Corona-Überblick: Meldungen am Donnerstag

Foto: Freepik
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USA verkünden erste Details zu Impfstoffverteilung an andere Länder

WASHINGTON: Die US-Regierung will einen Großteil ihrer Impfstoff-Spenden an andere Länder über das Impfprogramm Covax verteilen. Das Weiße Haus veröffentlichte am Donnerstag Details zur Verteilung der ersten zugesagten 25 Millionen Impfstoffdosen an andere Staaten. Mindestens 75 Prozent davon, knapp 19 Millionen Dosen, sollen demnach über Covax vergeben werden. Davon seien etwa sechs Millionen Dosen für Lateinamerika und die Karibik vorgesehen, etwa sieben Millionen Dosen für Süd- und Südostasien und etwa fünf Millionen Dosen für Afrika.

Die verbleibendenden rund 25 Prozent der ersten 25 Millionen Impfstoffdosen wiederum, etwa 6 Millionen Dosen, will die US-Regierung direkt an Länder abgeben, etwa an die Nachbarländer Kanada und Mexiko sowie Indien und Südkorea.

Die US-Regierung hat bislang zugesagt, bis Ende Juni 80 Millionen Impfstoffdosen mit anderen Staaten zu teilen. Bereits Ende April hatte die US-Regierung verkündet, nach einer Freigabe der Arzneimittelbehörde FDA 60 Millionen Dosen des in den USA derzeit nicht zugelassenen Corona-Impfstoffs des Herstellers Astrazeneca an andere Staaten abzugeben.

Im Mai folgte die Zusage der Amerikaner, weitere 20 Millionen Impfdosen von bereits zugelassenen Mitteln an andere Länder abzutreten. Mit einer FDA-Notfallzulassung sind in den USA derzeit die Impfstoffe von Pfizer/Biontech, Moderna und Johnson & Johnson zur Verwendung freigegeben.


Gute Corona-Lage: EU erlaubt wieder unkomplizierte Einreise aus Japan

BRÜSSEL: Reisende aus Japan können künftig wieder leichter in die Europäische Union einreisen. Aufgrund verbesserter Corona-Zahlen wurde das Land am Donnerstag von der EU auf die Liste derjenigen Drittstaaten gesetzt, für die keine strengen Einreisebeschränkungen mehr gelten sollen.

Auf der Liste standen bislang nur Australien, Neuseeland, Ruanda, Singapur, Südkorea, Israel und Thailand. Für alle anderen Staaten gelten drastische Einschränkungen, die für die meisten normalen Menschen aus dem Land ein Einreiseverbot bedeuten. Die Liste wird regelmäßig überarbeitet.

Auf die Einreisebeschränkungen hatten sich alle EU-Staaten außer Irland sowie die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island bereits zu Beginn der Corona-Pandemie verständigt. Demnach sind alle nicht zwingend notwendigen Reisen in die EU verboten. Rechtlich bindend ist der Einreisestopp allerdings nicht. Zudem gelten Ausnahmen etwa für EU-Bürger und ihre Familien.


Komitee kritisiert Corona-Politik der schwedischen Regierung

STOCKHOLM: Die schwedische Regierung hat für ihren Umgang mit der Corona-Pandemie heftige Kritik einstecken müssen. Das Kontrollkomitee des Reichstages legte am Donnerstag einen Bericht vor, in dem der Regierung zahlreiche Mängel vorgeworfen werden. Kritisiert wird unter anderem, dass sie keine Strategie zur Bekämpfung der Pandemie verabschiedet habe. Außerdem sei das Pandemiegesetz, das der Regierung mehr Vollmachten gibt, zu spät ausgearbeitet worden. «Der Ausschuss ist der Ansicht, dass der Umgang der Regierung mit der Pandemie mangelhaft war», sagte die Vorsitzende Karin Enström.

In Schweden haben sich in Bezug auf die Bevölkerungszahl sehr viel mehr Menschen mit dem Covid-19-Virus infiziert als in anderen europäischen Ländern. Die Regierung hatte lange auf Verbote verzichtet und den Menschen lediglich Empfehlungen gegeben.

Konkret beschreibt das Kontrollkomitee die unzureichenden Maßnahmen zum Schutz der Menschen in den Altersheimen. In Schweden starben vor allem zu Beginn der Pandemie sehr viele ältere Menschen. Bis Donnerstag waren insgesamt 14512 Todesfälle registriert worden, die mit einer Covid-19-Infektion in Verbindung gebracht werden.

