Corona-Überblick: Meldungen am Freitag

COVID-19 Ausbruch in Nordkorea. Foto: epa/Kcna
COVID-19 Ausbruch in Nordkorea. Foto: epa/Kcna

Nordkorea registriert über zwei Millionen Fieberfälle

SEOUL: Nach der erstmaligen Bestätigung eines Corona-Ausbruchs im abgeschotteten Nordkorea ist die Zahl der Fieberfälle in dem Land nach behördlichen Angaben auf mehr als zwei Millionen gestiegen. Am Donnerstag seien mehr als 263.000 Fälle hinzugekommen, berichteten Staatsmedien am Freitag unter Berufung auf das Notfall-Hauptquartier zur Epidemie-Prävention. Es gibt keine offizielle Bestätigung, ob die Betroffenen mit dem Coronavirus infiziert sind, weil das Land nach Expertenangaben kaum Test-Kapazitäten hat.

Die Gesamtzahl der Fieberfälle erhöhte sich demnach auf mehr als 2,24 Millionen. Rund 1,49 Millionen Menschen sollen bereits wieder genesen sein. Die Zahl der Todesfälle wurde mit 65 angegeben. In dem Land leben knapp 26 Millionen Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass es dort bisher keine flächendeckenden Impfungen gegeben hat. Nordkorea hat bislang auf Angebote von Südkorea und den USA, Impfstoffe und andere medizinische Versorgungsgüter zu erhalten, nach Angaben der Regierung in Seoul nicht reagiert. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte die Lage anfangs als kontrollierbar bezeichnet.

Trotz der hohen Zahl von fieberbedingten Krankheitsfällen werde die Produktion in Landwirtschaft und den Fabriken wie gewohnt fortgesetzt, berichteten Staatsmedien am Freitag. «Selbst unter der maximalen Notstandssituation für die Epidemie-Prävention wird die normale Produktion in den industriellen Schlüsselbereichen und bei größeren Bauprojekten ohne Unterbrechung vorangetrieben», hieß es. Nordkorea hatte am Donnerstag vergangener Woche erstmals offiziell Infektionsfälle mit dem Krankheitserreger bestätigt. Die Führung in Pjöngjang hatte einen landesweiten Lockdown verhängt.


US-Richter blockiert Bidens Pläne: Pandemie-Regelung an Grenze bleibt

WASHINGTON: Eine pandemiebedingte Regelung zur Beschränkung der Einwanderung von Mexiko in die USA bleibt vorerst bestehen. Ein Richter aus dem US-Bundesstaat Louisiana ordnete am Freitag (Ortszeit) an, dass die Regelung, die nach den Plänen der Regierung von Präsident Joe Biden am kommenden Montag hätte auslaufen sollen, zunächst in Kraft bleibt. Der Rechtsstreit über die umstrittene Regelung ist damit noch nicht beigelegt. Die US-Regierung kann Berufung gegen die Entscheidung des Richters einlegen.

Die als «Title 42» bekannte Regelung der US-Gesundheitsbehörde CDC ermöglichte es den Behörden unter Verweis auf pandemiebedingte Gesundheitsrisiken, die meisten illegal ins Land gelangten Migranten rasch wieder abzuschieben. Sie wurde unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump zu Beginn der Corona-Pandemie in Kraft gesetzt und dazu genutzt, die Grenzen weitgehend abzuriegeln. Unter Trumps Nachfolger Joe Biden wurde die Regelung zunächst lediglich für unbegleitete Minderjährige ausgesetzt. Die CDC kündigte schließlich Ende März an, sie mit Wirkung zum 23. Mai abzuschaffen.

Menschenrechtsorganisationen hatten ein Ende der Beschränkung gefordert und der Regierung vorgeworfen, die Pandemie nur als Vorwand zu nutzen, um Menschen ohne ausreichende Prüfung und Gerichtsanhörung pauschal abzuschieben. Mehrere republikanisch regierte Bundesstaaten dagegen hatten sich juristisch gegen die Abschaffung der Regelung gestemmt und unter anderem argumentiert, eine Aufhebung der Vorgabe würde zu einem großen Andrang illegaler Migranten führen.


DLD-Chefin Czerny: Bewusst eine Konferenz ohne Tech-Stars

MÜNCHEN: Die Macher der Innovationskonferenz DLD haben in diesem Jahr nach eigenen Angaben bewusst auf große Namen aus der Tech-Branche verzichtet. «Die großen Superstars», die man auf jeder Konferenz hören könne, seien zu sehr von Marketing getrieben und zu unfrei in ihren Reden, sagte DLD-Organisatorin Steffi Czerny. Die erste DLD-Konferenz nach Beginn der Corona-Krise begann am Freitag in München.

Das Motto ist in diesem Jahr «Reality Rules» (etwa: Realität bestimmt) - unter anderem ein Hinweis darauf, dass technologische Visionen von der Realität eingeholt werden. Zur aktuellen Realität, mit der sich die Konferenz zum Auftakt beschäftigte, gehört auch der russische Angriffskrieg in der Ukraine. So warf Sandrine Dixson-Declève von der Denkfabrik Club of Rome die Frage auf, warum der Westen sich nicht früher aus den jetzt problematischen Abhängigkeiten wie etwa vom russischen Erdgas gelöst habe. Schon vor zehn Jahren sei man sich dessen bewusst gewesen: «Und was haben wir getan? Nichts.»

