Corona-Überblick: Meldungen am Montag

Foto: Freepik
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Frontex-Chef: Wiederanstieg der Flüchtlingszahlen nach Corona

BERLIN: Nach einem Abklingen der Corona-Pandemie erwartet die EU-Grenzschutzbehörde Frontex eine deutliche Zunahme der Flüchtlingsströme in Richtung Europa. «Ich bin mir sicher, dass nach Corona wieder mehr Flüchtlinge versuchen werden, nach Europa zu kommen», sagte Frontex-Chef Fabrice Leggeri dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Der aktuell niedrige Stand der Zahl der Migranten an den EU-Außengrenzen ergebe sich vor allem aus den überall vorherrschenden Corona-Auflagen. «Schon im Sommer 2020, als die Corona-Reisebeschränkungen wieder gelockert wurden, kamen mehr Migranten nach Europa.»

Aus Sicht von Frontex hat die Pandemie die Fluchtursachen in den vergangenen Monaten verschärft. Schließlich sei etwa die Wirtschaft in Afrika wegen der Pandemie «mindestens genauso, wenn nicht stärker unter Druck als in der EU». Die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten müssten sich deshalb bald auf eine Reform der europäischen Migrationspolitik einigen, appellierte Leggeri. «Wenn der EU-Gesetzgeber aber keine Asyl- oder Migrationspolitik entscheidet, dann hat dies negative Auswirkungen auf die Lage an den Außengrenzen. Das haben wir 2015 und 2016 sehr deutlich erlebt», sagte der Frontex-Chef.


WHO befürchtet viele Tuberkulose-Opfer wegen Corona-Pandemie

GENF: Die medizinische Betreuung der Tuberkulose-Kranken hat in der Corona-Krise nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in dramatischem Ausmaß gelitten. Im Corona-Jahr 2020 seien gegenüber dem Vorjahr schätzungsweise 1,4 Millionen Erkrankte weniger wegen ihrer Tuberkulose behandelt worden. Besonders in Indonesien, Südafrika, den Philippinen und Indien hätten sich große Versorgungslücken aufgetan, teilte die WHO am Montagabend im Vorfeld des Welt-Tuberkulose-Tags (24. März) mit. «Die Auswirkungen vom Covid-19 reichen weit über den vom Virus verursachten Tod und die Krankheit hinaus», sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Unterbrechung wichtiger Hilfe für Menschen mit Tuberkulose sei ein weiteres tragisches Beispiel für die mittelbaren Folgen der Corona-Pandemie.

Darüber hinaus seien möglicherweise mehr als 500.000 Menschen an Tuberkulose gestorben, weil ihre Krankheit nicht früh erkrankt worden sei, so die WHO. Das Problem einer Kluft zwischen offiziell an der Infektion Erkrankten und den erfassten Neuinfizierten sei zwar schon vor Covid-19 bekannt gewesen. «Die Pandemie hat die Situation massiv verstärkt», hieß es weiter. Tuberkulose bleibt laut WHO eine der tödlichsten Infektionskrankheiten. Jeden Tag sterben den Angaben zufolge fast 4000 Menschen an der Lungenkrankheit, täglich infizierten sich fast 28.000 Menschen damit.


WHO: Corona-Anstieg durch geringe Impfraten, Frust und Öffnungen

GENF: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor Corona-Strategien, die hauptsächlich auf Impfungen setzen. Lockerungsschritte, gepaart mit noch niedrigen Impfraten und Corona-Müdigkeit, führten zu steigenden Neuinfektionen in Europa und anderen Regionen, sagten WHO-Vertreter am Montag in Genf. Der globale Anstieg werde in Europa zusätzlich durch ansteckendere Virusvarianten befeuert, sagte Maria Van Kerkhove, die oberste Corona-Expertin der UN-Behörde. «Das ist eine sehr gefährliche Kombination», sagte sie.

Die wöchentliche Zahl an Todesfällen im Zusammenhang mit Covid-19 sei in der Vorwoche erstmals nach rund eineinhalb Monaten wieder leicht gestiegen, berichtete Van Kerkhove. Die globalen Infektionszahlen kletterten im Wochenvergleich um acht Prozent. In Europa waren es zwölf Prozent. Der amerikanische Kontinent und Afrika waren die einzigen Weltregionen mit leicht fallendem Trend.

Alle hofften, dass Impfen allein das Problem löst, sagte WHO-Krisenkoordinator Mike Ryan. «Sorry, aber das tut es nicht». Ryan betonte, dass Lockerungen nur mit sehr niedrigen Fallzahlen und sehr genauer Überwachung des Infektionsgeschehens erfolgreich seien.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zeigte sich enttäuscht über die mangelnde Bereitschaft von reichen Ländern, Dosen an ärmere Staaten abzugeben. «Länder impfen jetzt jüngere, gesunde Menschen mit niedrigem Risiko für Corona-Erkrankung - auf Kosten von Menschenleben von Gesundheitspersonal, Älteren und anderen Risikogruppen in anderen Ländern.» Die globale Impf-Kluft werde jeden Tag «grotesker».


