Corona-Überblick: Meldungen am Montag

In Caracas benutzt eine Frau ihr Handy, während sie die Straße entlanggeht. Foto: epa/Miguel Gutierrez
In Caracas benutzt eine Frau ihr Handy, während sie die Straße entlanggeht. Foto: epa/Miguel Gutierrez

Venezuela kehrt zu Corona-Wechselstrategie zurück

CARACAS: Venezuela kehrt im Kampf gegen das Coronavirus zu einer Wechselstrategie zurück, in der auf je eine Woche mit hartem Lockdown eine Woche mit weniger Maßnahmen folgt. Präsident Nicolás Maduro rühmte die Strategie am Montag bei Twitter als «die beste Methode».

In einer Woche mit «radikalem» Lockdown dürfen ähnlich wie in Deutschland nur Apotheken, Supermärkte und andere essenziell wichtige Geschäfte öffnen. In einer Woche mit weniger Maßnahmen dürfen dagegen zahlreiche Betriebe und Geschäfte zu bestimmten Zeiten Kunden empfangen, darunter auch Restaurants und Cafés.

Venezuela hat diese Corona-Strategie bereits früher verfolgt, für die Karnevalswoche (11. bis 16. Februar) wurde die Zeit mit weniger Maßnahmen aber ausgedehnt. Während etwa in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro der Karneval abgesagt worden war, regte die Regierung in Caracas damit zum Feiern an.

In Venezuela haben sich nach offiziellen Angaben bisher mehr als 136.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 1300 Patienten sind gestorben. Die tatsächlichen Zahlen dürften nicht zuletzt wegen fehlender Tests weit höher liegen.


Biden macht Amerikanern Hoffnung: Das Land steht vor besseren Tagen

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden hat den Menschen in den USA trotz der dramatischen Zahl der Corona-Toten Hoffnung auf bessere Tage gemacht. «Dieses Land wird wieder lachen, dieses Land wird wieder sonnige Tage haben. Dieses Land wird wieder Freude erfahren», sagte Biden am Montagabend (Ortszeit) in einer Ansprache im Weißen Haus. «Wir werden uns an jede Person erinnern, die wir verloren haben, an die Leben, die sie hatten, und an die Lieben, die sie zurückgelassen haben», sagte Biden. «Wir werden das durchstehen, ich verspreche es Ihnen», sagte er mit Blick auf die Pandemie.

Die USA überschritten am Montag die Schwelle von mehr als einer halben Million Corona-Toten. Nach Bidens Rede gedachten er, First Lady Jill Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Mann Douglas Emhoff der Opfer mit einer Schweigeminute auf der Südseite des Weißen Hauses, wo zahlreiche Kerzen entzündet waren. Sie beugten ihre Köpfe, kurz darauf spielte eine Militärkapelle das Lied «Amazing Grace».

Bis Montagabend hatten US-Behörden nach Daten der Universität Johns Hopkins 500.172 Todesfälle nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gemeldet. In absoluten Zahlen gibt es in keinem anderen Land der Welt so viele bestätigte Corona-Todesfälle.


Kinos in New York dürfen mit Einschränkungen wieder öffnen

NEW YORK: Die in der Corona-Pandemie seit rund einem Jahr geschlossenen Kinos in der Millionenmetropole New York dürfen ab der kommenden Woche mit Einschränkungen wieder öffnen. Es dürften nur ein Viertel der Plätze besetzt werden, pro Filmvorführung dürften nicht mehr als 50 Menschen anwesend sein, sagte Gouverneur Andrew Cuomo am Montag bei einer Pressekonferenz. Zudem müssten Masken-, Abstands- und Hygieneregeln beachtet werden. Auch Lüften gehöre zu den Bedingungen.

Damit verkündete der Gouverneur schon zum wiederholten Mal innerhalb weniger Wochen neue Lockerungen: Zuvor hatte er unter anderem mitgeteilt, dass Vergnügungsparks und Vergnügungseinrichtungen in Innenräumen wie beispielsweise Trampolin-Zentren oder Spielhallen demnächst wieder öffnen dürfen. Außerdem waren Stadien wieder eingeschränkt für Großveranstaltungen freigegeben und die Innenräume der Restaurants, Cafés und Bars bei eingeschränkter Kapazität wieder geöffnet worden.

New York - einst Epizentrum der Pandemie in den USA - hat die zweite Welle auch wegen streng durchgesetzter Maßnahmen bislang vergleichsweise gut und mit in der Spitze weniger Krankenhaus-Einweisungen als bei dem fatalen ersten Ausbruch im Frühjahr 2020 überstanden.


