Corona-Überblick: Meldungen am Freitag

Der Alltag während der dritten Welle des Covid-19 in Turin. Foto: epa/Tino Romano
Der Alltag während der dritten Welle des Covid-19 in Turin. Foto: epa/Tino Romano

Corona-Lage verbessert sich weiter

ROM: Die Corona-Infektionslage in Italien verbessert sich weiter. Im wöchentlichen Corona-Lagebericht sprachen die Experten des Gesundheitsministeriums am Freitag von einer weiter langsam sinkenden Infektionskurve. Demnach lag der aktuell berechnete 7-Tage-Inzidenzwert bis einschließlich Donnerstag bei durchschnittlich 123 Fällen je 100.000 Einwohnern nach 148 in der Vorwoche.

Der R-Wert, der angibt wie viele Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, wurde für den zuletzt berechneten Zeitraum bis Ende April mit etwa 0,89 angegeben und sank ebenfalls. Den Statistiken zufolge lagen alle italienischen Regionen mit Ausnahme der süditalienischen Adria-Region Molise unter der R-Wert-Schwelle von 1, die ein Abklingen der Pandemie signalisiert. Ein Großteil des Landes ist bereits in die sogenannte Gelbe Zone eingeteilt. Dort haben Theater, Kinos und Museen unter speziellen Corona-Auflagen wieder offen und Bars sowie Restaurants dürfen bis zum Ausgangsverbot um 22 Uhr draußen Gäste bedienen.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages bezifferten die Gesundheitsbehörden am Freitag auf etwas mehr als 10.500, 210 Menschen seien im selben Zeitraum mit dem Virus gestorben. Damit stiegen die Gesamtzahl der Infektionen seit Pandemiebeginn auf 4,092 Millionen und die der Virustoten auf rund 122.500.


Sozialminister Heil wirbt in der EU für faire Löhne

PORTO: Sozialminister Hubertus Heil wirbt für verbindliche europäische Vorgaben für nationale Mindestlöhne. «Faire Löhne in der gesamten Europäischen Union müssen Realität werden», erklärte der SPD-Politiker am Freitag zum EU-Sozialgipfel in Porto. «Die Corona-Krise hat uns gezeigt, wie wichtig starke und leistungsfähige Sozialstaaten sind.» Dies sollte die EU in der Zukunft leiten.

Einen Vorschlag für EU-Standards für nationale Mindestlöhne hat die EU-Kommission bereits gemacht. Doch ist er im Kreis der 27 Mitgliedsstaaten umstritten. Beim Treffen in Porto ging es am Freitag vor allem um die konkrete Umsetzung der 2017 vereinbarten Säule sozialer Rechte. Auch hier sehen einige EU-Staaten verbindliche Vorgaben aus Brüssel skeptisch.

Heil erklärte, es gebe nun berechtigte Hoffnung, dass die EU mit steigender Impfquote aus der Corona-Krise herauswachse: «Wir müssen jetzt die Weichen dafür stellen, dass wir dann auch deutliche Fortschritte bei der sozialen Absicherung aller Bürgerinnen und Bürger der EU erzielen. Wirtschaftliches Wachstum darf nicht an den Beschäftigten und Bürgerinnen und Bürgern der EU vorbeigehen.»

Heil vertrat zum Auftakt der Treffen in Porto Bundeskanzlerin Angela Merkel, die wegen der Pandemielage in Deutschland nicht nach Portugal reiste. Merkel wollte sich am Freitagabend und am Samstag zeitweise per Video zuschalten.


Strände, Schulen, Museen - Griechenland öffnet Schritt für Schritt

ATHEN: Die griechische Regierung hat den Corona-Fahrplan für die nächsten Wochen und den Startschuss für den Tourismus am 15. Mai vorgelegt. Bereits ab Samstag dürfen Strandbars und bewirtschaftete Strände mit ihren Strandliegen öffnen. Ab Montag öffnen alle Schulen. Am 14. Mai sollen dann Museen wieder zugänglich sein, am 21. Mai die Open-Air-Kinos und ab 28. Mai die Amphitheater des Landes. Vergangenen Montag hatte bereits die Außengastronomie erstmals nach gut sechs Monaten wieder geöffnet.

