Corona-Überblick: Meldungen am Mittwoch

Foto: Freepik
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WHO-Chef greift Pharmaindustrie wegen Bevorzugung reicher Länder an

GENF: Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Prioritäten von Pharmaherstellern bei der Verteilung von Covid-Impfstoffen kritisiert. Tedros Adhanom Ghebreyesus reagierte damit am Mittwoch auf eine Mitteilung des internationalen Branchenverbandes IFPMA, wonach reiche Staaten jetzt über so viele Impfdosen verfügen, dass Dosen an ärmere Staaten abgeben könnten, ohne ihre eigenen Impfkampagnen einzuschränken. «Ich war entsetzt, als ich das gelesen habe», sagte Tedros in Genf. Es sei schon seit langem genug Impfstoff für reiche und arme Länder da.

Laut WHO sind bislang 80 Prozent aller weltweiten Corona-Impfungen in Ländern mit hohen und mittleren Einkommen erfolgt. Noch kein einziges armes Land hat eine Impfrate von zehn Prozent erreicht.

«Wir haben Gleichbehandlung von Beginn an eingefordert - nicht erst, wenn die reichsten Länder versorgt sind», sagte Tedros bei einer Pressekonferenz. «Solange die Firmen und Länder, die das globale Angebot kontrollieren, denken, dass sich die Armen der Welt mit Überresten zufrieden geben sollen, werde ich nicht schweigen.»

Tedros sprach sich erneut gegen Auffrischungs-Impfungen aus. Durch ein Aussetzen dritter Impfungen könnten Menschen in allen Länder schneller vor Covid-19 geschützt werden, sagte er.


Weiter hohe Corona-Zahlen

OSLO: Norwegen hat erneut die höchste Zahl an Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Woche seit Beginn der Pandemie verzeichnet. Wie die Gesundheitsbehörde am Mittwoch mitteilte, wurden in der vergangenen Woche 9956 neue Fälle registriert, 15 Prozent mehr als in der Vorwoche. Aufgrund der steigenden Corona-Zahlen will sich die Regierung zunächst nicht auf ein Ende der Pandemie-Beschränkungen festlegen. In Dänemark dagegen sollen die Regeln am Freitag fallen, in Schweden Ende September und in Finnland im Oktober.

Ein Grund für die vergleichsweise hohen Zahlen in Norwegen ist, dass das Land bei den Impfungen hinter seinen Nachbarländern zurückliegt. Rund 77 Prozent der erwachsenen Bevölkerung hat beide Impfdosen bekommen. Erst in der letzten Woche gab die Regierung das Go für die Impfung für Kinder ab 12 Jahren. Vor allem unter Kindern und Jugendlichen gibt es hohe Ansteckungsraten. Massentests an Schulen sollen verhindern, dass ganze Jahrgänge in Quarantäne gehen müssen.

Norwegens Gesundheitsminister Bent Høie sagte, das Ziel sei, bis Ende September 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen. «Wenn wir uns diesem Ziel nähern, werden wir wahrscheinlich öffnen und uns auf eine normale Gesellschaft mit erhöhter Bereitschaft zubewegen.»


Bulgariens Gastronomie protestiert gegen neue Corona-Regeln

SOFIA: In Bulgarien haben Eigentümer und Mitarbeiter der Gastronomie und Hotellerie gegen neu eingeführte Corona-Einschränkungen wegen der Delta-Variante protestiert. Auf einer Großkundgebung in der Innenstadt von Sofia forderten sie am Mittwoch finanziellen Ausgleich von 80 Prozent für ihre Ausfälle. Betroffen sollen laut Branchenangaben 300.000 Menschen sein. Gleichzeitig lehnt es die Branche energisch ab, von den zugelassenen 3G-Regeln für den Einritt von Geimpften, von Covid-19 Genesenen oder getesteten Kunden in Lokalen Gebrauch zu machen.

Der seit Dienstag geltenden Regelung zufolge müssen unter anderem Nachtlokale in dem südosteuropäischen Land jetzt um 23.00 Uhr früher schließen als zuvor. Auch die Zahl der Teilnehmer an privaten Feiern wie Hochzeiten wurde auf höchstens 30 begrenzt. Als Protest blieben Lokale in Sofia in der Nacht zum Mittwoch bis zum Morgen geöffnet.

Die Demonstranten verlangten auch den Rücktritt von Interimsgesundheitsminister Stojtscho Kazarow. Dieser bestand auf die Einhaltung der neuen Vorschriften, da sich anderenfalls die Delta-Variante des Coronavirus schneller ausbreiten würde. Kompensationen würden im Oktober gezahlt, versicherte er.

Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Menschen lag am Freitag bei 130,1. In Deutschland lag sie am Mittwoch bundesweit bei 82,6. Bulgarien ist mit einer Impfquote von unter 20 Prozent vollständig Geimpften EU-Schlusslicht. Viele Bulgaren wollen sich nicht impfen lassen, da sie im Internet verbreiteten Vorurteilen und Gerüchten über die Corona-Impfungen glauben. Zudem wird die Maskenpflicht oft nicht eingehalten. Kontrollen gibt es kaum.


