Corona-Überblick: Meldungen am Freitag

Foto: Pixabay/Kollsd
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Neuer Tageshöchstwert: Fast 1200 Corona-Tote

BERLIN: Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden hat in Deutschland einen neuen Höchstwert erreicht. Innerhalb eines Tages übermittelten die deutschen Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) 1188 neue Todesfälle, wie aus den RKI-Zahlen vom Freitagmorgen hervorgeht.

Der neue Höchstwert an Todesfällen umfasst den Informationen zufolge vor allem Menschen über 80 Jahren. Außerdem wurden 31.849 Neuinfektionen gemeldet. Der bisherige Höchststand von 1129 neuen Todesfällen war am 30. Dezember erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden - darin waren jedoch 3500 Nachmeldungen enthalten.

Bei der Interpretation der Fallzahlen sei weiter zu beachten, dass in den Wochen um Weihnachten und den Jahreswechsel vermutlich weniger Menschen einen Arzt aufsuchten, weniger Proben genommen und weniger Laboruntersuchungen durchgeführt wurden, hieß es vom RKI. Auch die Angaben für die 7-Tage-Inzidenz sind mit Vorsicht zu bewerten - so lange, bis belastbare Zahlen sieben einzelner Tage vorliegen. Das RKI geht davon aus, dass die Meldedaten zum Infektionsgeschehen frühestens Ende nächster Woche/Anfang übernächster Woche wieder belastbar sind, wie es auf Anfrage hieß. Klarheit über das Infektionsgeschehen nach den Feiertagen ist nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel am 17. Januar zu gewinnen.

Die deutsche Regierung und die 16 Bundesländer hatten sich diese Woche darauf verständigt, die ursprünglich bis 10. Januar geltenden Lockdown-Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bis Ende Januar zu verlängern. So bleiben etwa weiter viele Geschäfte geschlossen. Auch die Regeln für Kontakte wurden verschärft.

Das staatliche RKI ist in Deutschland die führende Gesundheitsbehörde in der Pandemie. Es zählte bisher 1.866 887 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 08.01., 00.00 Uhr). Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 38.795. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.494 100 an.


Deutsche Corona-Reisewarnung für portugiesische Urlaubsinsel Madeira

BERLIN: Wegen steigender Corona-Infektionszahlen hat Deutschland nun auch die portugiesische Urlaubsinsel Madeira ab Samstag als Risikogebiet eingestuft und eine Reisewarnung ausgesprochen.

Auf der Risikoliste des Robert Koch-Instituts (RKI) stehen dann auch wieder die französische Insel Korsika und die nordfranzösische Region Bretagne. Damit gilt wieder für den gesamten europäischen Teil Frankreichs eine Reisewarnung, nur einige Überseegebiete sind noch davon ausgenommen, wie das RKI auf seiner Internetseite mitteilte.

Auf dem europäischen Festland gibt es nun nur noch in Griechenland, Finnland, Norwegen und Österreich (zwei Gemeinden an der deutschen Grenze) Regionen, die aus deutscher Sicht nicht als Risikogebiete eingestuft sind. Hinzu kommen ein Großteil der griechischen Inseln, die britische Isle of Man und die Kanalinsel Guernsey sowie die dänische Insel Grönland.

Die Einstufung als Risikogebiet und die damit automatisch verbundenen Reisewarnungen des deutschen Außenministeriums bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt, wenn ein Land oder eine Region den Grenzwert von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreitet. Ganz Deutschland ist nach diesen Kriterien wie die meisten anderen europäischen Länder Risikogebiet.


Corona: Belgien strebt Immunität seiner Bevölkerung im Spätsommer an

BRÜSSEL: Belgien will bis zum Spätsommer eine flächendeckende Immunität gegen das Coronavirus erreichen. Bis September sollen laut Impfplan 70 Prozent der Bevölkerung geimpft werden, wie die Nachrichtenagentur Belga am Freitag unter die zuständige Arbeitsgruppe für die Impfkampagne berichtete. «Das sind tolle Neuigkeiten auf dem Weg zurück in die Freiheit», sagte Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke.

Belgien hatte bereits zuvor eine Impfquote von 70 Prozent als Ziel festgelegt. Der Wert deckt sich mit der Einschätzung von Experten, nach der 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung einen Impfschutz erhalten müssen, um die Corona-Pandemie in einem Land zu stoppen.

Der am Freitag vorgestellte Impfplan für die kommenden Monate sei allerdings abhängig von der Verfügbarkeit der Impfstoffe sowie von weiteren Marktzulassungen, betonte Vandenbroucke. Berücksichtigt seien bereits der kürzlich in der EU neu zugelassene Impfstoff des US-Unternehmens Moderna sowie die Möglichkeit, die Zahl der einzelnen Dosen aus Biontech/Pfizer-Ampulle von fünf auf sechs zu steigern.

Das kleine Belgien mit seinen rund 11,5 Millionen Einwohnern hatte im Herbst zeitweise pro Kopf die höchsten Corona-Infektionszahlen in Europa. Täglich wurden 15.000 neue Fälle oder mehr verzeichnet. Strikte Beschränkungen haben die Ausbreitung gebremst. Zuletzt registrierte das Land durchschnittlich rund 1660 neue Ansteckungen pro Tag, wie das Gesundheitsinstitut Sciensano am Freitag mitteilte. In den vergangenen zwei Wochen steckten sich 205 Menschen pro 100.000 Einwohner mit dem Virus an.


