Corona-Überblick: Meldungen am Mittwoch

Foto: Pixabay/Christo Anestev
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In Hausarrest: Corona-Test bei Kolumbiens Ex-Präsident Uribe positiv

BOGOTA: Einen Tag, nachdem der Oberste Gerichtshof in Kolumbien Álvaro Uribe unter Hausarrest gestellt hatte, ist der ehemalige kolumbianische Präsident positiv auf das Coronavirus getestet worden. Uribe befinde sich in sehr gutem gesundheitlichen Zustand und habe keine schwereren Symptome oder irgendwelche Atemschwierigkeiten, sagte Gabriel Velasco, Sprecher von Uribes rechter Partei «Centro Democrático» in einem Video in den sozialen Medien am Mittwoch. Der Ex-Präsident hält sich derzeit auf seinem Anwesen im Norden Kolumbiens auf.

Das oberste Gericht hatte Uribe am Dienstag unter Hausarrest gestellt, um zu verhindern, dass er die Ermittlungen der Justiz behindert. Gegen ihn wird ermittelt, weil er Zeugen bestochen und unter Druck gesetzt haben soll, um sie zum Schweigen zu bringen. Der Senator und Ex-Staatschef und seine Familie werden beschuldigt, Verbindungen zu paramilitärischen Gruppen gehabt zu haben, die in mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg in Kolumbien Angst und Schrecken verbreitet hatten.

Das südamerikanische Land litt jahrzehntelang unter einem bewaffneten Konflikt zwischen den Streitkräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs, in dem mehr als 250.000 Menschen ums Leben kamen, mehr als sieben Millionen Bewohner wurden innerhalb Kolumbiens vertrieben. Die Farc als größte Rebellenorganisation hat inzwischen einen Friedensvertrag mit der Regierung geschlossen und die Waffen niedergelegt. Die Paramilitärs, die die Rebellen bekämpften, wurden bereits Mitte der 2000er demobilisiert.


Trump denkt über Nominierungsrede vor Wahl aus Weißem Haus nach

WASHINGTON: US-Präsident Donald Trump will seine bevorstehende Rede zur erneuten Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner wegen des Coronavirus womöglich vom Weißen Haus aus halten. «Wir denken darüber nach, es vom Weißen Haus aus zu tun, weil dann nichts in Bewegung gesetzt wird, es einfach ist, und ich denke, es ist eine wunderschöne Umgebung», sagte Trump am Mittwoch dem TV-Sender Fox. Er habe im Weißen Haus eine Menge Zeit verbracht und finde, es sei ein großartiger Platz und repräsentativ für das Land.

Die US-Präsidentschaftskandidaten werden traditionell bei Parteitagen gekürt und halten nach der Nominierung eine Rede. Wegen der Corona-Pandemie wurden die ursprünglichen Pläne für die mehrtägigen Veranstaltungen mit üblicherweise Tausenden Teilnehmern umgeworfen. Wie genau der Parteitag der Republikaner Ende August in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina ablaufen wird, ist unklar. Trump will bei der Präsidentschaftswahl am 3. November gegen den designierten demokratischen Kandidaten Joe Biden antreten.


Regierung liefert wegen Blockaden Sauerstoff per Flugzeug

LA PAZ: Boliviens Regierung hat eine Luftbrücke errichtet, um Sauerstoff für Corona-Patienten in drei von Straßenblockaden abgeschnittene Städte zu fliegen. Demonstranten, die der linken MAS-Partei des ehemaligen Präsidenten Evo Morales nahe stehen, demonstrieren mit Blockaden für die Einhaltung des Wahltermins am 6. September. Die Zeitung «La Razón» berichtete von 75 Blockaden in sechs Departments. 400 Sauerstoffflaschen seien nach La Paz, Cochabamba und Oruru geflogen worden, teilte das bolivianische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit.

