Corona-Überblick: Meldungen am Donnerstag

Foto: Freepik
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Neue Corona-Maßnahmen : Einreise nur mit negativem Test

LISSABON: Die Regierung von Portugal hat neue Maßnahmen zur Eindämmung der wieder steigenden Corona-Infektionszahlen ergriffen. Alle Besucher, die auf dem Luftweg einreisen, werden künftig im Rahmen des am 1. Dezember in Kraft tretenden Notfallzustands einen negativen Test vorweisen müssen. Das gilt auch, wenn sie geimpft oder genesen sind, wie Ministerpräsident António Costa am Donnerstagabend in Lissabon mitteilte. Geimpfte und Genesene werden zudem genauso wie Ungeimpfte beim Besuch von Bars und Discos, von Krankenhäusern und Seniorenheimen sowie von Großveranstaltungen ohne feste nummerierte Plätze einen negativen PCR- oder Antigen-Test vorlegen müssen.

Neben anderen Maßnahmen wird wieder eine generelle Maskenpflicht in allen geschlossenen öffentlichen Räumen eingeführt. Zum Besuch von Restaurants, Fitnesszentren, touristischen Einrichtungen und Veranstaltungen mit nummerierten Plätzen gilt die 3G-Regel.

Homeoffice wird von der Regierung in Lissabon «dringend empfohlen». Zudem wird es nach dem Jahresendfeiertagen eine «Woche der Zurückhaltung» mit obligatorischem Homeoffice sowie mit geschlossenen Schulen, Universitäten, Bars und Diskotheken geben.

Mit 87 Prozent hat Portugal eine der höchsten Impfquoten der Welt. Die Sieben-Tage-Inzidenz klettert allerdings schon seit vielen Wochen. Sie lag zuletzt über 160. Zum Vergleich: In Deutschland erreichte dieser Wert einen Höchststand von knapp 420.


Tschechiens Präsident Zeman mit Corona in Klinik - Programm abgesagt

PRAG: Der tschechische Präsident Milos Zeman ist kurz nach seiner Entlassung aus einer Klinik wieder ins Krankenhaus eingewiesen worden. Grund sei ein positiver Corona-Test, teilte ein Sprecher des 77-Jährigen am Donnerstagabend mit. Zeman müsse sein Arbeitsprogramm während der Behandlung unterbrechen. Die ursprünglich für Freitag geplante Ernennung des liberalkonservativen Wahlsiegers Petr Fiala zum neuen Ministerpräsidenten muss damit verschoben werden.

Eine Koalition aus Fialas Demokratischer Bürgerpartei (ODS) und vier weiteren Parteien hatten bei der Parlamentswahl im Oktober eine klare Mehrheit von 108 der 200 Sitze erobert. Derzeit bleibt die bisherige Regierung unter dem Multimilliardär Andrej Babis geschäftsführend im Amt. Zeman war gerade erst anderthalb Monate im Krankenhaus behandelt worden - nach offiziellen Angaben wegen Komplikationen einer seiner chronischen Erkrankungen.

Die scheidende Babis-Kabinett hat von Freitag an für zunächst 30 Tage wegen der Corona-Pandemie den Notstand ausgerufen. Alle Weihnachtsmärkte wurden abgesagt. Gaststätten müssen um 22.00 Uhr schließen, obgleich dort die 2G-Regel gilt. Die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen wird begrenzt. Innerhalb von sieben Tagen gab es nach aktuellen Zahlen 1097 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner.


Spongebob und Snoopy schweben bei Thanksgiving-Parade über New York

NEW YORK: Zehntausende Menschen in New York haben bei der traditionellen Thanksgiving-Parade riesigen Heliumballons zugejubelt. Nach einer weitgehenden Zwangspause wegen der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr fand das Spektakel am Donnerstag wieder auf der gewohnten Route und mit mehr als einem Dutzend Ballons statt. Unter anderem schwebten, Snoopy, Spongebob, ein Schlumpf und Chase von «Paw Patrol» am Central Park entlang und durch die Straßenschluchten Manhattans in Midtown.

