Corona-Überblick: Meldungen am Mittwoch

Foto: Pixabay/Christo Anestev
Foto: Pixabay/Christo Anestev

Österreichisches Parlament billigt neues Corona-Gesetz

WIEN: Österreichs Parlament hat einer neuen gesetzlichen Grundlage für Corona-Maßnahmen wie etwa Ausgangssperren zugestimmt. Die Regierungskoalition aus konservativer ÖVP und Grünen sowie die oppositionellen Sozialdemokraten stimmten am Mittwoch bei der ersten regulären Sitzung des Nationalrats nach der Sommerpause für das Gesetz. Davor hatte die rechtliche Grundlage für mehrere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie gefehlt.

Das österreichische Verfassungsgericht hatte im Juli festgestellt, dass etwa Verbote für das Betreten öffentlicher Orte im Frühjahr nicht von dem Gesetz gedeckt gewesen waren. Nach dem neuen Gesetz kann ein sogenannter Lockdown nur noch mit Einverständnis von Parlamentariern für höchstens zehn Tage verhängt werden. Er müsste dann gegebenenfalls verlängert werden.

Klar geregelt ist neben Betretungsverboten nun auch, dass etwaige Ausgangssperren unter anderem Ausnahmen wie berufliche Zwecke und Aufenthalt im Freien zur «körperlichen und psychischen Erholung» enthalten. Außerdem hat die Anfang des Monats von der Regierung eingeführte Corona-Ampel, die regional unterschiedliche Maßnahmen auslösen soll, jetzt eine rechtliche Basis.


Keine politische Einmischung bei Impfzulassung

WASHINGTON: Der Chef der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA, Stephen Hahn, hat versichert, dass er keinen politischen Einfluss auf die Zulassung von Corona-Impfstoffen erlauben wird. Die Entscheidung werde allein von Experten der FDA auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen, sagte Hahn bei einer Anhörung im US-Senat am Mittwoch. «Die FDA wird keine Einmischung von wem auch immer zulassen.»

In den vergangenen Wochen hatte Präsident Donald Trump für Aufsehen damit gesorgt, dass er Mitarbeitern der Behörde vorwarf, Impfstoff-Tests absichtlich zu verzögern. Außerdem hatte er - entgegen Einschätzung von Experten - wiederholt angekündigt, dass ein Impfstoff bereits Ende Oktober zugelassen werden könnte, also noch kurz vor der Präsidentenwahl am 3. November.

«Wir würden keinen Impfstoff zulassen, den wir nicht auch unseren Familien verabreichen würden», sagte Hahn. Der renommierte Immunologe Anthony Fauci betonte bei der Anhörung, dass man noch nicht wisse, wie effizient die derzeit getesteten Impfstoffe sein werden und wie lange ihre Wirkung andauern werde.


UN-Organisationen: Falschmeldungen gefährden die Corona-Bekämpfung

NEW YORK: Mehrere UN-Organisationen haben vor fatalen Auswirkungen durch Falschmeldungen in der Corona-Pandemie gewarnt. «Fehlinformationen kosten Leben. Ohne das entsprechende Vertrauen und die richtigen Informationen bleiben diagnostische Tests ungenutzt, Impfkampagnen (oder Kampagnen zur Förderung wirksamer Impfstoffe) werden ihre Ziele nicht erreichen und das Virus wird weiterhin gedeihen», teilten die Vereinten Nationen und ihr angeschlossene Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO sowie das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bündnis am Mittwoch mit.

Zudem erhöhten gefälschte Inhalte unter anderem in den Sozialen Medien das Risiko von Konflikten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, so dass auch die Förderung demokratischer Strukturen unter ihnen leide. «Wir fordern die (UN)-Mitgliedstaaten auf, Aktionspläne zur Bekämpfung der Infodemie zu entwickeln und umzusetzen, indem sie die rechtzeitige Verbreitung genauer Informationen auf wissenschaftlicher Grundlage an alle Gemeinschaften und insbesondere an Risikogruppen fördern.» Auch Medien und Internetplattformen seien zum Handeln aufgerufen.