Das Oberste Wahlgericht des Andenstaats hatte die Wahlen eines neuen Präsidenten und eines neuen Parlaments zuletzt ein weiteres Mal auf den 18. Oktober verschoben. Zuvor waren die für den 3. Mai vorgesehenen Wahlen wegen der Corona-Pandemie auf den 6. September gelegt worden. Die Opposition wirft der Regierung vor, die Pandemie als Begründung zu nutzen, um die Wahlen auf unbestimmte Zeit hinauszuzögern.

In Bolivien ist eine Übergangsregierung im Amt. Nach der Präsidentenwahl vom 20. Oktober 2019 war der damalige Präsident Morales auf Druck des Militärs zurückgetreten. Ihm wurde Wahlbetrug vorgeworfen. Der Ex-Präsident lebt derzeit im Exil in Argentinien. Weil er keinen ständigen Wohnsitz in Bolivien hat, untersagte ihm die bolivianische Wahlbehörde die Kandidatur für einen Sitz im Senat.


Corona-Ausbruch in belgischem Schlachthof - Mitarbeiter in Quarantäne

STADEN: Nach einem Corona-Ausbruch in einem Schlachtereibetrieb im belgischen Staden hat die örtliche Gemeinde mehr als 200 Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt.

Das bestätigte Francesco Vanderjeugd, der Bürgermeister der Gemeinde im westlichen Teil des Landes, der belgischen Nachrichtenagentur Belga am Mittwochnachmittag. Demnach seien bisher 18 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Bis Donnerstagmittag sollen die Ergebnisse aller Tests vorliegen. Den Angaben zufolge kann der Betrieb in dem Schlachthof weitergehen, da alle positiv getesteten Menschen in der gleichen separaten Abteilung arbeiteten.


Corona-Maßnahmen im schottischen Aberdeen werden wieder verschärft

ABERDEEN: In der schottischen Stadt Aberdeen sind am Mittwoch die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie wieder verschärft worden. Restaurants und Pubs in der Stadt müssten vom frühen Abend an ihr Türen wieder schließen, kündigte die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon während einer Pressekonferenz an.

Grund für die Maßnahme ist ein starker Anstieg von Fällen in der Stadt im Zusammenhang mit Gaststätten. Mit dem Ausbruch werden 54 Infektionen in Verbindung gebracht. «Diese hohe Zahl an Fällen erhöht unsere Sorge, dass wir es mit einem beträchtlichen Ausbruch in Aberdeen zu tun haben», sagte die Politikerin von der Schottischen Nationalpartei SNP.

Auch die Bewegungsfreiheit in Aberdeen soll wieder eingeschränkt werden. Maximal fünf Meilen weit (etwa acht Kilometer) dürfen sich die Menschen von Mittwoch an um ihren Wohnort in ihrer Freizeit bewegen. Von Reisen in die Stadt im Nordosten Schottlands wird ebenfalls abgeraten. Die Maßnahmen sollen in einer Woche überprüft und gegebenenfalls verlängert werden, so die Regierungschefin.


Buchhandelsunternehmen WH Smith streicht bis zu 1500 Stellen

SWINDON: Als Folge der Coronavirus-Krise streicht das britische Buchhandelsunternehmen WH Smith bis zu 1500 Jobs - und damit etwa jede zehnte Stelle. Betroffen davon sind vor allem Filialen an Flughäfen und in Bahnhöfen, teilte WH Smith am Mittwoch in Swindon mit. Trotz der Stellenstreichungen würden aber nur etwa 14 kleinere Geschäfte geschlossen, hieß es weiter.

Das Geschäft in Großbritannien läuft nach Unternehmensangaben nur schleppend wieder an. Viele Filialen seien daher noch geschlossen, so etwa 50 Prozent der Geschäfte, die Reisende als Zielgruppe haben. Es müssten nun Kosten reduziert werden, betonte Unternehmenschef Carl Cowling. WH Smith wurde vor mehr als 200 Jahren gegründet. Das Unternehmen startete 1792 mit einem Zeitungsgeschäft in London.