Das Komitee kam außerdem zu dem Schluss, dass eine unklare Aufgabenverteilung dazu führte, dass das Testen und die Infektionsverfolgung nicht schnell genug in Gang kamen. Außerdem sei die Beschaffung von Schutzausrüstung nicht gut genug gewesen.


Hälfte der erwachsenen Briten ist vollständig geimpft

LONDON: Jeder zweite Erwachsene in Großbritannien ist mittlerweile vollständig gegen Corona geimpft. «Ein weiterer wichtiger Meilenstein heute», twitterte Impf-Staatssekretär Nadhim Zahawi am Donnerstag. «50 Prozent aller Erwachsenen in Großbritannien haben nun den Schutz von zwei Impfdosen.» Auch Premierminister Boris Johnson erhielt am Donnerstag seine zweite Impfdosis. Mehr als drei Viertel der Erwachsenen haben bislang eine erste Corona-Impfung erhalten.

Die Briten befinden sich derzeit im Wettlauf der Impfungen mit der wohl sehr ansteckenden, zunächst in Indien entdeckten Delta-Variante: Derzeit sind die Corona-Fallzahlen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von rund 32 noch immer recht niedrig - allerdings hat der Anteil der Delta-Variante in den vergangenen Wochen rapide zugenommen. Wegen der höheren Übertragbarkeit gelten zwei Impfdosen als unbedingt notwendig für einen wirksamen Schutz.


Nur 35 Prozent der Deutschen zufrieden mit EU-Corona-Politik

BRÜSSEL: Die Menschen in Deutschland sehen die EU-Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie einer Umfrage zufolge deutlich kritischer als andere Europäer. Nur 35 Prozent der Befragten in der Bundesrepublik waren mit den Maßnahmen zufrieden, im Vergleich zu 48 Prozent im EU-Durchschnitt. Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten neuen Eurobarometer unter knapp 27.000 Menschen hervor. Auch EU-weit ist eine knappe Mehrheit von 50 Prozent unzufrieden, in Deutschland 63 Prozent.

Die EU-Kommission hatte unter anderem die Beschaffung von Corona-Impfstoff für alle 27 Mitgliedsstaaten übernommen. Als im Frühjahr Nachschub fehlte, löste dies in Deutschland Kritik aus. Weitere EU-Maßnahmen waren die Versuche, die Abwehr der Pandemie zu koordinieren sowie die Beschlüsse für gemeinsame Wiederaufbauhilfen zur Erholung der Wirtschaft.

In der Umfrage im Auftrag des Europaparlaments im März und April meldete fast jeder Dritte (31 Prozent) negative Auswirkungen der Pandemie auf die persönliche finanzielle Situation. Weitere 26 Prozent fürchteten, dass dies noch kommt. In Deutschland war der Anteil geringer: 24 Prozent spüren die Folgen der Pandemie bereits im Geldbeutel, weitere 19 Prozent fürchten dies.

Trotzdem äußerten EU-weit und auch in Deutschland 58 Prozent der Befragten die Ansicht, dass der gesundheitliche Nutzen der Sperrmaßnahmen in ihrem Land den wirtschaftlichen Schaden überwiege. In der zweiten Jahreshälfte 2020 schätzte noch eine knappe Mehrheit die wirtschaftlichen Schäden als wichtiger ein, wie das Europaparlament weiter mitteilte.


Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gehen weiter zurück

WASHINGTON: Der US-Arbeitsmarkt setzt seine Erholung von dem schweren Corona-Einbruch fort. In der vergangenen Woche gingen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, ein Kurzfristindikator für den Jobmarkt, erneut zurück. Mit 385.000 Anträgen wurde das niedrigste Niveau seit Beginn der Corona-Krise markiert. Im Wochenvergleich ging die Zahl um 20.000 zurück, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 388.000 neuen Anträgen gerechnet.

Obwohl die Erstanträge seit Wochen fallen, haben sie noch nicht das Niveau erreicht, das vor der Corona-Krise vorherrschte. In den Monaten vor der Pandemie wurden pro Woche gut 200.000 Neuanträge gestellt.

Die US-Wirtschaft erholt sich derzeit stark von dem heftigen Einbruch während der ersten Corona-Welle vor gut einem Jahr. Ein umfassendes Bild vom Arbeitsmarkt gibt der monatliche Jobbericht der Regierung, der an diesem Freitag erwartet wird.