Wegen Corona weltweit massive Einkommensverluste

GENF: Das Einkommen von Arbeitnehmern weltweit ist wegen der Corona-Pandemie drastisch eingebrochen. Der Rückgang dürfte von Januar bis Ende September 3,5 Billionen Dollar (rund drei Billionen Euro) betragen, berichtete die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) am Mittwoch in Genf. Das sei ein Rückgang von 10,7 Prozent zum Vergleichszeitraum 2019. In diesen Zahlen sind staatliche Einkommensbeihilfen nicht berücksichtigt. Die Menschen seien auf Einkommen angewiesen, um ihre Familien zu ernähren, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder. «Die Folgen (dieses Verlustes) sind katastrophal», sagte er.

Betroffen sind demnach vor allem Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Steuerliche Anreize und staatliche Hilfen zur Stützung der Wirtschaft habe es vor allem in Ländern mit hohen Einkommen gegeben. Die armen Länder brauchten Schuldenerlass und mehr Entwicklungshilfe. Die schlimmsten Folgen könnten in den ärmsten Ländern mit 45 Milliarden Dollar verhindert werden - das sei weniger als ein Prozent von dem, was Länder mit hohen Einkommen in ihre Volkswirtschaften gepumpt hätten.

Weltweit sei die Zahl der Arbeitsstunden stärker eingebrochen als zunächst angenommen, schreibt die ILO. Im 2. Quartal 2020 seien verglichen mit dem 4. Quartal 2019 Arbeitsstunden im Umfang von 495 Millionen Vollzeitstellen (auf Basis einer 48-Stunden-Woche) weggefallen. Das entspreche 17,3 Prozent. Ohne Stützungsmaßnahmen wären 28 Prozent weggefallen, sagte Ryder. Im Juni war die ILO für das 2. Quartal noch von einem Verlust von Arbeitsstunden im Umfang von 400 Millionen Vollzeitstellen ausgegangen. Im 4. Quartal dürften noch Arbeitsstunden fehlen, die 245 Millionen Vollzeit-Stellen entsprechen, nicht, wie im Juni gehofft, 140 Millionen.


Tschechien führt wegen Corona-Anstiegs Sperrstunde um 22.00 Uhr ein

PRAG: Im Kampf gegen steigende Corona-Infektionszahlen führt Tschechien in Kneipen und Gaststätten eine Sperrstunde um 22.00 Uhr ein. «Unter dem Einfluss des Alkohols kommt es zu viel häufigeren Kontakten und zur Missachtung elementarer Regeln», sagte der neue Gesundheitsminister Roman Prymula am Mittwoch. Die Maßnahme sei zunächst auf zwei Wochen begrenzt.

Einschränkungen gibt es auch bei sportlichen und kulturellen Großveranstaltungen. Im Freien werden sie auf 2000 Sitzplätze begrenzt, in Innenräumen auf maximal 1000. Vor allem Fußball- und Eishockey-Vertreter zeigten sich alarmiert. Der Vorsitzende der nationalen Sportagentur, Milan Hnilicka, kündigte Hilfen an.

Am Dienstag wurden knapp 2400 neue Corona-Fälle verzeichnet, wie aus Behördendaten hervorging. Im ganzen Land gab es in den letzten 14 Tagen laut EU-Agentur ECDC rund 219 Infektionen pro 100.000 Einwohner - nur in Spanien lag der Wert höher. In Prag wurde erwartet, dass Deutschland demnächst ganz Tschechien als Risikogebiet ausweist. Bisher gilt dies nur für die Hauptstadt und die angrenzende Mittelböhmische Region.


