Corona-Überblick: Meldungen am Donnerstag

Foto: Freepik
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70 Prozent aller Erwachsenen gegen Corona geimpft

VILNIUS: Mit fast zweimonatiger Verspätung hat Litauen ein von Staatspräsident Gitanas Nauseda ausgerufenes Corona-Impfziel erreicht. In dem baltischen EU- und Nato-Land haben nun 70 Prozent aller Erwachsenen mindestens eine Impfdosis erhalten. «Ja, wir haben es geschafft!», schrieb Nauseda am Donnerstag auf Twitter. «Wir sind der Rückkehr zum normalen Leben einen großen Schritt näher gekommen.» Es sei stolz und allen Menschen in Litauen dankbar.

Eigentlich sollte das Impfziel bereits am Staatstag am 6. Juli erreicht werden - es war im Januar ausgegeben worden. In Litauen lief die Impfkampagne jedoch mangels Impfstoff zunächst schleppend an und war zuletzt etwas ins Stocken geraten.

Angesichts der Ausbreitung der deutlich ansteckenderen Delta-Variante in Litauen rief Nauseda diese Woche dazu auf, eine Impfquote von 90 Prozent als Ziel vorzugeben. Die Regierung in Vilnius reagierte jedoch zurückhaltend auf den Vorstoß des Staatschefs.

In Litauen mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern hat die Zahl der Corona-Infizierten seit Beginn der Pandemie am Donnerstag die Schwelle von 300.000 überschritten. Mit den binnen 24 Stunden neuregistrierten 807 Fällen stieg die Gesamtzahl auf 300.339. Über 4500 Menschen starben nach offizielle Angaben an dem Virus.


Wunsch von Grundschüler: «Lehrerin endlich ohne Maske sehen»

PARIS: Unter besonderen Corona-Bedingungen hat in Frankreich am Donnerstag landesweit wieder die Schule nach den Sommerferien begonnen. Unter anderem gilt eine Maskenpflicht im Unterricht. Die sei zugegebenermaßen etwas lästig, räumte Präsident Emmanuel Macron in einer Videobotschaft ein. Die Regierung tue aber alles, um den Schulbetrieb so normal wie möglich zu machen.

Von der Zeitung «Le Parisien» befragte Schüler schilderten ihre Probleme - und für den kleinen Leo stand das eigene Masketragen da nicht oben an. «Mein allergrößter Wunsch? Dass die Lehrerin die Maske absetzt», gestand er. Im letzten Schuljahr habe er «gar nicht so richtig gesehen, wie sie ausschaut».

Schwieriger war da schon der Umstand, den die kleine Jade beschrieb. «Ich verstehe überhaupt nicht, was sie sagt, wenn sie zu mir spricht, selbst wenn sie sich bemüht zu artikulieren und lauter spricht», sagte sie über ihre Lehrerin, die mit Maske unterricht.

Ernsthafte Probleme hin oder her, bei seiner Videobotschaft an die Schüler löste Präsident Macron auch eine Wette ein, die er mit zwei Youtubern geschlossen hatte, die er vor Monaten für einen coolen Clip zum Einhalten der Corona-Regeln gewonnen hatte. Zwischendurch hielt er lachend einen Bilderrahmen mit dem Foto der zwei in die Kamera und verwies auf den inzwischen über 15 Millionen Mal aufgerufenen Song.


AU-Beauftragter: EU gibt hergestellte Impfdosen zurück

JOHANNESBURG: Die Europäische Union (EU) wird in Afrika produzierte und nach Europa verschiffte Corona-Impfdosen des Herstellers Johnson & Johnson zurückgeben. Eine entsprechende Verpflichtung habe EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Rande einer Konferenz in Berlin gegeben, sagte am Donnerstag der Corona-Beauftragte der Afrikanischen Union (AU), Strive Masiyiwa. Von der Leyen habe die Lieferung von 200 Millionen zusätzlichen Impfdosen bis Jahresende zugesagt. Rund 70 Millionen davon kämen aus Deutschland. «Das sind gute Nachrichten, die da aus Europa kommen», erklärte Masiyiwa.

In Afrika sind bisher erst knapp drei Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, obwohl sich der Kontinent aktuell im Griff einer dritten Infektionswelle befindet. Um rund 60 Prozent der Bevölkerung zu impfen, werden Schätzungen zufolge etwa 1,6 Milliarden Dosen benötigt. Der Export von in Südafrika hergestellten Impfdosen nach Europa gehe auf ein Arrangement zwischen Johnson&Johnson und dem südafrikanischen Vertragsproduzenten Aspen zurück. Das sei nun geändert worden, so Masiyiwa. Aspen produziere ab sofort unter Lizenz ein eigenes Produkt exklusiv für den afrikanischen Markt.

