldet neuen Rekord an registrierten Corona-Neuinfektionen

GENF: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat innerhalb von 24 Stunden weltweit so viele neue Corona-Infektionen gemeldet wie nie zuvor. Die Zahl lag bei fast 300.000, wie die WHO am Samstagabend berichtete. Insgesamt sind damit seit Bekanntwerden des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 Ende vergangenen Jahres weltweit mehr als 21 Millionen Infektionen gemeldet worden. Die Dunkelziffer ist nach Einschätzung von Experten erheblich. In manchen Ländern werden viele, in anderen nur wenige Menschen auf das Virus getestet.

Die konkreten Zahlen, Stand Samstag 10.00 Uhr MESZ: 294.237 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden, seit Beginn des Ausbruchs insgesamt 21.026 758 Fälle. 755.786 Infizierte sind nach der WHO-Statistik weltweit gestorben.

Den vorherigen Rekord verzeichnete die WHO am 31. Juli mit etwas über 292.000 neu gemeldeten Fällen innerhalb von 24 Stunden. Nach absoluten Zahlen sind die bevölkerungsreichen Länder USA, Brasilien und Indien mit mehr als jeweils 100.000 neuen Fällen innerhalb von sieben Tagen am stärksten betroffen.


Trump: Wahlsieger könnte erst nach Monaten oder Jahren feststehen

WASHINGTON: US-Präsident Donald Trump hat seine Warnungen vor einer breitflächigen Briefwahl im November fortgesetzt. Es sei nicht zu erwarten, dass der Sieger in diesem Jahr am Abend der Wahl feststehe, machte Trump am Samstag (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz in Bedminster (New Jersey) klar. «Normalerweise sagen sie am Ende des Abends, Donald Trump hat die Wahl gewonnen, Donald Trump ist Ihr neuer Präsident», sagte Trump. Dieses Mal «wird man es möglicherweise - wenn man es wirklich richtig macht - für Monate oder für Jahre nicht wissen, weil diese Stimmzettel alle verloren gehen werden, sie werden weg sein». Es werde eine «katastrophale Situation» geben, wenn großflächig per Brief gewählt werde, sagte Trump.

Wegen der Corona-Pandemie wird erwartet, dass viele US-Amerikaner ihre Stimme bei der Präsidentenwahl per Brief abgeben werden. Trump erklärt mittlerweile annähernd täglich, dass das Fälschungsrisiko bei einer weit verbreiteten Briefwahl sehr hoch sei. Eindeutige Belege führt er dafür nicht an. Wegen seiner wiederholten Angriffe wird Trump vorgeworfen, Zweifel an der Sicherheit der Abstimmung zu säen.

Die Post hat bereits gewarnt, dass Stimmzettel zu lange unterwegs sein könnten. Trump sieht die Verantwortung dafür nicht bei dem ihm nahestehenden Leiter der Post, dem Geschäftsmann und republikanischen Großspender Louis DeJoy, sondern bei den Demokraten im US-Kongress. Es müsse mehr Ressourcen für die Post geben, aber die Demokraten gäben ihr kein Geld, sagte Trump. Stattdessen wollten die Demokraten eine Billion US-Dollar dafür einsetzen, ihren Parteikollegen in den Bundesstaaten aus der Patsche zu helfen, behauptete Trump. Er spielte damit offensichtlich auf den Streit um ein weiteres Konjunkturpaket in der Corona-Krise an.


Südafrika hebt nach Monaten Verkaufsverbot für Alkohol und Tabak auf

KAPSTADT: In Südafrika endet zu Wochenbeginn ein Verkaufsverbot für Alkohol und Tabak, das die Regierung vor Monaten zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus erlassen hatte.

Auch andere Beschränkungen werden angesichts sinkender Infektionszahlen aufgehoben oder gelockert, etwa ein nächtliches Ausgehverbot oder Reisesperren zwischen den Provinzen, wie Präsident Cyril Ramaphosa am Samstag in einer Fernsehansprache sagte. Bestehen bleibt aber die Pflicht zum Maskentragen in der Öffentlichkeit. Auch dürfen sich nur maximal 50 Menschen versammeln. Mit 583.653 bestätigten Infektionen ist Südafrika nach den Worten des Präsidenten das am stärksten betroffene Land ganz Afrikas.


