Corona-Überblick: Meldungen am Freitag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
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Mexiko rückt bei Zahl der Corona-Opfer an dritte Stelle

MEXIKO-STADT: Die Zahl der Corona-Toten in Mexiko ist auf 46.688 gestiegen.

Das teilte das Gesundheitsministerium des lateinamerikanischen Landes am Freitag mit. Damit überholte Mexiko bei der Zahl der Todesopfer durch die Lungenkrankheit Covid-19 Großbritannien und rückte weltweit an die dritte Stelle hinter Brasilien und den Vereinigten Staaten. Bislang haben sich in dem Land 424.637 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Damit liegt Mexiko weltweit an sechster Stelle. Experten gehen allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen deutlich höher liegen dürfte, weil in Mexiko nur relativ wenig getestet wird.


EU-Kommission will sich Corona-Impfstoff von Sanofi sichern

BRÜSSEL: Die EU-Kommission will 300 Millionen Dosen eines künftigen Impfstoffs vom französischen Pharmaunternehmen Sanofi kaufen. Vorgespräche für einen anvisierten Vertrag seien am Freitag abgeschlossen worden, teilte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit.

Geplant ist demnach ein Rahmenvertrag, wonach die Kommission vorab einen Teil der Entwicklungskosten des Unternehmens übernimmt und dafür das Recht erhält, eine bestimmte Anzahl von Impfstoffdosen in einem bestimmten Zeitraum zu kaufen. Die bereitgestellten Mittel wären eine Anzahlung für die Impfstoffe, die die EU-Staaten später tatsächlich kaufen. Sanofi will für seinen Impfstoffkandidaten nach jetziger Planung im Juni 2021 die Zulassung beantragen.

«Der heutige Schritt mit Sanofi ist ein erster wichtiger Eckpfeiler einer viel umfassenderen europäischen Impfstoffstrategie», sagte von der Leyen. Man führe weiterhin intensive Gesprächen mit mehreren anderen Unternehmen.


EU-Kommission billigt spanischen Milliardenfonds für Unternehmen

BRÜSSEL: Spanien darf Unternehmen in der Corona-Krise mit Kapitalspritzen aus einem Zehn-Milliarden-Euro-Fonds unterstützen. Die EU-Kommission billigte die Hilfsmaßnahme am Freitag. Der Solvenzhilfefonds soll Unternehmen den Zugang zu Finanzmitteln erleichtern. Konkret geht es um Kredite und Rekapitalisierung.

Dabei sei sichergestellt, dass der Staat für das von den Steuerzahlern übernommene Risiko hinreichend vergütet werde, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Außerdem gebe es Anreize für einen baldmöglichen Ausstieg des Staates und Auflagen für die begünstigten Unternehmen, etwa ein Verbot von Boni und Dividenden.

Spanien gehört zu den von der Corona-Pandemie am schlimmsten betroffenen EU-Staaten. Die Wirtschaftsleistung brach im zweiten Quartal so stark ein wie noch nie: um 18,5 Prozent, wie das nationale Statistikinstitut am Freitag in Madrid schätzte.


USA verurteilen Verschiebung der Wahl in Hongkong

WASHINGTON: Die US-Regierung hat die Verschiebung der für September geplanten Parlamentswahl in Hongkong verurteilt. Die Disqualifizierung von Oppositionskandidaten und die Verschiebung der Wahl um ein Jahr seien ein weiterer Schritt zur Untergrabung der Demokratie in Hongkong, sagte die Sprecherin von US-Präsident Donald Trump, Kayleigh McEnany, am Freitag. Damit sei Chinas «Liste gebrochener Versprechen» erneut länger geworden, sagte sie. Die kommunistische Führung in China halte sich nicht an die Zusage, den Menschen in der Metropole «Autonomie und Freiheit» zu gewähren.

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam begründete die Verlegung der Wahl am Freitag damit, dass die Anzahl der Corona-Neuinfektionen in der chinesischen Sonderverwaltungsregion jüngst wieder gestiegen sei. Für die Verlegung bemühte sie ein fast 100 Jahre altes, nur ganz selten angewandtes Notstandsrecht aus der britischen Kolonialzeit. Kritiker sahen darin den Versuch, eine Blamage zu verhindern, da der Unmut über das Regierungslager groß ist.

Seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie 1997 an China wurde Hongkong autonom mit eigenen Freiheitsrechten regiert. Der Erlass eines Gesetzes zum Schutz der nationalen Sicherheit Ende Juni durch Peking sowie die Disqualifizierung von Kandidaten stellt aus Sicht von Kritikern den seither verfolgten Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» komplett in Frage. Das Gesetz ist der bisher weitestgehende Eingriff in die Autonomie Hongkongs. In den USA hatte Präsident Trump mit dem Tweet «Die Wahl hinausschieben, bis die Menschen ordentlich, sorgenfrei und sicher wählen können???» jüngst eine Verschiebung der US-Präsidentenwahl ins Gespräch gebracht und dabei auf die Corona-Pandemie verwiesen.


Finnland erlaubt wieder Veranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern

HELSINKI: Wegen seiner unverändert niedrigen Corona-Zahlen rückt Finnland von weiteren während der Pandemie erlassenen Maßnahmen ab. Als erstes Land Nordeuropas erlaubt das nördlichste Mitglied der EU wie geplant ab Samstag wieder öffentliche Veranstaltungen und Versammlungen mit mehr als 500 Teilnehmern.

Wie die finnische Regierung am Freitag mitteilte, gilt dies für Indoor-Veranstaltungen und auch für Events auf umschlossenen Außenflächen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Richtlinien der Behörden zur Vermeidung von Infektionen eingehalten werden. Außerdem empfiehlt die Regierung den Finnen nicht länger, überwiegend aus dem Homeoffice zu arbeiten.

Verglichen mit dem Rest Europas hat Finnland eine der niedrigsten Neuinfektionszahlen des Kontinents: Nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gab es in den vergangenen sieben Tagen nur knapp 0,9 neue bestätigte Fälle pro 100.000 Einwohner in Finnland, verglichen mit etwa 4,4 in Deutschland, 13,1 in Schweden und 27,7 in Spanien. Da die finnischen Zahlen seit Monaten niedrig sind, wurden die dortigen Corona-Maßnahmen nach und nach zurückgefahren.


Corona-Impfstoff: Sanofi und Glaxosmithkline mit US-Milliarden-Deal

LONDON/PARIS: Die Pharmakonzerne Sanofi und GlaxoSmithKline haben nach eigenen Angaben mit der US-Regierung einen Milliardendeal zur Weiterentwicklung eines potenziellen Corona-Impfstoffs abgeschlossen.

Die US-Regierung werde bis zu 2,1 Milliarden US-Dollar (1,8 Mrd Euro) bereitstellen und davon mehr als die Hälfte für die Entwicklung und klinische Tests des Impfstoff-Kandidaten, wie die französische Sanofi und ihr britischer Wettbewerber Glaxosmithkline am Freitag mitteilten. Der Rest soll für den Ausbau der Produktionsmöglichkeiten genutzt werden, um anfänglich 100 Millionen Impfdosen liefern zu können. Sanofi werde den Großteil des Geldes erhalten. Die US-Regierung hat zudem die Option, längerfristig weitere 500 Millionen Impfdosen zu erwerben.


VW-Marke Scania will weltweit 5000 Stellen streichen

STOCKHOLM: Die zu Volkswagen gehörende Nutzfahrzeugmarke Scania will im Zuge der Corona-Krise weltweit rund 5000 Stellen streichen. Um weiter profitabel zu bleiben und weil es noch eine lange Zeit dauern werde, bis die Nachfrage das Vor-Krisen-Niveau erreiche, müsse die Kostenstruktur des Unternehmens langfristig angepasst werden, teilte Scania-Chef Henrik Henriksson am Freitag bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen des Nutzfahrzeugherstellers aus dem schwedischen Södertälje mit. Deshalb stehe man vor der schwierigen Maßnahme, die Personalstärke global um knapp 5000 Mitarbeiter zu verringern. Diese Zahl war bereits Anfang Juni bei Scania angeklungen.

