Corona-Überblick: Meldungen am Mittwoch

Foto: Freepik
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Illegales Corona-Impfzentrum aufgeflogen

PANAMA-STADT: In Panama ist ein unerlaubtes Corona-Impfzentrum entdeckt worden. In einem Büro- und Wohngebäude in Panama-Stadt wurden angeblich die Impfstoffe von Pfizer und Biontech sowie von Astrazeneca verabreicht, wie der Gesundheitsminister des mittelamerikanischen Landes, Luis Sucre, am Mittwoch im TV-Sender Telemetro sagte. Es werde noch untersucht, ob die Vakzine echt waren.

Es wurden demnach auch Büros eines Privatlabors untersucht. Festnahmen gab es zunächst keine. Nach einem Bericht der Zeitung «La Prensa» ließen sich an dem Ort im gehobenen Stadtviertel Coco del Mar allein an einem Tag mindestens 17 Menschen impfen. In Panama darf nur der Staat Corona-Impfstoff ankaufen und verabreichen.

Erst rund neun Prozent der gut vier Millionen Einwohner Panamas sind bisher vollständig gegen das Coronavirus geimpft worden. Seit Beginn der globalen Pandemie wurden dort knapp 384.000 Corona-Infektionen und mehr als 6400 Todesfälle offiziell registriert. Die Sterberate liegt nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität in den USA bei 150,9 pro 100.000 Einwohner und damit deutlich höher als in Deutschland.


Frankreichs Premier Castex muss als Corona-Kontaktfall in Isolation

PARIS: Frankreichs Premierminister Jean Castex muss in Corona-Isolation. Seine Frau war zuvor positiv auf das Virus getestet worden, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mit Verweis auf sein Amt berichtete. Castex wird sich demnach eine Woche lang isolieren. Ein erster Corona-Test bei ihm sei negativ gewesen. Der 55-Jährige ist bereits einmal gegen das Coronavirus geimpft.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Frankreich ist in den vergangenen Wochen bedeutend gesunken. Zuletzt wurden im Land knapp 69 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche gezählt. Rund 43 Prozent der französischen Bevölkerung sind mit mindestens einer Dose gegen das Coronavirus geimpft.


USA wollen 500 Millionen Impfdosen an andere Länder spenden

WASHINGTON: Im Kampf gegen die Corona-Pandemie will die US-Regierung übereinstimmenden Medienberichten zufolge 500 Millionen Impfdosen erwerben und sie an andere Länder spenden. Das Weiße Haus habe sich entsprechend mit den Pharmakonzernen Pfizer und Biontech geeinigt, berichtete am Mittwoch unter anderem die «Washington Post» unter Berufung auf mehrere mit den Plänen vertraute Personen. Den Berichten zufolge dürfte US-Präsident Joe Biden das Vorhaben vor oder beim G7-Gipfel im südwestenglischen Cornwall verkünden, an dem er während seiner ersten Auslandsreise als Präsident teilnimmt. Laut «New York Times» sollen die Impfdosen im Laufe der kommenden zwei Jahre an etwa 100 Länder verteilt werden.

Die Impfkampagnen gehen in den einzelnen Ländern der Welt im Vergleich in höchst unterschiedlichem Tempo voran. In den USA haben bereits mehr als 171,7 Millionen der rund 330 Millionen Einwohner mindestens eine Impfdosis erhalten. Mehr als 140,4 Millionen Menschen sind voll geimpft.

Die US-Regierung hat bislang zugesagt, bis Ende Juni 80 Millionen Impfstoffdosen mit anderen Staaten zu teilen. Vergangene Woche hatte das Weiße Haus Details zur Verteilung der ersten 25 Millionen Dosen veröffentlicht. Mindestens 75 Prozent davon, knapp 19 Millionen Dosen, sollen demnach über das Impfprogramm Covax vergeben werden. Die verbleibendenden rund 25 Prozent, etwa 6 Millionen Dosen, will die US-Regierung direkt an Länder abgeben: etwa an die Nachbarländer Kanada und Mexiko sowie Indien und Südkorea.


