Corona-Überblick: Meldungen am Mittwoch

Foto: Freepik
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Regierung gibt Druck nach und setzt Impfnachweis aus

LA PAZ: Nach anhaltenden Protesten hat die bolivianische Regierung von einem geplanten Impfnachweis für das Betreten von Supermärkten, Banken, Hochschulen und anderen geschlossenen Orten ab dem 27. Januar vorübergehend abgesehen. «Der Nationale Strategische Rat hat die Vorlage von Impfausweisen und PCR-Tests für die Dauer des Gesundheitsnotstands ausgesetzt», schrieb Gesundheitsminister Jeyson Auza am Mittwoch auf Twitter. Der Rat hatte den Notstand Anfang Januar angesichts der neuen Corona-Welle ausgerufen.

In Bolivien, einem Andenstaat mit hohem indigenem Bevölkerungsanteil, in dem viele Menschen auch auf natürliche Heilmittel vertrauen, wurden bisher 763.000 bestätigte Corona-Infektionen verzeichnet und mehr als 20.000 Tote im Zusammenhang mit dem Erreger registriert. Das Elf-Millionen-Einwohner-Land hatte zuletzt unter anderem wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante Höchstmarken bei den Corona-Neuinfektionen erreicht.

Gegen die Einführung eines Impfnachweises regte sich in Teilen der Bevölkerung, etwa unter Bauern und Evangelikalen, jedoch Widerstand. Zuletzt gingen zahlreiche Menschen in mehreren Städten auf die Straßen, um dagegen zu protestieren. In anderen Ländern Südamerikas wie Brasilien dagegen wird ein Impfnachweis zur Einreise in das Land oder für den Besuch von öffentlichen Einrichtungen fast selbstverständlich verlangt.


Corona-Rekordzahlen in Skandinavien

KOPENHAGEN: Schweden, Dänemark und Norwegen haben im Zuge der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus allesamt Rekordwerte bei den Neuinfektionszahlen verzeichnet. Wie aus der am Mittwochnachmittag aktualisierten Auflistung der schwedischen Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten hervorging, kamen in Schweden am Dienstag 37.886 neue Fälle hinzu. Das entsprach dem mit Abstand höchsten Tageswert seit Pandemiebeginn. In Dänemark wurde der Rekord vom Vortag gleich wieder gebrochen: Bei den täglich aktualisierten Werten des Gesundheitsinstituts SSI kamen diesmal 38.759 gemeldete Fälle hinzu, darunter 36.474 Neu- und 2285 erneute Infektionen.

In Norwegen wurden am vergangenen Tag 15.367 neue Corona-Fälle registriert - auch das ein klarer Pandemierekord, wie die Nachrichtenagentur NTB in der Nacht zum Mittwoch meldete. Der Schnitt der vergangenen sieben Tage lag demnach bei täglich 11.180 Infizierten.

In Schweden leben rund 10,3 Millionen Menschen. In Dänemark sind es etwa 5,8 Millionen und in Norwegen knapp 5,4 Millionen. In Skandinavien hat sich die Omikron-Variante bereits immens ausgebreitet. In Dänemark macht sie schon mehr als 98 Prozent aller analysierten Corona-Fälle aus.


Tschechien schafft geplante Impfpflicht für Senioren ab

PRAG: Tschechien macht seine Entscheidung für eine Impfpflicht für Senioren und bestimmte Berufsgruppen wieder rückgängig. Es werde unter seiner Regierung keine Impfpflicht geben, versicherte der neue Ministerpräsident Petr Fiala nach einer Kabinettssitzung am Mittwoch in Prag. Man wolle die Gräben in der Gesellschaft nicht vertiefen, führte der liberalkonservative Politiker zur Begründung an.

Die Vorgängerregierung unter Andrej Babis hatte die begrenzte Impfpflicht im Dezember als eine ihrer letzten Handlungen beschlossen. Die Verordnung sollte eigentlich im März in Kraft treten. Die Impfpflicht sollte unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, Polizisten, Feuerwehrleute, Soldaten und Mitarbeiter im Gesundheitswesen und in Pflegeheimen gelten.