Britische Regierung verliert gegen Geflüchtete vor Gericht

LONDON: Im Streit um mangelhafte Flüchtlingsunterkünfte hat die britische Regierung vor Gericht gegen sechs Geflüchtete verloren. Die Napier-Baracken in der Grafschaft Kent entsprächen nicht den Minimalstandards, urteilte der Londoner Richter am Donnerstag. Die Kläger, die zeitweise in den Baracken untergebracht waren, hatten erklärt, die Unterbringung habe ein echtes Risiko für ihr Leben und ihre Gesundheit bedeutet. Das Urteil gibt ihnen Recht: Die Regierung habe nicht nach ihren eigenen Corona-Regeln gehandelt und die Geflüchteten etwa ohne geeigneten Schutz in größeren Gruppen untergebracht, so der Richter. Dies sei «irrational» gewesen.

Die Baracken, in denen Hunderte Geflüchtete in beengten Verhältnissen untergebracht sind, sind in den vergangenen Monaten mehrfach in Verruf geraten. Es gab Corona-Ausbrüche mit rund 200 Infizierten und einen größeren Brand. Die Gesundheitsbehörde Public Health England hatte die Regierung sogar gewarnt, dass die Häuser nicht als Unterkünfte geeignet seien. Die Anwälte forderten nach dem Urteil erneut, die Baracken als Unterkünfte zu schließen.

Seit dem Brexit hat Großbritannien ein neues Einwanderungssystem eingeführt, um die Zuwanderung zu begrenzen. Innenministerin Priti Patel fährt einen harten Kurs und will insbesondere den Kampf gegen illegale Schleuser verschärfen.


Spaniens Oberster Gerichtshof hebt Ausgangssperre auf Mallorca auf

MADRID: Spaniens Oberster Gerichtshof hat die auf den Balearen für die gesamte Bevölkerung verhängte Ausgangssperren sowie Beschränkungen bei Versammlungen für unvereinbar mit den Gesetzen erklärt. Die Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung seien der Bedrohungslage nicht angemessen, berichteten die Zeitung «El País» und die Nachrichtenagentur Europa Press am Donnerstag unter Berufung auf das Gericht. Das Urteil selbst lag zunächst nicht vor. Die Richter hätten betont, dass punktuelle Einschränkungen individueller Recht zur Bekämpfung einer Pandemie zulässig seien, jedoch nicht generell für die gesamte Bevölkerung.

Die Regionalregierung der Balearen hatte nach dem Ende des landesweiten sechsmonatigen Corona-Notstandes am 9. Mai, der solche Maßnahmen erlaubte, eigenständig eine nächtliche Ausgangssperre und Beschränkungen bei Treffen angeordnet. Allerdings sollte die nächtliche Ausgangssperre ohnehin in der Nacht von Samstag auf Sonntag enden. Bei der Zahl der Menschen, die sich versammeln dürfen, hatte es auf den Balearen gerade erst eine Lockerung gegeben. Bei privaten Zusammenkünften sollten sich ab Sonntag im Freien bis zu 15 Personen treffen dürfen, in privaten Innenräumen maximal 10. Diese Beschränkungen dürften nun entfallen.

Das Urteil des Gerichts dürfte auch Auswirkungen auf nächtliche Ausgangssperren haben, die noch in der Region Valencia und einigen Gemeinden Galiziens mit höheren Corona-Zahlen gelten. Beschränkungen bei der Teilnehmerzahl von Treffen bestehen auch noch auf den Kanaren, in Katalonien mit Barcelona, Navarra und Valencia.

Die Corona-Zahlen sind auch in Spanien kontinuierlich zurückgegangen und stagnieren bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von derzeit landesweit etwa 55. Auf den Balearen liegt sie sogar nur bei 19 und in Valencia bei gut 17. Galizien weist nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums eine Inzidenz von gut 25 aus.


Filme von Moretti und Serebrennikow im Wettbewerb von Cannes

PARIS: Im Wettbewerb des Festivals von Cannes werden Filme der Regisseure Nanni Moretti, Kirill Serebrennikow oder Paul Verhoeven zu sehen sein. Das kündigte der Generaldelegierte des weltberühmten Festivals, Thierry Frémaux, am Donnerstag an. Das Festival ist vom 6. bis 17. Juli geplant, im Wettbewerb laufen mehr als 20 Streifen. Der Hauptpreis der seit 1946 stattfindenden Filmfestspiele ist die Goldene Palme.