Bulgarien bietet Biontech Zusammenarbeit an

SOFIA: Bulgarien hat dem Gründer des Mainzer Corona-I mpfstoff-Herstellers Biontech, Ugur Sahin, Zusammenarbeit bei der Herstellung von Impfstoffen angeboten. Wie die Regierung in Sofia mitteilte, habe Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow in einem Telefonat mit Sahin am Montag die «langjährige Tradition» seines Landes bei der Herstellung von Arzneimitteln und Impfstoffen hervorgehoben.

Borissow habe danach Sahin eingeladen, Bulgarien zu besuchen, um sich vor Ort ein Bild von dem Unternehmen BulBio zur verschaffen, das dem Gesundheitsministerium gehört. Dort werden Arzneimittel und auch Tuberkulose-Impfstoff für den Export hergestellt. «Der Wendepunkt im Kampf mit Covid-19 ist die Schaffung von Impfungen», sagte Borissow.


Nato-Personal soll außerhalb der Reihenfolge Corona-Impfung bekommen

BRÜSSEL: Die rund 4400 Beschäftigten in der Nato-Zentrale in Brüssel sollen sich außerhalb der normalen Impfreihenfolge in Belgien gegen Covid-19 immunisieren können. Wie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Montag bestätigte, wird der Bündnispartner Polen dafür Impfstoff von Astrazeneca zur Verfügung stellen. Die erste Impfrunde soll bereits diese Woche starten.

In Belgien werden derzeit eigentlich nur Menschen geimpft, die älter als 65 Jahre sind, in der medizinischen Versorgung arbeiten oder zum Beispiel bestimmte Gesundheitsprobleme haben.

Zu der Frage, warum die Nato das Angebot Polens annehme, hieß es aus der Bündniszentrale, dies werde dazu beitragen, die notwendige Arbeit der Nato fortzusetzen und auch dazu, das belgische Gesundheitssystem zu entlasten.

Auch Mitarbeiter der Ständigen Vertretung Deutschland bei der Nato werden das Impfangebot vermutlich annehmen dürfen. Wenn am jeweiligen Dienstort nach den dortigen Vorgaben die Impfung mit einem auch in der EU zugelassenen Impfstoff möglich sei, rate man mit Blick auf den individuellen Schutz und die Eindämmung der weltweiten Pandemie dazu, diese wahrzunehmen, hieß es zum Thema aus dem Auswärtigen Amt.


UN-Entwicklungsagentur kritisiert männerlastige Corona-Taskforces

NEW YORK: Die UN-Entwicklungsagentur UNDP hat die deutliche Überzahl von Männern in weltweiten Corona-Taskforces kritisiert.

«Frauen standen an vorderster Front im Kampf gegen COVID-19 und machen weltweit 70 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen aus. Sie wurden jedoch systematisch von den Entscheidungsprozessen zur Bewältigung der Auswirkungen der Pandemie ausgeschlossen», sagte UNDP-Chef Achim Steiner am Montag in New York. Eine Untersuchung der Organisation kam zu dem Schluss, dass der Anteil von Frauen an Corona-Arbeitsgruppen in 137 Ländern bei nur 24 Prozent liegt. In 26 dieser Taskforces seien sogar keinerlei Frauen vertreten.


Ab 50 Jahren: New York weitet Kreis der Impfberechtigten aus

NEW YORK: Angesichts der gut voranschreitenden Corona-Impfkampagne in den USA weitet der Bundesstaat New York den Kreis der Berechtigten für die Immunisierung weiter aus. Von Dienstag an dürfen sich alle Bürger ab 50 Jahren mit einem der drei zur Verfügung stehenden Mittel impfen lassen, wie Gouverneur Andrew Cuomo am Montag mitteilte.

Zusätzlich dürfen sich bereits seit einiger Zeit Menschen mit speziellen Vorerkrankungen oder bestimmten Berufen, wie etwa Lehrer, Hausmeister oder Restaurant-Mitarbeiter impfen lassen. Insgesamt haben mehr als 25 Prozent der Einwohner in dem Bundesstaat mit rund 19 Millionen Einwohnern bereits zumindest eine Impfdosis bekommen. landesweit sieht es ähnlich aus. Der Bundesstaat - und insbesondere die darin liegende gleichnamige Millionenmetropole - waren im vergangenen Frühjahr zum Epizentrum der Pandemie in den USA geworden.


Tschechische Regierung will Notstand bis Ende April verlängern

PRAG: Die Minderheitsregierung in Tschechien will den Corona-Notstand um einen Monat bis zum 27. April verlängern. Das beschloss das Kabinett am Montag in Prag. Man müsse den «Kampf zu Ende führen», sagte Innenminister Jan Hamacek. Das Parlament muss noch zustimmen, könnte sich aber für einen kürzeren Zeitraum entscheiden. Auf der Grundlage des Ausnahmezustands ist unter anderem die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Die Menschen dürfen derzeit ihren Bezirk nur in Ausnahmefällen verlassen.

