Corona-Überblick: Meldungen am Mittwoch

Foto: Pixabay/Christo Anestev
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Johns-Hopkins-Universität: Mehr als 190.000 Corona-Tote in den USA

WASHINGTON: Seit Beginn der Corona-Pandemie sind Wissenschaftlern zufolge allein in den USA mehr als 190.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Virus gestorben. Das geht aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore vom Mittwoch (Ortszeit) hervor. Insgesamt verzeichneten die USA demnach mehr als 6,3 Millionen Infektionen.

Die Zahl der täglichen Neuansteckungen ist in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen, lag zuletzt aber weiterhin bei mehr als 25.000. In absoluten Zahlen haben die USA weltweit die meisten Corona-Toten zu beklagen, nicht aber relativ zur Einwohnerzahl. In dieser Kategorie liegen die USA an siebter Stelle.

Wissenschaftler befürchten einem viel beachteten Modell zufolge bis zum Jahresende mehr als 410.000 Corona-Tote in den USA. Das geht aus dem Modell der Forscher des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle hervor, das in der Vergangenheit auch das Weiße Haus heranzog. Als Grund für den prognostizierten starken Anstieg führten die Experten geringere Vorsicht der Menschen in den USA sowie den Beginn der kalten Jahreszeit und der Grippesaison an.


Trump verteidigt Coronavirus-Optimismus: Wollte Panik verhindern

WASHINGTON: US-Präsident Donald Trump hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, er habe mit einer übertrieben optimistischen Darstellung der Coronavirus-Risiken Leben von Amerikanern gefährdet. «Das Letzte, was man will, ist, dass man Panik im Land auslöst», sagte Trump am Mittwoch. «Wir wollen Zuversicht zeigen, wir wollen Stärke zeigen.»

Zuvor waren Mitschnitte aus Trumps Interviews mit dem Journalisten Bob Woodward veröffentlicht worden, in denen der Präsident selbst sagte, er spiele die Situation herunter. Sein Herausforderer im Rennen ums Weiße Haus, der Demokrat Joe Biden, warf Trump daraufhin vorm, dessen Vorgehensweise habe Zehntausende Bürger das Leben gekostet. In den USA starben bisher rund 190.000 Menschen nach einer Coronavirus-Infektion.

Trump verwies zugleich auf Maßnahmen wie die Einschränkung des Reiseverkehrs aus China. «Wenn wir nicht das unternommen hätten, was wir unternommen haben, wären Millionen Menschen gestorben», sagte Trump. Unterdessen kritisieren Experten nach wie vor, dass bei Trumps Wahlkampfauftritten viele Zuschauer keine Masken tragen.


New Yorker Naturkundemuseum AMNH nach Corona-Pause wieder geöffnet

NEW YORK: Nach rund sechsmonatiger Schließung wegen der Coronavirus-Pandemie hat das renommierte New Yorker Naturkundemuseum seine Türen wieder für Besucher geöffnet. Vor dem Gebäude des American Museum of Natural History (AMNH) auf der Upper West Side von Manhattan, das weltweit unter anderem durch den Hollywoodfilm «Nachts im Museum» bekannt wurde, bildeten sich am Mittwoch direkt nach Öffnung bereits Schlangen. Tickets müssen nun vorab online reserviert werden, außerdem werden weniger Menschen gleichzeitig in die Ausstellungsräume gelassen - und es gelten Hygiene-, Abstands- und Maskenregeln.

Das vor rund 150 Jahren eröffnete Naturkundemuseum informiert normalerweise rund fünf Millionen Besucher pro Jahr über viele Bereiche der Wissenschaft, unter anderem Tiere, Pflanzen, Klimawandel, die Entstehung der Erde, Umweltschutz und das Weltall.

Seit Ende August dürfen Museen in New York, die fast alle seit März geschlossen hatten, unter strengen Auflagen wieder öffnen - tun dies jedoch nur nach und nach. Unter anderem das Metropolitan Museum, das Museum of Modern Art (MoMA) und das Whitney Museum sind bereits wieder offen, andere wollen nachziehen wie das Guggenheim-Museum am 3. Oktober. Die Corona-Krise trifft die Kulturbranche der Stadt, die im Frühjahr eines der weltweiten Epizentren der Pandemie war, seit Monaten hart.