Italien teilt Land wieder in verschiedene Corona-Zonen ein

ROM: Italien will ab kommender Woche das Land wieder in unterschiedliche Corona-Zonen einteilen. Damit werden in den Regionen wieder unterschiedliche Regeln für die Menschen gelten, je nachdem wie sich die Corona-Lage dort entwickelt. Italiens Gesundheitsminister Roberto Speranza unterzeichnete dazu am Freitag eine neue Verordnung, wie er am Abend mitteilte.

Danach fallen die nördlichen Regionen Emilia Romagna, die Lombardei und Venetien sowie Sizilien und Kalabrien im Süden ab Montag in die orangefarbene Zone. In ihnen gelten dann strengere Regeln als im Rest des Landes, der dann in die gelbe Zone eingeteilt werden soll.

Konkret bedeutet das für die Menschen in den orangefarbenen Zonen etwa, dass Bars und Restaurants geschlossen bleiben und nur Essen zum Mitnehmen verkaufen dürfen. Der Bewegungsradius ist auf die Kommune beschränkt. Darüber hinaus hat die Regierung des Landes mit rund 60 Millionen Einwohnern noch bis zum 15. Januar Reisen zwischen allen Regionen untersagt.

Die Pandemie-Situation hat sich landesweit zuletzt verschärft, sagte einer der Experten des Gesundheitsministeriums am Freitag. Die Fallzahlen, die im Dezember noch eher rückläufig waren, seien wieder schneller gestiegen. In vielen Regionen liege der Reproduktionswert, der angibt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, über eins - ein maßgeblicher Wert für Einteilung der Zonen.

Italiens Behörden meldeten am Freitag rund 600 Tote mit Sars-CoV-2 und etwa 17.500 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Insgesamt liegt die Gesamtzahl der Toten damit bei knapp 78.000 und die der Infektionen bei rund 2,24 Millionen. Nach Behördenangaben wurden bislang ungefähr 413.000 Corona-Impfungen verabreicht.


Londoner Krankenhäuser vor dem Kollaps - Rekordzahl an Toten

LONDON: Schon wieder stellt Großbritannien mit seinen Corona-Statistiken neue traurige Rekorde auf. Noch nie starben mehr Menschen im Land innerhalb eines Tages an Covid-19. Besonders in London ist die Lage bis zum Zerreißen angespannt.

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat angesichts beispiellos hoher Infektionszahlen in der britischen Hauptstadt eine Großlage (major incident) ausgerufen. Die Bedrohung, die das Coronavirus für die Stadt darstelle, sei an einem kritischen Punkt. «Wenn wir nicht unverzüglich handeln, könnte unser (Gesundheitsdienst) NHS überwältigt werden und mehr Menschen werden sterben», sagte Khan einer Mitteilung zufolge.

Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz in der britischen Hauptstadt liegt inzwischen bei mehr als 1000. Damit ist die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner gemeint. Die Zahl der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten in London sei allein in der ersten Januarwoche um knapp ein Drittel, die Zahl der Intensivpatienten um mehr als 40 Prozent gestiegen, hieß es in der Mitteilung des Bürgermeisters.

Insgesamt wurden in Großbritannien am Freitag mehr als 68.000 neue Corona-Fälle gemeldet - ein neuer Tagesrekord. Einen weiteren traurigen Rekord stellte das Land bei den Todesfällen innerhalb eines Tages auf: 1325 Menschen starben an oder mit Covid-19.


Schlimmster Pandemietag : Rekord an Toten und Infektionen

LISSABON: Portugal hat am Freitag seinen bisher schlimmsten Pandemie-Tag erlebt. Mit 10.176 Neuinfektionen und 118 Todesopfern meldeten die Gesundheitsbehörden in Lissabon die höchsten Zahlen seit Beginn der Corona-Krise. Die Neuinfektionen in dem Land mit 10,3 Millionen Einwohnern hatten zuvor schon am Mittwoch mit einem Tageswert von 10.027 den bis dahin geltenden Rekord vom 31. Dezember (7627) deutlich übertroffen. Gesundheitsministerin Marta Temido hatte am Mittwoch ihre Landsleute gewarnt: «Die nächsten Tage werden sehr hart sein». Die zuvor höchste Zahl an Toten mit Covid-19 an einem Tag war mit 98 am 13. Dezember registriert worden.

Infolge der kräftig anziehenden Zahlen wird auch die Lage in den Krankenhäusern immer angespannter. Die Zahl der stationär behandelten Covid-Patienten kletterte am Freitag um 118 auf den neuen absoluten Höchststand von 3451. Auf Intensivbetten lagen den amtlichen Angaben zufolge 536 Kranke - 22 mehr als am Vortag.

Im Rahmen des Ausnahmezustands herrschen seit dem 9. November in weiten Teilen Portugals unter anderem strenge Ausgehbeschränkungen und Sperrstunden, darunter auch in der Hauptstadt Lissabon und der nördlichen Metropole Porto. Die zweithöchste Notstandsstufe wurde erst am Mittwoch vom Parlament bis zum 15. Januar verlängert.

Seit Ausbruch der Pandemie wurden in Portugal mehr als 466.000 Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 gezählt. Knapp 99.000 haben die Erkrankung noch nicht überstanden. Die Zahl der Menschen, die mit Covid-19 starben, stieg am Freitag auf 7590.