Die Corona-Lage in dem Land mit 10,7 Millionen Einwohnern bessert sich, wenn auch nur langsam. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte Tschechien andere Länder wie Deutschland und Polen um Hilfe bei der Behandlung von Corona-Patienten gebeten. Diese Gesuche habe man nun wieder zurückgezogen, sagte Hamacek. «Aktuell sieht es danach aus, dass wir die Situation mit eigenen Mitteln beherrschen können.»

Einen Dämpfer erhielten Hoffnungen auf das Antiparasitikum Ivermectin. Die Regierung hatte 10.000 Packungen an Krankenhäuser verteilen lassen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) riet nun von einem Einsatz des Wirkstoffs außerhalb klinischer Studien ausdrücklich ab. Die bisherigen Studien seien nicht ausreichend.

Seit Beginn der Pandemie gab es in Tschechien mehr als 1,4 Millionen Infektionen und 24.810 Todesfälle. Innerhalb von 7 Tagen steckten sich nach Berechnungen mehr als 600 Menschen je 100.000 Einwohner an. In Deutschland liegt dieser Wert bei 107,3.


Rücktrittsangebot verstärkt Kritik an slowakischem Regierungschef

BRATISLAVA: Die Regierungskrise in der Slowakei hat sich am Montag weiter verschärft. Der konservativ-populistische Ministerpräsident Igor Matovic hatte zwar am Sonntagabend überraschend seinen Rücktritt angeboten, daran aber mehrere Bedingungen geknüpft. So sollten zunächst seine koalitionsinternen Kritiker, allen voran Wirtschaftsminister und Vize-Regierungschef Richard Sulik, ihre Ämter aufgeben. Matovic selbst wollte hingegen nur die Führung des Kabinetts abgeben, aber weiterhin als einfacher Minister in der Regierung bleiben.

Suliks Partei SaS wies diese Bedingungen noch in der Nacht zum Montag zurück: Die als Kompromiss getarnten Vorschläge des Regierungschefs hätten «als Hauptmotiv ganz offensichtlich nur seine persönliche Rache», kritisierte die Partei auf Facebook. Matovic zeige neuerlich, dass er nicht geeignet sei, die Regierung zu führen.

Sulik war wegen seiner Kritik an der Corona-Politik des Regierungschefs schon seit Monaten dessen Haupt-Angriffsziel. Matovic hatte ihn wiederholt als «Totengräber» bezeichnet und ihm vorgeworfen, «schuld am Tod von Tausenden Menschen» zu sein, weil der Liberale die Matovic-Strategie von landesweiten Corona-Massentests kritisiert hatte.

Am Montag meldete sich auch die parteilose Staatspräsidentin Zuzana Caputova zu Wort. Sie hätte sich von Matovic und seinen Kontrahenten «konkrete Schritte zur Lösung der Regierungskrise erwartet statt nur neuerliche Bedingungen», kritisierte das Staatsoberhaupt vor Journalisten. Der sozialdemokratische Ex-Regierungschef Peter Pellegrini forderte rasche Neuwahlen als «einzige demokratische und vernünftige Lösung.»


Ungarn lässt zweiten chinesischen Impfstoff zu

BUDAPEST: Im Kampf gegen Covid-19 hat das EU-Land Ungarn bereits den zweiten Impfstoff aus China genehmigt. Die Arzneimittelbehörde OGyEI habe der Vakzine CanSino die Notzulassung erteilt, sagte die Oberste Amtsärztin Cecilia Müller am Montag in einer Online-Pressekonferenz. Schon seit mehreren Wochen verabreicht Ungarn seinen Bürgern die Präparate Sinopharm aus China und Sputnik V aus Russland.

Weder die beiden chinesischen noch der russische Impfstoff sind in der EU zugelassen. Mitgliedsländer der Union können in eigenen Notzulassungen von den Genehmigungsverfahren der europäischen Arzneimittelagentur EMA abweichen. Ungarn hat die eigenen Zulassungsverfahren für außereuropäische Vakzine bedeutend vereinfacht.

Der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orban setzt im Bemühen um eine rasche Immunisierung der Bevölkerung gegen das Coronavirus stark auf östliche Impfstoffe. Daneben werden in Ungarn westliche Vakzine eingesetzt, so weit sie verfügbar sind. Nach Müllers Angaben erhielten bis zum Montag fast 1,6 Millionen Bürger zumindest eine erste Impfung, was etwa 16 Prozent der Bevölkerung entspricht.


Johnson: Werden dritte Welle vom Kontinent auch zu spüren bekommen

PRESTON: Der britische Premierminister Boris Johnson rechnet auch für Großbritannien mit Auswirkungen durch die dritte Coronavirus-Welle auf dem europäischen Kontinent. Das sagte der konservative Politiker am Montag beim Besuch eines Unternehmens im nordenglischen Preston. «Die Menschen in diesem Land sollten sich keine Illusionen machen. Die Erfahrung zeigt, dass eine Welle, die unsere Freunde trifft, auch bei uns landen wird», so Johnson. Aus diesem Grund werde das Impfprogramm mit voller Kraft fortgesetzt. Die Entwicklung und Herstellung von Vakzinen seien internationale Projekte, die internationaler Kooperation bedürften, betonte er.

