Corona-Überblick: Meldungen am Freitag

Corona-Überblick: Meldungen am Freitag

Zwei Prozent der Firmen haben Flüchtlinge aus Ukraine beschäftigt

NÜRNBERG: Nur zwei Prozent der Betriebe in Deutschland haben einer Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge bis Ende Mai Geflüchtete aus der Ukraine eingestellt. Die meisten Flüchtlinge seien in der Gastronomie, auf dem Bau und im Handel untergekommen, heißt es in einer Mitteilung des IAB vom Freitag. Das Institut hatte Betriebe im Zeitraum zwischen 2. und 20. Mai befragt.

Knapp zwei Drittel der befragten Betriebe hätten angegeben, dass die Qualifizierung der Bewerber für ihre Bedürfnisse ausreichend gewesen sei, etwa ein Drittel sah das nicht in ausreichendem Maß als gegeben an. Wichtig war den Betrieben in 70 Prozent der Fälle, dass die Ukrainerinnen zumindest eine Aufenthaltsgenehmigung von einem Jahr vorweisen konnten. Dies sei nötig, um Mehraufwendungen zum Start über die Zeit kompensieren zu können.

Die Erhebung kam im Zuge der monatlichen Studie «Betriebe in der Covid-19-Krise» zustande. Im Rahmen der Studie befragt das IAB jeden Monat 2000 Betriebe.


Sanofi-GSK legen Ergebnisse zu Impfstoff-Studie unter Omikron vor

PARIS: Das französisch-britische Herstellerduo Sanofi-GSK hat einen Covid-19-Impfstoff eigenen Angaben zufolge erfolgreich gegen eine Omikron-Linie des Coronavirus getestet. Die Wirksamkeit des protein-basierten Vakzins gegen die Variante liege nach den Ergebnissen der Phase-3-Studie bei Erwachsenen bei 72 Prozent in Bezug auf symptomatische Infektionen, teilte Sanofi am Freitag mit. Bei Genesenen erreiche sie sogar 93 Prozent.

An der zweiten Stufe der Phase-3-Studie für den proteinbasierten Impfstoff nahmen mehr als 13.000 Erwachsene teil. Das Vakzin enthält Antigene der Corona-Linien D614 und Beta (B.1.351). Sanofi und GSK wollen die Ergebnisse der Studie in den kommenden Wochen bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA einreichen, um ihren Antrag auf Zulassung zu ergänzen. Die Unternehmen forschen zudem an einem angepassten Auffrischimpfstoff, der ebenfalls auf einer Beta-Variante basiert. Sanofi teilte auf Nachfrage nicht mit, bis wann mit einer Zulassung für die Impfstoffe gerechnet wird.


Corona-Tests für alle sollen künftig drei Euro kosten

BERLIN: Auch über den Sommer soll es in Deutschland weiter ein Angebot mit kostenlosen Corona-Schnelltests für Risikogruppen geben - für alle anderen sollen «Bürgertests» aber künftig drei Euro kosten.

Das teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Freitag in Berlin nach einer entsprechenden Einigung in der Regierung auf eine neue Testverordnung mit, die ab dem 30. Juni gelten soll.

Er hätte kostenlose Bürgertests für alle gerne weitergeführt, sagte der SPD-Politiker. Angesichts der Kosten von durchschnittlich einer Milliarde Euro pro Monat sei dies für den Bund in der angespannten Haushaltslage nicht mehr zu leisten. Das neue Konzept sehe nun bis Jahresende noch Ausgaben von 2,7 Milliarden Euro vor - bei voller Übernahme wären bis zu fünf Milliarden Euro zu erwarten gewesen.

Kostenlose Schnelltests sollen künftig weiter für vulnerable Gruppen möglich sein, darunter auch Kinder bis fünf Jahre, Frauen zu Beginn der Schwangerschaft und Besucher von Kliniken und Pflegeheimen. Die Länder hätten die Möglichkeit, die Eigenbeteiligung von drei Euro auch für weitere Gruppen zu übernehmen.


Europol: Schlag gegen Aal-Schmuggler - Jungfische im Handgepäck

DEN HAAG: Europäische Ermittler haben in einer gemeinsamen Aktion organisierten Schmuggler-Banden von Glasaalen einen Schlag versetzt. 49 Personen seien insgesamt festgenommen worden, teilte Europol am Freitag in Den Haag mit. Nach der Aufhebung der Corona-Reiseregeln habe der Schmuggel der vom Aussterben bedrohten Fische stark zugenommen.