«Das Kino ist nicht tot», sagte Frémaux mit Blick auf die Corona-Pandemie, die Frankreich hart getroffen hatte. Die Auswahl sei dieses Jahr sehr international. Nach einem Überblick der Festivalleitung sind unter den Wettbewerbsregisseuren keine Deutsche.

Das Festival hatte bereits im April mitgeteilt, dass der Musicalfilm «Annette» von Leos Carax die Festspiele an der französischen Riviera eröffnen wird. Jurypräsident ist der US-amerikanische Regisseur Spike Lee. Das Festival war wegen der Corona-Krise verschoben worden, ursprünglich sollte die diesjährige Ausgabe im Mai stattfinden. Im vergangenen Jahr wurde das 73. Festival aufgrund der Krise in seiner traditionellen Event-Form abgesagt. Stattdessen wählte das Festival über 50 Filme aus, die es mit dem Gütesiegel «Cannes 2020» für Kinos und Festivals empfahl.


Delta-Variante: Weiter strenge Regeln für Einreise aus Großbritannien

OXFORD: An der Einstufung Großbritanniens als Virusvariantengebiet wird sich aller Voraussicht nach zunächst nichts ändern. Die Zahl der Corona-Neuinfektion im Vereinigten Königreich sei zwar vergleichsweise niedrig, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag in Oxford. Aber die sogenannte Delta-Variante, die zuerst in Indien entdeckt worden ist, habe mit einem sehr hohen Anteil von fast 80 Prozent am Infektionsgeschehen «die dominierende Rolle übernommen». Es sei aber wichtig, dass in Deutschland ein großer Teil der Bevölkerung geimpft sei, bevor sich mögliche Varianten im Land verbreiteten, betonte Spahn.

Aus Virusvariantengebieten dürfen nur noch deutsche Staatsangehörige und Menschen mit Wohnsitz in Deutschland in die Bundesrepublik einreisen. Alle müssen verpflichtend für 14 Tage in Quarantäne, niemand kann sich mit einem negativen Corona-Test davon befreien. Im Gegenzug müssen Einreisende aus Deutschland in Großbritannien zehn Tage in Selbstisolation und währenddessen auf eigene Kosten zwei Corona-Tests machen.

Er wisse, dass die Lage schwierig sei, sagte Spahn. «Es ist hart für Familien, es ist hart für Geschäftsreisende. Es ist hart für viele Freunde und Partner im Vereinigten Königreich und in Deutschland, die sich gegenseitig besuchen und sehen wollen», sagte der Minister. Aber solange die Variante in Großbritannien so stark verbreitet sei, «brauchen wir noch leider entsprechende Quarantäne- und Testvorschriften».


Tschechische Kommunisten verlassen vor Misstrauensvotum den Saal

PRAG: Die Opposition in Tschechien dürfte mit dem Versuch gescheitert sein, die Regierung vier Monate vor der Parlamentswahl zu stürzen. Die Kommunisten verließen während der Debatte über den Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Andrej Babis am Donnerstag demonstrativ den Saal. Damit ist die erforderliche Mehrheit von 101 Stimmen im 200-köpfigen Parlament rechnerisch nicht mehr zu erreichen. Mit der eigentlichen Abstimmung wird erst am späten Abend gerechnet.

«Wir werden uns an diesem Theater nicht beteiligen», sagte Kommunistenchef Vojtech Filip. Hinter dem Misstrauensantrag stehen fünf konservative und liberale Parteien. Sie werfen der Regierung Versagen bei der Corona-Bekämpfung vor. Zugleich seien «Milliarden aus dem Fenster geworfen» worden, kritisierte Petr Fiala von den Bürgerdemokraten. Seit Pandemiebeginn gab es in dem EU-Mitgliedstaat mehr als 30.000 Corona-Todesfälle.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Babis als Unternehmer und Politiker in einem Interessenkonflikt stehe. Er sei nicht in die Politik gegangen, um Geschäfte zu machen, entgegnete der 66-Jährige. Präsident Milos Zeman hatte angekündigt, die Regierung in jedem Fall bis zur Parlamentswahl Anfang Oktober im Amt zu belassen. In der Geschichte Tschechiens hat es bisher nur einmal einen erfolgreichen Misstrauensantrag gegeben.