Es handele sich um vorsichtige, aber dringend notwendige Öffnungsschritte, sagte am Freitag der Chef des Zivilschutzes, Nikos Chardalias, im Staatsfernsehen. Er wies darauf hin, dass die Menschen sich gerade angesichts der Öffnung unbedingt an bestehende Regeln halten sollten. Das betonte auch die Medizinerin Vana Papaevangelou vom Corona-Krisenstab: Zwar sei die Zahl der Infizierten rückläufig, es müsse aber angesichts der Öffnungen immer wieder mit einem lokalen Aufflammen gerechnet werden.

Alle Öffnungen sind mit Auflagen verbunden. So müssen die Schüler immer montags und donnerstags einen negativen Selbsttest vorlegen, den sie gratis erhalten. In Tavernen gilt Abstand zwischen den Tischen und es dürfen maximal sechs Personen an einem Tisch Platz nehmen. Einrichtungen wie Open-Air-Kinos und Amphitheater dürfen nur die Hälfte ihrer Plätze besetzen. Und weiterhin gilt im ganzen Land eine nächtliche Ausgangssperre von 23.00 bis 5.00 Uhr. Die griechische Gesundheitsbehörde hatte am Freitag binnen 24 Stunden 2691 neue Corona-Fälle registriert.


US-Gesundheitsbehörde: Beim Impfen von Jüngeren noch viel zu tun

WASHINGTON: Die US-Regierung will bei der weiteren Impfkampagne die jüngeren Amerikaner besonders in den Blick nehmen. Die Chefin der Gesundheitsbehörde CDC, Rochelle Walensky, sagte am Freitag, bislang sei nur ein Fünftel der 18- bis 29-Jährigen im Land vollständig geimpft. Bei den 30- bis 39-Jährigen sei es weniger als ein Drittel. Hier gebe es noch viel zu tun.

Wie andere Länder auch hatten die USA zu Beginn sehr darauf gesetzt, vorrangig die älteren, besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen zu impfen. Unter den Senioren ab 65 Jahren sind in den USA haben bereits gut 70 Prozent einen vollen Impfschutz, mehr als 80 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe haben mindestens eine Dosis bekommen.

Insgesamt haben die Vereinigten Staaten in den vergangenen Monaten in rasantem Tempo geimpft - mit Millionen verabreichten Impfdosen pro Tag. 45 Prozent der Gesamtbevölkerung haben inzwischen mindestens eine Impfspritze bekommen, etwa ein Drittel ist voll geimpft. Angesichts verbreiteter Impfskepsis in den USA geht das Tempo der Impfkampagne nun aber zurück. Mit dem Fortschreiten der Impfungen ist die Zahl neuer Corona-Infektionen in den USA gesunken, auf zuletzt im Schnitt 45.000 Fälle pro Tag. Im Winter hatte es sechsstellige Tageswerte gegeben.


Arbeitsmarktzahlen in den USA enttäuschen Erwartungen

WASHINGTON: In den USA sind die Arbeitsmarktzahlen für April weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Beschäftigung stieg deutlich weniger stark als erwartet: Außerhalb der Landwirtschaft kamen nach Angaben des US-Arbeitsministeriums von Freitag lediglich 266.000 neue Stellen hinzu. Analysten hatten mit einem Zuwachs von im Schnitt einer Million Jobs gerechnet. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,1 Prozent und damit um 0,1 Prozentpunkte höher als im Vormonat. Analysten waren von einem Rückgang auf 5,8 Prozent ausgegangen.