Zwischen Brüssel und London hatten die Spannungen wegen Impfstoffexporten zuletzt zugenommen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte am Wochenende vor allem dem britisch-schwedischen Hersteller Astrazeneca damit gedroht, Exporte zu verbieten. Dabei könnte es um Astrazeneca-Impfstoff gehen, der in den Niederlanden produziert wird. Die EU wirft Großbritannien vor, keine Impfstoffe zu exportieren, während das Land aber von Lieferungen aus EU-Ländern profitiert.

Wie BBC-Reporterin Laura Kuenssberg berichtete, soll Johnson bereits am Sonntag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron telefoniert haben, um dafür zu werben, die Impfstoffausfuhr aus der EU nicht zu beschränken.


Kremlchef Putin will sich gegen Corona impfen lassen

MOSKAU: Kremlchef Wladimir Putin will sich nach langem Zögern nun doch an diesem Dienstag gegen das Coronavirus impfen lassen. «Übrigens, ich beabsichtige morgen, das selbst zu tun», sagte der Präsident am Montag bei einer Video-Konferenz zur Impfkampagne in Russland. Welcher Wirkstoff ihm verabreicht wird, verriet Putin allerdings nicht. Sein Sprecher Dmitri Peskow sagte der Staatsagentur Tass zufolge, dass Putin eines der drei russischen Vakzine erhalten werde. Alle drei seien gut und zuverlässig.

Russland hat neben dem international bekannten Impfstoff Sputnik V zwei weitere: EpiVacCorona und seit einem Monat CoviVac. Der 68 Jahre alte Putin hatte seit Monaten auf mehrfache Journalistenfragen immer wieder offen gelassen, wann er sich impfen lassen wird. Sputnik V ist seit mehr als einem halben Jahr auf dem russischen Markt, aber erst seit Ende Dezember für Menschen über 60 Jahre zugelassen.

In Russland haben sich Putin zufolge erst 4,3 Millionen Menschen impfen lassen - das sind lediglich knapp drei Prozent der Bevölkerung des Riesenreichs. 6,3 Millionen Menschen hätten bislang die erste von zwei Komponenten einer Impfung erhalten.

Viele Menschen zögerten bisher, weil sich Putin selbst nicht hat impfen lassen, obwohl er Sputnik V als das weltweit beste Vakzin angepriesen hat. Viele Russen halten dagegen die im eigenen Land entwickelten Wirkstoffe nicht für ausreichend getestet.


Innenminister droht Organisatoren von Karnevalsumzug in Marseille

PARIS: Ein ungenehmigter Karnevalsumzug meist junger Menschen in Marseille hat in Frankreich ein Nachspiel. Innenminister Gérald Darmanin kündigte am Montag an, die Organisatoren sollten herausgefunden werden, um sie zu belangen.

Ministeriumssprecherin Camille Chaize hatte zuvor die Veranstaltung, bei der die meisten der insgesamt 6500 Teilnehmer laut Medien keine Masken trugen, als «nicht hinnehmbar» bezeichnet. Es handele sich um einem Affront gegen Pfleger und medizinisches Personal, sagte sie im Sender BFMTV. Die Veranstaltung war nicht bei der Präfektur angemeldet. Yannick Ohanessian, einer der Vizebürgermeister der Hafenstadt, forderte Teilnehmer via BFMTV auf, sich so rasch wie möglich testen zu lassen.

Die Polizei war erst am Sonntagabend in der Nähe des Alten Hafens im Stadtzentrum eingeschritten, um die Veranstaltung aufzulösen. Darmanin sagte bei einem Besuch außerhalb von Paris, es seien viele Familien mit Kindern dabei gewesen, deshalb habe sich die Polizei zunächst zurückgehalten. Außerdem hätten rund 400 Menschen aus dem linksradikalen Lager teilgenommen. Es wurden neun Menschen festgenommen, Dutzende wurden kostenpflichtig verwarnt, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Ministeriumssprecherin berichtete.

In Frankreich sind tagsüber grundsätzlich im Freien auch größere Veranstaltungen möglich, wenn dabei die Corona-Sicherheitsregeln strikt befolgt werden. Dazu gehört auch das Tragen von Schutzmasken. Frankreich ist stark von der Corona-Pandemie betroffen, es starben seit Beginn mehr als 92.000 Menschen.


Glockenläuten und Kreidekreuze für Corona-Opfer

PRAG: Tschechien hat ein Jahr nach Beginn der Coronavirus-Pandemie der Opfer gedacht. Um 12.00 Uhr mittags läuteten am Montag im ganzen Land die Kirchenglocken. Dazu hatten die Kirchen und eine Bürgerinitiative aufgerufen. Bisher starben nach offiziellen Angaben mehr als 24.800 Menschen, die zuvor positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden waren. Der EU-Mitgliedstaat hat rund 10,7 Millionen Einwohner.