Macron spricht mit Merkel und von der Leyen über EU-Impfstrategie

PARIS: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die europäische Corona-Impfstrategie verteidigt. Der Präsident und die Kanzlerin seien entschlossen, diese Strategie des Erwerbs von Impfstoffen innerhalb eines europäischen Rahmens und auf der Grundlage eines robusten und fairen Zuteilungsmechanismus zu verfolgen, hieß es am Freitagabend aus dem Élyséepalast nach einem Gespräch zwischen Macron und Merkel. Mit der Stärke des Kollektivs könne man ein vielfältiges und sicheres Portfolio an Impfstoffen in erheblichen Mengen und zu besseren Preisen aushandeln.

Diese Punkte habe Macron auch im Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitagabend angesprochen, die diese Haltung teile. In den beiden Gesprächen seien die Bedeutung und Relevanz der europäischen Impfstoff-Einkaufsstrategie betont worden. Die europäische Koordination müsse sowohl Impfstoffbestellungen als auch Produktionsstandorte in Europa umfassen, so der Élysée weiter.

Zuletzt hatten auch deutsche Politiker kritisiert, dass in Europa nicht genug Impfstoff gegen Covid-19 zur Verfügung stehe. Am Freitag hatte von der Leyen bekanntgegeben, dass die EU sich bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer gesichert habe. 75 Millionen Dosen davon sollten bereits im zweiten Quartal 2021 zur Verfügung stehen.


Biden: Entscheidung über Impeachment gegen Trump liegt beim Kongress

WASHINGTON: Der künftige US-Präsident Joe Biden will sich nicht in eine Entscheidung seiner Demokraten im Kongress über ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Noch-Amtsinhaber Donald Trump einschalten. Der Beschluss über die Eröffnung eines solchen Verfahrens liege beim Kongress, sagte Biden am Freitag in Wilmington im Bundesstaat Delaware. Seine Aufgabe und die seiner künftigen Regierung sei es, sich mit Dringlichkeit um den Kampf gegen das Coronavirus, um Covid-19-Impfungen und um die wirtschaftliche Entwicklung zu kümmern. «Wir werden unsere Arbeit erledigen und der Kongress kann entscheiden, wie es weitergeht.»

Der Demokrat betonte zugleich: «Ich denke seit langem, dass Präsident Trump ungeeignet ist, das Amt zu bekleiden.» Das sei der Grund gewesen, warum er sich entschieden habe, gegen Trump zu kandidieren. Es sei zwar wichtig, dass der Republikaner aus dem Amt entfernt werde, aber: «Der schnellste Weg, dass das passiert, ist, dass wir am 20. vereidigt werden.» Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris werden am 20. Januar in Washington vereidigt. Damit enden die Amtszeiten von Trump und seines Stellvertreters Mike Pence.

Biden kündigte an, noch im Laufe des Tages mit der Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und mit anderen führenden Demokraten zu sprechen. Dabei werde es um sein Programm gehen «sowie um alles, was sie mit mir besprechen wollen». Nach der Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger hat Pelosi damit gedroht, mit der Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus ein neues Amtsenthebungsverfahren gegen Trump zu eröffnen.


Tausende neue Gräber werden wegen Corona angelegt

MANAUS: Um einen Zusammenbruch des Bestattungswesens angesichts eines neuen Anstiegs der Corona-Fälle zu verhindern, will die brasilianische Amazonas-Metropole Manaus 22.000 vertikale Gräber ausheben. Die Konstruktion würde «in den kommenden Tagen» beginnen, sagte David Almeida, Bürgermeister der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, dem regionalen Fernsehsender «Bom Dia Amazônia» am Freitag. «Wir müssen den Platz, den wir haben, ausnutzen und werden den Tarumã-Friedhof vertikalisieren.» Der Cemitério do Tarumã ist einer der Friedhöfe, auf denen in Brasilien während der ersten Welle der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Massengräber angelegt wurden.

Am Donnerstag hat die Zahl der Corona-Toten in Brasilien die Marke von 200.000 überschritten. Nun könnte sich das Szenario aus dem Frühjahr wiederholen, als viele Krankenhäuser und Friedhöfe an ihre Grenzen gelangten. Zugleich steht das größte Land in Lateinamerika immer noch ohne Impfkampagne für die Bevölkerung da. Nachdem Präsident Jair Bolsonaro das Coronavirus zuerst verharmlost hatte, zieht er mittlerweile auch eine Impfung in Zweifel.


Libanon meldet Höchststand bei täglichen Corona-Neuinfektionen

BEIRUT: Die Zahl der täglich gemeldeten Corona-Infektionen ist im Libanon auf einen Höchststand gestiegen. Das Gesundheitsministerium in Beirut meldete am Freitag 5440 neue Fälle. Mit rund sechs Millionen Einwohnern im Libanon entspräche das rechnerisch rund 70.000 Fällen in Deutschland. Insgesamt hat das Land am Mittelmeer seit Beginn der Pandemie mehr als 210.000 Corona-Fälle registriert.

Erst am Donnerstag hatte im Libanon wegen hoher Infektionszahlen ein neuer Lockdown begonnen. Bis Ende dieses Monats gilt unter anderem täglich von 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 MEZ) an eine Ausgangssperre bis zum nächsten Morgen. Gesundheitsminister Hamad Hassan erklärte, die Pandemie habe ein gefährliches Ausmaß erreicht. Kliniken klagen über einen Mangel an freien Betten auf den Intensivstationen.