Scania gehört wie MAN zur VW-Nutzfahrzeugholding Traton, die auch bei MAN Stellen streichen will. Erste Gespräche mit den MAN-Arbeitnehmern sollen in München nach der Sommerpause beginnen, wie der seit gut zwei Wochen amtierende neue Traton-Chef Matthias Gründler am Freitag sagte. In Medienberichten war die Rede davon, dass bis zu 6000 der 36.000 Stellen bei MAN wegfallen könnten.

Das erste Halbjahr war für den Lkw- und Bushersteller Scania aufgrund des Coronavirus von einer geringeren Nachfrage und niedrigeren Produktionszahlen geprägt. Der Nettoumsatz der Scania-Gruppe ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel auf rund 58,5 Milliarden schwedische Kronen (5,7 Mrd Euro) zurück, das Betriebsergebnis sank um 70 Prozent auf 2,8 Milliarden Kronen (274 Mio Euro). Nach einem kompletten globalen Produktionsstopp während des Frühjahrs sei der Betrieb vorsichtig wieder angelaufen, erklärte Henriksson. Wie die Nachfragesituation künftig aussehen werde, sei weiter ungewiss.


Kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer ab Samstag

BERLIN: Auslandsurlauber können sich von diesem Samstag an bei der Rückkehr nach Deutschland kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Das legt eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fest, die dann in Kraft tritt. Der CDU-Politiker sagte am Freitag: «Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland sind ein deutliches Warnsignal. Das Virus macht keine Ferien.» Daher sollte man sich testen lassen, wenn man von einer Reise zurückkommt. Die Tests sollen demnach innerhalb von 72 Stunden nach der Rückkehr bei Gesundheitsämtern und niedergelassenen Ärzten möglich sein.

Die Kosten für die Tests trägt der Verordnung zufolge die gesetzliche Krankenversicherung. Das Gesundheitsministerium hatte aber bereits signalisiert, dass der Bund die Finanzierung am Ende über einen erhöhten Zuschuss an die Kassen übernehmen will.

Spahn bekräftigte, dass sich Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten in Kürze auf Aufforderung bei der Einreise verpflichtend testen lassen müssen. Dazu ist eine Anordnung vorgesehen, die laut Ministerium derzeit in der Abstimmung mit den Ländern ist und die voraussichtlich im Verlauf der nächsten Woche in Kraft treten soll. Spahn betonte: «Mehr noch als auf staatliche Anordnungen kommt es weiter auf jeden von uns an. Je besser wir im Alltag aufeinander achten, desto besser kommen wir gemeinsam durch diese Pandemie.»


Italien verlängert Corona-Quarantäne für Rumänien und Bulgarien

ROM: Italien hat die vierzehntägige Quarantänepflicht bei Einreisen aus Bulgarien und Rumänien wegen der Corona-Pandemie unbefristet verlängert. Einreisen aus Algerien sind zudem fortan nur noch bei besonderen Anlässen möglich, und es besteht ebenfalls eine 14-tägige Quarantänepflicht. Das erklärte Gesundheitsminister Roberto Speranza auf Facebook am Freitag.

Am Donnerstag zählte Italien 386 neue Corona-Fälle nach 298 am Mittwoch. Damit wurden bisher 247.158 Infektionen registriert. Drei weitere Patienten starben, so dass die Gesamtzahl der Toten mit nachgewiesener Corona-Infektion 35.132 erreichte.


Weitere Lockerungsmaßnahmen in ganz England gestoppt

LONDON: Der britische Premierminister Boris Johnson hat weitere Lockerungsmaßnahmen in der Corona-Krise für ganz England gestoppt.

Die Infektionszahlen steigen ihm zufolge wieder an. «Wir müssen schnell reagieren», sagte Johnson am Freitag auf einer Pressekonferenz in London. Zum 1. August sollten eigentlich in England kleine Hochzeitsempfänge wieder möglich sein und zum Beispiel Casinos wieder öffnen dürfen. Dies soll sich nun um mindestens zwei Wochen verzögern. Außerdem kündigte der Regierungschef weitere Schutzmaßnahmen an, darunter das Tragen von Masken in Kinos.