Auf einem zentralen Platz in Prag tauchten am Morgen Tausende Kreidekreuze auf, die an die Toten erinnern sollten. Hinter der Aktion auf dem Altstädter Ring stand die regierungskritische Bürgerinitiative «Eine Million Augenblicke für Demokratie». «Viele von ihnen sind unnötig gestorben», schrieb ihr Vorsitzender Benjamin Roll bei Twitter. Dafür trage die Regierung die Verantwortung.

Derweil übte der nationale Rechnungshof NKU in einem Bericht scharfe Kritik an der Exekutive. Der Pandemieplan des Gesundheitsministeriums sei seit 2011 nicht mehr aktualisiert worden. Die schnell in China bestellten Masken seien teils überteuert und von mangelnder Qualität gewesen. «Niemand konnte darauf vorbereitet sein», entgegnete Regierungschef Andrej Babis.

Eine amtliche Inzidenzzahl gibt es nicht, innerhalb von sieben Tagen steckten sich aber nach Berechnungen zuletzt mehr als 600 Menschen je 100.000 Einwohner an. Die Tendenz ist sinkend. Die Regierung will den Notstand über Ostern hinaus verlängern. Die Menschen dürfen ihren Bezirk nur in Ausnahmefällen verlassen.


Staatsführung mit Astrazeneca gegen Corona geimpft

VILNIUS: In Litauen ist die politische Führung des Landes vor laufender Kamera gegen Corona geimpft worden. Staatspräsident Gitanas Nauseda und Regierungschefin Ingrida Simonyte bekamen am Montag in Kliniken der Hauptstadt Vilnius jeweils die erste von zwei Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca verabreicht. Damit sollte nach dem zeitweisen Stopp der Corona-Impfungen das Vertrauen in das Mittel demonstriert werden. Auch Parlamentspräsidentin Viktorija Cmilyte-Nielsen und Gesundheitsminister Arunas Dulkys sollten am Montag einen schützenden Pieks erhalten.

Litauen hatte wie viele andere europäische Länder in der Vorwoche die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff vorübergehend ausgesetzt, um mögliche Nebenwirkungen zu prüfen. Nach der Freigabe durch die Europäische Arzneimittelbehörde wird das Präparat in dem baltischen EU-Land wieder gespritzt. Nauseda und Simonyte appellierten beide an die Bürger Litauens, es ihnen nachzutun und sich impfen zu lassen.


Pakistan will verstärkt gegen Corona-Verstöße vorgehen

ISLAMABAD: Inmitten stark steigender Corona-Neuinfektionen wollen Pakistans Behörden verstärkt Corona-Verstöße ahnden. Lokale Verwaltungsbehörden seien angewiesen worden, die Umsetzung der verhängten Maßnahmen zu verschärfen und gegen Verstöße vorzugehen, teilte der für die Pandemie-Bekämpfung zuständige Planungsminister Asad Umar am Montag auf Twitter mit.

Eine Einzelperson könne für Verstöße bis zu einem Monat lang inhaftiert werden, sagte der Leiter der Zivilverwaltung für die Hauptstadt Islamabad, Muhammad Hamza Shafqat. Ein einmaliger Verstoß gegen die Maskenpflicht werde mit 100 bis 200 pakistanischen Rupien (rund 0,54 bis 1 Euro) bestraft. Am Sonntag wurden bereits Hunderte Geschäfte, Hochzeitssäle und Plätze wegen Verstößen versiegelt.

Die Behörden haben vor allem in städtischen Virus-Hotspots Einschränkungen verhängt. Ab Dienstag dürfen Flugzeuge aus 12 vor allem afrikanischen und südamerikanischen Ländern nicht mehr landen.

Bislang wurden in Pakistan mehr als 630.000 Infektionen und mehr als 13.850 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus nachgewiesen. Vermutet wird, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher sind. Am Samstag wurden der Premier Imran Khan und seine Frau positiv auf Corona getestet. Der Premier hatte zwei Tage davor seine erste Impfdosis erhalten.


Astrazeneca: Untersuchung findet kein erhöhtes Thromboserisiko

CAMBRIDGE/LONDON: Eine neue Untersuchung hat nach Angaben von Astrazeneca kein erhöhtes Thromboserisiko durch den Impfstoff ergeben. Das Unternehmen teilte am Montag mit, eine unabhängige Expertengruppe habe keine Sicherheitsbedenken erhoben. Auch die konkrete Suche nach Blutgerinnseln im Gehirn, sogenannten Sinusthrombosen, habe keinen Treffer ergeben. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, hatten das Präparat zuletzt ausgesetzt, weil in wenigen Fällen nach der Impfung Thrombosen, also Blutgerinnsel, in Hirnvenen aufgetreten waren. In Deutschland kann das Mittel mittlerweile wieder gespritzt werden.

Die Phase-III-Studie mit etwa 32.500 Probanden in den USA, Chile und Peru habe zudem die hohe Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs bestätigt, betonte das britisch-schwedische Unternehmen. So schütze das Vakzin mit einer Wirksamkeit von 79 Prozent vor Covid-19, bei Menschen ab 65 Jahren liege dieser Wert sogar bei 80 Prozent. Das bedeutet, dass unter den älteren Probanden einer geimpften Gruppe 80 Prozent weniger Erkrankungen auftraten als unter denen einer Kontrollgruppe. Die Wirksamkeit über alle Altersgruppen hinweg in Bezug auf schwere Krankheitsverläufe liege sogar bei 100 Prozent, teilte Astrazeneca mit.