Begleitet wird die Parade jedes Jahr von Orchestern, vielen Festwagen und einem Großaufgebot der Polizei. Insgesamt nahmen dieses Jahr rund 6500 Tänzer, Fahnenträger, Musiker und Verkleidete teil. Mehr als drei Millionen Zuschauer standen vor der Pandemie jährlich am Streckenrand, etwa 50 Millionen Menschen schauen am Fernseher zu. Die Parade, die von der Kaufhauskette Macy's veranstaltet wird, findet in diesem Jahr zum 95. Mal statt. Im vergangenen Jahr hatte sie wegen der Pandemie coronakonform stattgefunden - deutlich kleiner, nur an einem Ort und für Zuschauer nur online zu sehen.


Tschechien ruft wegen Corona-Krise nationalen Notstand aus

PRAG: Tschechien ruft wegen steigender Corona-Infektionszahlen erneut den nationalen Notstand aus. Das gab der geschäftsführende Ministerpräsident Andrej Babis nach einer Meldung der Agentur CTK am Donnerstag in Prag bekannt. Der Notstand ermöglicht es der Regierung, Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit auszusetzen. Zudem können Medizinstudenten zum Dienst in den Krankenhäusern verpflichtet werden. Die Maßnahme gilt nach einem Kabinettsbeschluss von Freitag an für zunächst 30 Tage.

Besonders stark sind die östlichen Landesteile betroffen. Am Donnerstag wurden 19 Corona-Patienten mit Hubschraubern und Krankenwagen aus überlasteten Krankenhäusern in Brünn (Brno) nach Prag verlegt. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg landesweit auf 1097 je 100.000 Einwohner. Erst knapp 6,3 Millionen der 10,7 Millionen Einwohner Tschechiens sind vollständig geimpft. In vielen Bereichen wie in Hotels und Gaststätten gilt inzwischen die 2G-Regel (geimpft oder genesen).

Die Opposition, die bei der Wahl im Oktober eine Mehrheit errang und die künftige Regierung stellen soll, beklagte im Vorfeld, nicht in die Entscheidungen eingebunden zu werden. «Niemand hat eine Ausrufung des Notstands mit uns konsultiert», kritisierte der konservative Gesundheitsexperte Tom Philipp. Zuletzt galt der Notstand von Anfang Oktober 2020 bis Mitte April 2021.


Dänische Gesundheitsbehörde empfiehlt Auffrischimpfung für alle ab 18

KOPENHAGEN: Wie in anderen europäischen Ländern sollen alle Erwachsenen in Dänemark eine Auffrischimpfung gegen Covid-19 angeboten bekommen. Das empfahl die dänische Gesundheitsverwaltung angesichts rapide gestiegener Corona-Zahlen am Donnerstag. Die entsprechende Einladung zur Booster-Dosis sollten alle Volljährigen sechs Monate nach der Zweitimpfung erhalten.

Am Vortag war auch in Schweden beschlossen worden, allen Menschen über 18 eine dritte Impfdosis ans Herz zu legen. Bislang hatten sich beide skandinavische Länder bei den Auffrischungen auf Ältere und andere Risikogruppen fokussiert.

Die Corona-Impfstoffe seien das wichtigste Werkzeug, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, erklärte die dänische Behörde nun. Auffrischimpfungen seien dabei jetzt der Schlüssel, um die Zahlen zu verringern.

Bislang sind in Dänemark fast 700.000 Bürgerinnen und Bürger erneut geimpft worden, darunter vor allem Ältere und Menschen aus weiteren Risikogruppen. Das entspricht einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von knapp 12 Prozent.


Frankreich verschärft Corona-Maßnahmen - mehr Booster-Impfungen

PARIS: Frankreich verschärft seine Corona-Maßnahmen angesichts steigender Infektionszahlen und weitet die Möglichkeit für eine Auffrischungsimpfung aus. Zu dieser Booster-Impfung seien nun alle Einwohner ab 18 Jahren aufgerufen, sobald ihre letzte Impfung fünf Monate zurückliege, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran am Donnerstag in Paris.

Wenn Menschen diese Auffrischung nicht innerhalb von sieben Monaten nach ihrer vollständigen Impfung absolvieren, soll ihr Corona-Pass ungültig werden. Bei Menschen ab 65 Jahren, die bereits seit längerem zu einer Booster-Impfung aufgerufen sind, ist dies ab dem 15. Dezember der Fall, für Menschen ab 18 Jahren ab dem 15. Januar. Nur mit dem sogenannten Gesundheitspass, einem 3G-Nachweis von Impfung, Genesung oder Corona-Test, können die Menschen in Frankreich Restaurants und Veranstaltungen besuchen oder per Flugzeug oder Fernzug verreisen.