Spahn ruft G7-Staaten zu solidarischer Verteilung von Impfstoff auf

OXFORD: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mit Blick auf G7-Mitglieder wie Großbritannien und die USA eine solidarische Verteilung von Impfstoffen angemahnt. «Die Europäische Union hilft gerade, die Welt zu impfen. 50 Prozent der in der Europäischen Union hergestellten Impfstoffe werden und wurden exportiert, weil wir sehr genau wissen: Wir sind erst sicher, wenn alle auf der Welt sicher sind», sagte Spahn am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Oxford. Deswegen werde er beim Treffen mit seinen G7-Kollegen «einmal mehr dafür werben, dass nicht nur die Europäische Union in die Welt exportiert». Großbritannien, das die G7-Ratspräsidentschaft inne hat, und die USA haben bisher fast keine Impfstoffe exportiert.

Die britische Regierung hat Oxford symbolisch als Ort des Gesundheitsministertreffens gewählt, da Forscher aus der Universitätsstadt gemeinsam mit dem Pharmakonzern Astrazeneca einen Corona-Impfstoff entwickelt haben. Die Briten dürften selbstverständlich stolz sein «auf das, was hier in Oxford entwickelt worden ist», sagte Spahn. Entscheidend sei jedoch, dass die Impfstoffe, die in internationaler Kooperation entwickelt worden seien, auch zügig der Welt zur Verfügung gestellt würden.

Das Treffen der Gesundheitsminister dauert noch bis zu diesem Freitag. Zur G7 gehören außer Deutschland, Großbritannien und den USA noch Japan, Kanada, Frankreich und Italien.


Zahl der Neuinfektionen in den USA sinkt weiter

BALTIMORE: In den USA geht die Zahl der an einem Tag erfassten Corona-Neuinfektionen weiter zurück. Mit 16.558 neuen Fällen am Mittwoch meldeten die Behörden rund 7400 weniger als vor genau einer Woche, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Donnerstagmorgen (MESZ) hervorging. 41 Prozent der Bevölkerung sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC bisher vollständig geimpft.

Auch die Zahl der Toten mit einer bestätigten Corona-Infektion sank laut JHU im Wochenvergleich von 961 auf 602. Die bisherigen Höchstwerte wurden am 2. Januar mit 300.462 Neuinfektionen sowie am 12. Januar mit 4477 Toten verzeichnet. In dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern haben sich bislang 33,3 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, mehr als 595.000 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen - aber nicht relativ zur Bevölkerung - sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der CDC. In manchen Fällen werden die Zahlen - unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten - nachträglich aktualisiert.


Rebellion gegen Boris Johnsons Kürzung internationaler Hilfsgelder

LONDON: Die britische Regierung von Premier Boris Johnson sieht sich zunehmend wegen ihrer Kürzung internationaler Hilfsgelder unter Druck. Bereits rund 15 konservative Abgeordnete aus Johnsons Partei wollen einen Änderungsantrag ins Parlament einbringen, um die Ausgaben ab dem kommenden Jahr wieder zu erhöhen, wie unter anderem die britische Nachrichtenagentur PA am Donnerstag berichtete. Die Zahl der Rebellen könnte Berichten zufolge noch steigen.

Die Regierung hatte ihr Budget für internationale Hilfe, das zuvor bei 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts festgeschrieben war, auf 0,5 Prozent gesenkt. So sollen in dem Budget für 2021/22 noch knapp zehn Milliarden Pfund (rund 11,62 Milliarden Euro) ausgegeben werden. Als Grund dafür nannt die Regierung die massiven finanziellen Belastungen durch die Pandemie. Der Sprecher des Londoner Unterhauses wird entscheiden müssen, ob der Änderungsantrag in der kommenden Woche debattiert und zur Abstimmung gestellt wird. Kritiker werfen der Regierung vor, mit ihrer Kürzung die Verschärfung von Leid und Krisen in aller Welt in Kauf zu nehmen.


Trotz erfolgreicher Impfkampagne: Chiles Kliniken am Limit

SANTIAGO DE CHILE: Trotz eines der am weitesten fortgeschrittenen Impfprogramme weltweit geraten in Chile die Krankenhäuser aufgrund der Corona-Pandemie an ihre Grenzen. Die Intensivstationen des südamerikanischen Landes seien zu 96,7 Prozent ausgelastet, sagte der Beauftragte für die Intensivpflege des chilenischen Gesundheitswesens, Luis Castillo, am Mittwoch im Radiosender Cooperativa.