Die vom Medienkonzern Burda veranstaltete DLD-Konferenz (Digital Life Design) will eine Brücke zwischen Technologie, Wirtschaft und Kultur schlagen. Die Konferenz findet üblicherweise im Januar statt, unmittelbar vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Da es in diesem Jahr auf Mai verschoben wurde, wechselte auch der DLD-Termin.


Dänische Königin Margrethe II. feiert 50 Jahre auf dem Thron

KOPENHAGEN: Mit Ballett, Marschmusik und einem riesigen Jubiläums-Kuchen feiert die dänische Königin Margrethe II.

am Samstag (ab 12.00 Uhr) im Kopenhagener Tivoli 50 Jahre auf dem Thron. In dem Freizeitpark wird die Monarchin mit einem extra zu diesem Anlass komponierten Marsch empfangen. Anschließend sieht sie sich eine Ausstellung mit Kostümen und Bühnenbildern an, die sie in den vergangenen Jahrzehnten selbst für Aufführungen im Tivoli entworfen hat. Am Abend steht eine Ballettgala zu Ehren der 82-jährigen Regentin an. Der Stichtag für das Jubiläum war bereits der 14. Januar. Wegen der Corona-Pandemie musste Margrethe II. die Feiern aber verschieben.


London stuft Omikron-Typen BA.4 und BA.5 als besorgniserregend ein

LONDON: Großbritannien hat die Omikron-Untervarianten BA.4 und BA.5 als besorgniserregende Varianten eingestuft. Die bisherigen Analysen der vorliegenden Daten wiesen auf einen Wachstumsvorteil gegenüber der noch vorherrschenden Omikron-Untervariante BA.2 hin, teilte die britische Gesundheitsbehörde am Freitag mit. Bislang sei die Zahl der Fälle in Großbritannien jedoch sehr überschaubar - von BA.4 gebe es bislang 115 bestätigte oder Verdachtsfälle, von BA.5 80 Fälle.

Auch in Deutschland wächst der Anteil der Omikron-Subvariante BA.5, aber bisher auf sehr niedrigem Niveau. Er lag nach den jüngsten verfügbaren Daten, einer Stichprobe von vorletzter Woche, bei 1,4 Prozent. In den Wochen zuvor waren es 0,5 und 0,3 Prozent, wie aus dem Corona-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) von Donnerstag hervorgeht. Bei BA.4 sei in Deutschland bisher nur eine sehr kleine Zunahme auszumachen, von 0,1 auf 0,3 Prozent.

Bei der Weltgesundheitsorganisation WHO gelten die Omikron-Subvarianten BA.1 bis BA.5 und davon abstammende sowie Misch-Varianten des Erregers als besorgniserregende Varianten. Die ersten Unterarten von Omikron hatten im Winter für massive Infektionswellen gesorgt.


Ungekürzter «Partygate»-Bericht soll Namen und Details enthalten

LONDON: Die «Partygate»-Saga geht in die nächste Runde: Der in schon bald erwartete, ungekürzte Untersuchungsbericht der Spitzenbeamtin Sue Gray zu den verbotenen Lockdown-Partys in der Downing Street soll konkrete Namen und Details enthalten. Premierminister Boris Johnson betonte auf Nachfrage am Freitag, diese Entscheidung liege vollständig in der Hand Grays. «Ich freue mich darauf, was sie zu sagen hat. Und das wird, drücken wir die Daumen, sehr bald in der nächsten Woche sein», sagte Johnson.

Die Polizei hatte am Donnerstag die Ermittlungen zu den Partys im Regierungssitz Downing Street abgeschlossen und dabei wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln insgesamt 126 Strafbefehle gegen 83 Personen verhängt. Premierminister Boris Johnson erhielt keine weiteren Bescheide. Zuvor waren er und Finanzminister Rishi Sunak für die Teilnahme an einer Geburtstagsfeier für Johnson mit einer Geldstrafe belegt worden. «Es gibt keine andere Straße im Land, wo mehr Menschen das Gesetz gebrochen haben, als in der Downing Street», kritisierte der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labour-Partei.

Gray hatte nach Beginn der Polizeiermittlungen zur «Partygate»-Affäre zunächst nur eine stark gekürzte Version ihrer Untersuchung öffentlich gemacht. Schon darin war von schwerem Fehlverhalten und Führungsversagen die Rede. Der Skandal hatte Premier Johnson schwer unter Druck gesetzt, auch aus seiner Konservativen Partei wurden Rücktrittsforderungen laut. Die erwartete Version soll nun deutlich expliziter ausfallen: Der BBC und der «Times» zufolge sollen Beteiligte, darunter auch Johnson, namentlich genannt werden und übers Wochenende Zeit haben, sich dazu zu äußeren. Die «Daily Mail» berichtete, dass sogar anonymisierte Fotos vorkommen könnten.