Corona-Tests für Ungeimpfte bleiben in der Regel kostenpflichtig und gelten ab Montag statt 72 nur noch 24 Stunden, wie der Minister weiter sagte. Die Maskenpflicht soll wieder überall in Innenräumen greifen und auch im Freien bei Massenveranstaltungen wie etwa Weihnachtsmärkten. Diese seien nur noch mit dem Gesundheitspass zugängig. Der Schulbetrieb soll nach Möglichkeit aufrecht erhalten bleiben, die Auflagen zum Schließen ganzer Klassen nach einzelnen Infektionsfällen werden gelockert.

Da neun von zehn Erwachsenen in Frankreich geimpft seien, brauche das Land nicht erneut zu drastischen Einschränkungen greifen, betonte Véran. Es werde ein neuer Anlauf unternommen, um auch die Nichtgeimpften zu erreichen, außerdem appellierte der Minister an das strikte Beachten von Abstands- und Hygieneregeln auch unter Geimpften. Nach jüngsten Zahlen lag die Sieben-Tage-Inzidenz, die Zahl der registrierten Neuinfektionen binnen einer Woche auf 100.000 Einwohner, in Frankreich bei 193.


Belgien meldet Rekord an täglichen Corona-Infektionen

BRÜSSEL: In Belgien sind so viele tägliche Corona-Infektionen wie noch nie seit Anfang der Pandemie festgestellt worden. Am Donnerstag verkündete die Gesundheitsbehörde, dass zuletzt 23.621 neue Fälle gemeldet wurden - so viele wie noch nie an einem Tag. Der vorherige Rekord lag bei 22.221 im vergangenen Oktober. Die jüngsten Daten stammen von Montag, da die Zahlen in Belgien teils mit einigen Tagen Verspätung gemeldet werden.

Auch die Zahl der Patienten in Krankenhäusern, die an Covid-19 erkrankt sind, sowie die Todeszahlen stiegen weiter an. In den vergangenen sieben Tagen wurden laut der Behörde durchschnittlich 294,7 Menschen pro Tag eingewiesen, 37,3 Menschen starben im Schnitt täglich an Corona.

Die 14-Tage-Inzidenz von Corona-Infektionen pro 100.000 Menschen lag zuletzt bei 1616,4. Insgesamt zählt Belgien seit Beginn der Pandemie über 1,7 Millionen Fälle. Rund 75 Prozent der 11,5 Millionen Einwohner Belgiens sind vollständig gegen das Virus geimpft.


EU-Kommission spricht sich gegen Corona-Reisebeschränkungen aus

BRÜSSEL: Die EU-Kommission hat den EU-Ländern empfohlen, keine zusätzlichen Reisebeschränkungen für Geimpfte, Genesene oder frisch Getestete einzuführen. Wer ein gültiges EU-Corona-Zertifikat habe, solle «grundsätzlich keinen zusätzlichen Beschränkungen wie Tests oder Quarantäne unterworfen werden, unabhängig vom Abreiseort in der EU», teilte die Brüsseler Behörde am Donnerstag mit. Zudem solle die Gültigkeitsdauer der EU-Impfnachweise beschränkt werden. Man schlage vor, dass diese Zertifikate neun Monate ab der vollständigen Impfung gültig sein sollen, bevor eine Auffrischungsimpfung notwendig werde, so die Vizepräsidentin der EU-Kommission Vera Jourova.

EU-Justizkommissar Didier Reynders betonte: «Unser Hauptziel ist es, abweichende Maßnahmen in der EU zu vermeiden.» Die Kommission hofft auf einheitliche Regeln innerhalb der EU. Die EU-Länder sollten nun «unverzüglich» alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, damit sich alle Menschen eine Booster-Impfung bekommen können, die diese für ein gültiges Zertifikat brauchen.

Über die nicht verbindlichen Vorschläge müssen nun die EU-Länder beraten und dann eine gemeinsame Position dazu verabschieden. Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie in Europa gab es viele unterschiedliche Regeln mit teils kilometerlangen Staus wegen Grenzschließungen und entsprechend negativen wirtschaftlichen Auswirkungen.