Vizepräsident der EU-Kommission wegen Corona-Fall in Quarantäne

BRÜSSEL: Mit EU-Kommissionsmitglied Valdis Dombrovskis hat sich ein weiterer europäischer Spitzenpolitiker wegen einer Covid-19-Infektion in seinem Umfeld in häusliche Quarantäne begeben. Der unter anderem für die EU-Handelspolitik zuständige Vizepräsident der Brüsseler Behörde teilte am Mittwochabend mit, dass eine seiner Kontaktpersonen positiv getestet worden sei. Er selbst habe allerdings keine Symptome und fühle sich gut. Während des Treffens Anfang der Woche seien auch die Abstandsregeln beachtet worden, teilte der aus Lettland stammende Politiker mit.

Erst am Dienstag war ein eigentlich für diesen Donnerstag und Freitag geplanter EU-Sondergipfel abgesagt worden, weil sich EU-Ratschef Charles Michel wegen der Covid-19-Infektion eines Sicherheitsbeamten in Quarantäne begeben musste. Wenige Stunde vor Dombrovskis hatte das Auswärtige Amt in Berlin mitgeteilt, dass sich Bundesaußenminister Heiko Maas ebenfalls wegen der Corona-Infektion eines seiner Personenschützer in Quarantäne begeben habe.


Britischer Oppositionsführer: Regierung in Pandemie «gescheitert»

LONDON: Der britische Oppositionsführer Keir Starmer hat den Umgang der Regierung mit der Corona-Pandemie scharf kritisiert. Die aktuelle Corona-Situation des Landes sei auf ein «Scheitern der Regierung» zurückzuführen, sagte der Chef der Labour-Partei am Mittwochabend in einer Fernsehansprache im Sender BBC. Mit mehr als 6000 Fällen zählte Großbritannien am Mittwoch den höchsten Stand an täglichen Neuinfektionen seit Anfang Mai. Premierminister Boris Johnson hatte zu Beginn der Woche wieder schärfere Corona-Maßnahmen eingeführt und die Briten am Dienstag in einer Fernsehansprache darauf eingeschworen, sich daran zu halten.

Die Labour-Partei unterstütze zwar die neuen Corona-Maßnahmen, sehe aber gleichzeitig die Notwendigkeit für eine weitere Unterstützung der Wirtschaft. Das aktuelle Programm, mit dem die Regierung Zuschüsse zu ausfallenden Gehältern zahlt, läuft Ende Oktober aus. Finanzminister Rishi Sunak will am Donnerstag erklären, wie es danach weiter gehen soll.

Zudem kritisierte Starmer, dass Großbritannien noch immer nicht über ein funktionierendes Test- und Nachverfolgungssystem verfüge und Menschen teilweise Hunderte Kilometer weit für einen Test fahren müssten. «Es sollte so nicht sein», sagte Starmer. «Wir sollten nicht eine der höchsten Todesraten in Europa haben». Mit mehr als 40.000 Toten nach einer Infektion mit dem Virus ist Großbritannien das am schwersten getroffene Land Europas.


Bars und Restaurants in Marseille müssen wegen Corona schließen

PARIS: Frankreich schließt im Kampf gegen das Coronavirus Bars und Restaurants in Teilen des Landes. Für die südfranzösische Hafenmetropole und das Überseegebiet Guadeloupe sei die «maximale Alarmstufe» ausgerufen worden, sagte Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran am Mittwoch. Dort müssten ab Samstag alle Bars und Restaurants komplett schließen. In der Hauptstadt Paris und weiteren Großstädten wie Lille oder Rennes müssten Bars ab Montag um 22.00 Uhr schließen.

Dort gelte nun eine «hohe Alarmstufe», es gebe daher eine Obergrenze von zehn Personen bei Treffen in der Öffentlichkeit, erklärte Véran. Für Großveranstaltungen werde in diesen Städten ab Montag die Obergrenze für Besucher auf 1000 gesenkt, bisher waren 5000 Menschen erlaubt. Außerdem sollten Fitnessstudios und Mehrzweckräume geschlossen bleiben.

In Paris ist die Corona-Lage angespannt. Innerhalb einer Woche haben sich rund 180 von 100.000 Menschen in der Hauptstadt mit dem Coronavirus infiziert. In anderen Regionen des Landes ist dieser Wert aber durchaus noch höher. Frankreich ist von der Pandemie schwer getroffen, mehr als 31.000 Menschen sind bisher gestorben. Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen liegt regelmäßig bei mehr als 10.000.