Trump auf Wahlkampftour während Demokraten-Parteitag

WASHINGTON: US-Präsident Donald Trump reist kommende Woche für Auftritte in vier US-Bundesstaaten - während die Demokraten ihren viertägigen Nominierungsparteitag abhalten. Trump hält am Donnerstag eine Rede in Pennsylvania, wie das Wahlkampfteam des Republikaners am Samstag mitteilte. Am Montag sind Auftritte in den Staaten Wisconsin und Minnesota angekündigt, am Dienstag in Arizona. Bei allen vier Staaten handelt es sich um sogenannte Swing States, die bei der Wahl besonders umkämpft sind, weil sie sich Wählerumfragen zufolge nicht eindeutig einer der beiden Parteien zuordnen lassen.

Alle Reden zielen gemäß der Ankündigungen darauf ab, «Versäumnisse» von Trumps demokratischem Herausforderer Joe Biden herauszustellen. Auf Trumps Wahlkampfseite konnten sich Anhänger zunächst nur für Tickets für die Veranstaltung in Arizona registrieren. Trumps Wahlkampftour dürfte für Kritik sorgen, da das Land die Corona-Pandemie noch immer nicht in den Griff bekommen hat. Im Juni hatte Trump eine Kundgebung in Oklahoma abgehalten, zu der am Ende deutlich weniger Menschen kamen als erwartet. Eine weitere Großveranstaltung im Staat New Hampshire war kurzfristig abgesagt worden.

Wegen der Corona-Pandemie findet der Parteitag der Demokraten weitgehend online statt. Auch die Republikaner haben die ursprünglichen Pläne für die «Convention» Ende August verworfen. Über das Programm herrscht noch weitgehend Unklarheit.


EU sichert sich 300 Millionen Dosen möglichen Corona-Impfstoffs

BRÜSSEL: Die Europäische Union hat sich Hunderte Millionen Dosen eines möglichen Impfstoffs gegen das Coronavirus gesichert. Die EU-Kommission schloss nach eigenen Angaben einen ersten entsprechenden Rahmenvertrag mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca, wie die Behörde am Freitag in Brüssel mitteilte. Dabei geht es um den Kauf von 300 Millionen Dosen mit der Option auf weitere 100 Millionen.

Der Impfstoff könne sowohl den EU-Staaten als auch anderen europäischen Ländern sowie weniger wohlhabenden Ländern anderswo in der Welt zur Verfügung stehen, hieß es. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach vom «ersten Grundpfeiler» einer europäischen Impfstoffstrategie. «Diese Strategie wird es uns ermöglichen, Europäer sowie unsere Partner anderswo in der Welt mit künftigen Vakzinen zu versorgen.»

Wichtigster Punkt sind Vorverträge und Abnahmegarantien, um sich Zugriff auf ausreichende Mengen der Mittel zu sichern, die noch in der Entwicklung sind. So sollen Herstellungskapazitäten aufgebaut werden - obwohl die Hersteller noch nicht sicher sind, dass ihre Mittel wirklich funktionieren werden.

Bereits im Juni hatte eine sogenannte Impfstoffallianz aus Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden mit AstraZeneca einen Vertrag über mindestens 300 Millionen Impfdosen geschlossen. Eine Sprecherin der EU-Kommission betonte am Freitag, das aktuelle Abkommen decke alle 27 EU-Staaten ab. Ob die EU-Abmachnung den Vertrag der Impfstoffallianz ersetzt, blieb zunächst unklar.

Die EU-Kommission betonte außerdem, dass ähnliche Verträge mit weiteren Unternehmen verhandelt würden. Am Vortag hatte sie bereits mitgeteilt, dass Vorgespräche für einen Rahmenvertrag mit Janssen Pharmaceutica NV für den Kauf von 200 Millionen Dosen sowie einem Vorkaufsrecht für weitere 200 Millionen abgeschlossen worden seien.