500 Gaza-Christen dürfen an Weihnachten nach Bethlehem

TEL AVIV: 500 Christen aus dem Gazastreifen dürfen an Weihnachten nach Bethlehem reisen. Israel erlaubt ihnen nach eigenen Angaben die Einreise nach Ost-Jerusalem und in das besetzte Westjordanland. In Bethlehem im südlichen Westjordanland ist nach christlicher Überlieferung Jesus Christus geboren worden. In Jerusalem ist er dem Glauben nach gestorben und wieder auferstanden. Die Genehmigungen würden voraussichtlich in den kommenden Tagen ausgegeben, sagte ein Sprecher der zuständigen Behörde am Donnerstag.

Von den rund zwei Millionen Einwohnern im Gazastreifen sind rund eintausend Christen. Die dort herrschende, islamistische Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Laut einer Mitteilung werden die Visa an gegen das Coronavirus Geimpfte und von dem Virus Genesene erteilt - sowie nach einer Sicherheitsbewertung. Außerdem erhielten 15.000 Christen aus dem Westjordanland eine Einreisegenehmigung nach Israel, hieß es. Bisher seien 5000 Genehmigungen erteilt worden, sagte der Sprecher.

Israel vergibt grundsätzlich an den hohen christlichen Feiertagen Ostern und Weihnachten Genehmigungen zur Einreise für Christen aus den Palästinensergebieten. Damit können diese sowohl die heiligen Stätten in Bethlehem und Jerusalem besuchen, als auch ihre Familien. Im vergangenen Jahr wurden zu Weihnachten wegen der Corona-Pandemie allerdings keine Visa erteilt. In der Vergangenheit gab es von palästinensischer Seite immer wieder Kritik an den Vergabekriterien, etwa weil etwa nur ältere Menschen einreisen durften.


27 Prozent des medizinischen Personals in Afrika gegen Covid geimpft

Brazzaville (dpa)- Im Kampf gegen Corona sind viele Ärzte, Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal in den Ländern Afrikas selbst nur unzureichend geschützt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind auf dem Kontinent bisher lediglich 27 Prozent des medizinischen Personals voll gegen Covid geimpft. Die am Donnerstag vorgestellten Zahlen basieren auf Daten aus 25 afrikanischen Staaten. Seit März sind danach 1,3 Millionen Menschen aus Gesundheitsberufen voll geimpft worden.

Allerdings gibt es von Land zu Land beträchtliche Unterschiede, wie WHO-Vertreter schilderten. In sechs Ländern seien mehr als 90 Prozent des medizinischen Personals voll geimpft, darunter im westafrikanischen Togo, in Ruanda, Lesotho und den Kapverdischen Inseln. Zu den Schlusslichtern gehören dagegen große und oft von Konflikten geprägte Staaten wie die Demokratische Republik Kongo und die Zentralafrikanische Republik, ebenso Tschad und Kamerun. In Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas, haben nur etwa 30 Prozent der Menschen in den medizinischen Berufen den Angaben zufolge vollen Impfschutz. Eine besondere Herausforderung seien die ländlichen Gebiete.

«Die Mehrheit des afrikanischen Gesundheitspersonals hat noch keinen Zugang zu Impfstoffen und bleibt dem gefährlichen Risiko einer Covid-Infektion ausgesetzt», betonte Matshidiso Moeti, WHO-Regionaldirektorin für Afrika. Wenn Ärzte, Krankenschwestern und anderes Personal ungeschützt sei, bedeute dies auch ein Risiko, bei der Bekämpfung der Pandemie Rückschläge zu erleiden. «Selbst wenn sich nur einer infiziert und stirbt, ist das einer zu viel.»


Griechische Regierung schließt Lockdown aus

ATHEN: Während viele anderen EU-Staaten regionale und sogar landesweite Lockdowns verhängen, schließt die griechische Regierung diese Option kategorisch aus. «Weder wird es einen Lockdown geben, noch wird das Gesundheitssystem zusammenbrechen», sagte Regierungssprecher Giannis Oikonomou am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Es gebe auch keine Anweisungen, Operationen zu verschieben, wobei man mit den Krankenhäusern darüber in ständigem Kontakt stehe. Zur Not würden private Kliniken diese Operationen übernehmen, sagte Oikonomou.