Über Weihnachten und Neujahr hatte die Regierung die Beschränkungen noch gelockert. So durften Restaurants und Bars wieder öffnen.

Der Libanon erlebt seit Monaten eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Pandemie und die Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut Anfang August haben die Lage weiter verschärft. Große Teile der Bevölkerung sind in Armut abgerutscht.


Corona-Impfungen: WHO sieht Gefahr einer Benachteiligung armer Länder

GENF: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) befürchtet eine Benachteiligung ärmerer Länder bei den nun startenden Impfungen gegen das Coronavirus. Unter den 42 Staaten, die sichere und wirksame Impfstoffe spritzten, sei kein einziges armes Land, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Freitag in Genf. Er appellierte an die reichen Länder, die sich viele Impfdosen gesichert hätten, sie auch über die internationale Corona-Impfinitiative Covax an die 92 angeschlossenen Länder zu verteilen. Die Nachbestellungen drohten, die Preise für die Impfstoffe hochzutreiben, kritisierte Tedros. «Ich bitte die Staaten und Hersteller dringend darum, diese bilateralen Deals auf Kosten von Covax zu stoppen.»

Die WHO-Experten machten darauf aufmerksam, dass die aktuelle Zahl der ausgelieferten Impfdosen noch keinen Effekt auf den Verlauf der Pandemie habe. Es gelte, weiterhin die üblichen Hygieneregeln einzuhalten.


Athen verlängert Lockdown

ATHEN: In Griechenland werden die Corona-Einschränkungen vorerst um eine Woche verlängert. Sie sollten am Montag enden, laufen nun aber bis mindestens zum 18. Januar. Begründet wird die Entscheidung mit der Angst vor einer dritten Infektionswelle. Nach den leichten Lockerungen über die Weihnachtsfeiertage sei ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen verzeichnet worden, teilte die griechische Gesundheitsbehörde am Freitag im Staatsfernsehen mit. Allerdings werde man ab Montag zumindest Kitas, Grundschulen und Sonderschulen wieder öffnen.

Andere Einschränkungen, die seit Anfang November gelten, bleiben demnach bestehen. So sind die meisten Geschäfte geschlossen. Aus dem Haus darf nur, wer zuvor eine entsprechende SMS an den Zivilschutz gesendet hat. Erlaubt sind unter anderem der Weg zur Arbeit, Arztbesuche, Lebensmitteleinkäufe, sportliche Betätigung oder auch der Spaziergang mit dem Hund. Verboten ist den Menschen hingegen, ohne triftigen Grund die Region zu verlassen, in der sie wohnen.

Zudem hat Griechenland am Freitag die Einreiseregeln verschärft - wer ins Land kommt, muss sich für sieben Tage in Quarantäne begeben statt wie bisher für drei Tage. Diese Neuregelung gilt den Behörden zufolge ab Freitag um Mitternacht und vorerst bis zum 21. Januar.

Das Land mit seinen rund 11 Millionen Einwohnern weist im Verhältnis zu anderen europäischen Ländern zwar eher geringe Coronazahlen auf, doch das Gesundheitssystem ist weitgehend ausgelastet. Am Freitag wurden 721 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gemeldet und damit rund doppelt so viele wie in den Tagen vor den weihnachtlichen Lockerungen.


Dänemark beschränkt Reiseverkehr in und aus allen Ländern der Welt

KOPENHAGEN: Dänemark verschärft seine Einreisebeschränkungen für alle Länder der Welt. Von jeglichen Reisen ins Ausland wird den Dänen wegen Sorgen vor mutierten Varianten des Coronavirus sowie der Corona-Lage weltweit nunmehr abgeraten, darunter auch Dienstreisen. Das gab Außenminister Jeppe Kofod am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Kopenhagen bekannt. Die Botschaft sei ganz klar, dass man nicht ausreisen solle. Dänen im Ausland müssten sich nicht beeilen, ins Land zurückzukehren.

Zugleich werden nur noch Personen ins Land gelassen, die einen triftigen Grund dafür haben und einen negativen, maximal 24 Stunden alten Corona-Test vorweisen können, wie Justizminister Nick Hækkerup sagte. Als triftige Gründe gelten etwa Besuche naher Angehöriger. Andere bislang als ausreichend betrachtete Gründe - etwa ein Studium oder Au-pair-Aufenthalt - werden vorübergehend gestrichen. Für Einwohner der Grenzregionen in Deutschland und Schweden sowie den Warentransport und Transitverkehr sollen laut Hækkerup Ausnahmen gelten.

Die verschärften Reisebeschränkungen gelten wie andere Corona-Maßnahmen in Dänemark zunächst bis zum 17. Januar. Die nächste Zeit werde entscheidend dabei sein, die Infektionsausbreitung zu verringern, sagte Kofod. Man sei letztlich besonders besorgt, dass ansteckendere Virus-Varianten nach Dänemark eingeschleppt werden. Die zunächst in England aufgetretene Corona-Mutation ist bereits einige Dutzend Mal im Land nachgewiesen worden.


Schweden führt verbindliche Regeln für Geschäfte und Sportanlagen ein

STOCKHOLM: Nach der Verabschiedung eines Pandemiegesetzes durch das Parlament in Stockholm ergreift die schwedische Regierung nun verbindliche Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Unter anderem für Fitnessstudios, Sportanlagen, Schwimmbäder, Geschäfte und Einkaufspassagen gelten ab Sonntag Beschränkungen, die rechtlich bindend seien, sagte Ministerpräsident Stefan Löfven am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Stockholm. Diese Regeln sollten dafür sorgen, dass Gedränge vermieden werde.