Der Impfstoff namens AZD1222 wurde von Astrazeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt. Er wird seit Januar in Großbritannien in großem Stil eingesetzt.

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sprach von «weiteren guten Nachrichten». «Die Ergebnisse einer US-Untersuchung des Oxford/Astrazeneca-Vakzins beweisen deutlich, dass der Impfstoff sowohl sicher als auch höchst effektiv ist», twitterte Hancock. Das Unternehmen kündigte an, bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung zu beantragen.


Johnson will mit EU über Impfstoff-Lieferungen sprechen

LONDON: Im Streit um einen möglichen Exportstopp der EU von Corona-Impfstoffen nach Großbritannien sucht der britische Premierminister Boris Johnson nun das Gespräch. Johnson wolle noch vor dem EU-Gipfel diese Woche bei Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron dafür werben, die Ausfuhr nicht zu blockieren, berichtete die BBC am Montag. Gesundheits-Staatssekretärin Helen Whately sagte im Sender BBC Radio 4, kein Land und auch nicht die EU solle «Impfnationalismus oder Impfprotektionismus» zulassen.

«Wir erwarten, dass die Europäische Union sich an ihre Verpflichtungen hält. Und ich bin mir sicher, dass der Premierminister mit seinen Kollegen in Kontakt sein wird», sagte Whately. Wichtig sei, dass alle Länder mit ihren Impfungen vorankämen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte am Wochenende wegen des Mangels an Corona-Impfstoff in der EU mit weiteren Exportbeschränkungen gedroht.


Corona-Neuinfektionen in den USA gehen zurück

BALTIMORE: In den USA geht die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter zurück. Die Behörden meldeten für Sonntag insgesamt 33.243 neue Fälle, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Montagmorgen (MEZ) hervorging. Am Sonntag der Vorwoche waren noch 38.222 neue Infektionen registriert worden. Die Zahl der neuen Todesfälle mit einer bestätigten Coronavirus-Infektion lag bei 430. Eine Woche zuvor waren es noch 579.

Mit mehr als 542.000 Toten und 29,8 Millionen Infizierten sind die Vereinigten Staaten in absoluten Zahlen das weltweit am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land. Inzwischen sind aber auch schon mehr als 81,4 Millionen Menschen mindestens einmal geimpft. Insgesamt zählen die USA knapp 330 Millionen Einwohner.

Die Webseite der Johns-Hopkins-Universität wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen werden die Zahlen - unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten - nachträglich aktualisiert.


UN-Bericht: Wasser gilt als selbstverständlich - Investitionen fehlen

PARIS: Die lebenswichtige Ressource Wasser bekommt aus Expertensicht in vielen Teilen der Welt nicht genug Aufmerksamkeit. Entsprechend fehlten wichtige Investitionen, heißt es im aktuellen Weltwasserbericht, den die Unesco im Auftrag der Vereinten Nationen erstellt hat. Der Bericht fordert, dass der grundlegende Wert von Wasser erkannt und gemessen werden müsse. Nur so könne er schließlich auch in politische Entscheidungen einbezogen werden. Wasser werde weltweit viel zu oft als selbstverständlich angesehen. Das habe Verschmutzung und Verschwendung zur Folge.

Gerade in Zeiten von Pandemien wie aktuell der Covid-19-Pandemie kommt örtlichen Regierungen und den Wasser- und Sanitärbetreibern eine besondere Rolle zu. Ihre Bedeutung für das Leben und die öffentliche Gesundheit wird noch einmal sichtbarer. Die Pandemie treffe weltweit die Menschen am härtesten, die in Siedlungen oder Slums lebten, schreiben die Expertinnen und Experten.

Weltweit haben dem Bericht nach mehr als zwei Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Mehr als vier Milliarden hätten keinen sicheren Zugang zu Sanitäranlagen, mehr als drei Milliarden fehle es an geeigneten Handhygieneeinrichtungen. Zwei von fünf medizinischen Einrichtungen haben keinen ausreichenden Zugang zu Handhygieneeinrichtungen, wie es weiter heißt. Handhygiene sei aber äußert wichtig, um die Ausbreitung von Pandemien wie Covid-19 zu verhindern. Der Weltwasserbericht der Vereinten Nationen wird jährlich von der Unesco und deren World Water Assessment Programme für UN-Water erstellt.


Wahl in Kongo-Brazzaville: Oppositionskandidat stirbt an Covid-19

BRAZZAVILLE: Kurz nach der Präsidentenwahl im zentralafrikanischen Staat Kongo-Brazzaville ist der wichtigste Kandidat der Opposition, Guy Brice Parfait Kolélas, gestorben. Nach Angaben seines Wahlkampf-Teams vom Montag erlag der 61-Jährige den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Demnach war Kolélas mit einem medizinischen Flugzeug aus der Hauptstadt Brazzaville, auf dem Weg nach Frankreich. Während des Flugs habe er Atemwegskomplikationen bekommen und sei dann kurz nach der Landung gestorben, sagte sein Wahlkampfleiter Christian Cyr Mayanda.