Mehr als 6000 neue Corona-Fälle

LONDON: Mit mehr als 6000 neuen Fällen innerhalb eines Tages hat Großbritannien den höchsten Stand an Corona-Neuinfektionen seit Anfang Mai erreicht. Die zuständige Regierungsbehörde zählte am Mittwoch 6178 neue positiv getestete Fälle. Lediglich an zwei Tagen seit Beginn der Pandemie habe die Zahl in Großbritannien höher gelegen, hieß es. Allerdings wurde im Frühjahr noch deutlich weniger getestet - das heißt, mehr Fälle blieben unentdeckt.

Das Testsystem in Großbritannien geriet in den vergangenen Wochen an seine Grenzen: In vielen Testzentren waren kaum noch Tests verfügbar, teilweise mussten Bürger mit Symptomen mehrere Hundert Kilometer fahren.

Angesichts der stark steigenden Zahlen gelten auch wieder schärfere Schutzmaßnahmen: Pubs und Restaurants müssen in England von Donnerstag an um 22 Uhr schließen. Zudem wurde die Maskenpflicht auf Taxis und weitere Geschäfte ausgeweitet. Die Regierung forderte Arbeitnehmer auf, wenn möglich, wieder von zuhause aus zu arbeiten. In Schottland und Nordirland gelten noch schärfere Regeln, dort dürfen sich bis auf wenige Ausnahmen keine verschiedenen Haushalte mehr miteinander treffen.


Belgien lockert Maskenpflicht im Freien - Corona-Zahlen steigen

BRÜSSEL: Trotz hoher Corona-Fallzahlen lockert Belgien die Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen. Ab 1. Oktober sei der Mund-Nasen-Schutz im Freien nicht mehr überall vorgeschrieben, teilte Ministerpräsidentin Sophie Wilmès am Mittwoch mit. Dringend empfohlen ist er jedoch weiter an besonders belebten oder engen Plätzen. In Bussen und Bahnen, Läden und Kinos muss jeder weiter Maske tragen.

Ebenfalls am 1. Oktober soll die Quarantänepflicht bei Corona-Verdachtsfällen auf sieben Tage verkürzt werden, wie Wilmès weiter sagte. Andere Regeln zur Eindämmung der Pandemie bleiben jedoch in Kraft, darunter die Auflage, pro Monat mit nicht mehr als fünf Menschen außerhalb der Familie engere Kontakte zu pflegen.

Belgien ist nach den Kriterien der EU-Seuchenbehörde ECDC inzwischen eine rote Zone mit mehr als 120 Infektionen pro 100.000 Einwohnern binnen zwei Wochen. Im Schnitt der vergangenen sieben Tage wurden 1374 Fälle pro Tag entdeckt, 60 Prozent mehr als in der Vorwoche.


Corona-Impfstoff: Johnson & Johnson startet entscheidende Testphase

NEUSS/BRÜSSEL: Im Rennen um einen Corona-Impfstoff hat nun auch der US-Hersteller Johnson & Johnson die letzte und entscheidende Phase der klinischen Tests gestartet. In einer sogenannten Phase III-Studie mit bis zu 60.000 Freiwilligen auf drei Kontinenten sollen Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten namens JNJ-78436735 überprüft werden, wie die deutsche Unternehmens-Tochter Janssen-Cilag am Mittwoch in Neuss mitteilte.

Die Besonderheit des Mittels ist, dass nur eine Dosis ausreichend Schutz bieten soll. Die Ergebnisse der bisherigen klinischen Tests seien positiv verlaufen, hieß es. Das Unternehmen hofft, dass Anfang 2021 die ersten Dosen des Impfstoffs «für den Notfallgebrauch» zur Verfügung stehen.