In Tschechien haben nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC bisher 62,9 Prozent der Bevölkerung eine Grundimmunisierung gegen Covid-19 erhalten. Knapp ein Drittel der Bevölkerung hat zusätzlich eine Auffrischimpfung bekommen. Das ist weniger als in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern. Die Omikron-Welle sorgt derweil für eine Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen. Am Mittwoch meldeten die Gesundheitsbehörden 28.469 neue Fälle binnen 24 Stunden.

Auf seiner Sitzung brachte das Kabinett zudem eine Neuauflage des Pandemiegesetzes auf den Weg. Das Gesetz, das sonst Ende Februar auslaufen würde, gibt den Gesundheitsämtern weitreichende Befugnisse. So können zum Beispiel Geschäfte geschlossen werden.


Paraguay macht Grenzen für Ungeimpfte dicht

ASUNCIÓN: Angesichts steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus macht Paraguay seine Grenzen für Ungeimpfte dicht. Mehr als ein Dutzend Ausländer ohne vollständigen Impfschutz seien bei ihrer Ankunft bereits abgewiesen und in ihre Heimatländer zurückgeschickt worden, sagte die Leiterin der Einwanderungsbehörde, María de los Ángeles Arriola, am Mittwoch im Radiosender ABC. Darunter waren auch sechs Deutsche.

Zuletzt waren zahlreiche Impfgegner vor allem auch aus dem deutschsprachigen Raum in das südamerikanische Land ausgewandert. In den sozialen Netzwerken kursieren viele Videos, in denen Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, zu einem Neustart in Paraguay geraten wird. Oftmals werden in diesen Beiträgen auch Verschwörungserzählungen transportiert.

Seit der vergangenen Woche müssen Menschen bei der Einreise nach Paraguay allerdings eine Impfung mit mindestens zwei Dosen nachweisen. Zuletzt waren die Infektionszahlen in Paraguay sprunghaft angestiegen. Bislang haben sich in dem südamerikanischen Land über 500.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, fast 17.000 Patienten sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Etwa 42 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft.


Boris Johnson will Corona-Isolierung bald ganz abschaffen

LONDON: Der britische Premierminister Boris Johnson will die verpflichtende Isolierung für Corona-Infizierte in England in naher Zukunft vollständig abschaffen. «Es wird bald die Zeit kommen, in der wir die gesetzliche Verpflichtung zur Isolierung abschaffen können, genauso wie Menschen sich nicht gesetzlich isolieren müssen, wenn sie die Grippe haben», sagte Johnson am Mittwoch im Londoner Unterhaus. Die aktuellen Regelungen laufen zum 24. März aus. Wenn möglich, wolle er sie schon früher abschaffen, sagte Johnson. Erst vor wenigen Tagen hatte seine Regierung die Isolation auf fünf volle Tage verkürzt.

Johnson kündigte außerdem die Aufhebung aller noch in England geltenden Corona-Beschränkungen an. «Von morgen an werden wir keine Masken mehr in Klassenräumen verlangen», sagte der konservative Politiker. Auch anderswo sollen Masken nicht mehr Pflicht sein, sondern eine private Entscheidung jedes Einzelnen. «Die Regierung ruft ab jetzt auch nicht mehr dazu auf, von zuhause zu arbeiten.» Die in Teilen der Tory-Partei verhassten Impfnachweise, gegen die etliche Abgeordnete im Dezember rebelliert hatten, sollen ab Mitte nächster Woche ebenfalls der Vergangenheit angehören.

Die Infektionszahlen sind in Großbritannien in den vergangenen zwei Wochen deutlich zurückgegangen. Die Inzidenz, die die Zahl der Neuinfektionen der vergangenen Woche pro 100.000 Einwohner angibt, lag zuletzt bei 986 (Stand: 13. Januar). Zeitweise hatte sie um den Jahreswechsel die Marke von 2000 überschritten. Auch die Zahl der Einweisungen ins Krankenhaus geht leicht zurück. Nordirland, Wales und Schottland hatten im Kampf gegen Omikron auf schärfere Maßnahmen gesetzt, aber auch bereits Lockerungen angekündigt.