Athen setzt angesichts der vierten Corona-Welle vor allem darauf, Ungeimpfte zu überzeugen und unter Druck zu setzen. So dürfen Geschäfte, Gastronomie, Veranstaltungen und Kultureinrichtungen nur noch mit Impf- oder Genesenem-Nachweis besucht werden. Am Arbeitsplatz gilt für Ungeimpfte die Pflicht, zwei negative Corona-Tests pro Woche vorzuweisen. Die Zahl der Erstimpfungen habe sich seit der Ankündigung und Umsetzung dieser Maßnahmen verdreifacht, berichtete am Donnerstag die Zeitung «To Proto Thema».

Mittlerweile sind laut griechischer Gesundheitsbehörde gut 6,5 Millionen der rund 11 Millionen Einwohner des Landes mindestens zwei Mal geimpft. Auch wurde bereits vor mehren Wochen mit der Auffrisch-Impfung begonnen, für die sich alle doppelt geimpften Erwachsenen anmelden können. Allerdings sind die Infektionszahlen in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Von Dienstag auf Mittwoch verzeichnete die griechische Gesundheitsbehörde 7108 Neuinfektionen binnen 24 Stunden.


Israel fürchtet fünfte Corona-Welle

TEL AVIV: Israel steht nach Einschätzung des nationalen Corona-Beauftragten Salmans Sarka am Beginn einer neuen Infektionswelle. Aus Sicht des Experten komme der jüngste Anstieg der Zahl von Neu-Infektionen «zu früh und zu schnell», berichtete der Rundfunk am Donnerstag. Im September hatte Israel sich mit mehr als 11.000 neuen Fällen pro Tag auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie befunden. Mithilfe von Booster-Impfungen gelang es, die Infektionszahlen wieder auf durchschnittlich 400 am Tag zu drücken. Die vierte Corona-Welle galt als überwunden.

Zuletzt verzeichnete das Gesundheitsministerium aber wieder einen leichten Anstieg der Fallzahlen und des R-Werts, der das Infektionsgeschehen widerspiegelt. Experten erklären dies dem Bericht zufolge unter anderem mit der sinkenden Immunität von mehr als einer Million Israelis, die ihre zweite Impfdosis vor mehr als sechs Monaten erhielten.

Als erstes Land weltweit hatte Israel Ende Juli eine Booster-Kampagne mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer gestartet. Nach fünf Monaten nach der zweiten Impfung können Israelis eine Booster-Impfung bekommen. Diesr Woche begann zudem die Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren. Von 9,4 Millionen israelischen Bürgern sind rund 43 Prozent inzwischen dreifach geimpft. Fast zwei Drittel bekamen zumindest zwei Spritzen.


Von Scheidung bis Hausverkauf - Athen forciert die Digitalisierung

ATHEN: In Griechenland können sich Paare künftig innerhalb von zehn Tagen online scheiden lassen. Sie müssen dazu lediglich ihrem Anwalt eine digitale Vollmacht ausstellen, deren Beglaubigung ebenfalls online möglich ist. Neben der Online-Scheidung sollen in den kommenden Wochen etliche weitere bisher komplizierte Amtsgänge vollständig digitalisiert werden, berichtete am Donnerstag die griechische Nachrichtenagentur ANA. Athen treibt die Digitalisierung der Verwaltung seit gut zwei Jahren massiv voran.

Zu den neuen Angeboten auf der Website www.gov.gr gehören bald die Genehmigung für die Namensgebung von Kindern, die Übertragung von Wohneigentum, die Unternehmensgründung und weitere staatliche Dienstleistungen. Für viele Bürger bedeutet das eine enorme Erleichterung - die Behörden sind berüchtigt für lange Wartezeiten, ausufernden Papierkrieg und Willkür. Entsprechend beliebt ist Digitalisierungsminister Kyriakos Pierrakakis - der IT-Spezialist belegt bei Umfragen zur Popularität stets Spitzenplätze.

Auch zur Bekämpfung der Corona-Krise setzt Griechenland mit Erfolg auf digitale Lösungen - die Bürger können schon seit dem Frühjahr ihre Impfzertifikate und Corona-Testergebnisse in Sekundenschnelle online herunterladen sowie Impftermine buchen. An den Impftermin erinnert der Staat anschließend mit mehreren SMS-Nachrichten.