Corona-Impfstoff: EU will von Biontech bis zu 300 Millionen Dosen

BRÜSSEL/MAINZ: Im Rennen um einen rettenden Impfstoff gegen das Coronavirus hat die EU-Kommission mit der Mainzer Firma Biontech die mögliche Lieferung von bis zu 300 Millionen Einheiten vereinbart. Dies teilte die Kommission am Mittwoch in Brüssel mit. Geplant sei zunächst die Lieferung von 200 Millionen Dosen, mit der Option auf 100 Millionen weitere.

Der Impfstoff ist allerdings noch nicht zugelassen. Derzeit laufen noch klinische Tests. Die EU-Kommission verfolgt die Strategie, mit möglichst vielen Pharmafirmen Vorverträge abzuschließen, um bei einem erfolgreichen Impfstoff rasch Zugriff zu haben. Die Brüsseler Behörde hat schon mit sechs Herstellern entsprechende Gespräche geführt.


Fidesz droht wegen Corona zunächst kein Rauswurf aus EVP

BRÜSSEL: Die Fidesz-Partei des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban muss wegen der Corona-Pandemie zunächst weiterhin nicht mit dem Rauswurf aus der christdemokratischen Parteienfamilie EVP rechnen. 14 Parteien hätten zwar den Ausschluss der rechtsnationalen Partei aus der Europäischen Volkspartei beantragt, sagte EVP-Chef Donald Tusk am Mittwoch bei einer EVP-Fraktionssitzung im Brüsseler Europaparlament, wie mehrere Teilnehmer der Deutschen Presse-Agentur sagten. Bei der nächsten Vorstandssitzung am 28. September könne darüber aber noch nicht abgestimmt werden, weil diese wegen der Coronavirus-Pandemie nur als Videokonferenz durchgeführt werden könne.

Eine solche Abstimmung sei erst beim nächsten physischen Vorstandstreffen möglich, sagte Tusk den Teilnehmern zufolge. Dieses solle es geben, sobald es die Umstände zuließen.

Die EVP, in der auch CDU und CSU sind, ringt seit Jahren um den Umgang mit der Orban-Partei. Vor eineinhalb Jahren wurde die Fidesz-Mitgliedschaft unter anderem wegen mutmaßlicher Verstöße gegen EU-Grundwerte sowie wegen mehrerer Attacken auf den damaligen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker auf Eis gelegt. Bei einer Vorstandssitzung im Februar gab es für einen Rauswurf der Partei dann keine Mehrheit, weshalb die Suspendierung weiterhin unbefristet bestehen blieb. Tusk selbst drang immer wieder auf den Ausschluss des Fidesz.


Rekordanstieg bei Neuinfektionen in Tschechien

PRAG: In Tschechien breitet sich das Coronavirus weiter rasant aus. Bei der Zahl der täglichen Neuinfektionen wurde ein Rekordwert erreicht: Am Dienstag kamen 1164 Fälle hinzu, wie das Gesundheitsministerium in Prag am Mittwoch bekanntgab. Der bisherige Höchstwert innerhalb von 24 Stunden hatte bei knapp 800 gelegen. Die Gesamtzahl der aktiven Fälle stieg damit auf rund 9300. Es wurden bisher insgesamt 441 Todesfälle mit einer Covid-19-Erkrankung in Verbindung gebracht. Tschechien hat nur knapp 10,7 Millionen Einwohner.

Am Dienstag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den jüngsten Anstieg als «besorgniserregend» bezeichnet. Inzwischen gilt in Tschechien wieder landesweit eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln; in Prag zudem in Geschäften und Einkaufszentren. Nach Einschätzung des Epidemiologen und Regierungsberaters Roman Prymula dürften sich die Maßnahmen aber erst mit mehrwöchiger Verzögerung bemerkbar machen. «Wir müssen dahingehend wirken, dass es nicht zu einem exponentiellen Anstieg kommt», sagte der Experte der Zeitung «Pravo».