Menschen im Norden Englands härter von Corona-Pandemie betroffen

LONDON: Die Menschen im Norden Englands sind einer Untersuchung zufolge bislang härter von der Corona-Pandemie betroffen als der Rest ihrer Landsleute. Sie verbrachten im Schnitt rund anderthalb Monate mehr in Lockdowns, hatten mehr psychische Leiden sowie ein größeres Risiko, an Covid-19 zu sterben, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Auswertung der Northern Health Science Alliance hervorgeht.

Die Sterberate an Covid-19 lag im Norden demnach 17 Prozent höher als im Rest des größten britischen Landesteils, in Pflegeheimen sogar 26 Prozent höher. Da die Corona-Lockdowns in England zeitweise abhängig von der regionalen Infektionslage verhängt wurden, verbrachten die Menschen im Norden Englands durchschnittlich 41 Tage länger unter harten Beschränkungen. Die Studienautoren führen die Unterschiede zu großen Teilen auf eine größere Armut in der Region sowie einen schlechteren Gesundheitszustand der Bürgerinnen und Bürger bereits vor dem Ausbruch der Pandemie zurück.

«Die Pandemie hat uns alle auf verschiedene Weise hart getroffen, aber unser Bericht zeigt, dass Menschen im Norden mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit zu den am härtesten getroffenen gehören, sowohl in Bezug auf Gesundheit als auch auf Wohlstand», sagte der Forscher Luke Munford von der Universität Manchester. Investitionen in die Gesundheitsversorgung der Region seien dringend notwendig.


Bahn-Gewerkschaft EVG will GDL-Abschluss nicht tatenlos zusehen

BERLIN: Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will einem möglicherweise höheren Tarifabschluss der Lokführergewerkschaft GDL mit der Deutschen Bahn nicht tatenlos zusehen. «Die EVG wird nach Abschluss der GDL-Tarifverhandlungen auf der Grundlage des Sonderkündigungsrechtes ihr weiteres Vorgehen prüfen», sagte EVG-Vorsitzender Klaus-Dieter Hommel den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). «Fakt ist, die aktuelle Tarifrunde für alle Beschäftigten der Deutschen Bahn wird von der EVG beendet.» Die EVG hatte mit der Deutschen Bahn bereits 2020 einen Tarifvertrag ausgehandelt.

Am Dienstag hatte die dritte Streikrunde der GDL geendet. Eine Annäherung ist noch nicht in Sicht. Die GDL fordert 3,2 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn hatte zuletzt eine Laufzeit von 36 Monaten angeboten und der Corona-Prämie zugestimmt. Gestritten wird auch über das Tarifeinheitsgesetz. Es sieht vor, dass in einem Unternehmen mit mehreren Gewerkschaften nur der Tarifvertrag der mitgliederstärkeren Arbeitnehmervertretung angewendet wird. In den meisten der rund 300 Betriebe der Bahn ist das aus Sicht des Konzerns die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.

Hommel forderte die GDL auf, ihre Mitgliederzahl zu nennen. «Es wäre an der Zeit, dass die GDL ihre Mitgliedszahlen offenlegt. Nur so kann sie einen Anspruch auf die zukünftige Vertretung von Beschäftigen nachweisen.» Die EVG hat nach eigenen Angaben 180.000 Mitglieder, bei der Deutschen Bahn liegt ihr Organisationsgrad zwischen 50 und 70 Prozent.


Corona-Zahlen sinken - Lockdown weitgehend aufgehoben

WELLINGTON: Neuseeland hat den landesweiten Corona-Lockdown nach drei Wochen weitgehend wieder aufgehoben. Die Zahl der Neuinfektionen war in den vergangenen Tagen im Vergleich zum August deutlich gesunken. Am Mittwoch meldeten die Gesundheitsbehörden zum vierten Mal in Folge etwa 20 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden. Vor einigen Wochen lag die Zahl kurzzeitig bei über 80. Lediglich in der Millionenstadt Auckland, dem Epizentrum des derzeitigen Ausbruchs, sollen die Beschränkungen zunächst weiter gelten.

Geschäfte und Schulen durften in allen anderen Landesteilen wieder öffnen. Einige Regeln sollen aber überall weiter bestehen bleiben. So müssen die Bürger jetzt in Innenräumen Masken tragen. Zudem dürfen sich in geschlossenen Räumen nur noch maximal 50 Personen versammeln, im Freien bis zu 100 Personen.

Der Inselstaat im Südpazifik hat, ebenso wie der Nachbar Australien, lange eine Null-Covid-Strategie verfolgt. Die Menschen lebten weitgehend vom Rest der Welt abgeschottet, dadurch aber trotz der Pandemie weitgehend normal weiter - monatelang auch ohne Masken. Die hochansteckende Delta-Variante habe «das Spiel aber verändert», betonte Ministerpräsidentin Jacinda Ardern zuletzt. Die meisten Bürger wünschen sich laut einer in der Zeitung «New Zealand Herald» veröffentlichten Umfrage von Ende August dennoch weiter den «Zero Covid»-Ansatz.