500.000 Corona-Tote in den USA - Flaggen werden auf halbmast gesetzt

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden hat das Herabsetzen der amerikanischen Flaggen auf halbmast angeordnet, um der rund 500.000 Corona-Toten im Land zu gedenken. Dies gelte für öffentliche Gebäude, Militärstützpunkte und alle diplomatischen Vertretungen der US-Regierung im Ausland, erklärte das Weiße Haus.

Die USA überschritten am Montag die Schwelle von einer halben Million Corona-Toten. «Damit sind in einem einzigen Jahr wegen dieser Pandemie mehr Amerikaner gestorben als im Ersten Weltkrieg, dem Zweiten Weltkrieg und dem Vietnamkrieg zusammengenommen», erklärte Biden. Zu diesem traurigen Anlass sei es Zeit, den Toten zu gedenken und an deren Angehörige und Freunde zu denken, erklärte Biden.

Bis Montagnachmittag (23.00 Uhr MEZ) hatten US-Behörden nach Daten der Universität Johns Hopkins 500.071 Todesfälle nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gemeldet. In absoluten Zahlen gibt es in keinem anderen Land der Welt so viele bestätigte Corona-Todesfälle.

Biden will am Montagabend (Dienstag, 0.00 Uhr MEZ) in einer Ansprache der Opfer der Pandemie gedenken. Im Anschluss wollen Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris eine Schweigeminute abhalten.


Ungarns Parlament billigt Corona-Notstand für weitere 90 Tage

BUDAPEST: Das ungarische Parlament hat am Dienstag wegen der Corona-Pandemie die Verlängerung des Gefahrennotstands für weitere 90 Tage gebilligt. Die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hatte sich diesen bereits im vergangenen November für die von der Verfassung vorgesehene Dauer von 90 Tagen gewähren lassen. Bei dem Votum am Montag stimmten 133 Abgeordnete des rechtsnationalen Regierungslagers für, 55 gegen die Verlängerung des Notstands. Ein Volksvertreter enthielt sich der Stimme.

Im November hatte die Opposition der damaligen Regierungsvorlage noch zugestimmt. Ihre nunmehrige Ablehnung begründeten Oppositionsvertreter damit, dass Orban seine Machtfülle inzwischen dazu missbraucht habe, um die Korruption auszuweiten, die Universitätsautonomie abzuschaffen und dem unabhängigen Radiosender Klubradio die Sendelizenz zu entziehen.

Der Gefahrennotstand ist die Grundlage für verschiedene Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, die in Ungarn seit November gelten. Darunter sind die Schließung der Gastronomie und Kultureinrichtungen, eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 20.00 und 5.00 früh sowie die Sperre der Grenzen für Urlauber und privat Reisende.

Die Pandemielage hat sich in Ungarn zuletzt wieder verschlechtert. Am Montag meldeten die Behörden des Landes mit zehn Millionen Einwohnern 2623 Neuinfektionen mit dem Coronavirus - fast doppelt so viele wie am Montag vor einer Woche. 4489 Menschen wurden am Montag mit Covid-19 in den Krankenhäusern behandelt, was einen Zuwachs von 606 Spitalspatienten innerhalb einer Woche bedeutet.


Bulgarien weitet Corona-Impfaktion aus - mobile Teams

SOFIA: Bulgarien hat seine Massenimpfaktion gegen Covid-19 in entlegene Landesteile ausgeweitet. Mobile Impf-Teams stehen seit Montag zur Verfügung der Bürgermeister von schwer zugänglichen Orten, erläuterte Gesundheitsminister Kostadin Angelow. Im ganzem Land seien am Montag bei «außerordentlich großem Interesse» parallel zu den Impfstellen in Krankenhäusern auch Hausärzte bei der Massenimpfung gegen Covid-19 eingesetzt worden, sagte er. Regierungschef Boiko Borissow rechnet damit, dass die vergangene Woche ins Stocken geratene Impfaktion nun mit bis zu 15.000 Geimpften pro Tag beschleunigt werde.