US-Präsident Joe Biden wollte sich am Freitag (17.30 Uhr MESZ) noch zu der Lage auf dem Arbeitsmarkt äußern. Die Arbeitsmarktzahlen sind ein Dämpfer bei den Bemühungen, die Wirtschaft wieder auf den Pfad der Erholung zu setzen. Sie wurde durch die Corona-Pandemie empfindlich getroffen: Die Beschäftigung brach im Frühjahr 2020 im Rekordtempo ein. Seitdem erholt sich der Arbeitsmarkt zwar, allerdings sind immer noch viele Amerikaner ohne Job. Die «New York Times» sprach am Freitag von einer «dramatischen Verlangsamung» mit Blick auf die Beschäftigung.

Die guten Arbeitsmarktzahlen von März hatten Hoffnungen geschürt, dass sich die Erfolge bei der Impfkampagne und die damit verbundene Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig positiv auf den Arbeitsmarkt auswirken. Seit Beginn der Corona-Impfkampagne Mitte Dezember sind in den Vereinigten Staaten bereits mehr als 250 Millionen Impfungen verabreicht worden. 32,8 Prozent der Bevölkerung sind bereits vollständig geimpft.


EU-Arzneibehörde untersucht neue Covid-19-Therapie

AMSTERDAM: Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat die Prüfung eines Medikaments zur Behandlung von Covid-19-Patienten in Gang gesetzt. Studienergebnisse des Antikörper-Mittels Sotrovimab würden nach dem beschleunigten Rolling Review-Verfahren bewertet, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Das Präparat wird von dem britischen Hersteller GlaxoSmithKline gemeinsam mit dem US-Unternehmen Vir Biotechnology produziert.

Erste Ergebnisse von Studien deuten nach Angaben der EMA darauf hin, dass das Mittel einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung und damit Krankenhausaufnahme und auch Tod verhindern könne. Da die EMA aber noch nicht alle Daten erhalten habe, könne man Nutzen und Risiken noch nicht gegeneinander abwägen. Wie lange die Prüfung dauern wird, ist unklar.

Im Rolling Review-Verfahren werden Daten bereits bewertet, bevor die Studien abgeschlossen sind und ein Antrag auf Marktzulassung gestellt wurde. Die Experten der EMA prüfen bereits drei weitere Antikörper-Mittel gegen Covid-19. Bisher ist Remdesivir das einzige Medikament, das die Behörde zur Behandlung von Covid-19 zugelassen hat.


Krisenfestigkeit von Versicherern auf dem Prüfstand

FRANKFURT/MAIN: Die Europäische Versicherungsaufsicht Eiopa nimmt die Krisenfestigkeit großer Assekuranzen in Europa vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie genauer unter die Lupe. Die Behörde startete am Freitag einen Stresstest, an dem 44 Konzerne teilnehmen. Darunter sind aus Deutschland die Allianz, der Rückversicherungsriese Münchener Rück, die Gruppe HDI/Talanx, die genossenschaftliche Versicherung R+V sowie die Alte Leipziger-Hallesche. Die Ergebnisse des fünften Stresstests seit 2012 sollen im Laufe des Dezembers veröffentlicht werden.

Es gehe dabei nicht um bestehen oder durchfallen, erläuterte der stellvertretende Eiopa-Vorsitzende Peter Braumüller. Die Analyse soll den Aufsichtsbehörden vielmehr Aufschluss darüber geben, ob die Versicherer ausreichende Kapital- und Liquiditätspuffer haben, um mögliche schwere Schocks zu verkraften. In dem Negativszenario wird von einer längeren Wirtschaftskrise infolge eines möglichen Fortschreitens der Corona-Pandemie ausgegangen.


China erlaubt nur wenige Bergsteiger auf dem Mount Everest

PEKING: China erlaubt dieses Jahr nur einer sehr begrenzten Zahl von Bergsteigern den Aufstieg auf den Mount Everest von der chinesischen Nordseite. Als Vorsichtsmaßnahme in der Pandemie hätten nur 38 Bergsteiger eine chinesische Genehmigung für die Klettersaison zwischen dem 31. März und dem 20. Mai bekommen, berichteten Staatsmedien am Freitag unter Hinweis auf das Sportamt Tibets. Vor zwei Jahren seien es noch 362 auf der Nordseite gewesen, von denen 241 den Gipfel des mit 8848,46 Metern höchsten Berges der Erde erklommen hätten.

