Corona-Überblick: Meldungen am Freitag

Ein Volontär des bayerischen Roten Kreuzes testet einen Reisenden an einer Coronavirus-Teststation in Bayern, Deutschland. Foto: epa/Lukas Barth-tuttas
Ein Volontär des bayerischen Roten Kreuzes testet einen Reisenden an einer Coronavirus-Teststation in Bayern, Deutschland. Foto: epa/Lukas Barth-tuttas

EU-Kommission: Polens Parlamentsvotum Schritt in richtige Richtung

WARSCHAU/BRÜSSEL: Im Justizstreit mit Polen hat die EU-Kommission die im polnischen Parlament angestoßene Abschaffung der umstrittenen Disziplinarkammer am Obersten Gerichtshof als «positiven Schritt» in die richtige Richtung bezeichnet. Es komme aber auf den Umfang und die Inhalte der am Ende verabschiedeten Rechtsvorschriften an, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Freitag. Diese müssten zwingend mit EU-Recht vereinbar sein und die Bedenken des EuGH aufgreifen. Die Änderungen sind Voraussetzung zur Freigabe von milliardenschweren Corona-Hilfen der EU.

Das Unterhaus des polnischen Parlaments, der Sejm, hatte zuvor am Donnerstag beschlossen, die Disziplinarkammer abzuschaffen. Die Kammer, die jeden Richter oder Staatsanwalt bestrafen und entlassen kann, steht im Zentrum des Streits zwischen Warschaus und Brüssel über eine seit langem kritisierte Justizreform in Polen - sie soll nun durch ein neues Gremium ersetzt werden. Der dazu vom polnischen Präsidenten Andrzej Duda eingebrachte Gesetzentwurf muss nach der Zustimmung des Sejm nun noch vom Senat verabschiedet werden.

Die EU-Kommission hatte die Auflösung der Disziplinarkammer zu einer Voraussetzung für die Freigabe europäischer Corona-Hilfsgelder in Milliardenhöhe gemacht. Nach Ansicht der Brüsseler Behörde steht das Gremium im Widerspruch zu den gemeinsamen Rechtsstaatsprinzipien. Für die Zahlungen aus dem Europäischen Wiederaufbaufonds müsse Polen die vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) geforderte Unabhängigkeit der Justiz wiederherstellen.

In Warschau zeigten sich führende Politiker zuversichtlich, dass mit dem Parlamentsvotum die Bedingungen der EU erfüllt sind und der Auszahlung der Corona-Hilfen nichts mehr im Weg steht. Regierungschef Mateusz Morawiecki kündigte am Donnerstag vor dem Sejm an, dass EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dazu am 2. Juni nach Warschau reisen werde.


Iran ordnet vierte Corona-Impfung für alle Altersgruppen an

TEHERAN: Das iranische Gesundheitsministerium hat für alle Altersgruppen eine vierte Corona-Impfung angeordnet. «Alle müssen in naher Zukunft eine vierte Impfung vornehmen um so die Pandemie im Land weiterhin unter Kontrolle zu halten», sagte Vizeminister Kamal Hejdari am Freitag. Damit könnte das Land eine Corona-Immunität bis zu 95 Prozent erreichen, so der Vizeminister laut dem Nachrichtenportal Hamshahri-Online. Bislang war im Iran der Doppel-Booster nur für Iraner über 70 Jahre erforderlich.

Der Iran war bis Mitte letzten Jahres von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Die täglichen Opferzahlen erreichten im vergangenen August sogar mehr als 700, die der Infizierten über 50.000. Nach einer Beschleunigung der Impfkampagne entspannte sich die Lage. Derzeit sind über 64 der fast 84 Millionen Einwohner des Landes einmal, fast 58 Millionen zweimal und mehr als 27 Millionen gar dreimal geimpft. Laut Gesundheitsministerium gab es am Freitag 6 neue Tote und 185 Neuinfektionen. Insgesamt wurden im Land seit dem Ausbruch der Pandemie im Februar 2020 über 140.000 Corona-Tote und mehr als 7 Millionen Infizierte registriert.


Affenpocken: WHO sieht keinen Grund für Alarmstimmung

GENF: Angesichts der ungewöhnlichen Verbreitung von Affenpocken dringt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zwar auf verschiedene Maßnahmen, sieht aber keinen Grund für eine Alarmstimmung. «Das ist keine Krankheit, die die Öffentlichkeit besorgt machen sollte. Es handelt sich nicht um Covid», sagte die WHO-Expertin Sylvie Briand am Freitag in Genf bei einem Briefing für WHO-Mitgliedsländer. Nichtsdestotrotz sollten die Staaten Erkrankte schnell erfassen und die Betroffenen isolieren. Die WHO geht davon aus, dass die meisten Fälle mild verlaufen. Allerdings hätten Schwangere, Kinder und Menschen mit schwachem Immunsystem ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf.

«Wir haben ein gutes Zeitfenster, die Übertragung nun zu stoppen», sagte Briand. Unklar sei aber, wie groß die Lagerbestände an Impfstoffen gegen Pocken seien, die auch gegen Affenpocken helfen dürften. Die WHO rechnet mit einer weiter steigenden Zahl von Fällen. Die Affenpocken seien inzwischen in mehr als 20 Ländern aufgetreten. «Wir wissen nicht, ob wir gerade nur die Spitze des Eisbergs sehen», so Briand. Zur Ursache der aktuellen Entwicklung gibt es nach bisherigen Angaben noch keine klaren Erkenntnisse.


Erstmals Reiterinnen bei traditionsreicher Prozession

WEINGARTEN: Erstmals haben am Freitag Frauen als sogenannte Blutreiterinnen an der katholischen Reiterprozession Blutritt im Südwesten Deutschlands teilgenommen.

Nach der Übergabe der Heilig-Blut-Reliquie in Weingarten im Bundesland Baden-Württemberg ritten unter den rund 2000 Reitern in knapp 100 Gruppen aus der Region auch einige Frauen in Frack und Zylinder mit. Eine genaue Zahl konnten die Veranstalter nicht nennen. Die Prozessionstradition mit Zehntausenden Zuschauern wird nach Angaben der Organisatoren seit mehr als 900 Jahren gepflegt. Die Reliquie enthält der Legende nach Blut von der Kreuzigung Christi, das mit Erde vermischt ist.

Frauen war die Teilnahme an der nach Angaben der Stadt Weingarten größten Reiterprozession Europas bislang nicht erlaubt. Zwar hatte der zuständige Kirchengemeinderat schon im November 2020 entschieden, «Blutreiterinnen» zuzulassen. Die Prozession fand 2021 aber wegen der Corona-Pandemie nur mit wenigen Reitern statt - und der dafür zuständige Verein hatte seine Satzung noch nicht geändert, so dass wieder nur Männer zu Pferde unterwegs waren.

Weingarten liegt etwa 30 Kilometer vom Bodensee entfernt.

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