Fitnessstudios, Geschäfte und andere Einrichtungen müssten eine maximale gleichzeitige Besucherzahl berechnen, ergänzte Sozialministerin Lena Hallengren. Jedem Besucher müsse dabei zehn Quadratmeter Platz eingeräumt werden.

Die Teilnehmergrenze für öffentliche Zusammenkünfte bleibe bei acht Personen, sagte Löfven. Ab Sonntag gelte dies jedoch auch für private Veranstaltungen, die etwa in Partyräumen oder anderen vermieteten Räumlichkeiten stattfinden.

Der Reichstag in Stockholm hatte am Freitag das von der Regierung entworfene Pandemiegesetz verabschiedet. Damit sicherte sich Löfvens Regierung die Möglichkeit für weitreichendere Maßnahmen, um Herr über das Coronavirus zu werden. Bislang sind die Schweden in der Corona-Krise einen vielbeachteten Sonderweg mit Empfehlungen und Appellen an die Vernunft der Bürger gegangen. Die Verantwortung bei der Corona-Eindämmung liege weiterhin bei jedem einzelnen, sagte der Leiter der Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten, Johan Carlson.


UN-Menschenrechtsbüro besorgt über Lage in Uganda vor Präsidentenwahl

KAMPALA: Das UN-Menschenrechtsbüro hat sich «zutiefst besorgt» über die sich verschlechternde Menschenrechtslage in Uganda vor der Präsidentenwahl kommende Woche geäußert. Bei Protesten und Unruhen nach der Festnahme zweier Präsidentschaftskandidaten im November seien mindestens 54 Menschen getötet worden, teilte am Freitag Sprecherin Ravina Shamdasani mit. Im Vorfeld der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 14. Januar sei gegen das Versammlungsrecht und das Recht auf Meinungsfreiheit verstoßen worden. Menschen seien getötet, festgenommen und gefoltert worden. Man sei zutiefst besorgt, wie sich die Lage nicht nur vor und während der Wahlen sondern auch nach der Abstimmung entwickeln werde.

Das ostafrikanische Uganda gilt eigentlich als relativ stabil und friedlich. Das Land mit seinen rund 44 Millionen Einwohnern hat jüngst stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sowie einer Heuschreckenplage gelitten, vor allem der so wichtige Tourismus-Sektor wurde stark getroffen. Rund 70 Prozent der Ugander arbeiten laut der Weltbank in der Landwirtschaft, die meisten davon in der Subsistenzwirtschaft.

Wegen der Corona-Pandemie hatte die Regierung in den vergangenen Monaten die Wahlkampagnen zum Teil eingeschränkt. «Was uns Sorgen macht ist, dass die Einschränkungen der Möglichkeiten der Opposition, Wahlkampagnen durchzuführen, unverhältnismäßig sind», sagte Shamdasani. «Und sie wird mehr eingeschränkt als die Regierungspartei bei ihren Kampagnen.»

Bei der Präsidentenwahl steht der seit 1986 regierende Yoweri Museveni vor der wohl größten Herausforderung seiner politischen Laufbahn. Er galt zwar lange als Hoffnungsträger in dem Land, heute kritisiert die junge Generation aber die Korruption und ineffektive Regierungsführung und fordert Veränderungen. Für viele junge Ugander spricht Musevenis stärkster Herausforderer Bobi Wine. Der Musiker und Parlamentsabgeordnete mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi ist prominenter Kritiker Musevenis, ihm werden in einer fairen und freien Wahl gute Chancen eingeräumt.


Coronavirus-Pandemie: Londons Bürgermeister ruft Großlage aus

LONDON: Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan hat angesichts beispiellos hoher Infektionszahlen in der britischen Hauptstadt eine Großlage (major incident) ausgerufen. Die Bedrohung, die das Coronavirus für die Stadt darstelle, sei an einem kritischen Punkt. «Wenn wir nicht unverzüglich handeln, könnte unser NHS (Gesundheitsdienst) überwältigt werden und mehr Menschen werden sterben», sagte Khan einer Mitteilung zufolge.

Großbritannien verzeichnete in den vergangenen Tagen sehr hohe Infektionszahlen. London ist besonders stark betroffen. Die Krankenhäuser sind bereits weitgehend ausgelastet. Verantwortlich machen die Regierung und Experten dafür auch eine neue, womöglich ansteckendere Virus-Variante.

Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz in der britischen Hauptstadt liegt inzwischen bei mehr als 1000. Damit ist die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche auf 100.000 Einwohner gemeint. Die Zahl der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten in London sei allein in der ersten Januarwoche um knapp ein Drittel, die Zahl der Intensivpatienten um mehr als 40 Prozent gestiegen, hieß es in der Mitteilung des Bürgermeisters.