Im ganzen Land seien nur noch 146 Intensivbetten frei. Das sei die höchste Auslastung in Chiles Geschichte, sagte Castillo. Bei den meisten Intensivpatienten handele es sich um Menschen mit Covid-19. Ein Großteil sei noch nicht geimpft worden.

Dabei liegt Chile beim Bevölkerungsanteil der vollständig Geimpften mit rund 53 Prozent weltweit auf einem der vordersten Plätze. Chile hat sich frühzeitig Impfstoffe einer ganzen Reihe von Herstellern gesichert. Geimpft wird nach einem recht einfachen Priorisierungsplan ohne komplizierte Terminvergabe - in Gesundheitszentren, Fußballstadien und Impfstraßen.


Kriminalität in Städten durch Lockdowns weltweit gesunken

CAMBRIDGE/UTRECHT: Die Kriminalität in Städten ist durch die Corona-Beschränkungen einer aktuellen Studie zufolge weltweit gesunken. «Keine Betrunkenen, die sich nach dem Pub oder der Bar in den Straßen verstreuen. Keine Tage, die in Geschäften, Cafés, an Rennstrecken oder bei Fußballspielen verbracht werden», erklärt Gewaltforscher Manuel Eisner von der Universität Cambridge laut einer Mitteilung. «Manche Städte hatten sogar Sperrstunden. Es wurden die Möglichkeiten erstickt, die städtische Kriminalität fördern.»

Ein von Wissenschaftlern der Universitäten Cambridge und Utrecht geleitetes Forscherteam hat in 27 Städten weltweit - darunter Barcelona, Chicago, Sao Paolo und Tel Aviv - untersucht, wie sich die Zahl der Straftaten vor und während der Corona-Beschränkungen entwickelt haben. Erste Ergebnisse wurden nun online veröffentlicht.

Als deutsche Stadt wurde Hannover mit untersucht. Die Kriminalität ging dort etwas weniger stark zurück als im internationalen Durchschnitt.

Die tägliche Zahl von Angriffen ging im Schnitt aller Städte um 35 Prozent zurück, Taschendiebstähle sogar fast um die Hälfte. Bei Morden fiel der Rückgang mit durchschnittlich 14 Prozent weniger stark aus. «In vielen Gesellschaften wird ein signifikanter Teil der Morde zu Hause begangen. Die städtischen Bewegungseinschränkungen hatten daher nur wenig Auswirkungen auf häusliche Morde», erklärte Forscherin Amy Nivette von der Uni Utrecht.


Betrug in der Pandemie? Polizei mit Schüssen empfangen

Manaus (dpa)- Wegen des Verdachts auf Betrug im Gesundheitssystem in der Corona-Krise hat Brasiliens Bundespolizei die Residenz des Gouverneurs des Bundesstaates Amazonas durchsucht. Neben Wilson Lima gerieten auch andere Amtsträger wie der Gesundheitssekretär des nördlichen Bundesstaates in den Fokus der Ermittler: Marcellus Campêlo wurde am Flughafen Manaus vorübergehend festgenommen, wie das brasilianische Nachrichtenportal «G1» am Mittwoch berichtete. Bei der Ausführung eines Durchsuchungsbefehls im Haus eines Geschäftsmanns wurde die Polizei demnach mit Schüssen empfangen.

Den Verdächtigen werden Betrug bei Ausschreibungen, Unterschlagung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. «Es gibt Hinweise, dass hohe Beamte des Gesundheitssekretariats bei lokalen Unternehmern die Errichtung eines mobilen Covid-19-Krankenhauses in Auftrag gegeben haben, das nicht die grundlegendsten Anforderungen erfüllte», zitierte die Zeitung «Folha de S. Paulo» die Polizei. 23 Millionen Reais, umgerechnet rund vier Millionen Euro, wurden laut «G1» veruntreut.

Die untersuchten Verträge waren der «Folha» zufolge im Januar unterzeichnet worden, als in der Amazonas-Metropole Manaus während einer zweiten und besonders aggressiven Infektionswelle das Gesundheitssystem zusammenbrach. Hunderte Patienten warteten auf ein Krankenhausbett, der Sauerstoff ging aus. Auch in anderen brasilianischen Bundesstaaten wie Rio de Janeiro und Pará hat es Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von Medikamenten und medizinischem Gerät sowie bei der Errichtung von mobilen Hospitälern gegeben.

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