Die Corona-Massenimpfung hatte am Freitag mit Freiwilligen begonnen, die nach dem Fünf-Phasen-Plan der Regierung erst später an der Reihe gewesen wären - oder davon überhaupt nicht erfasst werden. Am Wochenende gab es großen Andrang und lange Warteschlangen vor gut 300 Impfstellen in der Hauptstadt Sofia und in anderen größeren Städten. Am Freitag, Samstag und Sonntag wurden in einer positiven Trendwende insgesamt fast 30.000 Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca verabreicht. Zum Vergleich: Seit Beginn der Impfaktion Ende Dezember wurden bei einer Bevölkerung von 6,9 Millionen Menschen insgesamt 119.354 Dosen gespritzt.

Die Corona-Fallzahlen in Bulgarien nehmen kontinuierlich zu - allerdings nicht exponentiell. Binnen 24 Stunden wurden am Sonntag 227 Corona-Neuansteckungen registriert - an dem Feiertag fiel die Zahl ebenso wie an anderen Sonntagen allerdings recht gering aus. Aktuell haben sich 26.560 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt, 3425 mehr als vor einer Woche.

Die Regierung stellt trotzdem weitere Lockerungen des Lockdowns ab 1. März in Aussicht. Dann soll die Gastronomie möglicherweise wieder öffnen dürfen. Eine Entscheidung könnte es am Donnerstag geben.


Bundesregierung spricht mit Frankreich über neue Grenz-Regelung

BERLIN: Die Regeln für den grenzüberschreitenden Verkehr mit Frankreich könnten möglicherweise demnächst aus Infektionsschutzgründen geändert werden. Ob es dann eine verschärfte Test-Pflicht geben könnte oder auch stationäre Kontrollen wie derzeit an den Grenzen zu Österreich und Tschechien, war am Montag aber noch offen.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, Deutschland und Frankreich würden zu diesen Fragen «sehr zeitnah Beratungen aufnehmen». Ziel sei es, hier auch unter Beteiligung der grenznahen Bundesländer «zu kooperativen Lösungen zu kommen». Im französischen Département Moselle an der deutschen Grenze hatten sich zuletzt die südafrikanische und die brasilianische Corona-Variante massiv ausgebreitet - diese Situation hat Deutschland alarmiert.

Beamte der Bundespolizei und der bayerischen Grenzpolizei kontrollieren seit dem 14. Februar wegen der Corona-Situation an der Grenze zu Tschechien und Tirol den Verkehr - und verwehren allen die Einreise, die nicht unter Ausnahmeregelungen fallen. Diese zunächst für zehn Tage angeordneten Kontrollen laufen, wenn sie bis dahin nicht verlängert werden, Dienstagnacht aus. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist nach Angaben eines Sprechers der Meinung, «dass aus seiner Sicht eine Verlängerung angezeigt ist».


Teil-Lockdown in Frankreichs Südosten: Küstenregion verschärft Regeln

NIZZA: An Frankreichs Côte d'Azur soll es angesichts der starken Ausbreitung des Coronavirus im Département Alpes-Maritimes zeitweise einen Teil-Lockdown geben. An den kommenden beiden Wochenenden sei die städtische Küstenregion im Lockdown, kündigte Präfekt Bernard Gonzalez am Montag an. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung des Départements seien davon betroffen. Das Verlassen des Hauses ist dann nur noch mit triftigem Grund möglich, etwa zum Einkaufen oder für einen Arztbesuch. Sport und Spazieren an der frischen Luft sind für eine Stunde am Tag in einer Entfernung von maximal fünf Kilometern vom Haus erlaubt.

Das Gebiet an der französisch-italienischen Grenze hat derzeit einen Inzidenzwert von 588 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen. Einem Sprecher der regionalen Gesundheitsbehörde zufolge ist der Wert damit etwa dreimal so hoch wie im nationalen Schnitt. Die britische Coronavirus-Variante sei zudem sehr verbreitet. Gonzalez zufolge hat sich die Lage deutlich verschlechtert.

Neben dem Teil-Lockdown weitet das Département an der französischen Riviera die Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen aus und verbietet den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Außerdem sollen Geschäfte mit mehr als 5000 Quadratmeter Fläche schließen - Lebensmittelläden und Apotheken ausgenommen. Auch zusätzliche Impfdosen sollen die Ausbreitung des Virus in dem Gebiet bekämpfen.

Frankreich mit seinen rund 67 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ist von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Mehr als 3,6 Millionen Menschen infizierten sich, rund 84.000 davon starben. Angesichts weiterhin hoher Fallzahlen gibt es auch landesweit seit Wochen Diskussionen um einen erneuten Lockdown, wie es ihn bereits im vergangenen Frühjahr und Herbst gegeben hatte. Derzeit gilt eine abendliche Ausgangssperre ab 18.00 Uhr.