Infektionsrekord auf den Balearen: Mallorca schließt Restaurants

MADRID/PALMA: Die Urlaubsinsel Mallorca, die Region Madrid und weitere Teile Spaniens haben wegen anziehender Infektionszahlen eine erneute Verschärfung der Corona-Maßnahmen beschlossen. Nach einem regionalen Infektionsrekord auf den Balearen müssen auf Mallorca ab Dienstag alle Restaurants, Bars und Cafés sowie auch alle Kaufhäuser, Einkaufs- und Fitnesszentren für zwei Wochen geschlossen bleiben, wie die balearische Regierungssprecherin Pilar Costa am Freitag in Palma mitteilte. Im Einzelhandel sind alle Läden mit einer Verkaufsfläche von mehr als 700 Quadratmetern betroffen. Erlaubt bleibt der Verkauf von Lebensmitteln, Medikamenten und allen Produkten des Grundbedarfs.

Mit 529 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen sind die Balearen nach Extremadura an der Grenze zu Portugal (716) die derzeit von Corona am schwersten getroffene Region Spaniens. Mit 707 Infektionen binnen 24 Stunden hätten die Inseln den höchsten Wert seit Ausbruch der Pandemie registriert, sagte die regionale Gesundheitsministerin Patricia Gómez. Besonders schlimm ist die Lage auf Mallorca, wo es innerhalb eines Tages 485 Neuinfektionen gab. Die sogenannte 14-Tage-Inzidenz liegt auf der Insel bei 608.

In der Region um Madrid werden unterdessen ab Montag weitere neun Gemeinden und 23 kleinere Bezirke für zwei Wochen abgeriegelt, wie die Regionalregierung bekanntgab. Damit erhöht sich die Zahl der abgesperrten Gebiete, die man nur mit triftigem Grund verlassen oder betreten darf, auf insgesamt 14 Gemeinden und 41 kleinere Bezirke. Betroffen sind rund 1,2 Millionen der insgesamt 6,7 Millionen Bewohner der sogenannten Autonomen Gemeinschaft.

Die Lage wird in Spanien seit Ende Dezember immer schlechter. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 14 Tagen kletterte zuletzt auf 321. Ende Dezember lag sie noch unter 250. Seit Ausbruch der Pandemie wurden über zwei Millionen Ansteckungen mit dem Virus Sars-CoV-2 gemeldet. In dem Land mit rund 47 Millionen Einwohnern starben mehr als 51.000 Menschen mit Covid-19. «Die Lage ist deutlich schlechter geworden. Uns stehen harte Wochen bevor», sagte am Freitag Gesundheitsminister Salvador Illa.


Erster Corona-Todesfall im kleinen Königreich Bhutan gemeldet

THIMPHU: Im Himalaya-Königreich Bhutan ist erstmals ein Corona-Todesfall bekannt geworden - zehn Monate nach dem ersten nachgewiesenen Fall in den kleinen Land. Es handele sich um einen 34-Jährigen mit chronischer Lebererkrankung und Nierenversagen, teilte das bhutanische Gesundheitsministerium mit.

Die rund 730.000 Einwohner des Landes zwischen Indien und China gelten als eines der glücklichsten Völker der Welt. Ihr König hatte vor Jahrzehnten erklärt, Wohlbefinden sei wichtiger als Wirtschaftswachstum. Das Wohlbefinden wird mit einem Bruttoglücksprodukt erfasst.

Obwohl der Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen des Königreichs ist, hatte es zu Beginn der Pandemie ausländischen Gästen schnell die Einreise verboten, einheimische Rückkehrer müssen in Quarantäne. Bislang gab es zwei Lockdowns. Der erste Corona-Patient des Landes war ein Tourist aus den USA. Insgesamt gibt es in Bhutan nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität 767 bekannte Corona-Fälle.


Auch Frankreichs Gesundheitsbehörde lässt Moderna-Impfstoff zu

PARIS: Auch Frankreich hat den kürzlich von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassenen Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna genehmigt. «Frankreich hat nun zwei Impfstoffe, um die Bevölkerung weiter zu impfen», teilte die Hohe Gesundheitsbehörde am Freitag mit. Die die sehr aktive Zirkulation des Virus im Land erfordere verstärkte Anstrengungen zur Impfung der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen im Rahmen einer pragmatischen und flexiblen Kampagne.

Der Impfstoff von Moderna habe eine Zulassung für Personen über 18 Jahre, der Impfstoff von Biontech/Pfizer ab 16 Jahren. Dieser Unterschied sei auf das Alter der Personen zurückzuführen, die an den jeweiligen klinischen Studien teilgenommen haben. «Mit Ausnahme von jungen Erwachsenen wird die Wahl zwischen den beiden Impfstoffen daher in erster Linie von der Verfügbarkeit der Dosen und logistischen Einschränkungen abhängen», so die Behörde.

In Frankreich hatte es zuletzt massive Kritik am schleppenden Impfstart gegeben, die Regierung in Paris versucht nun etwa mit der Eröffnung Hunderter Impfzentren aufs Tempo zu drücken. Die Behörde Santé Publique warnte ebenfalls am Freitag vor einem Wiederaufflammen der Epidemie. Die Entwicklung in den kommenden zwei Wochen werde entscheidend sein, hieß es. Die Zahl der Todesfälle sei weiterhin hoch. Eine besondere Gefahr seien die mutierten Varianten des Coronavirus, die vermehrt in Großbritannien und Südafrika aufgetreten sind.

Frankreich mit seinen 67 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner ist von der Pandemie schwer getroffen. Rund 67.000 Menschen sind bisher im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Restaurants, Bars, Museen, Theater oder Sporteinrichtungen sind seit Herbst vergangenen Jahres geschlossen. Zunächst anvisierte Wiedereröffnungen noch im Januar hatte Premier Castex zuletzt verschoben. Geschäfte und Schulen sind im Land aktuell geöffnet. Es gilt eine abendliche Ausgangssperre, die je nach Region um 18 oder um 20 Uhr beginnt.