Besorgniserregende Virusvariante Delta bei 2,5 Prozent

BERLIN: Die in Indien entdeckte Coronavirus-Variante Delta bleibt in Deutschland weiter relativ selten. Ihr Anteil an den untersuchten Proben betrage nun 2,5 Prozent, geht aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) zu den als besorgniserregend eingestuften Mutanten vom Mittwochabend hervor. Die Angabe bezieht sich auf Proben aus der Woche vom 24. bis 30. Mai. Die Entwicklung der Variante (B.1.617.2) der Wochen zuvor beschreibt das RKI in der Tendenz als ansteigend, auf bis zu 3,1 Prozent in der Woche vom 17. bis 23 Mai. In den RKI-Berichten der Vorwochen war der Anteil dieser Variante stets mit Werten um zwei Prozent beziffert worden, nun gab es aber rückwirkend Änderungen, die etwa mit Nachmeldungen begründet werden.

Mit einem Anteil von 94 Prozent an den untersuchten Proben löst die Variante Alpha (B.1.1.7, entdeckt in Großbritannien) bundesweit weiter den Großteil der Infektionen aus. Die weiteren besorgniserregenden Varianten Beta und Gamma spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle.


Britischer Minister sagt nach Vorwürfen zu Corona-Politik aus

LONDON: Zwei Wochen nach schweren Vorwürfen eines ehemaligen Top-Beraters gegen die britische Regierung muss sich Gesundheitsminister Matt Hancock am Donnerstag (10.30 Uhr MESZ) den Fragen von Parlamentariern stellen. Die Mitglieder der Unterhaus-Ausschüsse für Gesundheit und Wissenschaft beschäftigen sich in London mit dem Umgang der Regierung mit der Corona-Pandemie.

Erwartet wird, dass sich die Fragen vor allem auf die Entscheidungen zu den Corona-Lockdowns im Frühjahr und Herbst 2020 konzentrieren sowie die Krisenvorbereitung und die Auswirkungen der Delta-Variante auf die geplanten Lockerungen. Der Regierung war vorgeworfen worden, zu spät auf die Ausbreitung des Virus reagiert und zu lange mit Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen gewartet zu haben.

Dominic Cummings hatte in seiner Befragung durch dieselben Ausschüsse vor zwei Wochen vor allem Hancock wiederholt scharf attackiert. Der Minister habe wiederholt gelogen und versagt, hatte der ehemalige Top-Berater von Premierminister Boris Johnson gesagt.


Pakistan führt Impfpflicht für Arbeitnehmer ein

ISLAMABAD: In Pakistan müssen sich Staatsbedienstete und Angestellte privater Unternehmen künftig gegen das Coronavirus impfen lassen. Das teilte die für die Pandemie-Bekämpfung zuständige Behörde NCOC am Mittwoch mit. Beschäftigte im öffentlichen Dienst müssen demnach bereits bis Ende Juni vollständig geimpft sein. Für private Unternehmen gab es noch keine näheren Bestimmungen.

Die Regierung in Islamabad hat vor, bis Ende des Jahres 70 Millionen der 220 Millionen Landesbewohner impfen zu lassen. Bisher wurden etwas mehr als 10 Millionen Impfstoffdosen verabreicht. «Je mehr wir impfen, desto besser werden wir geschützt sein», sagte Planungsminister Asad Umar am Mittwoch bei einer Zeremonie anlässlich der Verabreichung von nun zehn Millionen Dosen. In dem südasiatischen Land werden neben dem Vakzin von Astrazeneca vor allem chinesische Impfstoffe verabreicht.

Zuletzt war die Zahl der Corona-Neuinfektionen nach einem starken Anstieg im Mai zurückgegangen. Die Regierung hat viele Beschränkungen in den vergangenen Tagen wieder gelockert.

Angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie und teils langsamer werdender Fortschritte bei Impfungen gibt es weltweit immer wieder Diskussionen über eine Impfpflicht für bestimmte Personengruppen. In den USA etwa haben Universitäten und Krankenhäuser damit begonnen, eine Corona-Impfung zur Pflicht zu machen.


Norwegen macht Weg für freiwillige Impfung mit Johnson & Johnson frei

OSLO: Die Norwegerinnen und Norweger können sich auf Wunsch und nach Rücksprache mit einem Arzt bald doch mit dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson impfen lassen. Außerhalb der eigentlichen nationalen Impfkampagne könne man ab dem 15. Juni Termine zur Beurteilung bei Ärzten oder Impfkliniken buchen, gab Gesundheitsminister Bent Høie am Mittwoch bekannt. Um die Impfung zu erhalten, muss man jedoch eines von mehreren Kriterien erfüllen. Dazu zählen unter anderem dringend notwendige Reisen in Länder mit hohen Infektionszahlen oder andere Gründe, bei denen der Nutzen die Risiken des Impfstoffes übersteigen könnte.

