Corona-Überblick: Meldungen am Montag

Foto: Pixabay/Alexandra Koch
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London befürchtet Engpässe bei Medizinprodukten durch Brexit

LONDON: Die Regierung in London hat Lieferanten von Medizinprodukten im Land wegen des bevorstehenden Auslaufens der Brexit-Übergangsphase dazu aufgerufen, Vorräte anzulegen. Ziel sei es, auf britischem Boden Medikamente und andere Medizinprodukte für sechs Wochen vorzuhalten, hieß es in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums am Montag. Das sei umso wichtiger, weil durch die Coronavirus-Pandemie die Versorgung mit vielen Gütern bereits jetzt schon schwierig sei.

Großbritannien hat die EU zwar bereits Ende Januar verlassen, gehört aber bis Jahresende noch zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion. Die Gespräche über ein Anschlussabkommen stecken derzeit fest. Ohne Einigung droht zum Jahreswechsel ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und Handelshemmnissen. Eine Frist zur Verlängerung dieses Übergangszeitraums ließ London Ende Juni ungenutzt verstreichen.

Im schlimmsten Fall müsse mit einem reduzierten Verkehrsfluss am Ärmelkanal gerechnet werden, hieß es in der Regierungsmitteilung weiter. Der Fokus müsse nun darauf liegen, die Folgen für die Versorgung mit Medizinprodukten abzufedern.


Schule in Corona-Zeiten: Mexiko kündigt Unterricht per TV an

MEXIKO-STADT: Schüler in Mexiko sollen im kommenden Schuljahr per Fernsehen und Radio unterrichtet werden. Eine entsprechende Vereinbarung der Regierung mit vier privaten Sendergruppen wurde am Montag in der täglichen Pressekonferenz von Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador in Mexiko-Stadt unterschrieben. Für die rund 30 Millionen Schüler des Landes sei es wegen der Coronavirus-Pandemie nicht sicher, zu Beginn des neuen Schuljahres ab dem 24. August in die Klassenzimmer zurückzukehren, sagte Bildungsminister Esteban Moctezuma. Das nordamerikanische Land hat weltweit die drittmeisten Todesfälle nach einer Covid-19-Erkrankung registriert.

In Mexiko haben nach offiziellen Angaben nur 56,4 Prozent der Haushalte Zugang zum Internet, 44,3 Prozent verfügen über einen Computer. Trotz der Armut, in der viele Mexikaner leben, hätten aber 95 Prozent der Haushalte einen Fernseher, sagte Moctezuma. Die Schüler sollen ihm zufolge durch 4550 Sendungen im Fernsehen und 640 im Radio - auch in 20 indigenen Sprachen - Unterricht für alle Stufen erhalten. Die Inhalte würden von der Regierung abgesegnet. Der Unterricht sei verpflichtend, es werde auch Prüfungen geben. Schulbücher sollen kostenlos verteilt werden. Nähere Informationen zu den Formaten der geplanten Sendungen gab es zunächst nicht.


Erster Tag ohne bestätigten Corona-Todesfall seit März

LISSABON: Im beliebten Urlaubsland Portugal hat es erstmals seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Mitte März einen Tag ohne offiziell bestätigten Todesfall in Zusammenhang mit Covid-19 gegeben. Binnen 24 Stunden seien aber 106 neue Infektionsfälle registriert worden, teilten die Gesundheitsbehörden am Montag in Lissabon mit.

Der erste Todesfall in Zusammenhang mit Corona war in Portugal am 16. März verzeichnet worden. Es handelte sich damals um einen 80 Jahre alten Mann, der mit dem Virus Sars-Cov-2 infiziert war. Seitdem hatte es keinen Tag ohne Corona-Tote gegeben. Insgesamt verzeichnete Portugal nach amtlichen Angaben mehr als 51.000 nachgewiesene Ansteckungen sowie 1738 Todesfälle.

Lange Zeit galt Portugal als eines der Länder in Europa, die vergleichsweise gut und mit geringen Ansteckungs- und Opferzahlen durch die Krise gekommen waren. Seit einigen Wochen wird aber eine Zunahme der Neuinfektionen vor allem im Großraum Lissabon verzeichnet. Die Lage dort hat sich in den vergangene Tagen leicht entspannt. Der Lockdown in mehreren - von Touristen weniger besuchten - Vororten der Hauptstadt wurde kürzlich aufgehoben.