Dänische Gesundheitsbehörde rät zu Mundschutz in Bussen und Bahnen

KOPENHAGEN: Generell herrscht im Großteil Skandinaviens keine Maskenpflicht - jetzt wird in Dänemark aber empfohlen, im Gedränge in öffentlichen Verkehrsmitteln besser einen Mundschutz zu tragen. Wenn die Dänen nach den Ferien ab der kommenden Woche an ihre Arbeitsplätze und Bildungseinrichtungen zurückkehrten, könne es in Bussen, Zügen und auf Fähren schwieriger werden, den nötigen Abstand zueinander zu wahren, erklärte die dänische Gesundheitsverwaltung am Freitag. «Deshalb empfehlen wir jetzt, in diesen Situationen einen Mundschutz in der Tasche dabei zu haben und ihn aufzusetzen, wenn es schwer ist, Abstand zu halten», erklärte Behördenchef Søren Brostrøm.

Gleichzeitig wies die Behörde darauf hin, dass sich die Corona-Zahlen in Dänemark weiterhin auf einem niedrigen Niveau befänden. Es gebe derzeit keine deutlichen Anzeichen für einen markanten Anstieg.

Mit der Ausnahme einiger Flughäfen wie desjenigen in Kopenhagen müssen die Skandinavier nirgends verpflichtend einen Mundschutz aufsetzen. In Island sollen die Menschen allerdings seit Freitag eine Maske überall dort tragen, wo der nun auf der Nordatlantik-Insel vorgeschriebene Zwei-Meter-Abstand nicht eingehalten werden kann - etwa auf Inlandsflügen und Fähren oder beim Friseur oder Masseur.


SUVA: Auf Fidschi im Südpazifik ist erstmals ein Patient im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Der 66-Jährige, der sich bei einer medizinischen Behandlung in Indien mit dem Coronavirus infiziert hatte, habe isoliert in einem Krankenhaus des Inselstaates gelegen, teilten die örtlichen Behörden am Freitag mit. Trotz aller Bemühungen der Ärzte sei der Mann wegen Komplikationen in Verbindung mit Covid-19 nicht mehr zu retten gewesen, sagte Gesundheitsminister Ifereimi Waqainabete.

Bevor der Mann und acht weitere infizierte Reisende Anfang Juli aus Indien in ihre Heimat zurückgekehrt waren, galt Fidschi mit seinen mehr als 900.000 Einwohnern mehrere Wochen lang als Corona-frei. Bis heute gibt es 27 bestätigte Infektionen, 18 Betroffene sind wieder gesund. Andere Pazifikinseln - darunter Tuvalu, Vanuatu und Samoa - sind einige der wenigen Regionen der Erde, die bislang keinen einzigen Corona-Fall gemeldet haben.


Italiens Wirtschaft bricht drastisch ein

ROM: In Italien ist die Wirtschaft wegen der Corona-Krise in den Monaten April bis Juni so stark eingebrochen wie seit 25 Jahren nicht mehr. Der konjunkturelle Rückschlag fiel aber etwas schwächer aus als befürchtet. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um 12,4 Prozent, wie das nationale Statistikinstitut Istat am Freitag in Rom nach einer ersten Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mitteilte. Es ist der stärkste konjunkturelle Einbruch seit Beginn dieser Erhebung 1995.

Bereits im ersten Quartal war die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone von der Corona-Krise getroffen worden. In den Monaten Januar bis März war die italienische Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um revidiert 5,4 Prozent (zuvor 5,3 Prozent) gesunken.

Experten hatten für das zweite Quartal allerdings mit einem deutlich stärkeren Rückschlag gerechnet und waren von einem Einbruch um 15,5 Prozent ausgegangen. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie fallen vor allem in das zweite Quartal. Italien zählt neben Spanien und Frankreich zu den Ländern in Europa, die von der Pandemie besonders stark getroffen wurden.


Drei spanische Regionen nun auf Liste der Corona-Risikogebiete

BERLIN: Die spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra gelten für das Corona-Krisenmanagement in Deutschland nun auch als Risikogebiete. Das geht aus einer Aktualisierung der entsprechenden Liste des Robert Koch-Instituts (RKI) von Freitag hervor. In den drei Gebieten in Spanien wurde laut Bundesgesundheitsministerium die Schwelle von mehr als 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschritten. In der EU steht bisher schon Luxemburg auf der Liste, die auch für deutsche Touristen wichtig ist.