Die genaue Zahl der nach Europa gelieferten Dosen ist unbekannt. «Sie haben uns zurückgegeben was in den Lagerhäusern war; sie haben weniger als 20 Millionen genommen», sagte Masiyiwa bei einer Pressekonferenz der panafrikanischen Gesundheitsorganisation Africa CDC. Insgesamt wurden bisher in Afrika laut CDC gut 7,8 Millionen Covid-Infektionen dokumentiert, von denen knapp 200.000 tödlich waren. Die Dunkelziffer dürfte nach Expertenansicht auf dem Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Bewohnern aber höher liegen.


Mehr als fünf Millionen bestätigte Corona-Infektionen im Iran

TEHERAN: Seit Beginn der Pandemie sind im Iran mehr als fünf Millionen Corona-Infektionen nachgewiesen worden. Mit über 30.000 Neuinfektionen in den letzten 24 Stunden sei die Gesamtzahl der Infizierten auf 5.055 512 gestiegen, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Die Zahl der Corona-Toten stieg demnach auf fast 109.000.

Wegen der deutlich ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus sind in den letzten Wochen die Todes- und Infektionszahlen im Iran drastisch gestiegen. Außerdem kann das Land wegen der Wirtschaftskrise und US-Sanktionen nicht genügend Vakzine einführen. Dementsprechend läuft auch die Impfkampagne nur schleppend voran. Bislang konnten nur elf Prozent der mehr als 83 Millionen Iraner doppelt geimpft werden.


Norwegen bietet Corona-Impfungen für 12- bis 15-Jährige

OSLO: Angesichts eines enormen Anstiegs von Corona-Fällen bei Jugendlichen will Norwegen 12- bis 15-Jährigen nun Impfungen anbieten. «Die Situation ist jetzt unberechenbar», sagte Regierungschefin Erna Solberg am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Oslo, wie unter anderem die Zeitung «Verdens Gang» berichtete. Wegen Infektionen oder Selbstisolation nach Corona-Kontakt müssten viele Schüler dem Unterricht derzeit fernbleiben. Das müsse sich ändern, betonte Solberg. Der Anstieg der Corona-Fälle war in der vergangenen Woche in der Altersgruppe der 13- bis 19-Jährigen am höchsten ist - die Zahl der Neuinfektionen stieg hier um 174 Prozent.

Zugleich kündigte Solberg an, geplante Lockerungen der Corona-Regeln zu verschieben, bis der Anteil der vollständig Geimpften höher ist. Dann sollen aber alle Einschränkungen aufgehoben werden. Bisher haben 57 Prozent der Erwachsenen beide Dosen erhalten. «Eine weitere Öffnung birgt nun das Risiko einer weiteren Infektion», sagte die Regierungschefin. «Wir werden dieses Risiko nicht eingehen.» Wenn mehr Menschen vollständig geimpft sind, könne das Land dann mit erhöhter Wachsamkeit in einen normalen Alltag übergehen.


Zahl der Corona-Neuinfektionen höher als 11.000

TEL AVIV: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Israel ist auf den höchsten Stand seit Beginn der Pandemie gestiegen. Es seien 11.187 neue Fälle registriert worden, teilte das Gesundheitsministerium am Donnerstag mit. Der neue Höchststand wurde am Tag nach dem Schulbeginn veröffentlicht - Experten hatten davor gewarnt, dieser könnte das Infektionsgeschehen noch weiter befeuern. Es ist der dritte Tag in Folge mit mehr als 10.000 neuen Fällen in Israel. Die Zahl der Schwerkranken ist gleichzeitig stetig gesunken und liegt etwa bei der Hälfte des Wertes von Januar.

Experten betonen, der Impfstoff von Biontech/Pfizer sei weiterhin wirksam bei der Verhinderung von schweren Erkrankungen und Todesfällen. Hochgerechnet auf 100.000 Einwohner ist die Zahl der Corona-Erkrankungen in Israel in allen Altersgruppen unter den Ungeimpften um ein Vielfaches höher als unter den Geimpften. Dies gilt besonders für Schwerkranke über 60.

Seit Ende Juli verabreicht das Land als erstes weltweit dritte Impfungen gegen Corona, mehr als 25 Prozent der rund 9,4 Millionen Bürger haben diese bereits erhalten. Hintergrund der Entscheidung für eine dritte Impfung sind Zahlen des Gesundheitsministeriums, wonach die Effektivität der Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen hat. Mehr als 59 Prozent der Bürger sind zweimal geimpft.

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