Keine Ausgangssperre für Touristen über 65 in der Türkei

BERLIN: Touristen in der Türkei sind von der wegen der Corona-Pandemie verhängten Ausgangssperre für Menschen über 65 Jahre ausgenommen. Darauf wies ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Mittwoch in der Bundespressekonferenz in Berlin auf Nachfrage hin. Am Dienstag hatte sein Ministerium die Reisewarnung für vier der beliebtesten Urlaubsregionen in der Türkei aufgehoben.

Die Ausgangssperre für die über 65-Jährigen gilt in der Türkei schon seit längerer Zeit vor 10 Uhr morgens und nach 20 Uhr abends. Zwischen 10 und 20 Uhr können sie sich frei bewegen. Bei älteren Menschen ist die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs vergleichsweise hoch. Die türkische Regierung hatte vergangene Woche aber eine Aufhebung der Ausgangssperre in Aussicht gestellt.

Nach wochenlangem Zögern hatte die Bundesregierung die seit März geltende Reisewarnung für die Türkei am Dienstag für die Provinzen Antalya, Izmir, Aydin und Mugla aufgehoben. Allerdings müssen Touristen sich jetzt in den 48 Stunden vor der Ausreise auf Corona testen lassen und dafür zwischen 15 und 30 Euro bezahlen. Die von den Reisewarnungen unabhängige Einstufung der Türkei als Corona-Risikogebiet bleibt vorerst.


Trotz Attentat: Oppositioneller tritt gegen Tansanias Präsidenten an

DARESSALAM: Wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl in Tansania ist der Oppositionelle Tundu Lissu von der Chadema-Partei zum Herausforderer von Präsident John Magufuli bestimmt worden. Nach einem Attentatsversuch auf ihn vor drei Jahren war Lissu längere Zeit zur medizinischen Behandlung in Belgien und erst vor einer Woche in seine Heimat zurückgekehrt. Durch die langwierige Behandlung seiner insgesamt 16 Schusswunden hatte er sein Abgeordnetenmandat verloren.

Die Attentäter - die mehr als 30 Schüsse auf sein Auto abgefeuert hatten - sind bisher nicht ermittelt. Lissu versprach nach seiner Ernennung am Mittwoch bei einem Wahlsieg die konsequente Umsetzung des Chadema-Wahlprogramms, das auch eine Verfassungsreform vorsieht.

Bei der Wahl am 28. Oktober will die oppositionelle ACT-Wazalendo nach bisherigen Plänen den früheren Außenminister Bernard Membe als ihren Kandidaten aufstellen. Der seit 2015 regierende Präsident Magufuli bewirbt sich inmitten von Kritik an seinem Umgang mit der Corona-Pandemie um ein zweites Mandat. Corona-Einschränkungen wurden laut seinen Kritikern erst spät eingeführt und sind im Vergleich zu denen anderer afrikanischer Länder recht locker. Die Behörden haben seit Ende April keine Corona-Zahlen mehr veröffentlicht. Magufuli machte auch Schlagzeilen mit dem Vorschlag, gegen das Virus zu beten.


Trotz Corona-Sonderwegs: Schwedische Konjunktur bricht kräftig ein

STOCKHOLM: Trotz der vergleichsweise lockeren Corona-Maßnahmen in Schweden ist die Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes im zweiten Quartal so stark eingebrochen wie seit mindestens 40 Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des EU-Landes schrumpfte im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 8,6 Prozent, wie die schwedische Statistikbehörde SCB am Mittwoch in einer vorläufigen Schätzung mitteilte. Damit liegt der Rückgang aberunter den 10,1 Prozent, um die die deutsche Wirtschaft nach einer ersten Schätzung zurückging. Andere EU-Mitgliedstaaten wie Spanien und Italien hatten noch größere Einbrüche zu verkraften.