Neuseeland gilt weltweit als Vorzeigestaat im Kampf gegen das Virus. Bislang wurden nur rund 3800 Infektionen bestätigt, 27 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Allerdings sind bisher nur etwa 25 Prozent der fünf Millionen Einwohner vollständig geimpft.


Krankenhaus überschwemmt: Mindestens 17 Tote

TULA: Bei einem Hochwasser in Mexiko sind in einem überschwemmten Krankenhaus mindestens 17 Patienten ums Leben gekommen. In der Klinik in der zentralmexikanischen Stadt Tula konnten Covid-19-Patienten wegen eines Stromausfalls infolge der Überschwemmung nicht mit Sauerstoff versorgt werden, wie der Chef des staatlichen Instituts für Soziale Sicherheit (IMSS), Zoé Robledo, in einem Video mitteilte, das die Regierung am Dienstag auf Twitter veröffentlichte.

Drei Flüsse waren am Montagabend (Ortszeit) nach schwerem Regenfall über ihre Ufer getreten. Auch in der Stadt Ecatepec, wenige Kilometer von Mexikos Hauptstadt entfernt, kam es zu Überschwemmungen.

In dem Krankenhaus in Tula, das im Bundesstaat Hidalgo liegt, waren laut Robledo 56 Patienten behandelt worden - der Großteil wegen Covid-19-Erkrankungen. Die Überlebenden würden in Sicherheit gebracht. Medienberichten zufolge mussten auch Neugeborene in Brutkästen evakuiert werden. Hunderte Menschen hatten im Morgengrauen in Notunterkünften Unterschlupf suchen müssen. Die mexikanische Regierung erklärte in 27 Gemeinden in Hidalgo den Notstand und schickte Soldaten zur Hilfe in die betroffenen Gebiete.


Verheerende Auswirkung von Covid-19 auf andere Krankheiten

GENF: Die Covid-19-Pandemie wirkt sich katastrophal auf den Kampf gegen andere schwerwiegende Krankheiten aus. Das berichtete der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria am Mittwoch in Genf. Betroffen seien vor allem Tuberkulose- und Aids-Patienten - bei beiden Krankheiten sei die Zahl der Behandlungen und Tests infolge der Pandemie deutlich gesunken. «Die Covid-19-Pandemie hatte verheerende Auswirkungen auf den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria im Jahr 2020.»

Die 2002 gegründete und zuvor von der G8 gebilligte internationale Organisation mobilisiert und investiert eigenen Angaben zufolge jährlich mehr als vier Milliarden US-Dollar zur Unterstützung von Programmen, die von lokalen Experten in mehr als 100 Ländern durchgeführt werden. Bis August 2021 seien bereits 3,3 Milliarden US-Dollar für Aids-, Tuberkulose- und Malariaprogramme bewilligt worden, im vergangenen Jahr 4,2 Milliarden US-Dollar (3,55 Milliarden Euro). Zusätzlich habe man 980 Millionen US-Dollar genehmigt, um auf Covid-19 zu reagieren.

Dem Bericht zufolge sank im Jahr 2020 die Zahl der gegen arzneimittelresistenten Tuberkulose behandelten Menschen in den Ländern, in die der Fonds investiere, um 19 Prozent. Auch die Zahl der Menschen, die mit Aids-Präventionspogrammen erreicht worden seien, sei im Vergleich zu 2019 um 11 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der HIV-Tests sei um 22 Prozent zurückgegangen, was den Beginn einer Behandlung in den meisten Ländern verzögert habe. Der Kampf gegen Malaria sei durch Covid-19 nicht ganz so stark betroffen gewesen, hieß es weiter. Allerdings sei die Zahl der getesteten Malariaverdachtsfälle um 4,3 Prozent zurückgegangen.

Der Globale Fonds wirbt weltweit Gelder ein, verwaltet und investiert sie. Die Zahl der durch Aids, Tuberkulose und Malaria verursachten Todesfälle ging in den Ländern, in die der Globale Fonds investiert, eigenen Angaben zufolge um 46 Prozent zurück.

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Michael Meier 09.09.21 10:10
@ Rene
Und wofür die 600€ Coronabonus ? 1. Die Lokführer sitzen in der vollklimatisierten Lok alleine und 2. Hier geht´s nur um Machtkampf zw. den Bahngewerkschaften auf den den Knochen der Kundschaft !
Rene Amiguet 09.09.21 09:50
Bahn-Gewerkschaft EVG ist bescheiden
In Deutschland war die Inflationsrate im Juli 3,8 % und die Lokführer Streik Forderung beträgt nur 3,4%. Die Gewerkschaft müsste ihre Forderung nochmals überdenken und unbedingt weiter streiken bis die DB endlich einlenkt.