Inzwischen haben mehrere Hersteller die vor der Zulassung nötigen Massentests mit Zehntausenden Probanden gestartet. Darunter sind der britische Hersteller AstraZeneca und das deutsche Unternehmen Biontech. Beide hoffen auf einen erfolgreichen Abschluss der Studien und eine Zulassung noch in diesem Jahr. Die meisten Hersteller gehen davon aus, dass für einen Schutz gegen das Coronavirus zweimal geimpft werden muss. Bislang ist für keinen Impfstoff-Kandidaten nachgewiesen worden, dass er wirklich vor einer Corona-Infektion schützt.


Neue Maßnahmen gegen Corona erwartet

PARIS: Frankreichs Regierung will neue Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus ankündigen. «Die Situation verschlechtert sich in einigen Gebieten schneller als in anderen und sie verschlechtert sich in einigen Regionen drastisch», sagte Regierungssprecher Gabriel Attal am Mittwoch nach einer Regierungssitzung unter Vorsitz von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Mancherorts wachse der Druck auf die Krankenhäuser. Weitere Maßnahmen würden daher ergriffen und sollten am Mittwochabend von Gesundheitsminister Olivier Véran bekannt gegeben werden, sagte Attal, ohne weitere Details zu nennen.

Medienberichten zufolge wird erwartet, dass Véran in seiner wöchentlichen Pressekonferenz Einschränkungen für die Hauptstadt Paris ankündigen wird. Zuvor hatten bereits mehrere Städte wie Marseille oder Nizza nach Aufforderung der Regierung die Regeln verschärft. Dazu zählen etwa Einschränkungen beim Alkoholverkauf und eine Begrenzung der Personenzahl bei Treffen in der Öffentlichkeit.

In Paris ist die Corona-Lage angespannt. Innerhalb einer Woche haben sich den zuletzt verfügbaren Daten zufolge rund 180 von 100.000 Menschen in der Hauptstadt mit dem Coronavirus infiziert. In anderen Regionen des Landes ist dieser Wert aber durchaus noch höher. Frankreich ist von der Pandemie schwer getroffen, mehr als 31.000 Menschen sind bisher gestorben. Die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen liegt regelmäßig bei mehr als 10.000.


Briten mussten Sprichwort ihres Premiers googlen

LONDON: Für viele seiner Landsleute hat sich der britische Premier Boris Johnson in einer Fernsehansprache zur Corona-Lage wohl nicht ganz verständlich ausgedrückt. Das Sprichwort «A stitch in time saves nine» mussten etliche Zuschauer googlen, wie aus der Google Trends-Statistik abzulesen ist. Zur Sendezeit um kurz nach 20 Uhr schnellten die Suchanfragen am Dienstagabend in Großbritannien aus dem Nichts in die Höhe. Johnson wollte mit dem Spruch ausdrücken, dass es besser sei, früh erneut schärfere Corona-Maßnahmen zu ergreifen als zu spät.

Wörtlich ist die Redewendung mit «Ein Nadelstich zur richtigen Zeit spart neun weitere» zu übersetzen. Sinngemäß kommt das Sprichwort wohl dem deutschen «Vorsorge ist besser als Nachsorge» am nächsten. Der Premier steht in der Kritik, im Frühjahr zu spät auf die Corona-Pandemie reagiert zu haben. Mit mehr als 40.000 Toten ist Großbritannien das am schwersten getroffene Land in Europa. Derzeit steigen die Zahlen wieder rapide an.


Irlands Vize-Regierungschef Leo Varadkar in Quarantäne

DUBLIN: Irlands Vize-Regierungschef Leo Varadkar hat sich nach Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person vorsorglich in Quarantäne begeben.

«Mir geht es gut, und ich werde von zuhause arbeiten», sagte der Politiker der bürgerlichen Fine Gael-Partei dem irischen Sender RTE zufolge am Mittwoch. Er sei in «engem Kontakt» mit jemandem gewesen, der positiv auf Covid-19 getestet worden sei. Sein eigener Test sei zwar negativ ausgefallen, er wolle jedoch den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden folgen, so Varadkar.