Kolélas war bei der Abstimmung am Sonntag wichtigster Herausforderer von Staatschef Denis Sassou-Nguesso. Bei der Präsidentenwahl 2016 landete er auf dem zweiten Platz. Allerdings wurden auch dieses Mal keinem Gegenkandidaten wirkliche Siegeschancen eingeräumt.

Amtsinhaber Sassou-Nguesso kam 1979 durch einen Militärputsch an die Macht. 1992 verlor er die ersten Mehrparteienwahlen im Kongo, kam jedoch fünf Jahre später nach einem Bürgerkrieg wieder ins Amt. Mit insgesamt mehr als 35 Amtsjahren ist der über 70-Jährige inzwischen einer der dienstältesten Präsidenten Afrikas.

Kongo-Brazzaville ist einer der größten Ölproduzenten des Kontinents. Wegen niedriger Ölpreise und einer sinkenden Produktion hat das Land mit rund fünf Millionen Einwohnern wirtschaftlich sehr gelitten. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International ist es unter den letzten 15 Staaten.


Athen verpflichtet freiberufliche Ärzte zu Corona-Dienst

ATHEN: Wegen der anhaltend hohen Coronazahlen und der Erschöpfung der Ärzte in staatlichen Krankenhäusern hat Griechenland freiberufliche Ärzte zum Dienst verpflichtet. Die Regierung in Athen veröffentlichte am Montag einen entsprechenden Erlass. Zuvor hatte das Gesundheitsministerium erklärt, dass 200 Mediziner benötigt würden, um das Gesundheitssystem zu entlasten. Einem Appell, sich freiwillig zu melden, folgten bis Sonntagabend nach einem TV-Bericht jedoch nur 61 Ärzte.

Gesundheitsminister Vassilis Kikilias erklärte deshalb: «Leider hat sich nur eine kleine Zahl gemeldet. Wir verpflichten die Ärzte jetzt zum Dienst, um die Krankenhäuser zu stärken». Die gesetzliche Grundlage hatte die Regierung angesichts der Pandemie bereits im vergangenen Jahr geschaffen. Das Notfallgesetz erlaubt es auch, private Kliniken in die Pflicht zu nehmen.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen war in Griechenland trotz strenger Maßnahmen in den vergangenen Wochen ungebremst gestiegen. Experten vermuten, dass sich viele Menschen zunehmend ohne Vorsichtsmaßnahmen treffen, weil sie corona-müde sind. Am Sonntag registrierte die Gesundheitsbehörde 1514 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Die Zahl der Patienten, die beatmet werden müssen, stieg auf 674. Damit sind die Intensivbetten fast vollständig belegt.


Serbien verlängert Maßnahmen wegen höherer Corona-Zahlen

BELGRAD: Angesichts eines deutlichen Anstiegs der Corona-Zahlen müssen in Serbien alle Gaststätten und Einkaufszentren weiterhin geschlossen halten. Das verfügte der Krisenstab der Regierung in Belgrad am Sonntagabend. Hotelgäste dürfen in den Restaurants ihrer Herbergen bewirtet werden.

Geschäfte und Kultureinrichtungen dürfen bis 21.00 Uhr geöffnet bleiben, unter Einhaltung von Abstandsregeln und mit Begrenzung der Besucherzahl. Ähnliches gilt für Fitnessclubs. Der Krisenstab lockerte damit Einschränkungen, die seit Mittwoch gegolten und auch Kultureinrichtungen und Fitnessclubs eingeschlossen hatten.

Nach einer abrupten Talfahrt im Februar geht der sogenannte Sieben-Tage-Inzidenzwert in Serbien in diesem Monat wieder deutlich in die Höhe. Am Sonntag lag der Wert bei 512,1 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.


Virologe: Corona-Mutationen könnten Frühjahrs-Effekte «auffressen»

BERLIN: Die Ausbreitung der ansteckenderen Coronavirus-Mutationen könnte nach Ansicht des Virologen Ulf Dittmer die im Frühjahr zu erwartenden, mildernden saisonalen Effekte für die Pandemie abschwächen. Grundsätzlich würden Umweltfaktoren wie etwa UV-Strahlen und höhere Temperaturen sowie das vermehrten Aufhalten im Freien in der wärmeren Jahreszeit helfen, das Infektionsgeschehen zu bremsen. «Dieser Vorteil könnte jetzt - und das ist ein wenig die Gefahr - von den Mutanten aufgefressen werden», sagte der Direktor des Instituts für Virologie des Uniklinikums Essen der Deutschen Presse-Agentur.