Der wegen Lockdown-Partys in der Downing Street heftig unter Druck stehende Johnson hofft, mit den weitreichenden Lockerungen Hinterbänkler in seiner Partei zu besänftigen.


US-Regierung will 400 Millionen kostenlose N95-Masken verteilen

WASHINGTON: Die US-Regierung will im Kampf gegen das Coronavirus 400 Millionen kostenlose N95-Atemschutzmasken verteilen. «Sie werden in kommunalen Gesundheitszentren, Apotheken und an anderen Orten im ganzen Land erhältlich sein», sagte die Kommunikationsdirektorin des Weißen Hauses, Kate Bedingfield, am Mittwoch dem Sender CNN. Es werde bald mit der Auslieferung begonnen. Seit Dienstag können die Menschen in den USA kostenlose Corona-Selbsttests nach Hause bestellen. Aktuell stehen vier Tests pro Adresse zur Verfügung - die Sendungen sollen Ende Januar verschickt werden. Insgesamt will die US-Regierung eine Milliarde der kostenlosen Tests bereitstellen.

Zuletzt hatte es vor Testzentren im ganzen Land lange Schlangen gegeben. Tests waren teilweise ausverkauft oder nur sehr teuer zu haben. US-Präsident Joe Biden geriet daraufhin massiv unter Druck. Die Omikron-Variante hatte die Corona-Fallzahlen in den USA massiv in die Höhe getrieben. In Gebieten, in denen sich die Variante früh ausgebreitet hatte, flacht die Zahl der Corona-Infektionen langsam ab. In den USA sind derzeit rund 63 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig gegen das Virus geimpft, davon haben knapp 39 Prozent eine Auffrischungsimpfung bekommen.


Turbulente Debatte in London: Johnson wartet auf «Partygate»-Bericht

LONDON: In einer turbulenten Debatte im britischen Parlament hat Premierminister Boris Johnson sofortige Konsequenzen aus dem «Partygate»-Skandal ausgeschlossen. Er werde den Bericht einer internen Untersuchung abwarten, der nächste Woche erscheinen werde, sagte Johnson am Mittwoch im Parlament. Erneut wich der Premier konkreten Fragen nach dem Ablauf von Lockdown-Partys im Regierungssitz aus. Oppositionsführer Keir Starmer müsse auf den Untersuchungsbericht warten, sagte Johnson.

Nachdem er sich zuletzt reumütig gezeigt hatte, gab sich der Premier, dem ein Misstrauensvotum in den eigenen Reihen droht, nun kämpferisch und griff seinen politischen Gegner scharf an. Wäre es nach Starmer gegangen, wäre das Land noch immer im Corona-Lockdown, behauptete Johnson. Dank seiner Politik aber sei Großbritannien wirtschaftlich gut durch die Pandemie gekommen.

Kurz vor der Debatte war bekanntgeworden, dass ein Tory-Abgeordneter zur Labour-Partei wechselt. Christian Wakeford, der Johnson sein Misstrauen ausgesprochen hatte, wurde von seinen neuen Kollegen mit lautem Jubel und Schulterklopfen begrüßt. Von der Regierungsbank gab es Buhrufe. Johnson wies darauf hin, dass Wakeford nur dank des fulminanten Tory-Wahlsiegs 2019 unter seiner Führung im Wahlkreis Bury South ins Parlament gekommen sei. «Wir werden wieder in Bury South gewinnen», sagte er.


Corona-Beschränkungen verlängert - Marin zuversichtlich

HELSINKI: Die finnische Regierung verlängert den Großteil der Corona-Beschränkungen bis Mitte Februar, will sie dann aber schrittweise lockern. Ein Teil der Maßnahmen fällt bereits Ende Januar weg - darunter die Empfehlung, dass Hobbyaktivitäten von Kindern und Jüngeren in Gruppen vermieden werden sollten. Das teilte die finnische Regierung am Dienstagabend mit. Auch die Vorgaben für den Unterricht an Hochschulen werden gelockert, damit wieder mehr Präsenzunterricht stattfinden kann. Grenzkontrollen werden zum Monatswechsel ebenfalls abgeschafft.