Es seien umfassende Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, um das Risiko von Infektionen zu minimieren, berichtete die «China Daily». Es werde häufig Temperatur gemessen. Die Bergsteiger müssten beim Aufstieg vier Meter Abstand halten. Auch werde der Plan für die Kletterer von der nepalesischen Seite genau beobachtet, um zu verhindern, dass sich Bergsteiger begegneten. Personen, die nicht Teil der Expeditionen seien, dürften nicht in das Basislager.

Anders als Nepal hat China das Coronavirus im Griff. Seit drei Monaten hat das bevölkerungsreichste Land keine lokalen Infektionen mehr berichtet. Seit dem Sommer vergangenen Jahres gab es nur noch wenige Ausbrüche, auf die die Behörden immer mit Ausgangssperren, Massentests, Kontaktverfolgung und Quarantäne reagierten. Auch herrschen strikte Beschränkungen bei der Einreise, nach der mindestens zwei Wochen Zwangsquarantäne absolviert werden müssen, um importierte Fälle von Covid-19 zu entdecken.


Biontech und Pfizer beantragen vollständige US-Zulassung

NEW YORK: Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer wollen in den USA eigenen Angaben zufolge die vollständige Zulassung ihres Covid-Vakzins für alle Menschen über 16 erreichen. Die Firmen aus Deutschland und den USA begannen nach Angaben vom Freitag den Prozess der Einreichung bei der zuständigen US-Behörde FDA und beantragten eine bevorzugte Prüfung. Bis zur abschließenden Entscheidung könnte es Wochen oder Monate dauern.

Bislang hat der sehr erfolgreiche und effektive Impfstoff von Biontech/Pfizer in Amerika eine Notfallzulassung und wurde bereits mehr als 130 Millionen Mal gespritzt. Die Firmen bemühen sich auch um eine Zulassung für die Altersgruppe von 12 bis 15.


Aus Vorsicht: Briten unter 40 bekommen Alternative zu Astrazeneca

LONDON: Wegen der Gefahr seltener Blutgerinnsel sollen Menschen unter 40 Jahren in Großbritannien künftig bevorzugt eine Alternative zum Corona-Impfstoff von Astrazeneca erhalten. Das teilten die britische Impfkommission JCVI und die Arzneimittelbehörde MHRA am Freitag mit.

Jüngsten Zahlen zufolge sind in Großbritannien bis Ende April 49 Menschen infolge von seltenen Blutgerinnseln in Verbindung mit einer geringen Zahl an Blutplättchen nach einer Astrazeneca-Impfung gestorben. Insgesamt traten die Symptome bei 242 Menschen nach einer ersten Impfung mit Astrazeneca auf. Bis Ende April erhielten laut Behördenangaben in Großbritannien 22,6 Millionen Menschen eine erste Impfung mit Astrazeneca.

Wie die Arzneimittelbehörde weiter mitteilte, gibt es nun auch in Großbritannien Hinweise, dass Frauen stärker von den Blutgerinnseln betroffen sind als Männer. Auch dort zeigt sich nun, dass die Fälle häufiger bei jüngeren Menschen auftreten als bei Älteren. Das müsse berücksichtigt werden beim Einsatz des Mittels, hieß es in einem MHRA-Bericht. Ihre grundsätzliche Empfehlung für den Impfstoff für alle Altersgruppen änderten die britischen Behörden jedoch nicht. Die Vorteile einer Impfung überwiegen demnach weiterhin die Risiken für die Mehrzahl der Menschen.

In Deutschland wird Astrazeneca nur für die Altersgruppe der über 60-Jährigen empfohlen. Jüngere Menschen können sich das Mittel aber auf eigene Gefahr spritzen lassen, eine Priorisierung für stärker von Covid-19 gefährdete Gruppen gibt es hier nicht mehr.