Zweiwöchiger Corona-Lockdown in der Slowakei

BRATISLAVA: In der Slowakei ist am Donnerstag ein landesweiter Corona-Lockdown in Kraft getreten. Die Vierparteien-Koalition in Bratislava hatte am Mittwoch beschlossen, für vorerst zwei Wochen alle Gastronomiebetriebe und jene Geschäfte zu schließen, die nicht für eine Grundversorgung mit Lebensmitteln und anderen unentbehrlichen Gütern benötigt werden.

Zugleich mit dem Lockdown beschloss die Regierung den sogenannten Notstand, der für 90 Tage gilt. Dieser ermöglicht es, die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung einzuschränken. So gilt eine Ausgangssperre, von der es entgegen ursprünglichen Plänen keine Ausnahme für vollständig gegen Covid-19 geimpfte Menschen gibt. Erlaubt bleibt der Weg zur Arbeit. Von Montag an wird es aber eine Testpflicht am Arbeitsplatz geben.

Offen bleiben vorerst die Schulen unter der Bedingung regelmäßiger Corona-Tests. Der Notstand erlaubt den Behörden auch die Zwangsverpflichtung von Gesundheitspersonal ohne Rücksicht auf Arbeitsgesetze. So machen sich Ärzte strafbar, wenn sie in den überlasteten Krankenhäusern Überstunden verweigern oder es ablehnen, von einem Krankenhaus in ein anderes versetzt zu werden.


São Paulo erklärt sich zur «Impfhauptstadt der Welt»

SÃO PAULO: Die brasilianische Millionen-Metropole São Paulo hat nach offiziellen Angaben alle erwachsenen Einwohner vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Dies teilte das städtische Gesundheitssekretariat am Mittwochabend mit. Dabei gehen die Behörden von mehr als 9,2 Millionen Menschen über 18 Jahren aus. Nach Angaben des Gesundheitssekretariats ist die Impfquote sogar etwas höher als 100 Prozent. Grund dafür ist, dass in São Paulo auch Menschen geimpft wurden, die ihren Wohnsitz anderswo haben.

Die größte Stadt Südamerikas hat nach Schätzungen mehr als 12,3 Millionen Einwohner. Auf dem Höhepunkt einer außer Kontrolle geratenen Corona-Welle im März und April war auch in der reichen Wirtschaftsmetropole das Gesundheitssystem zusammengebrochen, Massengräber wurden ausgehoben. Gesundheitssekretär Edson Aparecido nannte São Paulo nun die «Impfhauptstadt der Welt». Der Zeitung «Folha de S. Paulo» sagte er: «Ich danke den Menschen, die sich an die Impfung halten und ihr Leben und das Leben anderer schützen.»

Insgesamt haben sich in Brasilien nach offiziellen Angaben mehr als 22 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 610.000 Patienten sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben - mehr Tote gibt es nur in den USA. Brasilien hat rund 210 Millionen Einwohner. Während Präsident Jair Bolsonaro das Coronavirus verharmloste und den Sinn von Impfungen in Zweifel zog, ging der Bundesstaat São Paulo ein Abkommen mit dem chinesischen Unternehmen Sinovac ein.


Wilderei in England nimmt während Pandemie zu

LONDON: In der Corona-Pandemie hat die Wilderei in England nach Angaben von Tierschützern stark zugenommen. Gesetzwidrige Tötungen von Dachsen hätten 2020 ebenso um gut ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr zugelegt wie illegale Fischerei, teilte der Verbund Wildlife and Countryside Link am Donnerstag mit. Die bestätigten Fälle gegen Greifvögel sowie Meeressäuger wie Delfine oder Robben verdoppelten sich jeweils fast. Im Fokus standen zudem Fledermäuse sowie die illegale Jagd auf Füchse. Hingegen ging in den zentralen Straftaten die Zahl der Verurteilungen um mehr als die Hälfte zurück.

Die Koalition aus 16 Tierschutzorganisationen machte die Umstände der Pandemie für den Anstieg verantwortlich. Täter hätten ausgenutzt, dass die Polizei sich verstärkt auf Verstöße gegen Lockdown-Regeln konzentriert habe, hieß es zur Begründung. Wegen Abstandsregeln und coronabedingter Abwesenheit von Beamten seien die Möglichkeiten zur Strafverfolgung eingeschränkt gewesen. Zudem hätten mehr Menschen Ausflüge in die Natur unternommen - das habe sowohl zu mehr Taten als auch zu einer häufigeren Anzeige von Delikten durch Zeugen geführt.