Finnlands Ministerpräsidentin Sanna Marin ist nach Angaben des Rundfunksenders Yle guter Dinge, dass ihr Land nach der derzeitigen Omikron-Welle ab Mitte Februar eine schrittweise Lockerung der geltenden Beschränkungen sehen könnte. Sie merkte am Abend aber auch an, dass die Epidemie-Lage Maßnahmen derzeit weiter notwendig mache.

Wie anderswo in Europa auch sind die Neuinfektionszahlen in dem nordischen EU-Land, angetrieben von der Omikron-Variante des Coronavirus, in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Das finnische Gesundheitsinstitut THL rechnet damit, dass der Höchststand Ende Januar oder Anfang Februar erreicht sein wird. Die Belastung der Intensivabteilungen ist nach Regierungsangaben jedoch deutlich geringer als bei vorherigen Virus-Varianten.


Japan verhängt erneut den Quasi-Notstand - Infektionen auf Rekordhoch

TOKIO: Japan hat wegen eines drastischen Wiederanstiegs der Corona-Neuinfektionen erneut den Quasi-Notstand über Tokio sowie ein Dutzend weiterer Präfekturen verhängt. Das beschloss die Regierung von Ministerpräsident Fumio Kishida am Mittwoch. Die Hauptstadt des Landes registrierte am selben Tag eine Rekordzahl von 7377 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Landesweit stieg die Zahl der Neuinfektionen auf den Höchststand von mehr als 38.000 Fällen. Inzwischen dominiert auch in der drittgrößten Volkswirtschaft, die jetzt die bereits sechste Corona-Welle erlebt, die Variante Omikron.

Mit dem Quasi-Notstand können die Gouverneure die Betreiber von Restaurants und Bars auffordern, früher zu schließen und den Ausschank von Alkohol entweder einzustellen oder zu begrenzen. Japan verzichtet damit schon seit Beginn der Pandemie weiterhin auf einen Lockdown mit harten Ausgangssperren wie in anderen Ländern. Die Maßnahmen treten am Freitag in Kraft und gelten bis zum 13. Februar. Tokios Börse stürzte aus Sorge über Folgen der neuen Infektionswelle für die Wirtschaftserholung auf den tiefsten Stand seit fünf Monaten.

Japan steht vor ähnlichen Problemen wie Europa und die USA. Es drohen personelle Ausfälle in wichtigen Wirtschaftsbereichen. Aus diesem Grund wurde der Beginn der Booster-Impfungen für einige Bereiche vorgezogen. Zudem wurde die Quarantänedauer von 14 Tagen auf jetzt 10 Tage verkürzt. Zugleich gilt weiter ein striktes Einreiseverbot. Derweil steigt die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen wieder an, allerdings noch vergleichsweise leicht.


Israel meldet rund 72.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag

TEL AVIV: Israel hat einen Höchststand von 72.120 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages vermeldet. Diese Zahl veröffentlichte das Gesundheitsministerium am Mittwoch. Zum Vergleich: Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 112.323 neue Infektionen. Deutschland hat etwa neunmal so viele Einwohner wie Israel mit 9,4 Millionen Bürgern.

Zuletzt hatte das Gesundheitsministerium in Israel Probleme gehabt, aktuelle Infektionszahlen zu übermitteln, wegen einer Überlastung des Systems. Als Grund dafür wurde der starke Anstieg der Fallzahlen genannt. Der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Nachman Asch, geht nach eigener Aussage davon aus, dass in rund einer Woche der Höhepunkt der Omikron-Welle in Israel erreicht sein dürfte.