Damit folgt Norwegen in etwa dem Beispiel von Dänemark: Auch dort ist Johnson & Johnson aus der nationalen Impfkampagne gestrichen worden, interessierte Bürger können sich das Mittel aber ebenso wie das von Astrazeneca seit Ende Mai freiwillig und nach Konsultation mit einem Arzt außerhalb des nationalen Impfprogramms verabreichen lassen.

Der Impfstoff von Astrazeneca wurde in Norwegen im März aus dem nationalen Impfprogramm gestrichen. Johnson & Johnson wurde in dem skandinavischen Land bislang nicht in Gebrauch genommen.


Viele Neuinfektionen: Moskau verschärft Corona-Kontrollen

MOSKAU: Angesichts steigender Infektionszahlen verschärfen die Behörden in Russlands Hauptstadt Moskau die Kontrolle von Corona-Beschränkungen. Außerdem würden in den kommenden Tagen zusätzliche Krankenhäuser für Corona-Patienten geöffnet, sagte Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin am Mittwoch der Agentur Interfax zufolge. Zuletzt waren in Europas größter Metropole mehr als 4100 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert worden - so viele wie seit Mitte Januar nicht mehr. In ganz Russland zählten die Behörden mehr als 10.400 neue Fälle und damit einen Höchststand seit Mitte März bei einer wahrscheinlich hohen Dunkelziffer.

Sobjanin warb einmal mehr für die Impfung, der viele Moskauer weiterhin skeptisch gegenüberstehen. In der 12-Millionen-Einwohner-Stadt haben sich jüngsten Zahlen zufolge erst rund 12,5 Prozent der Menschen immunisieren lassen. Seit Monaten gibt es im öffentlichen Leben kaum noch Beschränkungen. Unter anderem Restaurants, Bars und Theater haben geöffnet. Ab sofort soll etwa verstärkt überprüft werden, ob die Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und ob Unternehmen Hygieneregeln einhalten.


Corona-Impfdosen manipuliert - drei Jahre Haft für US-Apotheker

WASHINGTON: Ein Apotheker und Impfskeptiker im US-Bundesstaat Wisconsin hat Dosen des Corona-Impfstoffs Moderna verderben wollen - dafür muss er jetzt für drei Jahre ins Gefängnis. Zudem muss er seinem Arbeitgeber, einem Krankenhaus in der Ortschaft Grafton, Schadenersatz in Höhe von 83.800 Dollar (etwa 68.800 Euro) zahlen, wie das US-Justizministerium in Washington am Dienstag (Ortszeit) mitteilte.

Der Mann unterbrach demnach die für den Impfstoff notwendige Kühlkette. Medienberichten zufolge mussten etwa 500 Dosen als Folge der Manipulation vernichtet werden.

Der 46-Jährige hatte der Behörde zufolge im Dezember 2020 in zwei Nachtschichten in Folge an seinem Arbeitsplatz eine Box mit den Moderna-Dosen aus dem Kühlschrank genommen und erst nach mehreren Stunden wieder zurückgestellt. Damit seien 57 Menschen anschließend geimpft worden, bevor die Manipulation des Apothekers bekannt geworden sei, hieß es weiter. Der Mann habe das Risiko «rücksichtslos missachtet», dass Menschen dadurch der Gefahr von Tod und Körperverletzung ausgesetzt werden könnten.

Der Apotheker entschuldigte sich am Dienstag vor Gericht, wie der Lokalsender WTMJ berichtete. «Ich hatte nicht das Recht, diese Entscheidung zu treffen.» Er fühle sich fürchterlich, ihm tue es sehr leid, und er sei beschämt. Im Februar hatte er sich in zwei Fällen der Manipulation für schuldig bekannt. Er sagte demnach, er stehe Impfungen generell und dem Moderna-Impfstoff im Speziellen skeptisch gegenüber und habe dies auch seinen Kollegen gesagt.


Corona-Lockerungen: Belgien macht Kneipen und Kinos wieder auf

BRÜSSEL: Kneipen, Kinos, Fitnessstudios: Belgien hat dank abnehmender Infektionszahlen am Mittwoch die Corona-Regeln deutlich gelockert. So sind in dem von der Pandemie zeitweise hart getroffenen Land ab sofort neben Terrassen auch die Innenräume von Restaurants geöffnet, aber nur an Vierertischen und mit Hygieneauflagen. Zuhause darf man ebenfalls vier Personen empfangen.