Für Reiserückkehrer aus offiziell eingestuften Risikogebieten soll in der kommenden Woche eine Corona-Testpflicht kommen - über freiwillige Tests hinaus, die für alle Einreisenden aus dem Ausland kostenfrei möglich sein sollen. Wegen des starken Anstiegs der Infektionen rät das Auswärtige Amt (AA) bereits seit Dienstag von touristischen Reisen in die drei spanischen Regionen ab. Das erfolgte unabhängig von der RKI-Bewertung.

Von einer formellen Reisewarnung für die drei Gebiete hat das Ministerium bisher abgesehen. Das kann sich aber noch ändern. Auf der Internetseite des AA heißt es dazu: «Überschreitet ein Land die Neuinfiziertenzahl im Verhältnis zur Bevölkerung von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten sieben Tagen, können Reisewarnungen wieder ausgesprochen werden.» Das trifft laut RKI jetzt für die drei spanischen Regionen zu. Eine Reisewarnung würde Urlaubern die kostenlose Stornierung von Buchungen ermöglichen. Das Abraten von Reisen ist quasi eine Alarmstufe darunter.


Mehr als ein Dutzend Festnahmen bei Anti-Netanjahu-Protest

JERUSALEM: Die israelische Polizei hat bei Protesten gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem 16 Menschen vorläufig festgenommen. Wie die Polizei am Freitagmorgen mitteilte, wurden ihnen Störungen der öffentlichen Ordnung und Angriffe auf Polizisten vorgeworfen. Medienberichten zufolge hatten am Donnerstagabend rund tausend Menschen nahe der offiziellen Residenz Netanjahus gegen dessen Corona-Krisenmanagement protestiert. Der Regierungschef wird von den Demonstranten auch kritisiert, weil ein Korruptionsprozess gegen ihn läuft. Nach Angriffen auf Netanjahu-Gegner bei einer Demonstration am Dienstag in Tel Aviv war die Polizei mit zahlreichen Beamten im Einsatz.

Die nächsten Anti-Netanjahu-Proteste waren für Samstag geplant, unter anderem wieder in Jerusalem. Dort harren seit Wochen Gegner des 70-jährigen nahe dessen Residenz aus. Netanjahu werden unter anderem vorschnelle Lockerungen und eine mangelnde Vorbereitung auf eine mögliche zweite Corona-Welle vorgehalten. Die Infektionszahlen waren zuletzt stark gestiegen. Die Arbeitslosigkeit in Israel liegt bei mehr als 20 Prozent.


Drastischer Konjunktureinbruch

PARIS: In Frankreich ist die Wirtschaft wegen der Corona-Krise dramatisch eingebrochen. Im zweiten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 13,8 Prozent, wie das Statistikamt Insee am Freitag in Paris nach einer ersten Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Monate April bis Juni mitteilte.

Bereits im ersten Quartal hatten sich in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone deutliche Spuren der Corona-Krise gezeigt. In den Monaten Januar bis März war die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich um 5,9 Prozent gesunken.

Experten hatten für das zweite Quartal allerdings mit einem noch stärkeren Einbruch um 15,2 Prozent gerechnet, weil die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie vor allem in diesen Abschnitt fallen. Frankreich zählt zu den Ländern in Europa, die von der Pandemie besonders stark getroffen wurden.


Euro weiter im Höhenflug - Höchster Kurs seit mehr als zwei Jahren

FRANKFURT/MAIN: Der Euro hat seinen Höhenflug am Freitag fortgesetzt und im Handel mit dem US-Dollar den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren erreicht. Am Morgen stieg der Kurs über 1,19 US-Dollar und erreichte bei 1,1905 Dollar den höchsten Stand seit Mai 2018. Im Verlauf der Handelswoche hat die Gemeinschaftswährung damit mehr als zwei Prozent an Wert gewonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Donnerstagnachmittag auf 1,1743 Dollar festgesetzt.