Bundesagentur: Zahl der Beschäftigten in der Pflege sinkt nicht

NÜRNBERG: Die Zahl der Beschäftigten in der Pflege ist während der Corona-Pandemie entgegen landläufiger Auffassung gestiegen. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Freitag in Nürnberg mit. Im Oktober 2020 habe es in der Gesundheits- und Altenpflege 1,77 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gegeben. Das seien 43.300 mehr als ein Jahr zuvor. Auch von 2019 auf 2020 habe es ein Plus gegeben. In den vergangenen fünf Jahren sei in der Pflege ein Beschäftigungsplus um 14 Prozent zu verzeichnen.

Der von mehreren Interessenvertretern zuletzt zitierte Rückgang der Beschäftigtenzahl in der Pflege um 9000 könne aus der Datenlage nicht bestätigt werden. Zwar sei die Zahl der Alten- und Krankenpflegekräfte in den Monaten März bis Juli 2020 um 0,5 Prozent gesunken - dieser saisonale Rückgang sei aber jedes Jahr festzustellen und nicht vorwiegend durch die Pandemie bedingt. Ursache sind etwa endende Ausbildungsverhältnisse und angepasste Stellenbesetzungsprozesse vor den Sommerferien. Ungeachtet davon könne es Fluktuationsprozesse gegeben haben, sagte ein BA-Sprecher.

Trotz des Beschäftigungsaufbaues sei der Fachkräftebedarf in der Pflege erheblich. Medizinischer Fortschritt und höheres Durchschnittsalter führten zu einem erhöhten Bedarf. Auf aktuell 12.700 gemeldete Stellen für Fachkräfte in der Gesundheitspflege kämen lediglich 5800 Arbeitslose. In der Altenpflege seien für 12.800 Stellen nur 3600 Arbeitslose registriert. Allerdings: Bei den Pflegehelfern sowohl im Gesundheits- als auch im Altenpflegebereich gebe es mehr Bewerber als Stellen.

Die BA versuche, das Problem unter anderem mit Umschulungen in den Griff zu bekommen. Seit 2015 seien so mehr als 40.000 Menschen zu Pflegern geworden. Außerdem versucht die BA, Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen - etwa aus Ländern wie Bosnien-Herzegowina, Tunesien und den Philippinen. Hier hatten jedoch unter anderem die Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie zu geführt, dass die Anwerbebemühungen ins Stocken gerieten.


Polen befürwortet Freigabe von Impfpatenten

WARSCHAU: Polens Regierung befürwortet die Freigabe von Patenten für Covid-Impfungen. Die reichsten Länder sollten die Patente allen zur Verfügung stellen, die den Impfstoff produzieren könnten, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki am Freitag vor Beginn des EU-Sozialgipfels in Portugal. «Das ist nötig, um die Epidemie auf der ganzen Welt zu eliminieren.»

Die US-Regierung hat vorgeschlagen, dass der Patentschutz von Pharmafirmen auf ihre Corona-Impfstoffe vorübergehend entfallen soll. Hersteller in aller Welt könnten dann die Impfstoffe produzieren, ohne Lizenzgebühren an die Unternehmen zu zahlen. Die Pharmafirmen lehnen den Vorschlag ab. Die Bundesregierung steht ihm skeptisch gegenüber.


Mehr als 31 Prozent der Bürger erstgeimpft

BERLIN: In Deutschland haben 31,5 Prozent der Menschen mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Das teilte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn mit Verweis auf das Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) am Freitag bei einer Pressekonferenz mit.

Den vollen Impfschutz erhielten der Bundesbehörde für Infektionskrankheiten (RKI) zufolge bislang 8,8 Prozent der Bevölkerung.

Am Donnerstag wurden nach Angaben des RKI (Stand: 7. Mai, 10.10 Uhr) 932.495 Impfungen gemeldet. Der bislang höchste Tageswert seit Beginn der Impfkampagne war am Mittwoch vergangener Woche mit 1.116 608 Impfungen erreicht worden. Insgesamt verabreichten alle Impfstellen bislang knapp 33,6 Millionen Dosen, davon etwas mehr als 26,2 Millionen bei Erstimpfungen und weitere fast 7,4 Millionen bei Zweitimpfungen.