Als Hauptgründe für den starken Rückgang führten die schwedischen Statistiker den sinkenden Export und ebenso geringeren Konsum der Privathaushalte im Corona-Quartal an. Es handele sich um den größten Konjunktureinbruch in einem einzelnen Quartal seit mindestens 40 Jahren - seit 1980 lassen sich die entsprechenden Statistiken in Schweden vergleichen. Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal betrug der Rückgang 8,2 Prozent. Im ersten Quartal 2020 hatte der BIP-Rückgang zum Vorquartal lediglich 0,3 Prozent betragen.

Schweden war in der Corona-Krise einen Sonderweg gegangen und hatte das öffentliche Leben nicht so stark beschränkt wie etwa Deutschland oder der Rest Skandinaviens. Geschäfte blieben ebenso offen wie Restaurants, Bars und Schulen. Dennoch wurden auch in Schweden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus eingeführt, etwa ein Verbot von Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern sowie ein Besuchsverbot für Pflegeheime.


Hannover Rück mit herbem Gewinneinbruch wegen Corona-Schäden

HANNOVER: Die Aussicht auf hohe Schäden durch die Corona-Krise hat bei dem Rückversicherer Hannover Rück im zweiten Quartal zu einem überraschend herben Gewinneinbruch geführt. Weil das Management die Rückstellungen für erwartete Schäden etwa aus Betriebsunterbrechungen, Warenkrediten und Veranstaltungsausfällen kräftig aufstockte, sackte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast drei Viertel auf 101,5 Millionen Euro ab, wie das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mitteilte.

Zu einer neuen Gewinnprognose für 2020 sah sich Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz wegen der großen Unsicherheiten rund um den weiteren Verlauf der Pandemie noch nicht in der Lage. Die Rückstellungen für mögliche Corona-Schäden stockte der Konzern von 220 Millionen Euro im ersten Quartal auf jetzt 600 Millionen Euro auf. Der Großteil der Summe entfalle auf noch nicht gemeldete Schäden, mit denen aber zu rechnen sei, hieß es.

Die meisten Corona-Schäden bei der Hannover Rück stammen Finanzchef Roland Vogel zufolge aus der Betriebsunterbrechungsversicherung, nachdem viele Unternehmen ihren Betrieb wegen der Pandemie über Wochen aussetzen mussten. Danach komme die Kreditversicherung, gefolgt von der Versicherung gegen Ausfälle von Veranstaltungen. So wurden viele Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele in Japan wegen der Pandemie verschoben oder gleich ganz abgesagt. Viele Veranstalter haben sich für solche Fälle versichert.


Afghanistans Universitäten nach fast fünf Monaten wieder geöffnet

KABUL: Afghanistans Universitäten haben nach fast fünf Monaten wieder geöffnet. Viele Studenten gingen am Mittwoch in Kabul wieder zu Veranstaltungen, wie ein Sprecher des Ministeriums für Höhere Bildung sagte. In Folge der Corona-Pandemie waren die Einrichtungen über Monate geschlossen, gelernt wurde ersatzweise online. An den Universitäten gilt ab sofort eine Maskenpflicht, Räume sollen täglich desinfiziert werden und Vorlesungen auch im Freien stattfinden.

Mitte März waren Afghanistans Bildungseinrichtungen geschlossen worden, um die Ausbreitung der Corona-Pandemie einzudämmen. Etwa 450.000 Studenten sind nach Angaben des Ministeriums im derzeitigen Semester an Afghanistans Universitäten eingeschrieben. Grundschulen und andere Schulen sollen vorerst noch geschlossen bleiben.

Nach Angaben der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef verschärften sich durch die Coronakrise die ohnehin bestehenden Defizite im Bildungssystem in Afghanistan. Millionen Kinder haben durch die derzeitigen Restriktionen keine Möglichkeit zum Lernen. Dem Jahresbericht der Organisation zufolge gehen in Afghanistan immer noch 3,7 Millionen Kinder nicht zur Schule. Nur etwas mehr als die Hälfte der Kinder absolviere die Grundschule.

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