Der Euro profitiert derzeit stark von einer Dollar-Schwäche. Zuletzt hatten unter anderem schwache US-Konjunkturdaten die amerikanische Währung belastet. So war am Donnerstag bekannt geworden, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal den stärksten Einbruch seit Beginn der quartalsmäßigen Erfassung 1947 erlitten hatte. Außerdem bleibt die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt wegen der Corona-Krise angespannt, und die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war zuletzt weiter gestiegen.

Darüber hinaus lastet auch die Zuspitzung der Corona-Krise in den USA mit einer sehr hohen Zahl von Neuinfektionen auf dem Dollar. Hinzu kommt eine von US-Präsident Donald Trump losgetretene Debatte um eine mögliche Verschiebung des Termins für die Präsidentschaftswahl in den USA. Nach Einschätzung von Beobachtern sorgte dies zusätzlich für Unsicherheit am Devisenmarkt.


Seehofer: EU soll Einreiseregeln für unverheiratete Paare lockern

BERLIN: Bundesinnenminister Horst Seehofer will sich bei der EU-Kommission für Lockerungen von coronabedingten Einreiseverboten für unverheiratete Paare einsetzen. «Ich bin dafür und setze mich dafür ein, dass wir die Einreiseverbote für unverheiratete Paare zeitnah lockern», sagte der CSU-Politiker der «Passauer Neuen Presse» (Freitag). «Aber das sollte europaweit geschehen und dafür ist in erster Linie die Europäische Kommission zuständig.» Man solle das in den nächsten Wochen auf europäischer Ebene lösen, damit die Mitgliedstaaten es nicht national regeln müssten.

Viele unverheiratete Paare aus unterschiedlichen Staaten können sich wegen der Corona-Beschränkungen seit Monaten nicht sehen. Auch die SPD-Bundestagsfraktion hatte sich deshalb in dieser Woche an Seehofer gewandt.

Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Konstantin Kuhle, kritisierte: «Horst Seehofer hätte das Thema als Vorsitzender des EU-Innenministerrates Anfang Juli auf dessen Tagesordnung setzen müssen.» Deutschland sollte nach den Worten Kuhles schnell eine Ausnahmeregelung schaffen und gleichzeitig in Brüssel für eine europaweite Lösung kämpfen.


Nato-Pläne für zweite Pandemiewelle kommen nur schleppend voran

BRÜSSEL: Die von der Nato vorbereitete Krisenhilfe für den Fall einer zweiten Welle der Corona-Pandemie könnte deutlich weniger umfangreich ausfallen als geplant. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatten Mitgliedstaaten zuletzt noch nicht einmal 1,6 Millionen Euro für den neuen Treuhandfonds zur Pandemieabwehr zugesagt. Hoffnung der Nato-Zentrale war es, zügig mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag zusammenzubekommen.

Mit dem Geld aus dem bereits im Juni beschlossenen «Pandemic Response Trust Fund» will die Nato eigentlich den Aufbau von Lagern mit medizinischer Ausrüstung ermöglichen und im Fall einer zweiten großen Corona-Welle auch Partnerländer wie die Ukraine unterstützen können. Angesichts der sich hinziehenden Vorbereitungen ist nun allerdings unklar, ob wirklich im großen Stil Krisenhilfe geleistet werden könnte - vor allem wenn es bereits zeitnah zu einer zweiten Pandemie-Welle kommen sollte.

Ein Nato-Sprecher bestätigte der dpa, dass bis zuletzt erst neun der 30 Alliierten feste Zusagen für den Fonds gemacht hatten. Er betonte allerdings, dass von mehreren Ländern «signifikante» Materialspenden angekündigt worden seien. Dazu gehörten unter anderem 200 moderne Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung. Weitere Angebote seien in Vorbereitung, hieß es.


Corona-Einschränkungen im Norden Englands wieder verschärft

LONDON: Wegen einer verstärkten Ausbreitung des Coronavirus im Norden Englands führt die britische Regierung in einigen Regionen wieder strengere Kontaktbeschränkungen ein. Betroffen seien der Großraum Manchester sowie Teile von West Yorkshire und East Lancashire, schrieb Gesundheitsminister Matt Hancock am späten Donnerstagabend auf Twitter. Ab Mitternacht dürfen sich dort Mitglieder verschiedener Haushalte nicht mehr in Innenräumen treffen, wie der Minister ankündigte. Ein «sofortiges Handeln» sei für die Sicherheit der Menschen notwendig.