Daten: 94 Prozent weniger Klinikaufenthalte nach erster Impfdosis

EDINBURGH: Schon die erste der zwei Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca kann einer vorläufigen Datenauswertung zufolge das Risiko eines Klinikaufenthalts wegen Covid-19 wohl um bis zu 94 Prozent reduzieren. Das geht aus einer Analyse mehrerer schottischer Universitäten und der Gesundheitsbehörde Public Health Schottland hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Das Vakzin von Biontech und Pfizer reduziert das Risiko einer Hospitalisierung mit der ersten Dosis demnach um rund 85 Prozent.

Die Werte gelten für die 4. Woche nach Erhalt der ersten Dosis, verglichen wurde, wie viel Prozent weniger Klinikeinweisungen es bei erstmals Geimpften als bei noch nicht geimpften Menschen gab. Für die noch nicht in einem Fachmagazin erschienene Untersuchung griffen die Wissenschaftler auf die Daten von 5,4 Millionen Menschen zurück, fast der gesamten schottischen Bevölkerung. Berücksichtigt wurde der Zeitraum vom 8. Dezember bis 15. Februar. In dieser Zeit wurden in Schottland 1,14 Millionen Impfdosen verabreicht. Mehr als jeder Fünfte in dem britischen Landesteil wurde geimpft.

«Diese Ergebnisse haben einen substanziellen Effekt bei der Reduzierung des Risikos von Krankenhauseinweisungen durch eine einzelne Impfdosis quer durch die schottische Bevölkerung gezeigt», sagte Jim McMenamin, der Leiter der für Corona zuständigen Abteilung bei Public Health Scotland, der Mitteilung zufolge.

In Großbritannien wird eine Impfstrategie verfolgt, bei der so viele Menschen wie möglich eine erste Impfung erhalten sollen. Die zweite Dosis wird erst nach bis zu zwölf Wochen verabreicht. Insgesamt wurden im Vereinigten Königreich bereits rund 17,5 Millionen Menschen mit einer ersten Dosis geimpft.


Bundesbank sieht in Deutschland weiterhin überhöhte Immobilienpreise

FRANKFURT/MAIN: Der Trend zu überhöhten Immobilienpreisen vor allem in deutschen Großstädten hat sich einer Bundesbank-Analyse zufolge im Jahr 2020 leicht verschärft. Es gebe Anzeichen dafür, dass «die markanten Preisübertreibungen auf den städtischen Wohnungsmärkten während der Coronavirus-Pandemie ... etwas zunahmen», schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht Februar, der am Montag veröffentlicht wurde. «Aktuellen Schätzergebnissen zufolge lagen die Preise in den Städten nach wie vor zwischen 15 Prozent und 30 Prozent über dem Wert, der durch demografische und wirtschaftliche Fundamentalfaktoren angezeigt ist.»

Auch in vielen ländlichen Regionen verteuern sich Häuser und Wohnungen seit Jahren zunehmend. «Der breit angelegte, kräftige Preisauftrieb bei Wohnimmobilien in Deutschland setzte sich im Jahr 2020 während der Coronavirus-Pandemie fort», stellte die Bundesbank fest. «Dabei deutet sich an, dass die Regionen außerhalb der Städte weiter an Attraktivität gewannen.»

Die Bundesbank nennt mehrere Preisangaben, um ihre Feststellungen zu untermauern. Demnach erhöhten sich die Preise für Wohneigentum nach Zahlen des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) im vergangenen Jahr um 7,5 (Vorjahr: 6,75) Prozent. Berechnungen auf Basis von Angaben des Datenanbieters Bulwiengesa für 127 deutsche Städte hätten einen Preisanstieg von 6,25 Prozent ergeben. Zu den sieben Großstädten zählen in der Auswertung Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart.

Nach Einschätzung der Bundesbank könnte sich «der Stellenwert von Wohneigentum in den Konsumplänen der privaten Haushalte aufgrund der Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie dauerhaft erhöht haben». Eine steigende Nachfrage nach Häusern und Wohnungen treibt die Preise. «Darüber hinaus blieben Wohnimmobilien offenbar eine attraktive Anlageform im Niedrigzinsumfeld, zumal sich die Finanzierungskonditionen noch einmal verbesserten.» Angesichts des Zinstiefs bauen auch professionelle Investoren auf «Betongold».