Neben Sporteinrichtungen dürfen auch Kinos den Betrieb wieder aufnehmen, kulturelle Veranstaltungen mit bis zu 200 Menschen sind mit Sicherheitsregeln drinnen wieder möglich. In Brüssel entfällt die allgemeine Maskenpflicht draußen - sie gilt allerdings weiter an besonders belebten Orten sowie in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln. Arbeitnehmer dürfen nun wieder einen Tag die Woche ins Büro, für den Rest der Zeit ist immer noch Heimarbeit Pflicht.

Die Zahl der Neuinfektionen und der Krankenhausfälle im Zusammenhang mit Covid-19 waren zuletzt deutlich zurückgegangen. Die Inzidenz liegt aber noch bei rund 186 Fällen je 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen. In dem kleinen Land mit rund 11,5 Millionen Einwohnern wurden seit Beginn der Pandemie insgesamt 1,07 Millionen Infektionen und 25.051 Todesfälle registriert, wie die Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch meldete. Bis Montag waren 5,2 Millionen Menschen mindestens einmal gegen Corona geimpft.


Irans Präsident warnt vor Populismus und Desinformation im Wahlkampf

TEHERAN: Der scheidende iranische Präsident Hassan Ruhani hat die Kandidaten im Rennen um seine Nachfolge vor Populismus und Desinformation gewarnt. «Sie sollten nicht mit der Intelligenz der Iraner spielen», warnte der Präsident am Mittwoch. Die sieben Kandidaten bei der Präsidentenwahl müssten bei der Wahrheit bleiben und dürften die Tatsachen nicht zu populistischen Zwecken verdrehen. Die Abstimmung sei zwar wichtig, politische und religiöse Ethik seien aber noch wichtiger, betonte Ruhani. Er selbst darf nach zwei Amtsperioden an der Wahl nächste Woche nicht mehr teilnehmen.

Der Wahlkampf der sieben Präsidentschaftskandidaten - darunter ein Kleriker, ein General, drei Hardliner und zwei Reformer - war bislang arm an Höhepunkten und auch inhaltlich wenig aufschlussreich. Die Bewerber - in sozialen Medien sarkastisch auch «Die Glorreichen Sieben» genannt - machten eher Schlagzeilen mit unrealistischen und teilweise utopischen Versprechen als mit konstruktiven Programmen.

Für die beiden wichtigsten Anliegen der Bürger - die Bewältigung der Wirtschafts- und Coronakrise - hat bislang keiner der sieben Bewerber ein überzeugendes Konzept dargelegt. Zwar ist in jeder Debatte von einem schnellen Ende der Finanzkrise die Rede, Hoffnung darauf bestünde aber nur mit einem Ende der US-Sanktionen und Kompromiss im Atomstreit. Beides ist bislang nicht in Sicht. Seit der Verhängung der Sanktionen vor drei Jahren steckt der eigentlich ölreiche Iran in einer akuten Wirtschaftskrise.

Die Krise wirkt sich auch auf die Einfuhr von Corona-Impfstoffen aus. Bislang wurden nicht einmal sechs Prozent der 84 Millionen Iraner geimpft, weil nicht genügend Dosen zur Verfügung stehen. Seit dem Ausbruch der Pandemie vor 15 Monaten sind im Iran nach offiziellen Angaben über 81.000 Menschen an Corona gestorben, fast 3 Millionen haben sich mit dem Virus infiziert und mehr als 2 Millionen ihre Arbeit verloren. Wie in vielen Ländern dürfte aber auch im Iran die Dunkelziffer deutlich höher liegen.


UPS peilt bis 2023 weiteres Geschäftswachstum an

ATLANTA: Der US-Paketdienst UPS setzt sich nach dem Paketboom in der Corona-Krise neue Ziele für die kommenden Jahre. Bis zum Jahr 2023 soll der Umsatz von zuletzt 84,6 Milliarden auf etwa 98 bis 102 Milliarden US-Dollar (etwa 80 bis 84 Mrd Euro) steigen, wie United Parcel Service (UPS) am Mittwoch zu seiner Investorenkonferenz in Atlanta mitteilte.

Vom Umsatz sollen dann 12,7 bis 13,7 Prozent als bereinigter operativer Gewinn beim Unternehmen hängen bleiben. Im Corona-Jahr 2020 hatte diese Marge bei 10,3 Prozent gelegen, im Jahr 2019 bei 11,0 Prozent.