Mit einem Joint Venture von Sanofi und GSK waren bereits ähnliche Vorgespräche abgeschlossen worden. Dabei ging es um den Kauf von 300 Millionen Dosen. Finanziert werden sollen die Geschäfte über ein im Kampf gegen die Coronakrise geschaffenes Soforthilfeinstrument. Es ist mit insgesamt 2,7 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt ausgestattet.


Dänemark führt Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr ein

KOPENHAGEN: Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, führt Dänemark ab dem 22. August eine Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr ein. «Wir tun dies, da die Infektionsraten steigen während auch die Aktivität in der Gesellschaft zunimmt», sagte Regierungschefin Mette Frederiksen am Samstag. Die Regelung werde für Reisende ab dem Alter von zwölf Jahren sowie die Fahrer und Angestellten der öffentlichen Verkehrsbetriebe gelten, sagte der dänische Verkehrsminister Benny Engelbrecht. Die Pflicht umfasse Busse, Züge, Straßenbahnen, die Metro, Fähren, Taxis und gelte auch an Bahnhöfen.

Frederiksen zufolge könnte die Maskenpflicht auch noch auf weitere öffentliche Bereiche wie Supermärkte ausgeweitet werden. Dänemark registrierte bisher nach Angaben von Gesundheitsbehörden rund 15.400 Infektionen. Mehr als 620 Menschen starben mit oder an dem Erreger. Am späten Freitagabend hatte Dänemarks Regierung die umstrittene Sechs-Tages-Regel für Reisende abgeschafft. Damit müssen Touristen künftig nicht mehr nachweisen, dass sie mindestens sechs Übernachtungen im Land gebucht haben.

Dänemark hatte im März zu Beginn der Corona-Krise strikte Maßnahmen ergriffen und die Ausbreitung des Coronavirus damit vergleichsweise schnell unter Kontrolle bekommen. Seit einigen Wochen mehren sich die Infektionsfälle aber wieder, unter anderem durch lokale Ausbrüche in der zweitgrößten Stadt Aarhus sowie bei einem Schlachtbetrieb in Ringsted.


Südkorea verschärft wegen vieler Corona-Neuinfektionen Maßnahmen

SEOUL: Wegen des höchsten Tagesanstiegs von Corona-Neuinfektionen seit fünf Monaten hat Südkorea die Regeln zur Vermeidung sozialer Kontakte für die Hauptstadtregion wieder verschärft. Wie die Gesundheitsbehörden am Samstag mitteilten, wurden am Freitag 166 neue Fälle verzeichnet. Die Gesamtzahl der registrierten Infektionen stieg demnach auf mehr als 15.000. Es gab bisher 305 Todesopfer in Verbindung mit Sars-Cov-2.

In den nächsten zwei Wochen bleiben in Seoul und der angrenzenden Provinz Gyeonggi öffentliche Einrichtungen einschließlich Wohlfahrtszentren, Büchereien und Museen geschlossen. Clubs, Karaokebars, Fitnessstudios und Konzerthallen können wieder geschlossen werden, wenn Schutzmaßnahmen wie die Erstellung von Besucherlisten nicht eingehalten werden. Zudem werden erneut keine Fans zu Spielen der Fußball- und Baseball-Ligen zugelassen, nachdem die Stadien für Zuschauer teilweise wieder geöffnet worden waren.

Die Behörden sind seit Tagen wegen täglich steigender Fallzahlen in Sorge, dass die Lage außer Kontrolle geraten könnte. Betroffen ist besonders die dicht besiedelte Hauptstadtregion. Dort kam es unter anderem zu neuen Häufungen von Infektionsfällen in Kirchengemeinden. «Die Situation ist ernst», sagte der Vizedirektor der Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention, Kwon Jun Wook. Er rief die Bewohner im Großraum Seoul auf, von Wochenendreisen in andere Regionen abzusehen.


New Yorker Museen dürfen noch im August wieder öffnen

NEW YORK: In New York können von 24. August an Museen unter Auflagen wieder öffnen. Dabei gelten Maskenpflicht und vorgeschriebene Laufwege, wie der Gouverneur des Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, am Freitag sagte. Die Museen dürften zudem nur höchstens ein Viertel der üblicherweise erlaubten Zahl an Besuchern einlassen und müssten zeitgebundene Tickets verkaufen, hieß es weiter.