Zypern schickt 81 Migranten zurück in den Libanon

BEIRUT: Zypern hat 81 Migranten zurück in den Libanon geschickt. Die Flüchtlinge seien am Vortag in der nordlibanesischen Hafenstadt Tripoli angekommen, sagte die Leiterin der lokalen Krisen-Abteilung, Iman al-Rafai, am Mittwoch. Demzufolge handelt es sich um Syrer und Libanesen, die versucht hatten, von Tripoli über das Mittelmeer ins rund 170 Kilometer entfernte Zypern zu kommen. Unter den Migranten seien auch Frauen und Kinder. Alle würden nach einem Corona-Test zurück in ihre bisherigen Wohnorte gebracht.

Nach einer radikalen Änderung seiner Migrationspolitik schickt das EU-Mitglied Zypern neuerdings Geflüchtete, die aus dem Libanon ankommen, umgehend zurück. Der staatliche Rundfunk RIK berichtete am Dienstag, 45 Menschen seien nur Stunden nach ihrer Ankunft per Boot zurückgebracht worden. Am Sonntag und Montag waren bereits 114 Menschen abgewiesen worden. Innenminister Nikos Nouris erklärte, der Libanon sei ein sicheres Drittland. Die Abweisung geschehe im Einvernehmen mit der dortigen Regierung.

Der Libanon erlebt seit Monaten eine schwere Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Corona-Pandemie und die verheerende Explosion im Hafen von Beirut haben die Lage weiter verschärft. Viele Libanesen wollen ins Ausland. In dem Land am Mittelmeer leben zudem mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien. Gemessen an der Bevölkerung sind im Libanon weltweit die meisten Flüchtlinge untergekommen.


Corona-infizierter Berlusconi kämpft gegen «höllische Krankheit»

MAILAND: Italiens früherer Regierungschef Silvio Berlusconi hat sich erstmals nach seiner Infektion mit dem Coronavirus zu Wort gemeldet und Parteikollegen vom Kampf gegen die «höllische Krankheit» berichtet. «Ich gebe alles und hoffe, dass ich bald wieder zurück bin», sagte Berlusconi am Dienstagabend laut Nachrichtenagentur Ansa bei einer Telefonkonferenz mit Mitgliedern seiner Partei Forza Italia. «Ich kämpfe, um dieser höllischen Krankheit zu entkommen.»

Der 83-Jährige wird seit vergangenem Freitag wegen seiner Infektion mit dem Coronavirus im Mailänder Krankenhaus San Raffaele behandelt. Seit einigen Tagen ist der Politiker und Unternehmer, der wegen seines Alters und einiger Vorerkrankungen als Risikopatient gilt, auf dem Weg der Besserung. «Ich denke, dass uns jede Stunde, die vergeht, näher ans positive Resultat einer Genesung bringt», sagte Berlusconis Arzt Professor Alberto Zangrillo am Dienstagabend im TV-Sender Rai.

Allerdings sei Covid-19 eine «tückische Krankheit», bei der man nicht vorschnell denken dürfe, man habe sie besiegt, warnte Zangrillo. Bei Berlusconi zeige die Behandlung im Krankenhaus jedoch Erfolge. «Seine Krankheit hat den erhofften Verlauf genommen, er reagiert sehr gut auf die Therapien», sagte der Mediziner.


Hilfsorganisation warnt vor Coronavirus in Moria

BERLIN: Angesichts der Brände im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos warnt die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus. «Natürlich bleibt COVID-19 ein großes Risiko. Die Regierung hat deshalb den Ausnahmezustand ausgerufen. Es müssen nun sichere Unterkünfte eingerichtet und Corona-Massentests durchgeführt werden, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern», sagte die IRC-Landesbeauftragte in Griechenland, Dimitra Kalogeropoulou, am Mittwoch. Die Evakuierung des Lagers berge nun neue gesundheitliche Gefahren. Mindestens 35 Menschen in dem überfüllten Lager waren zuvor positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet worden.

Zudem forderte Kalogeropoulou ein schnelles Handeln der Europäischen Union: «Es ist höchste Zeit, dass die EU-Länder mit der griechischen Regierung zusammenarbeiten, um Geflüchtete und Asylsuchende nicht nur auf das griechische Festland, sondern auch in andere EU-Länder umzusiedeln.»

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