EMA: Zulassung von Covid-Impfstoff von Astrazeneca noch im Januar

AMSTERDAM: Die Europäische Arzneimittel-Behörde EMA ist zuversichtlich, dass bereits Ende Januar ein dritter Impfstoff gegen Covid-19 in der EU zugelassen wird. Nächste Woche werde der Antrag der Hersteller Astrazeneca auf eine bedingte Marktzulassung in der EU erwartet, teilte EMA-Chefin Emer Cooke am Freitag in Amsterdam mit. Ende Januar könnte dann eine positive Empfehlung der EMA erfolgen. Anschließend muss die EU-Kommission noch zustimmen, das gilt als Formsache.

Bisher sind zwei Impfstoffe in der EU zugelassen: das Präparat der Unternehmen Pfizer und Biontech sowie seit dieser Woche das Mittel des US-Unternehmens Moderna. Der Impfstoff von Astrazeneca ist bereits in Großbritannien zugelassen.

Der dritte Impfstoff könnte das Problem der Impfstoff-Knappheit in der EU erleichtern. Die EU hat von dem Präparat bereits 400 Millionen Dosen bestellt. Der im Vergleich preiswertere Impfstoff kann im Gegensatz zu dem von Biontech/Pfizer und Moderna bei normaler Kühlschranktemperatur für sechs Monate gelagert werden.


EMA erlaubt Entnahme von sechs Dosen Pfizer-Impfstoff

AMSTERDAM: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat der Entnahme von sechs Impfdosen pro Kanüle des Impfstoffes der Hersteller Pfizer und Biontech in der EU zugestimmt.

Bisher waren nur fünf Dosen pro Kanüle erlaubt. Das teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Damit könnten kurzfristig etwa 20 Prozent mehr Menschen geimpft werden.


EU-Ratschef Michel setzt Corona-Videogipfel am 21. Januar an

BRÜSSEL: Um sich im Kampf gegen die Corona-Pandemie besser abzustimmen, hat EU-Ratschef Charles Michel einen weiteren Gipfel mit den EU-Staats- und Regierungschefs angesetzt. Am 21. Januar um 18.00 Uhr werde es in einer Videokonferenz der 27 Staaten um die Covid-19-Koordinierung gehen, schrieb Michels Sprecher am Freitag auf Twitter. Dabei dürfte vor allem der teils holprige Start der Impfkampagne in den EU-Staaten im Zentrum stehen.

Kritiker hatten zuletzt bemängelt, dass seit der ersten Zulassung eines Corona-Impfstoffs in der EU am 21. Dezember in vielen EU-Staaten zu langsam geimpft werde. Kanzlerin Angela Merkel und ihre EU-Kollegen tauschen sich seit Beginn der Pandemie regelmäßig in Video-Konferenzen über das Vorgehen gegen das Virus aus.


Schweden billigt Pandemiegesetz - stärkere Corona-Maßnahmen möglich

STOCKHOLM: Die schwedische Regierung hat sich mit einem neuen Pandemiegesetz die Möglichkeit für weitreichendere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus gesichert. Der Reichstag in Stockholm stimmte am Freitag für das Gesetz. Es tritt am Sonntag in Kraft und bedeutet in der Praxis, dass die Regierung umfassendere Corona-Maßnahmen als bisher erlassen kann, wenn sie dies für notwendig erachtet. Bislang sind die Schweden in der Corona-Krise einen vielbeachteten Sonderweg gegangen.

Die schwedische Strategie hatte bisher auf verhältnismäßig freizügige Empfehlungen sowie Appelle an die Vernunft der Bürger gesetzt. Das Pandemiegesetz ermöglicht es der Regierung und den Behörden nun, zum Beispiel Geschäfte, Einkaufszentren, Fitnessstudios oder andere Einrichtungen zu schließen oder es Menschen zu verbieten, sich in größeren Gruppen zu versammeln. Das Gesetz gilt vorläufig bis September 2021.

Sozialministerin Lena Hallengren hatte am Freitagmorgen klargemacht, dass der Hauptzweck des Gesetzes nicht sei, Einrichtungen zu schließen. Vielmehr wolle man viel spezifischere Beschränkungen vornehmen können, um Gedränge an verschiedenen Orten zu vermeiden. Wer eindeutig gegen solche Maßnahmen verstoße, riskiere ein Bußgeld, sagte Hallengren im Morgenstudio des Senders SVT.

Schweden hat derzeit im Vergleich zum übrigen Europa wieder relativ hohe Corona-Zahlen. Die Anzahl der Neuinfektionen in den vergangenen 14 Tagen war auf die Bevölkerung heruntergerechnet etwa zweieinhalb Mal so hoch wie in Deutschland. Bereits in der ersten Corona-Hochphase im Frühjahr hatten die Schweden im Vergleich zum Rest Skandinaviens und zu Deutschland deutlich höhere Infektions- und Todesfallzahlen verzeichnet.