Hancock führte die verstärkte Ausbreitung des Virus auf Nachlässigkeit bei der Einhaltung der Abstandsregeln zurück. Die Regierung handle «schweren Herzens», schrieb der Minister weiter. «Aber wir können einen Anstieg von Covid-Fällen in ganz Europe sehen und sind entschlossen, alles Nötige zu tun, um die Menschen zu schützen.»

Mit über 300.000 registrierten Infektionsfällen ist Großbritannien zahlenmäßig das am stärksten von der Pandemie betroffene Land Europas. Mehr als 46.000 Menschen sind offiziellen Angaben zufolge dort nachweislich infolge einer Covid-19-Erkrankung gestorben.


Corona-Krise beflügelt Amazon - Quartalsgewinn verdoppelt

SEATTLE: Amazon hat inmitten der Corona-Pandemie weiter stark vom Shopping-Boom im Internet profitiert. Im zweiten Quartal schoss der Umsatz verglichen mit dem Vorjahreswert um 40 Prozent auf 88,9 Milliarden Dollar (75,1 Mrd Euro) in die Höhe, wie der weltgrößte Onlinehändler am Donnerstag nach US-Börsenschluss in Seattle mitteilte. Der Gewinn betrug 5,2 Milliarden Dollar, was im Jahresvergleich in etwa einer Verdopplung entspricht.

Die Ergebnisse lagen erheblich über den Prognosen der Analysten, die Aktie reagierte nachbörslich zunächst mit kräftigen Kursaufschlägen. Dass Amazon mit seinen Lieferdiensten zu den großen Gewinnern der Corona-Krise zählt, hatte sich bereits im Vorquartal gezeigt. Zudem floriert das Cloud-Geschäft mit IT-Services und Speicherplatz im Netz weiter, auch wenn Amazons Flaggschiff AWS die hohen Wachstumserwartungen zuletzt nicht ganz erfüllen konnte.


Wall Street: Abwärts nach Einbruch der Wirtschaft und Trump-Tweet

NEW YORK: Eine historisch beispiellose Schwäche der US-Wirtschaft hat am Donnerstag die Kurse an der Wall Street belastet. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial fiel um 0,85 Prozent auf 26.313,65 Punkte. Damit erholte sich das Börsenbarometer aber von zuvor höheren Einbußen: Im Tagestief hatte er mehr als 2 Prozent eingebüßt.

Wegen der Corona-Krise erlebte die Konjunktur in den USA in den Monaten April bis Juni den stärksten Einbruch seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1947. Um fast ein Drittel sackte die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal ab im Vergleich zum zweiten Quartal 2019. «Wie ein Stein» sei die US-Wirtschaftsleistung gefallen, sagte Volkswirt Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg. Eine so stark von Konsum und Dienstleistungen abhängige Wirtschaft wie die der USA leide besonders unter der coronabedingten Schließung von Geschäften und Restaurants.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,38 Prozent auf 3246,22 Zähler abwärts. Der technologielastige Nasdaq 100 hingegen drehte im Handelsverlauf wieder ins Plus und rückte um 0,49 Prozent auf 10.715,51 Zähler vor.


Simbabwes Präsident: Landwirtschaftsminister an Covid-19 gestorben

HARARE: In Simbabwe ist Landwirtschaftsminister Perrance Shiri infolge einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Das teilte der Präsident des Staates im südlichen Afrika, Emmerson Mnangagwa, am Donnerstag mit. Der ehemalige General Shiri war am Putsch beteiligt gewesen, der Langzeitpräsident Robert Mugabe im November 2017 stürzte. Shiris Beerdigung am Freitag werde den Corona-Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgen, sagte Mnangagwa. In Simbabwe wurden bislang mindestens 2879 Corona-Fälle gemeldet, mindestens 41 Menschen sind gestorben. Das Land steckt in einer schweren Wirtschaftskrise und hatte bereits vor der Pandemie ein sehr schwaches Gesundheitssystem.

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