In den Jahren 2021 bis 2023 will das Unternehmen insgesamt 13,5 bis 14,5 Milliarden Dollar investieren, um sein Geschäft auszubauen und zu modernisieren. Insgesamt soll UPS nach dem Willen des Managements 2023 auf das investierte Kapital eine bereinigte Rendite von 26 bis 29 Prozent erzielen.

UPS ist einer der weltweit größten Paketzusteller und ist nach eigenen Angaben für Kunden in mehr als 220 Ländern und Territorien aktiv. Der Konzern beschäftigt mehr als 540.000 Mitarbeiter.


SPD attackiert deutschen Gesundheitsminister wegen Masken

BERLIN: Die SPD im deutschen Bundestag hat bei ihrer Kritik an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nachgelegt.

Die SPD-Fraktion sei «empört» darüber, dass vulnerablen Gruppen bei den Masken zweite Klasse angeboten worden sei, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, am Mittwoch in Berlin. Das Gesundheitsministerium hatte 2020 vorgeschlagen, bestimmte Masken aus China auch an Heime für Obdachlose und Menschen mit Behinderung zu geben. Spahn hatte Vorwürfe zurückgewiesen, nach denen diese Masken minderwertig seien.

Die Masken sollen nun für eine nationale Notreserve verwendet werden. Schneider forderte, die Masken vorher zu testen. Er sagte weiter, «dass die Gesamtleistung des Gesundheitsministers, insbesondere was Test etc. betrifft, unterdurchschnittlich ist».

Die SPD regiert in einer schwarz-roten Koalition mit CDU und CSU. Schneider warf auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) «Managementversagen» vor. Der von ihnen verantwortete Ausbau der erneuerbaren Energien und der E-Lade-Infrastruktur komme nicht voran. Die unionsgeführten Ministerien seien «bestenfalls mittelmäßig». Kanzlerin Angela Merkel überdecke die Schwächen mit ihrem soliden Agieren. Angesichts des Endes ihrer Kanzlerschaft sagte Schneider, «dass wir hier vor einer Zeitenwende stehen».


Steinmeier kritisiert Tempo der Impfstoff-Hilfe für arme Länder

BERLIN: Kurz vor dem G7-Gipfel in Großbritannien hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier stärkere Anstrengungen der reichen Länder für die weltweite Impfkampagne gegen das Coronavirus angemahnt. Es sei zwar ein großer Schritt, dass die G7-Staaten noch in diesem Jahr Impfstoffe abgeben wollten, um Gesundheitspersonal und gefährdete Gruppen in Afrika und anderen Teilen der Welt impfen zu lassen, sagte Steinmeier in einem Video für die Diskussionsveranstaltung «The Africa Roundtable». «Zugleich bleibt die Frage, ob das nicht früher hätte geschehen müssen und in größerem Umfang. Ich weiß, dass viele Menschen in Afrika das als ungerecht empfinden, und ich teile dieses Empfinden.»

Steinmeier unterstützte alle Bemühungen, Produktionsstätten für Impfstoffe in ärmeren Ländern und Regionen aufzubauen. «Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Staaten, die nicht über die Mittel verfügen, sich den Herstellern der Impfstoffe als Vorzugskunden anzubieten», betonte er. Auf den Streit über den Patentschutz für Impfstoffe ging er aber nicht direkt ein.

Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der Sieben (G7), in der die wirtschaftsstarken Demokratien USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Japan vereint sind, kommen von Freitag bis Sonntag in der südenglischen Urlaubsregion Cornwall zusammen. Der Kampf gegen Covid-19 ist eines der zentralen Themen des Gipfels. US-Präsident Joe Biden hat sich für eine Aussetzung der Patente für Impfstoffe ausgesprochen, um die Produktion für arme Länder zu erleichtern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat diesen Vorstoß allerdings abgeblockt.


Lockdown in Melbourne wird ab Freitag gelockert

MELBOURNE: Der Corona-Lockdown in der australischen Millionenmetropole Melbourne wird ab Freitag deutlich gelockert. Unter anderem werden die Schulen wieder geöffnet und die Menschen dürfen sich wieder im Umkreis von 25 Kilometern um ihre Häuser bewegen, wie der Premierminister des Bundesstaates Victoria, James Merlino, am Mittwoch ankündigte. Auch kleinere Versammlungen und Feiern wie Hochzeiten mit bis zu zehn Gästen sind dann wieder erlaubt, zudem gilt nur noch in Innenräumen eine Maskenpflicht.