Die Corona-Krise hat die Kulturbranche der Stadt hart getroffen. Museen in New York sind seit März geschlossen. Unter anderem die Broadway-Theater und die Metropolitan Opera haben alle Veranstaltungen bis zum Ende des Jahres abgesagt. Das New Yorker Metropolitan Museum hatte bereits Mitte Juli angekündigt, von 29. August an wieder öffnen zu wollen.

Nach oft über 6000 Neuinfizierten täglich in der Hochphase wurden seit Anfang Juni an keinem Tag mehr als 500 Neuinfektionen bestätigt. Während seitdem landesweit die Fallzahlen stark anstiegen, bleiben diese bisher in New York weiter niedrig. Die Quote positiver Tests liegt unter zwei Prozent, so dass Experten davon ausgehen, dass es ein realistisches Bild vom aktuellen Ausbruch gibt.


Neuseeland verlängert Lockdown in Auckland - 30 Fälle seit Dienstag

AUCKLAND: Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat am Freitag eine Verlängerung des Corona-Lockdowns in der Millionenmetropole Auckland um zwölf Tage angekündigt. Die neuen Einschränkungen waren am Mittwoch zunächst für drei Tage verhängt worden, nachdem in der Stadt vier Mitglieder einer Familie positiv auf das Virus getestet worden waren. Insgesamt soll der Lockdown damit nun für zwei Wochen gelten. «Die Beschränkungen jetzt aufzuheben und dann eine Explosion neuer Fälle zu haben, wäre das Schlimmste für Auckland und unsere Wirtschaft», so Ardern.

Die Zahl der bestätigten Neuansteckungen war am Freitag um 13 auf insgesamt 30 gestiegen. Die Infizierten sollen in spezielle Quarantäne-Einrichtungen gebracht werden, ein Patient mit Covid-19 wird im Krankenhaus behandelt. Fast alle neuen Ansteckungen stünden in Zusammenhang mit der Familie, bei der das Virus zunächst diagnostiziert worden war, sagte Ardern. Bei einem Fall werde dies noch geprüft.

In dem Pafizikstaat waren zuvor 102 Tage lang keine lokalen Infizierungen bestätigt worden. Damit galt Neuseeland als eines der erfolgreichsten Staaten im Kampf gegen Sars-CoV-2. Vorausgegangen waren sehr frühe und strikte Maßnahmen. Im Juni hatte sich das Land coronafrei erklärt und war zu einer relativen Normalität zurückgekehrt. Seit Beginn der Pandemie wurden in dem Inselstaat 1602 Fälle bestätigt, 22 Menschen starben in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung.


Weiterer lateinamerikanischer Politiker mit Coronavirus infiziert

CARACAS: In Venezuela ist ein weiterer führender Politiker nach eigenen Angaben positiv auf das Coronavirus getestet worden. Kommunikationsminister Jorge Rodríguez, der für gewöhnlich über die Entwicklung der Pandemie in dem südamerikanischen Krisenstaat informiert, gab den Befund am Mittwochabend auf Twitter bekannt. «Auch wenn ich mich allgemein in einem guten Zustand befinde, muss ich in Quarantäne», schrieb er.

Zuvor waren in Venezuela bereits ein Dutzend hoher Beamter, Politiker und Militärs positiv auf das Virus getestet worden waren, unter ihnen der Vorsitzende der Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, und Ölminister Tareck El Aissami. Auch in anderen lateinamerikanischen Ländern wie Bolivien, Brasilien und Honduras infizierten sich Minister, Staats- und Regierungschefs.

In Venezuela, das in dieser Woche nach offiziell erstmals 1000 Neuinfektionen verzeichnete, verschärft die Pandemie eine tiefe soziale Krise noch. Das Gesundheitssystem liegt am Boden; es fehlt an Lebensmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und Treibstoff. Immer wieder fällt der Strom aus. Zahlreiche Ärzte haben ihre Heimat verlassen.

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