Tschechien führt regionale «Corona-Ampel» ein

PRAG: Tschechien hat eine regionale «Corona-Ampel» eingeführt. Das Modell soll einen Überblick über die Lage in den einzelnen Landesteilen geben und regional differenzierte Gegenmaßnahmen ermöglichen, wie das Gesundheitsministerium am Montag mitteilte. Aktuell gelten die Alarmstufen Rot und Gelb in keinem einzigen Verwaltungsbezirk. Der Großteil des Landes ist weiß markiert, was «kein oder ein vernachlässigbares Risiko» bedeutet. Neun Bezirke sind grün, darunter die Hauptstadt Prag sowie Ostrava (Mährisch-Ostrau) und Brünn (Brno). Das bedeutet: sporadische Neuinfektionen.

Die Einschätzung beruht auf der Auswertung von 25 verschiedenen Parametern durch eine Expertengruppe. Sie soll wöchentlich aktualisiert werden. Damit verbunden sind abgestufte Empfehlungen etwa zur Einführung einer Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr, wie sie im Osten des Landes und in der Prager U-Bahn gilt. In Tschechien gab es bis bisher 16.800 bestätigte Coronavirus-Infektionen. 384 Todesfälle werden mit Covid-19 in Verbindung gebracht.


Fast 80 Corona-Infektionen bei dänischem Schlachtbetrieb

KOPENHAGEN: Nach dem Corona-Ausbruch in einem Schlachtbetrieb in Dänemark sind mittlerweile 79 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Wie der dänische Fleischverarbeiter Danish Crown am Montag mitteilte, ist die Gesamtzahl der Infektionen in dem Betrieb in Ringsted damit seit Samstag um 17 nachgewiesene Fälle angestiegen. Um das Risiko einer weiteren Corona-Verbreitung zu begrenzen, fange man nun damit an, die Körpertemperatur aller Mitarbeiter zu messen. 300 weitere Mitarbeiter sollten noch am Montag getestet werden.

Danish Crown war vor knapp einer Woche von einem ersten Corona-Fall unter den Mitarbeitern in Ringsted informiert worden. In dem dortigen Betrieb werden wöchentlich normalerweise rund 35.000 Schweine geschlachtet, was nun aber deutlich zurückgefahren wurde. Mittlerweile wurde dort auch ein mobiles Testzentrum errichtet, in dem alle Mitarbeiter in den kommenden sieben Wochen mindestens einmal wöchentlich auf Corona getestet werden sollen.

Beim deutschen Fleischverarbeiter Tönnies in Nordrhein-Westfalen hatte es nach einem Corona-Massenausbruch eine fast vierwöchige Zwangspause am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück gegeben. Mitte Juli war ein Anlaufen der Produktion wieder erlaubt worden. Der Vorfall hatte eine Debatte über die Arbeits- und Lebensbedingungen der dort angestellten Arbeiter ausgelöst.


Spanien will von EU 20-Milliarden-Kredit für Kurzarbeitprogramme

MADRID: Spanien hat bei der EU-Kommission einen Kredit in Höhe von mehr als 20 Milliarden Euro zur Finanzierung von Kurzarbeit in der Corona-Krise beantragt. Die genaue Summe, die das Land bekommen werde, hänge auch davon ab, wieviel Geld andere EU-Länder beantragen, teilte das Wirtschaftsministerium in Madrid am Montag mit.

Im Rahmen des Kurzarbeiterprogramms «Sure» stellt die EU den Mitgliedsstaaten insgesamt 100 Milliarden Euro zur Verfügung, um Kurzarbeit zu finanzieren. Sure gehört zum ersten Corona-Hilfspaket im Umfang von insgesamt 540 Milliarden Euro, das die EU-Staaten im April vereinbart hatten. Es sind ausschließlich Kredite. Für die Verteilung der Mittel wurde in Brüssel kein Schlüssel festgelegt.