Der gesamte Bundesstaat war am 28. Mai nach mehreren Dutzend Corona-Neuinfektionen zunächst für sieben Tage in einen strikten Lockdown gegangen. Während dieser nach einer Woche im Rest von Victoria weitgehend aufgehoben wurde, wurde er für Melbounre verlängert. Die Menschen durften nur noch das Haus verlassen, um zur Arbeit zu gehen, einzukaufen, Sport zu treiben oder sich impfen zu lassen. Vergangenes Jahr galt in Melbourne bereits ein monatelanger Lockdown mit strengen Ausgangsbeschränkungen.

Am Dienstag sei nun nur noch ein neuer, lokal übertragener Corona-Fall registriert worden, so Merlino. Australien mit seinen 25 Millionen Einwohnern hat die Pandemie wegen extrem strikter Regeln bislang gut im Griff. Landesweit wurden insgesamt rund 30.000 Fälle bestätigt. Die Grenzen sind schon seit März 2020 geschlossen.


Europaparlament gibt grünes Licht für Covid-19-Zertifikat

STRAßBURG: Das Covid-19-Zertifikat für einfacheres Reisen in der EU rückt näher. Die Abgeordneten des Europaparlaments billigten die Details für das EU-weite Zertifikat, wie das Parlamentspräsidium am Mittwoch in Straßburg mitteilte. Zuvor hatten sich die Abgeordneten und die EU-Länder bereits vorläufig auf die Regelungen für das Dokument zum Nachweis von Corona-Tests, -Impfungen und überstandenen Infektionen geeinigt. Damit das Zertifikat wirklich kommen kann, müssen auch die Mitgliedsstaaten noch formell zustimmen.

Mit dem Zertifikat soll das Reisen in der Europäischen Union wieder erleichtert werden. Mitgliedsstaaten können für Geimpfte, Genesene und negativ Getestete dann nur bei entsprechender Infektionslage weitere Beschränkungen wie eine Quarantäne einführen. Die ersten Länder stellen die Zertifikate bereits aus. Auch Deutschland ist zumindest schon mit der Technik für das EU-weite Zertifikat verbunden.

EU-Justizkommissar Didier Reynders sagte in der Plenardebatte am Dienstag, je mehr Nachweise jetzt schon ausgestellt würden, desto mehr könnten Probleme beim offiziellen Start im Juli vermieden werden. Bereits mehr als eine Million EU-Bürgerinnen und EU-Bürger verfügten über ein EU-Covid-19-Zertifikat.

Zahlreiche Abgeordnete des Europaparlaments sprachen sich in der Debatte erneut für kostenlose Corona-Tests aus. Es dürfe nicht diskriminiert werden zwischen Geimpften und Menschen, die noch auf der Warteliste stünden, hieß es etwa. Eine entsprechende Forderung hatte Parlament in den Verhandlungen mit den EU-Staaten nicht durchsetzen können. Die EU-Kommission sagte allerdings 100 Millionen Euro für die Finanzierung von Tests zu.


EU will bei G7-Gipfel 250 Millionen Euro gegen Hunger mobilisieren

STRAßBURG: Im Kreis der G7 will die Europäische Union 250 Millionen Euro im Kampf gegen Hunger nach der Corona-Pandemie mobilisieren. Dies kündigte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Mittwoch im Europaparlament an, wenige Tage vor dem Gipfel der sieben großen Industriemächte in Großbritannien.

Derzeit seien nach Erkenntnissen der Vereinten Nationen mehr als 34 Millionen Menschen weltweit von einer Hungersnot bedroht, sagte von der Leyen. Deshalb müsse die Welternährung gestärkt werden. Fast 50 Millionen Euro sollten an die Länder der Sahelzone und Ostafrikas gehen. Diese Staaten seien sehr von den Folgen der Pandemie und des Klimawandels betroffen.

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten kommen ab Freitag in Cornwall zusammen. Dazu gehören neben Deutschland die USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien. Die EU ist als Institution vertreten. Von der Leyen nannte als weitere Topthemen für das G7-Treffen den Klimaschutz - sie warb für einen Schulterschluss mit den USA für ambitionierte Klimazielen - sowie eine gerechte Verteilung von Corona-Impfstoffen weltweit.

US-Präsident Joe Biden hatte eine Aufhebung von Impfstoff-Patenten ins Gespräch gebracht. Von der Leyen warb hingegen für den EU-Vorschlag, stattdessen auf Zwangslizenzen zu setzen, wenn freiwillige Lösungen zum Aufbau von Produktionskapazitäten nicht fruchten.