Die Tierschützer forderten eine verbesserte Erfassung und Überwachung von Wilderern. Der Verbund betonte, dass die Kriminalität über die Tierwelt hinausgehe. So würden illegal Schneeglöckchenzwiebeln für den Verkauf geerntet und Pilze gepflückt, um Restaurants zu beliefern. Die Regierung müsse diese Vergehen ernster nehmen.

«Der Rückgang der Tierwelt ist bereits zu spüren, und die Arten können es sich kaum leisten, dem zusätzlichen Druck ausgesetzt zu sein, brutal erschossen, gefangen oder vergiftet zu werden», sagte Mark Thomas von der Organisation Royal Society for the Protection of Birds. Die Denkmalpflegeorganisation National Trust kündigte an, auf den von ihr verwalteten Ländereien keine Jagden auf künstliche Fuchsspuren mehr zu erlauben. Tierschützer kritisieren, dass dabei immer wieder echte Füchse aufgestöbert und von Hunden zu Tode gehetzt werden. Die Hetzjagd auf lebende Tiere ist in England verboten.


Nach Pandemie-Pause: Aufblasen von Thanksgiving-Ballons in New York

NEW YORK: Tausende Menschen haben in New York das traditionelle Aufblasen riesiger Heliumballons für die alljährliche Thanksgiving-Parade bestaunt. Nachdem das Spektakel im vergangenen Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie ausgefallen war, nahmen am Mittwoch in den Straßen rund um das American Museum of Natural History am Central Park wieder vor Publikum Snoopy, ein Schlumpf und zahlreiche andere Wesen, Herzen, Kugeln und Sterne langsam Form an, aus schlappen Planen wurden riesige Figuren.

Das öffentliche Aufblasen der Ballons am Abend zuvor ist eine vor allem bei Kindern in New York beliebte Tradition. An der Erfindung der Ballon-Tradition war in den 1920er Jahren auch der deutsch-amerikanische Puppenspieler Tony Sarg beteiligt.

Am Donnerstag sollten die Riesen-Ballons anlässlich der jährlichen Thanksgiving-Parade, die jedes Jahr von einer großen Kaufhauskette veranstaltet wird, mehr als drei Kilometer durch die Straßen der Millionenmetropole getragen werden. Im vergangenen Jahr hatte die Parade wegen der Pandemie coronakonform stattgefunden - deutlich kleiner, nur an einem Ort und für Zuschauer nur online zu sehen.

In diesem Jahr sollen wieder rund 6500 Tänzer, Fahnenträger, Musiker und Verkleidete teilnehmen sowie Festwagen und die riesigen Ballons mit sich führen. Stars wie Carrie Underwood sind ebenfalls angekündigt. Mehr als drei Millionen Zuschauer stehen jährlich am Streckenrand, etwa 50 Millionen Menschen schauen das Spektakel, das in diesem Jahr zum 95. Mal stattfindet, im Fernsehen an.


Mehr als 100.000 Menschen mit oder an Covid-19 gestorben

BERLIN: In Deutschland sind nach offizieller Zählung mehr als 100.000 Menschen mit oder an Covid-19 gestorben. Das Robert Koch-Institut gab die Zahl am Donnerstagmorgen mit 100.119 an. Das gibt den Stand des RKI-Dashboards von 3.47 Uhr wieder. Die Zahl der binnen eines Tages übermittelten Corona-Neuinfektionen überschritt erstmals die Schwelle von 70.000 Neuinfektionen. Die Gesundheitsämter meldeten laut RKI-Angaben 75.961 Fälle in 24 Stunden. Vor genau einer Woche waren es 65.371 erfasste Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag demnach bei 419,7 - ebenfalls ein Höchstwert seit Beginn der Pandemie. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 404,5 gelegen, vor einer Woche bei 336,9 (Vormonat: 110,1).

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 351 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 264 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.573 756 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Donnerstag mit 5,79 an (Mittwoch: 5,74). Der Wert spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Donnerstag mit 4.744 400 an.

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