Kiribati zwei Jahre coronafrei: Erster Flieger bringt 36 Infizierte

SOUTH TARAWA: Zwei Jahre lang hat es der Südseestaat Kiribati geschafft, Corona von seinen Inseln fast komplett fernzuhalten - nun brachte das erste Flugzeug, das landen durfte, gleich 36 Infizierte in den Archipel. Die aus Fidschi kommende Maschine habe 54 vollständig geimpfte Menschen an Bord gehabt, die vor dem Abflug drei Covid-Tests gemacht hätten, die alle negativ ausgefallen seien, teilte die Regierung am Mittwoch mit. Nach der Ankunft in Kiribati am Freitag seien dann aber 36 der Passagiere positiv auf das Virus getestet worden. Sie wurden in ein Quarantänezentrum gebracht. Ein Mitarbeiter des Zentrums sei mittlerweile ebenfalls infiziert.

Weil sich das Virus damit möglicherweise auch außerhalb der Isolierstation ausgebreitet haben könnte, verhängten die Behörden umgehend nächtliche Ausgangsbeschränkungen für die Bürger und führten eine Maskenpflicht ein. Treffen von mehr als zehn Personen wurden verboten, auch wurde der Verkauf von Alkohol eingeschränkt.

Die Republik Kiribati ist ein aus Korallenatollen und Inseln bestehender Staat mit etwa 120.000 Einwohnern. Der Archipel liegt nahe des Äquators mitten im Pazifik. Die Regierung hatte aus Angst vor einer Ausbreitung der Pandemie im März 2020 seine Grenzen geschlossen. Bis zu dem Flug aus Fidschi wurden nur zwei Infektionen registriert, allerdings beide auf Fischerbooten und nicht an Land.

Kiribati mit der Hauptstadt South Tarawa zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und die medizinischen Versorgungsmöglichkeiten sind nach Angaben des Auswärtigen Amts begrenzt. Notfälle müssten oft Tausende Kilometer weit nach Neuseeland oder Australien geflogen werden.


Parteiinterne Rebellion gegen Johnson weitet sich aus

LONDON: Die parteiinterne Rebellion gegen den britischen Premierminister Boris Johnson nimmt Medienberichten zufolge Fahrt auf. Bis zu 20 Tory-Abgeordnete wollten am Mittwoch Misstrauensschreiben abgeben, schrieb der gut vernetzte «Telegraph»-Reporter Christopher Hope am Dienstagabend auf Twitter. Es sei gut möglich, dass damit jene 54 Stimmen erreicht werden, die für ein Misstrauensvotum gegen Johnson nötig sind. «Seine Zeit ist abgelaufen», zitierte Hope einen Parlamentarier. Für gewöhnlich gut informierte Reporterinnen und Reporter anderer Medien bestätigten die Informationen.

Zu einer Abstimmung würde es kommen, falls 15 Prozent der 360 konservativen Abgeordneten - eben jene 54 Parlamentarier - Johnson ihr Misstrauen ausdrücken. In geheimer Wahl in der Fraktion müsste der Premier dann mindestens 50 Prozent der Mitglieder auf seine Seite bekommen, um die Abstimmung zu überstehen. Bisher haben erst sieben Abgeordnete dem Premier öffentlich ihr Misstrauen ausgesprochen, doch hinter den Kulissen scheint sich Größeres zusammenzubrauen. Johnson steht seit Wochen erheblich unter Druck wegen Enthüllungen über Partys im Regierungssitz während des Corona-Lockdowns. Sein Ansehen in der Bevölkerung und der Partei gilt bereits jetzt als schwer beschädigt.

Johnson kämpft seit Wochen um sein Amt. Am Mittwoch will er - wie von konservativen Hardlinern gefordert - ankündigen, einige Corona-Regeln aufzuheben, die er erst kurz vor Weihnachten wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante wieder eingeführt hatte. Dazu zählen die Vorgabe, möglichst von Zuhause zu arbeiten, sowie die Vorlage von Impfnachweisen zur Teilnahme an größeren Veranstaltungen. Auch die Maskenpflicht in Geschäften und dem öffentlichen Nahverkehr soll demnach enden, wie die BBC berichtete.

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