Sanitäter sollen Israels Kliniken in Corona-Krise unterstützen

TEL AVIV: Rettungssanitäter sollen ab sofort in Israel das Personal in Krankenhäusern in der Corona-Krise unterstützen. Diese Maßnahme ordnete Gesundheitsminister Juli Edelstein am Mittwoch nach einem massiven Anstieg der Infektionszahlen an. Zuvor hatte das Ministerium mit 6861 Fällen einen Rekord an Neuinfektionen mitgeteilt. Vor vier Monaten, am 23. Mai, waren lediglich 5 Neuinfektionen verzeichnet worden.

In dem Mittelmeerstaat gilt wegen der hohen Infektionszahlen seit Freitag ein zweiter landesweiter Lockdown mit Restriktionen wie Schulschließungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Die Regierung will mit den neuen, zunächst drei Wochen geltenden Maßnahmen vor allem eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern. Hintergrund war die Warnung von Krankenhausleitern vor drohenden Kapazitätsgrenzen. Kliniken mussten bereits Corona-Patienten zurückweisen, weil kein Platz für ihre Behandlung war. Die Zeitung «Haaretz» zitierte einen Vertreter des Rettungsdienstes Magen Adom, wonach das Verteilsystem unter den Kliniken an seine Grenzen stoße.

In der Regierung wird eine Verschärfung der Lockdown-Maßnahmen diskutiert. Am Mittwoch wollte das Coronavirus-Kabinett nach stundenlangen Gesprächen vom Vortag erneut darüber beraten.


Forscher: Selbstversuche bei Corona-Impfungen müssen reguliert werden

NEW YORK: Schon mehrfach gab es in den letzten Wochen Fälle, in denen Forscher von ihnen entwickelte Corona-Impfstoffe an sich selbst testeten. Derlei Selbstversuche müssten dringend reguliert werden, fordern Wissenschaftler aus den USA und Dänemark. Diese Form der Forschung werfe viele rechtliche und ethnische Fragen auf, erläutern sie im Fachmagazin «Science». Wenn diese nicht angegangen würden, könne das Vertrauen der Menschen in die Entwicklung sicherer Corona-Impfstoffe beeinträchtigt werden.

Mehrere Wissenschaftler in den USA haben eigenen Angaben zufolge bereits selbst zusammengemischte Corona-Impfstoffkandidaten am eigenen Körper ausprobiert. Unter anderem aus Russland und China gibt es ähnliche Berichte.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird derzeit weltweit in fast 200 Projekten nach geeigneten Impfstoffen zum Schutz vor Corona gesucht. Experten rechnen mit einer breiten Verfügbarkeit geeigneter Impfstoffe erst im kommenden Jahr.


Nike steigert Gewinn kräftig - Corona-Krise kurbelt Online-Absatz an

BEAVERTON: Der Online-Shopping-Boom während der Corona-Pandemie hat Nike im jüngsten Geschäftsquartal zu deutlich mehr Gewinn verholfen. In den drei Monaten bis Ende August verdiente der weltgrößte Sportartikelhersteller 1,5 Milliarden Dollar (1,3 Mrd Euro), wie er am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Das entspricht einem Anstieg um elf Prozent im Jahresvergleich.

Nikes Erlöse im digitalen Geschäft kletterten um 82 Prozent. Vor allem in China verbuchte der Adidas-Rivale deutlich mehr Nachfrage. Dennoch sank der konzernweite Umsatz insgesamt um knapp ein Prozent auf 10,6 Milliarden Dollar. Dank niedrigerer Ausgaben blieb unterm Strich trotzdem wesentlich mehr in der Kasse als vor einem Jahr.

Die Erwartungen der Analysten konnte Nike mit den Quartalszahlen klar übertreffen, Anleger ließen die Aktie nachbörslich zunächst um mehr als acht Prozent steigen. Seit Jahresbeginn hat der Kurs bereits um über 15 Prozent zugelegt. Im Vorquartal hatte Nike aufgrund geschlossener Läden und hoher Sonderkosten angesichts der Corona-Pandemie noch einen hohen Verlust hinnehmen müssen.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.