«Wir wissen von Coronaviren, dass der R-Wert, also die Reproduktionsrate des Virus, aufgrund dieser Faktoren im Frühjahr und Sommer deutlich sinkt. Also mindestens um den Faktor 0,5, vielleicht sogar noch mehr. Und das ist schon relativ viel», sagte Dittmer. Die saisonalen Effekte könnten jedoch wegen der sich leichter ausbreitenden Corona-Variante B.1.1.7 nicht dafür ausreichen, dass der R-Wert langfristig unter die Schwelle von 1 sinke, ab der die Pandemie abflaut.


Ex-Skistar Neureuther fordert mehr Freiheiten für Kindersport

BERLIN: Der frühere Skistar Felix Neureuther hat eine andere Prioritätensetzung bei den Corona-Restriktionen gefordert. «Dann dürfen wir nach Mallorca fliegen, aber dürfen nicht in unserer Heimat draußen Sport machen», sagte der 36 Jahre alte ARD-Experte in der «Sportschau» am Sonntag. «Also wo sind wir denn? Ganz ehrlich, weil dieser Mallorca-Urlaub so wichtig ist?» Es gehe ihm insbesondere um die Kinder, «und nicht darum, ob irgendjemand Urlaub auf Mallorca macht».

An diesem Montag tagt die nächste Bund-Länder-Runde zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise. Ein Beschlussentwurf aus dem Kanzleramt setzt auf eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April - das betrifft auch die Restriktionen für den Sport. Dieser ist derzeit nur sehr eingeschränkt möglich, abhängig von den Inzidenzen vor Ort und eingeteilt nach Kontaktsport und kontaktfreiem Sport draußen oder in Innenräumen.

«Es ist ja auch alles richtig», sagte Neureuther zu den Pandemiemaßnahmen. «Aber wenn die Kinder zusammen im Klassenzimmer sitzen, dann verstehe ich es nicht, warum sie nicht draußen im Freien spielen können oder Sport machen können. In kleinen Gruppen.» Es müsse eine Regelung geschaffen werden, die das den Kindern ermögliche. «Ich hoffe es einfach wirklich sehr, weil es wäre für unsere Kinder jammerschade», sagte der jahrelang beste deutsche Skirennfahrer, der selbst Vater ist.

Kinder hätten so viel durchgemacht in den vergangenen Corona-Monaten. «Die bewegen sich nicht mehr, die sind stundenlang am Tag vor dem Computer», sagte Neureuther. «Wir müssen es schaffen, dass wir die Kinder wieder mehr in Bewegung bringen.» Das sei die große Aufgabe für die Zukunft. «Wir können nur eine gesunde Gesellschaft haben, wenn wir uns bewegen. Deswegen wäre es so wichtig, dass die Kinder rausgehen dürfen.»


«Hanami im Gehen» - Japans berühmte Kirschblüte in Corona-Zeiten

TOKIO: Sobald die ersten Blüten sprießen, gibt es kein Halten mehr: Sakura, die Kirschblüte, versetzt Japaner alljährlich mit ihrer betörenden Pracht in einen Rauschzustand. Doch in diesem Jahr ist wegen der andauernden Corona-Pandemie - wie schon 2020 - alles anders. Zwar wurde der Corona-Notstand am Montag auch im Großraum Tokio aufgehoben. Doch die Gouverneurin der Hauptstadt, die im Sommer die Olympischen Spiele austragen will, hat die Bürger wie schon im Vorjahr gebeten, auf die traditionell feucht-fröhlichen Feiern beim «Hanami», der Blütenschau, zu verzichten. Statt wie in normalen Zeiten mit viel Essen und Alkohol unter den Bäumen zu feiern, sollen sich die Bürger mit einem Spaziergang an den Bäumen vorbei begnügen - mit Maske natürlich. «Aruki Hanami», «Blütenschau im Gehen», lautet das Motto.

So sind im Ueno-Park in Tokio, mit seinen 1000 Kirschbäumen einer der beliebtesten «Hanami»-Orte der Hauptstadt, die Bereiche unter den Bäumen abgesperrt. Damit soll verhindert werden, dass sich die Menschen wie sonst auf blauen Abdeckplanen hinsetzen und feiern. Auf besonders stark genutzten Wegen gilt zudem Einbahnverkehr. Normalerweise begeben sich jedes Jahr mehr als drei Millionen Menschen in den Ueno-Park, um unter dem prächtigen Blütenmeer gesellige Stunden mit Freunden und Kollegen zu verbringen. Das Naturschauspiel währt zwar nur kurz, doch für Japaner liegt gerade in der Vergänglichkeit ihrer Schönheit der besondere Reiz der Kirschblüte.

Auch andernorts sind die Feiern unter den Kirschbäumen dieses Jahr untersagt. Restaurants entlang beliebter Hanami-Spots sind zudem aufgerufen, auf Straßenverkauf zu verzichten. Die Behörden haben die schwer unter der Pandemie leidenden Betreiber von Restaurants und Bars zudem aufgefordert, bis Ende März schon um 21.00 Uhr zu schließen - also nur eine Stunde später als während des Notstands, der in Tokio am Sonntag endete. Doch sind die Aufrufe rechtlich nicht bindend. Manche Betreiber wollen sich laut Medienberichten mit Blick auf die Kirschblüte nicht daran halten.

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