Neben dem ausstehenden Gray-Bericht muss sich der Premier derzeit auch wegen mutmaßlicher Lügen im Zusammenhang mit der Affäre um illegale Lockdown-Partys einer Untersuchung durch einen Parlamentsausschuss stellen.


Belgien hebt Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr auf

BRÜSSEL: In Belgien müssen Menschen künftig auch im öffentlichen Nahverkehr keine Maske mehr tragen. Am Freitag hob das Corona-Komitee der belgischen Regierung die verbliebenen Pandemie-Maßnahmen im öffentlichen Raum auf, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Ab Montag ist es demnach nur noch in Arztpraxen, Apotheken und im Krankenhaus Pflicht, eine Maske zu tragen. Zudem wurden restliche Reisebeschränkungen wie Impf- oder Quarantänepflichten aufgehoben.

Die Corona-Infektionen gehen in Belgien weiter zurück. Zuletzt lag die 14-Tage-Inzidenz von Infektionen pro 100.000 Menschen bei 482, wie die Gesundheitsbehörde Sciensano mitteilte. Pro Tag seien zuletzt im Schnitt 10 Menschen in Zusammenhang mit Covid-19 gestorben, etwa 91 Personen seien pro Tag mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus gekommen.


EU-Kommission schlägt zusätzliche Finanzspritze für Bauern vor

BRÜSSEL: Bauern sollen einem Vorschlag der EU-Kommission zufolge zusätzliche Zuschüsse für Betriebsmittel wie Dünger, Sprit und Futter bekommen können. Die Sondermaßnahme ermögliche den EU-Staaten, einen einmaligen Pauschalbetrag an Landwirte sowie Agrar- und Lebensmittelunternehmen zu zahlen, die von Preissteigerungen betroffen seien, wie die Kommission am Freitag mitteilte. Diese Unterstützung trage zur globalen Ernährungssicherheit bei. Nach der Covid-19-Pandemie seien Bauern nun stark von den Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine betroffen, sagte EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski.

Je nachdem, wie intensiv die Sonderregelung gebraucht werde, könnten bis zu 1,4 Milliarden Euro mobilisiert werden, so die Kommission. Die EU-Länder müssten die Unterstützung gezielt auf die Betriebe ausrichten, die von der derzeitigen Krise am stärksten betroffen seien. Landwirte könnten bis zu 15.000 Euro, kleine und mittlere Unternehmen bis zu 100.000 Euro erhalten. Die Zahlungen sollen bis zum 15. Oktober 2023 erfolgen. Dem Vorschlag müssen noch EU-Parlament und EU-Staaten zustimmen.


G7 will Pandemie-Frühwarnsysteme stärken

BERLIN: Mit einem Pakt zur Bekämpfung von Pandemien wollen die sieben führenden demokratischen Industriestaaten Ausbrüche künftig schneller erkennen und effektiver darauf reagieren.

Die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister der G7-Staaten beschlossen diesen Pakt am Freitag in Berlin. Frühwarnsysteme zur effektiven Pandemievorsorge sollen gestärkt werden. Weltweit sollen Expertennetzwerke aufgebaut werden, wie es nach einem zweitägigen Treffen der G7-Fachminister hieß. Dazu sollen Expertinnen und Experten ausgebildet und trainiert werden, die Ausbrüche früh erkennen und begrenzen sollen.

Zudem solle die Weltgesundheitsorganisation (WHO) finanziell gestärkt werden. Die G7 wollen ihre Pflichtbeiträge langfristig um 50 Prozent erhöhen, damit die WHO besser ihre Führungsrolle ausüben könne.


Autoexperte: Vielen Zulieferern fehlt in der Krise finanzielle Kraft

GEISLINGEN: Vielen Automobilzulieferern fehlt es nach Ansicht des Branchenexperten Stefan Reindl in der Krise an finanzieller Kraft für den Wandel. Die Branche befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation, vom Verbrenner hin zur E-Mobilität.

Kleinere Zulieferunternehmen, die noch ausschließlich Komponenten für Verbrennungsmotoren produzierten, kämen jetzt relativ schnell in die Bredouille, sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen (Kreis Göppingen). Für sie sei die Elektromobilität schneller gekommen als gedacht. «Für die könnte es ruinös werden, wenn sich die Effekte aus Corona oder dem Ukraine-Krieg auflösen, weil es dann einen Nachholbedarf geben wird», sagte Reindl. Was dann an Stückzahlen beim E-Auto hinzukomme, falle beim Verbrenner weg.

Führende Zulieferer wie Bosch, Continental oder Mahle ächzen derzeit angesichts stark steigender Kosten, welche sie an ihre Kunden, die Hersteller, weitergeben wollen. «Zuliefererverträge haben einen langfristigen Charakter und bestimmte Bindungen, dazu zählen auch die Preise», sagte Reindl. Trotzdem seien die Hersteller daran interessiert, weiter mit den tragenden Säulen der Zulieferer zusammenzuarbeiten. «Wenn beispielsweise bei Mercedes der Zulieferer Bosch wegfiele, dann hätte der Automobilhersteller ein riesiges Problem», sagte Reindl.

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