Tschechisches Verfassungsgericht kritisiert Corona-Schutzmaßnahmen

BRÜNN: Das tschechische Verfassungsgericht hat einen Teil der Corona-Schutzmaßnahmen der Regierung rückblickend für nichtig erklärt. Konkret ging es um die Geschäftsschließungen in der Zeit vom 28. Januar bis zum 14. Februar. Das teilte eine Sprecherin am Montag in Brünn (Brno) mit. Die Richter bemängelten, dass die Maßnahmen ebenso wie eine lange Liste von Ausnahmen unzureichend begründet gewesen seien. Ohne eine überzeugende Erklärung komme es Willkür gleich, wenn zum Beispiel Blumenläden und Waffengeschäfte geöffnet sein dürften, andere Läden aber nicht.

Mit den aktuell geltenden Schutzmaßnahmen befasste sich das Gericht nicht, obwohl sie sich kaum von den früheren unterscheiden. Die Geschäfte des nicht-alltäglichen Bedarfs bleiben damit in Tschechien weiter geschlossen. Die Opposition begrüßte das Urteil dennoch. Es zeige auf, dass die Regierung nicht einfach «Verbote wie Hasen aus dem Hut zaubern» dürfe, schrieb der Christdemokrat Marian Jurecka bei Twitter. Geklagt hatten 63 Volksvertreter aus dem Senat, der zweiten Kammer des tschechischen Parlaments.

Mit rund 968 Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen steht Tschechien derzeit EU-weit an erster Stelle. Am Montag meldete das Gesundheitsministerium in Prag 4002 neue Fälle binnen 24 Stunden. Seit Beginn der Pandemie gab es mehr als 1,1 Millionen nachgewiesene Infektionen und 19.330 Todesfälle. Der EU-Mitgliedstaat hat rund 10,7 Millionen Einwohner.


Weltgrößter Impfstoffhersteller bittet die Welt zu warten

NEU DELHI: Der weltgrößte Impfstoffhersteller hat angedeutet, dass es bei Exporten von Corona-Impfstoffen zu Verzögerungen kommen könnte. Der Chef der indischen Firma Serum Institute, Adar Poonawalla, schrieb auf Twitter: «Liebe Länder & Regierungen, während Sie #COVISHIELD-Lieferungen erwarten, bitte ich Sie demütig, Geduld zu haben. Das Serum Institute wurde angewiesen, dem großen Bedarf Indiens Vorrang einzuräumen und währenddessen die Bedürfnisse der übrigen Welt im Gleichgewicht zu halten. Wir geben unser Bestes.»

Die Firma stellt unter anderem den AstraZeneca-Impfstoff unter dem Namen Covishield zu günstigen Preisen her. Er wird deshalb besonders in ärmeren Ländern eine wichtige Rolle bei der Pandemiebekämpfung spielen.

Indien wird oft - wie einst Deutschland - als die «Apotheke der Welt» bezeichnet; im zweitbevölkerungsreichsten Land werden nach eigenen Angaben rund die Hälfte aller Impfstoffe weltweit hergestellt. Indien hatte zuletzt auch Millionen Dosen Corona-Impfstoff an ärmere Länder seiner Region und darüber hinaus verschenkt. Weitere wurden verkauft. Für Indien ist dies eine Gelegenheit, sein Image in der Region zu stärken - auch angesichts des Nachbarn China, der Indien militärisch und wirtschaftlich überlegen ist.

Doch Indien braucht auch selbst viele Impfstoffe und will bis zum Sommer rund 300 Millionen Menschen impfen - etwas weniger als ein Viertel der 1,3 Milliarden Einwohner. Bis vor Kurzem waren die Corona-Zahlen in dem Riesenland relativ niedrig gewesen. So wurden täglich nur um die 10.000 Neuinfektionen erfasst, während es zu Höchstzeiten im vergangenen Sommer knapp 100.000 am Tag gewesen waren. Einige Experten sprachen von einer gewissen Immunität in der Bevölkerung und Antikörper-Untersuchungen deuteten darauf hin, dass viele das Virus asymptomatisch trugen. Mit den niedrigeren Fallzahlen hatte jedoch auch die Sorglosigkeit der Menschen zugenommen und es wurden kürzlich auch infektiösere Corona-Mutanten aus Großbritannien, Brasilien und Südafrika gefunden. Zuletzt gab es in einigen Regionen, darunter in der Millionenmetropole Mumbai, wieder einen Anstieg der Fallzahlen.