Analyse: Biontech-Impfstoff wirkt wohl gegen neue Corona-Varianten

GALVESTON: Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wirkt laut einer ersten Analyse auch gegen zwei neue Varianten des Coronavirus, die zuerst in Großbritannien und Südafrika nachgewiesen wurden. Dies geht aus einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Texas und dem US-Pharmaunternehmen Pfizer hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Untersucht wurden die Antikörper im Blut von 20 geimpften Menschen. Demnach erreicht der Impfstoff im Einsatz gegen die neuen Varianten wahrscheinlich ebenfalls eine Wirksamkeit von 95 Prozent. Die Studie wurde vorab veröffentlicht, sie wurde noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht und von unabhängigen Experten geprüft.

Bei Viren gibt es stetig zufällige Veränderungen im Erbgut, Mutationen genannt. Manche verschaffen dem Erreger Vorteile - etwa, indem sie ihn leichter übertragbar machen. Im Dezember wurden eine Variante des Coronavirus (B.1.1.7) in Großbritannien sowie eine ähnliche (501Y.V2) in Südafrika nachgewiesen, die ersten Analysen zufolge ansteckender sein könnten als die bisher kursierenden.


Krankenhaus-Parkplatz in Neapel eingestürzt - Suche nach Verletzten

NEAPEL: In der süditalienischen Stadt Neapel ist der Parkplatz eines Krankenhauses zusammengebrochen und hat mehrere Fahrzeuge in einem Loch versinken lassen. Die Einsatzkräfte hätten am Freitagvormittag mit Spürhunden nach möglichen Verletzten gesucht, teilte die Feuerwehr mit. Der Schlund habe sich auf etwa 500 Quadratmetern gebildet. Auf Fotos war zu sehen, wie Rauch daraus aufstieg. Zur Ursache machte die Feuerwehr zunächst keine Angaben.

Italienischen Medienberichten zufolge war der Grund für den Einsturz des Parkplatzes eine Explosion in der Nacht. Laut dem öffentlich-rechtlichen Radiosender Rai 1 wurde auch die Corona-Einrichtung des Krankenhauses evakuiert. Die Einrichtung dient unter anderem Corona-Infizierten, die dort ihre Quarantäne verbringen können, wenn sie etwa zu Hause nicht die Möglichkeit dazu haben.


Neuer Corona-Lockdown in der Ukraine

KIEW: Die Ukraine will mit einem neuen Lockdown die Corona-Pandemie in den Griff bekommen. Seit Freitag sind in dem osteuropäischen Land Restaurants, Bars, Kinos, Theater, Fitnessclubs und Schwimmhallen für zunächst gut zwei Wochen geschlossen. Lediglich Supermärkte, Apotheken und Kindergärten bleiben laut einem Regierungsbeschluss geöffnet. In den Einrichtungen seien bislang nur wenige Kinder erkrankt, so dass geöffnete Kitas mehr Probleme lösten, als dass sie neue schafften, sagte Regierungschef Denis Schmygal. Schüler und Studenten müssen aber zu Hause lernen. «Die Quarantäne ist nicht so hart wie die im Frühjahr», sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Das Gesundheitsministerium rechnet wegen der Neujahrsfeiertage mit einem Anstieg der Infektionszahlen. Am Freitag wurden mehr als 5600 neue Fälle registriert. 83 Menschen starben innerhalb eines einzigen Tages mit Covid-19. Seit dem Frühjahr verzeichnet die Ex-Sowjetrepublik mehr als 1,1 Millionen Infektionen und 19.600 Tote.


Geruchssinn häufiger bei mildem Covid-Verlauf eingeschränkt

PARIS: Ein gestörter Geruchssinn oder gar dessen vollständiger Verlust gehört zu den häufigsten Symptomen einer Infektion mit Sars-CoV-2. Besonders oft betroffen sind offenbar Patienten mit mildem Erkrankungsverlauf, so das Fazit einer europäischen, im Fachblatt «Journal of Internal Medicine» vorgestellten Studie. Während die meisten Erkrankten nach durchschnittlich drei Wochen wieder riechen können, berichten einige noch Monate später von gestörten Sinneswahrnehmungen.

In die Untersuchung der Wissenschaftler um den Mediziner Jerome Lechien von der Universität Paris-Saclay gingen Daten von 2581 Covid-19-Patienten aus 18 europäischen Krankenhäusern ein, die von März bis Juni 2020 erhoben wurden. Basierend auf einer Befragung kamen Riechstörungen in der Gruppe mit milden Verläufen bei 85,9 Prozent, bei den moderaten Fällen bei 4,5 Prozent und in der Gruppe mit ernsthaften bis kritischen Verläufen bei 6,9 Prozent vor.

Im Durchschnitt dauerte es nach Auskunft der Betroffenen gut drei Wochen, bis sie wieder normal riechen konnten. Fast ein Viertel der Erkrankten gab an, selbst nach 60 Tagen noch einen gestörten Geruchssinn gehabt zu haben. «Die olfaktorische Dysfunktion ist bei leichten Covid-19-Formen häufiger als bei mittelschweren bis schweren Formen, und 95 Prozent der Patienten erlangen ihren Geruchssinn sechs Monate nach der Infektion wieder», so das Fazit der Forscher.

Sie vermuten, dass die Störung des Geruchssinns vor allem bei mild Erkrankten auf eine im Vergleich zu schwerer Erkrankten unterschiedliche Antwort des Immunsystems zurückzuführen sein könnte. Eine weitere Möglichkeit sei, so die Autoren, dass das Virus die Nervenzellen im Riechkolben schädige. Zur Klärung müssten weitere Analysen durchgeführt werden.

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