Kinderhilfswerk: Flüchtlinge in Lagern bei Impfungen «ignoriert»

CARBIS BAY: Die fast 80 Millionen Flüchtlinge weltweit werden bei den Impfungen gegen Covid-19 nach Angaben des Kinderhilfswerks World Vision weitgehend ausgeschlossen. «In den allermeisten Ländern werden sie ignoriert», kritisierte Gesundheitsexperte Marwin Meier am Mittwoch vor dem Gipfel der reichen Industrieländer (G7) im britischen Carbis Bay. Griechenland habe erst vergangene Woche mit Impfungen angefangen, während Polen die Flüchtlinge ganz ausschließe.

Es gebe nur Hinweise aus 20 von 163 Ländern, dass Impfdosen in Flüchtlingslagern angekommen seien. «Das ist mehr als Impfnationalismus», beklagte Meier. Dabei sei die Ansteckungsgefahr in den dicht bevölkerten Lagern mindestens dreimal so hoch wie sonst. In der Pandemie zählten Flüchtlinge zu den besonders verletzlichen Bevölkerungsgruppen.

Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Japan sowie Vertreter der EU kommen von Freitag bis Sonntag in dem Touristenort Carbis Bay in Cornwall zusammen. Der Kampf gegen Covid-19 ist eines der zentralen Themen des Gipfels.


Gute Noten für Deutschland bei Umsetzung von G7-Gipfel-Beschlüssen

CARBIS BAY: Deutschland, Italien und die Europäische Union haben gute Noten für die Einhaltung der Beschlüsse des virtuellen Gipfels der großen Industrieländer (G7) vor mehr als einem Jahr bekommen. Die G7-Forschungsgruppe an der Universität von Toronto sieht den diesjährigen G7-Gastgeber Großbritannien, gefolgt von Kanada und dann Japan auf den letzten Plätzen, wie aus ihrem Bericht hervorgeht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Im Mittelfeld lagen die USA und Frankreich.

Die Staats- und Regierungschefs der Gruppe der reichen Industrienationen (G7) wollen von Freitag bis Sonntag erstmals wieder persönlich zu einem Gipfel im britischen Carbis Bay in Cornwall zusammenkommen. Wegen der Pandemie waren sie im März 2020 noch mit US-Präsident Donald Trump unter der amerikanischen G7-Präsidentschaft nur per Video zu seinem Sondertreffen zusammengetroffen, um die Reaktion auf den Covid-19-Ausbruch zu koordinieren. Einen richtigen Gipfel gab es 2020 nicht.

Bei der Bewertung gab es Punktabzug für alle Staaten bei der Umsetzung ihrer damaligen Gipfelzusage, das Wirtschaftswachstum auf den Stand von vor der Pandemie wiederherstellen zu wollen, was nicht gelungen ist. Auch bemängelten die Forscher bei mehreren Gipfelteilnehmern, dass Zusagen zum Datenaustausch zum besseren Verständnis des Virus und zum Kampf gegen die Pandemie nicht eingehalten worden seien.

Die Europäische Union ist an den jährlichen Gipfeln beteiligt, übernimmt aber nicht deren rotierenden Vorsitz.


Massentests und Impf-Offensive im Nordwesten Englands gegen Variante

MANCHESTER: Im Nordwesten Englands ist gegen die weitere Ausbreitung der in Indien entdeckten Delta-Variante des Coronavirus eine Offensive mit Massentests und Impfungen gestartet worden. Wie zuvor bereits im Corona-Hotspot Bolton setzt die Regierung das Militär ein, um Bürger in den besonders betroffenen Gegenden wie Greater Manchester oder der Grafschaft Lancashire systematisch auf das Virus zu testen, wie unter anderem die BBC berichtete. In Manchester und anderen Gemeinden wurden zudem bereits alle über 18-Jährigen aufgerufen, Impftermine zu buchen - obwohl englandweit eigentlich erst Menschen ab 25 Jahren impfberechtigt sind. Bürgermeister riefen die Regierung auf, ihnen noch mehr Impfstoff für ihre Offensive zur Verfügung zu stellen.

Die zunehmende Verbreitung der wohl sehr ansteckenden Delta-Variante lässt die Fallzahlen in Großbritannien rapide ansteigen. Nachdem die Sieben-Tage-Inzidenz lange Zeit nur knapp über 20 lag, ist sie derzeit wieder bei rund 46 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche.