London will Daten zur Wirksamkeit von Impfungen vorstellen

LONDON: Die britische Regierung will noch an diesem Montag Daten über die Wirksamkeit ihrer Impfkampagne präsentieren. Mit Spannung werden vor allem Daten zum Astrazeneca-Impfstoff erwartet. «Es sieht gut aus», sagte der zuständige Staatssekretär Nadhim Zahawi dem britischen Nachrichtensender Sky News. Das Impfprogramm beginne, Früchte zu tragen.

Details werde Premierminister Boris Johnson am Nachmittag vorlegen, wenn er seinen Fahrplan für die schrittweise Aufhebung des Lockdowns in England im Parlament vorstelle, sagte Zahawi. Gesundheit ist im Vereinigten Königreich Sache der einzelnen Landesteile. In Schottland, Wales und Nordirland bestimmen die jeweiligen Regionalregierungen über die weiteren Maßnahmen.

Laut einer vorab verbreiteten Mitteilung der Regierung sollen vom 8. März an wieder alle Schulen in England öffnen. Von Ende März an sollen auch soziale Kontakte sowie Freizeitsport zumindest im Freien wieder möglich sein.

In Großbritannien wurden inzwischen etwa 17,5 Millionen Menschen mit einer ersten Dosis gegen das Coronavirus geimpft. Die Infektionszahlen sind in den vergangenen Wochen massiv zurückgegangen. Trotzdem liegen sie noch immer auf einem verhältnismäßig hohen Niveau. Die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche wird derzeit mit 124 angegeben. Das ist mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Die Zahl stammt allerdings vom 16. Februar.


Corona-Beschränkungen enden

WELLINGTON: In Neuseelands größter Stadt Auckland enden die kürzlich wieder eingeführten Corona-Einschränkungen. Der Lockdown solle um Mitternacht Ortszeit (Montag 12.00 MEZ) aufgehoben werden, teilte Premierministerin Jacinda Ardern am Montag mit. Wegen drei Neuinfektionen war in Auckland ein dreitägiger Lockdown verhängt worden. Außerdem hatte Ardern eine landesweite Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz angeordnet.

Wegen extrem strenger Maßnahmen und genauer Kontaktverfolgungen ist Neuseeland bislang gut durch die Pandemie gekommen. In dem Inselstaat im Südpazifik mit knapp fünf Millionen Einwohnern gab es nur 2001 Fälle und 26 Tote. Am Montag wurde ein neuer Fall gemeldet. Der Patient sei seit Freitag in Quarantäne, teilte das Gesundheitsministerium mit. In der vorigen Wochen begannen in Neuseeland die Impfungen.


Biden warnt angesichts der hohen Zahl der Corona-Toten vor Abstumpfen

WASHINGTON: US-Präsident Joe Biden hat eindringlich davor gewarnt, in Anbetracht der hohen Zahl an Corona-Toten abzustumpfen. «Wir müssen uns dagegen wehren, taub gegen das Leid zu werden. Wir müssen uns dagegen wehren, jedes Leben als eine Statistik zu sehen», forderte Biden am Montagabend (Ortszeit) in einer Ansprache im Weißen Haus. «Wir müssen das tun, um die Toten zu ehren. Genauso wichtig ist es, sich um die Lebenden zu sorgen, jene, die zurückgelassen wurden», sagte Biden. Jeder Corona-Tote habe Familie, Freunde und ein «außerordentliches Leben» gehabt, das zu früh beendet worden sei.

Die USA überschritten am Montag die Schwelle von mehr als einer halben Million Corona-Toten. Nach der Rede gedachten Biden, First Lady Jill Biden, Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Mann Douglas Emhoff der Opfer mit einer Schweigeminute auf der Südseite des Weißen Hauses, wo zahlreiche Kerzen entzündet waren. Sie beugten ihre Köpfe, kurz darauf spielte eine Militärkapelle das Lied «Amazing Grace».

Zuvor hatte Biden bereits das Herabsetzen der amerikanischen Flaggen auf halbmast angeordnet. Dies gilt für fünf Tage an öffentlichen Gebäuden, Militärstützpunkten und allen diplomatischen Vertretungen der US-Regierung im Ausland.

Bis Montagabend hatten US-Behörden nach Daten der Universität Johns Hopkins 500.159 Todesfälle nach einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 gemeldet. In absoluten Zahlen gibt es in keinem anderen Land der Welt so viele bestätigte Corona-Todesfälle.

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