In Deutschland können sich Impfwillige in ihrer Arztpraxis künftig auch ohne Priorisierung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen. Bund und Länder hatten am Donnerstag die Aufhebung der Bevorzugung von Risikogruppen bei diesem Impfstoff beschlossen. Wegen sehr seltener Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) war der Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland seit dem 31. März in der Regel zunächst nur bei Menschen ab 60 Jahren eingesetzt worden.


England will Maskenpflicht in Schulen aufheben

LONDON: Trotz Warnungen von Wissenschaftlern und Gewerkschaften will die britische Regierung die Maskenpflicht in Schulen in England aufheben. Dies sei möglich aufgrund sinkender Corona-Infektionszahlen und dem Erfolg des Impfprogramms, sagte Bildungsminister Gavin Williamson der Zeitung «The Telegraph» (Freitag). Die Maßnahme solle am 17. Mai in Kraft treten, wenn auch andere Corona-Restriktionen wie das Verbot von nicht notwendigen Auslandsreisen aufgehoben werden, wie das Blatt berichtete.

«Das Entfernen von Gesichtsmasken wird die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern erheblich verbessern, während alle anderen Sicherheitsmaßnahmen für Schulen bestehen bleiben, um das Virus aus den Klassenzimmern fernzuhalten», sagte Williamson.

Ein Ministeriumssprecher betonte, die Virusübertragung zwischen Schülern, Lehrern und Mitarbeitern sei deutlich gesunken. Im Vereinigten Königreich sind Gesundheitsfragen Sache der einzelnen Landesteile, die britische Regierung entscheidet nur für England.

Hingegen forderten Wissenschaftler, Gesundheitsexperten und Gewerkschaften in einem Brief an Premierminister Boris Johnson, die Maskenpflicht frühestens am 21. Juni aufzuheben, wenn die Regierung alle Corona-Restriktionen beenden will. Die Maßnahme sei ein «zentraler Teil» der Virus-Kontrolle in Schulen. Diese «notwendigen Schutzmaßnahmen» aufzuheben, werde Konsequenzen «für die Gesundheit unserer Kinder, ihrer Eltern sowie ihrer Gemeinden» haben.


Australien schwächt umfassendes Einreiseverbot aus Indien ab

SYDNEY: Australien wird sein umstrittenes Einreiseverbot für Rückkehrer aus Indien voraussichtlich am 15. Mai wieder aufheben. Dann sei das Ziel der Maßnahme erreicht, eine Verlängerung sei wohl nicht mehr nötig, sagte Premierminister Scott Morrison am Freitag. Angesichts der schnellen Ausbreitung des Coronavirus in Indien hatte die Regierung in Canberra vor einer Woche einen Einreisestopp auch für seine eigenen Bürger erlassen - unter Androhung von Haftstrafen von bis zu fünf Jahren bei Zuwiderhandlung.

Morrison kündigte an, dass zunächst drei Rückführungsflüge «für die dringendsten Fälle» geplant seien. Die Maschinen würden in der Region Northern Territory landen, wo die aus Indien kommenden australischen Staatsbürger auch die Quarantäne verbringen sollen. Das absolute Reiseverbot und speziell die Androhung von Gefängnis- und Geldbußen bei Verstößen hatten der Regierung viel Kritik eingebracht. Gegner monierten, der Premierminister lasse die eigenen Bürger im Stich.

Seit Tagen verzeichnet Indien immer wieder weltweite Höchstwerte an Corona-Neuinfektionen. Zuletzt lag die Marke bei mehr als 400.000 neuen Fällen innerhalb von 24 Stunden. Die Dunkelziffer dürfte aber noch deutlich höher liegen. Die Lage verschärft sich weiter, weil vielen Krankenhäusern der medizinische Sauerstoff ausgeht.