Melbourne verschärft Lockdown weiter - Geschäfte und Pubs schließen

MELBOURNE: In Australiens zweitgrößter Stadt Melbourne haben die Behörden wegen der Corona-Pandemie den Lockdown weiter verschärft. Die meisten Geschäfte, Pubs und Hotels müssen ab Mittwoch geschlossen bleiben. Nur Geschäfte für Lebensmittel, Supermärkte, Apotheken, Postämter und Tankstellen dürfen weiter öffnen. Die Bürger seien dazu aufgerufen, unbedingt im Homeoffice zu arbeiten - Ausnahmen gebe es nur für Arbeitnehmer, bei denen dies nicht möglich sei, sagte der Premierminister des Bundesstaates Victoria, Daniel Andrews, am Montag. Die Maßnahmen sollen für mindestens sechs Wochen gelten.

In der Millionenmetropole, der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria im Südosten Australiens, grassiert seit Wochen eine zweite Corona-Welle. Victoria ist die am schlimmsten betroffene Region des Landes. Am Montag stieg die Zahl der Neuinfektionen dort um 429 - insgesamt gebe es derzeit etwa 6500 aktive Fälle in Victoria, teilten die Gesundheitsbehörden mit. In der Region mit knapp 6,4 Millionen Einwohnern sind bereits 136 Menschen in Verbindung mit dem Virus gestorben.

Am Wochenende hatte Andrews bereits eine nächtliche Ausgangssperre angekündigt, die seit Sonntag gilt. Diese soll jeden Abend um 20.00 Uhr (Ortszeit) beginnen und gilt bis 5.00 Uhr des Folgetags. Ausnahmen gibt es für Menschen, die zur Arbeit oder von dort nach Hause fahren oder die sich um jemand anderen kümmern. Zudem dürfen Einwohner Melbournes seit dem Wochenende nur noch einmal am Tag einkaufen gehen und nicht mehr als eine Stunde draußen Sport machen - und das nur im Umkreis von fünf Kilometern um ihr Zuhause. Andrews hatte zudem den Katastrophenzustand erklärt, womit die Polizei und andere Behörden zusätzliche Befugnisse erhalten.


Japanerinnen tragen Corona-Masken mit Hauch von Eleganz

TOKIO: Für modebewusste Japanerinnen, die auch mit monotoner Gesichtsmaske auf Eleganz nicht verzichten wollen, gibt es jetzt ein besonderes Accessoire: Perlenanhänger. Seitlich an den Bändern der Masken befestigt, sollen sie den in Japan allgegenwärtigen Schutzmasken einen Hauch des Besonderen geben, wie die japanische Tageszeitung «Asahi Shimbun» am Montag berichtete. Auf die aus der Not geborene Idee kam die Juwelierfirma Ise Shima Pearl Gallery.

Man habe sich während des Corona-Notstands überlegt, was man tun könne, damit die Kundinnen ihr Aussehen auch mit den obligatorischen und monoton aussehenden weißen Schutzmasken verbessern können, hieß es. Die Perlen gibt es in zwei Varianten: Die einen wurden in der Bucht Ago in der Präfektur Mie gezüchtet, die anderen in Süßwasser.


Corona-Studie bestätigt: Menschen können Hunde und Katzen anstecken

GREIFSWALD: Haustiere wie Hunde und Katzen können von Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert werden. Diese Annahme von Wissenschaftlern hat jetzt eine Studie italienischer Forscher bestätigt. Sie untersuchten in Norditalien, vor allem in der Lombardei, 540 Hunde und 277 Katzen. Die Tiere lebten in Haushalten mit Corona-Patienten oder in besonders stark von Corona betroffenen Gebieten. 3,4 Prozent der Hunde und 3,9 Prozent der Katzen hatten Antikörper gegen das Virus gebildet.

Die Ergebnisse sind nach den Worten des Präsidenten des Friedrich-Loeffler-Instituts Greifswald, Thomas Mettenleiter, nicht überraschend. «Sie bestätigen, was wir schon wissen», äußerte er. «Wir gehen davon aus, dass im Regelfall die Übertragung des Virus vom Menschen auf das Tier erfolgt.» Die Studie bestätige die bisherige Einschätzung des FLI, dass Hunde oder Katzen bisher keine Rolle bei der Verbreitung des Sars-CoV-2-Virus spielen. Ausschlaggebend sei die Übertragung von Mensch zu Mensch.

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