Drei Menschen sterben bei Feuer in russischem Krankenhaus

RJASAN: Bei einem Brand in einem russischen Krankenhaus südöstlich von Moskau sind drei Menschen ums Leben gekommen. Mindestens acht Menschen seien am Mittwoch bei dem Feuer auf einer Intensivstation für Corona-Patienten verletzt worden, teilten die Behörden der Stadt Rjasan mit. Die Feuerwehr rettete demnach 35 Patienten aus der Klinik. Der Staatsagentur Tass zufolge hatten zunächst zwei Krankenschwestern versucht, das Feuer zu löschen.

Laut den Behörden erschwerte starker Rauch die Löscharbeiten. Die Opfer seien an giftigen Gasen gestorben. Die Brandursache soll nun ermittelt werden. Der Agentur Tass zufolge könnte ein elektrischer Kurzschluss das Feuer ausgelöst haben.


167 Corona-Fälle um den Mount Everest während zweiter Welle

KATHMANDU: In Dörfern rund um den Mount Everest sind während der heftigen zweiten Welle 167 Corona-Fälle gemeldet worden. Dort leben hauptsächlich Menschen des Sherpa-Volksstamms. Viele von ihnen führen ausländische Bergsteiger auf den Everest oder andere Berge, tragen deren Gepäck oder kochen für sie während der Expedition. Seit die ersten von ihnen im April vom Everest-Basislager zurückgekehrt seien, habe es eine stetige Zunahme an Infektionen in Pasang Lhamu gegeben, sagte die Chefin der zuständigen Gesundheitsbehörde, Aarti Maya Tamang, der Deutschen Presse-Agentur. Die Kommune um den höchsten Berg der Welt zählt rund 9000 Einwohner. Das Gebiet sei nur teils mit Autos erreichbar.

2020 hatte Nepal kurz vor Beginn der Everest-Hauptsaison im Frühling den Berg wegen der Corona-Pandemie für Besteigungen dicht gemacht. Diesen Frühling ließ die Regierung aber wieder ausländische Abenteurer rein - und stellte gar einer Rekordzahl von 408 von ihnen eine Genehmigung zur Besteigung für je 11.000 Dollar (rund 9000 Euro) aus. Nepal gehört nach UN-Angaben zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt und braucht das Geld aus dem Ausland.

In den vergangenen Wochen hatten Bergsteiger und Behördenmitarbeiter auf dem Berg von mindestens hundert Corona-Fällen auf dem Everest berichtet. Das nepalesische Tourismusministerium bestritt allerdings einen größeren Corona-Ausbruch auf dem Everest. Die Frühlingssaison endete vergangene Woche. Dutzende Bergsteiger hatten ihre Expeditionen vor dem Start abgesagt oder abgebrochen. Der Mount Everest liegt auf der Grenze zwischen Nepal und China. Dieses Jahr hatte China keine Besteigungen zugelassen.

Nepal erlebt derzeit eine starke zweite Corona-Welle - wie kürzlich das Nachbarland Indien, mit dem Nepal eine 1770 Kilometer lange, relativ offene Grenze teilt.


Tierschutzbund: Corona-Ausbrüche auf 400 Nerzfarmen in der EU

BONN: Auf mehr als 400 Nerzfarmen in Ländern der Europäischen Union sind nach Angaben von Tierschützern Corona-Ausbrüche bekannt geworden. Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes in Bonn waren dabei bis Mitte Mai in zehn EU-Staaten Millionen von Tieren betroffen.

Laut einer Aufstellung der Organisation wurde Sars-CoV-2 in Dänemark auf 290 Nerzfarmen nachgewiesen, in den Niederlanden waren es 69 und in Schweden 13. In Griechenland habe es in 22 von 91 Nerzfarmen positive Testungen gegeben. Weitere Nachweise gab es laut Tierschutzbund in Italien, Litauen, Polen, Spanien, Frankreich und Lettland. Die Tierschutz-Organisation forderte ein Verbot der Zucht und Haltung von Pelztieren.

Als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie hatte Dänemark alle Nerze in den Nerzzuchtbetrieben des Landes töten lassen. Der radikale Schritt war damit begründet worden, dass das Coronavirus in den Tieren mutiert sei und sich auf den Menschen übertragen habe. Die Nerzhaltung in Dänemark wurde bis zum 31. Dezember 2021 verboten.

In Deutschland gibt es laut Tierschutzbund derzeit keine Nerzfarmen. Sie seien zwar nicht verboten, aber wegen der Haltungsvorgaben kein lukratives Geschäft, hieß es.

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