Neue Einreiseregeln auf Island - Quarantänehotel für Reisende

REYKJAVIK: Auf Island sind am Freitag neue Regeln für die Einreise in Kraft getreten. Gemäß dem neuen System werden die Kriterien geändert, inwieweit Länder als Hochrisikogebiete betrachtet werden: Neben der 14-Tages-Inzidenz schauen die Isländer nun auch darauf, wie hoch der prozentuale Anteil an positiven Corona-Tests an der gesamten Testmenge ist.

Deutschland sowie fast 150 weitere Länder und Gebiete gelten laut Auflistung der isländischen Regierung ab jetzt als Hochrisikogebiete. Für deutsche Island-Urlauber ohne Corona-Impfung oder überstandene Infektion bedeutet das, dass für sie Quarantäne in einer dafür vorgesehenen Einrichtung wie einem Quarantänehotel vorgeschrieben ist. Wie Reisende aus 129 anderen Staaten sowie von den spanischen Inseln können sie aber eine Ausnahme davon beantragen. Darin müssen sie vor Reiseantritt hinreichend aufzeigen, dass sie auch in einer von ihnen gewählten Bleibe alle Quarantäneregeln erfüllen werden.

In 17 weiteren Ländern ist die Infektionslage nach isländischer Beurteilung so schlecht, dass Reisende von dort keine Ausnahmen erhalten. Die Auflistung gilt zunächst bis zum 24. Mai. Reisende aus Grönland und von den Färöer-Inseln sind von den Maßnahmen komplett ausgenommen.

Island mit seinen nur knapp 360.000 Einwohnern hat europaweit die auf die Bevölkerungszahl gerechnet mit Abstand geringsten Neuinfektionszahlen. Die 14-Tages-Inzidenz lag zuletzt bei etwa 30.


Vor Urlaubssaison: Italien will kleinere Inseln coronafrei bekommen

ROM: Vor der nahenden Urlaubssaison will Italien die Bevölkerung seiner kleinen Mittelmeerinseln coronafrei bekommen. Ab Freitag sollen Massenimpfungen gegen Covid-19 auf Capraia, südwestlich der toskanischen Stadt Livorno, und den Äolischen Inseln, nordwestlich der sizilianischen Stadt Messina, beginnen, wie aus dem Plan des außerordentlichen Kommissars für den Corona-Notfall hervorgeht. Insgesamt will die Regierung Menschen auf etwa dreißig dieser kleineren Inseln impfen.

Wie auf Capraia, wo nur etwa 330 Menschen leben, sind die Bewohnerzahlen vieler dieser Inseln und auch die örtlichen Gesundheitseinrichtungen klein. Außerdem sind die oft beliebten Urlaubsziele schwer zu erreichen. Ziel ist es deshalb, möglichst wenige Impfstoff-Lieferungen dorthin unternehmen zu müssen, wie der Corona-Kommissar weiter mitteilte. Unterstützt werden die Einsätze vom Militär und der Zivilschutzbehörde.

Größere Inseln wie Capri sind bereits weiter in der Impfkampagne. Dort sind nach Berichten der Nachrichtenagentur Ansa beinahe 80 Prozent der über 16-Jährigen immunisiert. Um die Impfung für alle Altersgruppen auf Inseln wie Capri oder Ischia hatte es zuvor immer wieder Streit gegeben. Urlaubsgegenden auf dem Festland sahen sich mit Blick auf den Tourismus benachteiligt, wenn die Inseln vor ihnen als coronafrei gelten würden.

Italien peilt den 2. Juni für den offiziellen Start der Sommersaison an. Wie genau die Regelungen für Einreisende, auch für Geimpfte, im Juni aussehen werden, ist noch nicht ganz klar. Grundsätzlich ist Urlaub in Italien möglich, aber bei der Einreise fordert das Land weiterhin eine Quarantäne von fünf Tagen. Zusätzlich gilt eine mehrfache Testpflicht - mit PCR-Test oder einem Antigen-Schnelltest vor und nach der Einreise. Diese Reglung läuft bis Mitte Mai.

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