Ermittler hatten Europol zufolge vom November bis Juni gezielt Flugreisende in 24 Ländern kontrolliert. Mehr als 1200 Kilogramm der jungen europäischen Aale seien beschlagnahmt worden im Wert von etwa 1,9 Millionen Euro. Die sehr jungen Aale werden Glasaale genannt, weil sie fast durchsichtig sind. Der europäische Aal steht unter besonderem Schutz, da die Bestände um 90 Prozent reduziert wurden.

Der Handel von Glasaalen ist nach Angaben von Europol eines der lukrativsten illegalen Geschäfte mit geschützten Arten. Europol schätzt die Profite auf bis zu drei Milliarden Euro im Jahr weltweit. Gezielte Aktionen gegen den Schmuggel könnten dazu beitragen, das Aussterben der Aale zu verhindern.

Hinter dem Schmuggel stünden organisierte Banden, die die Jungfische im Handgepäck von Europa nach Asien transportierten. Sie hätten Methoden entwickelt, die Aale 48 Stunden lang am Leben zu erhalten. In Asien würden die Glasaale dann in Fischfarmen ausgesetzt und später weltweit verhandelt.


Millionen-Verlust bei Gartenschau Floriade - Stadtregierung tritt ab

ALMERE: Die internationale Garten-Ausstellung Floriade im niederländischen Almere steuert auf ein großes finanzielles Fiasko zu. Da viel weniger Besucher als erwartet kommen, ist nach Angaben der Organisation mit Verlusten von 34 Millionen Euro zu rechnen. «Es kommen viel zu wenig Leute. Das ist eine große Enttäuschung und ein finanzielles Drama», erklärte die Stadtregierung. Sie zog nun die politische Konsequenz und trat in der Nacht zum Freitag zurück.

Die Kommune im Nordosten von Amsterdam hatte bereits rund 41,5 Millionen Euro für die Floriade ausgegeben, auch das war schon ein Vielfaches von den ursprünglich geplanten Kosten. Die Floriade, die alle zehn Jahre an einem anderen Ort im Land stattfindet, war erst im April von König Willem-Alexander eröffnet worden.

Schon bei der Eröffnung hatte es Kritik gegeben, da noch längst nicht alle Pavillons fertig gestellt waren. Besucher hatten auch über viel zu hohe Preise geklagt. Seit April hatten nur rund 230.000 Menschen die Schau besucht, nur ein Drittel der erwarteten Zahl. Die Organisation nennt die hohe Inflation und Corona als Gründe für die geringen Besucherzahlen. Sie hofft nun auf insgesamt 1,2 Millionen Besucher bis zum Ende am 9. Oktober. Ursprünglich hatte man mit zwei Millionen Besuchern gerechnet.


Tiktok-Spitzenreiter Lame kritisiert Italien für Einbürgerungspolitik

ROM: Die in Italien lebende Internet-Bekanntheit Khaby Lame hat die Einbürgerungspolitik des Mittelmeerlandes kritisiert. «Es ist nicht gerecht, dass eine Person, die mit der italienischen Kultur so viele Jahre gelebt und mit ihr aufgewachsen ist und sauber ist, heute noch kein Staatsbürgerschaftsrecht hat», sagte der im Senegal geborene Tiktok-Star im Interview der Zeitung «La Repubblica» (Freitag). Er spreche da nicht nur für sich. Die Staatsbürgerschaft würde ihm nach eigener Aussage einige Dinge erleichtern.

Lame kam mit seinen Eltern und Geschwistern im Alter von einem Jahr nach Norditalien in die Nähe von Turin. Mittlerweile hat er auf der Video-Plattform Tiktok mit rund 143 Millionen Fans die meisten vor der bisherigen italienischen Nummer eins Charli D'Amelio. Lame ist bekannt für seine Videos, in denen er die Beiträge anderer Nutzer ironisch mit Gesten und ohne zu sprechen kommentiert. Seine Internet-Karriere nahm erst mit Corona Fahrt auf, nachdem er wegen der Pandemie seinen Job verlor und sich dann zunächst auf seine Videos konzentrierte.

Seitdem habe sich nichts geändert, erklärt Lame weiter. «Ich mache Videos, weil es mir Spaß macht und es mir gefällt, andere zu unterhalten.» Dabei hat er noch einen ganz anderen Karriere-Traum: Schauspieler. Er nehme jeden Tag Unterrichtsstunden in Englisch und lerne auch die Schauspielerei.


Corona-Fälle nehmen zu - 17.000 Tagesneuinfektionen

NEU DELHI: In Indien steigen die Corona-Zahlen wieder. Das Gesundheitsministerium meldete am Freitag 17.336 Neuinfektionen an einem Tag. Das ist die höchste Zahl seit dem Abflauen der jüngsten Welle im Februar, also seit rund vier Monaten, wie offizielle Daten zeigen. Seit einiger Zeit nehmen die Fallzahlen in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land wieder etwas zu. Die meisten bekannten Fälle stammen derzeit aus dem reichsten Bundesstaat Maharashtra mit der Finanzmetropole Mumbai. Aus Maharashtra stammten mehr als 5000 der gut 17.000 Neuinfektionen.

Seit Pandemiebeginn wurden in Indien 43,3 Millionen Corona-Infektionen sowie knapp 525.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona registriert. Zu Höchstzeiten während der bisher schlimmsten Welle in Indien wurden rund 400.000 Fälle pro Tag erfasst.


Kunstmesse Tefaf erstmals seit zwei Jahren wieder in Präsenz

MAASTRICHT: Erstmals seit mehr als zwei Jahren findet die Kunstmesse Tefaf in Maastricht wieder in Präsenz statt. Sie gilt als wichtigste Messe für alte Kunst und zählt dieses Mal 242 Aussteller, die von Samstag bis einschließlich Donnerstag Werke aus 7000 Jahren Kunstgeschichte anbieten. Die Tefaf hatte zuletzt im März 2020 stattgefunden, war wegen Corona aber bereits verkürzt worden. 2021 fiel die Präsenz-Messe aus, in diesem Jahr wurde sie noch einmal von März auf Juni verschoben und ist nun drei Tage kürzer. Nächstes Jahr soll sie wieder im März öffnen.

Die Auktionshäuser haben während der Corona-Pandemie überwiegend auf Online-Versteigerungen umgestellt und gehen davon aus, dass dies dauerhaft so bleiben wird. Für Kunstmessen gilt dies jedoch nicht in derselben Weise. Zwar habe die Pandemie der Digitalisierung auch hier einen großen Schub gegeben, sagte Messechef Hidde van Seggelen der Deutschen Presse-Agentur. Der größte Vorteil sei, dass Online-Messen eine neue, jüngere Zielgruppe erschlossen hätten, da die Zugangsschwelle niedriger sei. «Nichts kann jedoch das unmittelbare Erlebnis von Farbe, Stofflichkeit und Kontext ersetzen, und das ist der Grund, warum es ein so großes Bedürfnis gibt, dass die großen Kunstmessen wieder öffnen und es Sammlern und Kunstliebhabern ermöglichen, persönlich zusammenzutreffen.»


Amazon zeigt Software zu schnellen Stimm-Imitation

LAS VEGAS: Amazon hat eine Software entwickelt, die aus weniger als einer Minute Sprache die Stimme eines Menschen nachahmen kann. Der Online-Konzern demonstrierte am Donnerstag, wie ein vernetzter Lautsprecher mit der Sprachassistentin Alexa das Buch «Der Zauberer von Oz» einem Jungen mit der Stimme seiner Großmutter vorliest.

Für Kritik sorgte, dass der Online-Konzern ins Gespräch brachte, mit Hilfe der Software Stimmen verstorbener Familienmitglieder zu konservieren. Alexa-Forschungschef Rohit Prasad verwies darauf, dass viele geliebte Menschen in der Corona-Pandemie verloren hätten. «Künstliche Intelligenz kann diesen Schmerz nicht verschwinden lassen, aber sie kann definitiv die Erinnerung am Leben erhalten», sagte er vor der Demonstration der Technik. In einem Interview mit dem Technologie-Blog «Techcrunch» betonte Prasad danach, dass die Großmutter aus der Vorführung durchaus am Leben sei. «Es ging dabei nicht um die «tote Oma».»

Der technische Durchbruch von Amazon ist, dass die Software eine Stimme mit so wenig Ausgangsdaten nachahmen kann. Bisher musste man dafür mehrere Stunden Text einsprechen. Bei der Technologie handelt es sich um ein Experiment und es ist offen, ob sie die Verbraucher erreicht. Ein Professor für Computerwissenschaften der University of Buffalo, Siwei Lyu, zeigte sich besorgt über das Missbrauchspotenzial der Software. So könnten sich Übeltäter als Familienmitglieder ausgeben oder jemand mit fingierten Äußerungen von Top-Managern Aktienmärkte durcheinanderbringen, warnte er beim Finanzdienst Bloomberg.

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