Corona-Überblick: Meldungen am Donnerstag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
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Britischer Gesundheitsexperte: Keine Küsse zu Weihnachten

LONDON: Keine Küsse, keine Umarmungen: Zu Weihnachten sollten die Menschen nach Ansicht des medizinischen Beraters der britischen Regierung, Chris Whitty, auf Liebkosungen lieber verzichten. «Es ist nicht verboten» - aber das heiße nicht, dass man es tun sollte, betonte Whitty am Donnerstagabend in London. Vor allem die Senioren müssten vor Ansteckungen mit dem Coronavirus geschützt werden.

Ähnlich wie in Deutschland sollen auch die Menschen in Großbritannien landesweit trotz Corona gemeinsam Weihnachten feiern dürfen. Über die Feiertage wird es daher jeweils drei Haushalten erlaubt sein, eine «Christmas Bubble» (deutsch: «Weihnachtsblase») zu bilden und sich miteinander zu treffen. In den vergangenen zwei Wochen zählte Großbritannien laut EU-Seuchenbehörde ECDC etwa 450 Infektionen pro 100.000 Menschen. Das Land hat rund 68 Millionen Einwohner.


Erneut über 800 Covid-Tote an einem Tag

ROM: In Italien sind erneut mehr als 820 Menschen an einem Tag im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Damit verzeichneten die Behörden eine der höchsten Opferzahlen seit Beginn der Pandemie im Februar. Zugleich vermeldete das Gesundheitsministerium in dem 60-Millionen-Einwohner-Land am Donnerstag für die vergangenen 24 Stunden rund 29.000 Neuinfektionen. Dieser Wert lag zwar über den Vortagen, aber rund 7000 Fälle unter dem Wert vor einer Woche.

Ende März hatte das Mittelmeerland seinen bisherigen Höchstwert von fast 1000 Corona-Toten an einem Tag verzeichnet. Insgesamt starben bislang insgesamt fast 53.000 Menschen mit oder an dem Virus Sars-CoV-2. Seit Beginn der Pandemie wurden in Italien über 1,5 Millionen Corona-Fälle erfasst. Regierung und viele Experten hoffen, dass die Roten Zonen und andere Beschränkungen allmählich greifen und die Kurve der Neuinfektionen weiter abflacht.


Rom erweitert Haushaltsdefizit - Opposition stimmt mit Regierung

ROM: Italiens Regierung hat vom Parlament mit ungewöhnlich großer Mehrheit grünes Licht für eine höhere Verschuldung im Anti-Corona-Kampf erhalten. Die Mitte-Links-Koalition in Rom will mit einem um weitere acht Milliarden Euro aufgestockten Defizit die verlängerten Pandemie-Hilfen für Unternehmen und Bürger finanzieren. Sowohl in der größeren Abgeordnetenkammer als auch im kleineren Senat stimmten fast alle Oppositionspolitiker am Donnerstag ebenfalls für die Vorlage des Kabinetts von Premier Giuseppe Conte.

Die drei großen Kräfte der Mitte-Rechts-Opposition - darunter auch die Lega - votierten auf Vorschlag des Parteichefs der Forza Italia, Ex-Premier Silvio Berlusconi, für die Vorlage der Koalition. Allerdings wollten sie ihren Schritt nicht als Unterstützung der Regierung verstanden wissen, sondern als Entscheidung im Interesse des Landes, wie Berlusconis Vize, Antonio Tajani, sagte.

Italien wurde hart von der Corona-Pandemie getroffen. Mehr als 52.000 Menschen starben bereits mit dem Virus. Die Behörden registrierten über 1,5 Millionen Infektionen. Die Wirtschaft erlitt durch die Einschränkungen im Kampf gegen die Pandemie einen erheblichen Dämpfer.


New York hält coronakonforme Thanksgiving-Parade

NEW YORK: Selbst die Corona-Pandemie kann eine New Yorker Tradition nicht stoppen: Bei der jährlichen Thanksgiving-Parade in der US-Ostküstenmetropole sind auch in diesem Jahr große Ballons durch Manhattan geschwebt. Allerdings blieben die großen Menschenmassen in diesem Jahr auf Anweisung der Organisatoren wegen der Corona-Krise fern, TV-Bilder am Donnerstag zeigten nur vereinzelte Zuschauer am Straßenrand.

Das Programm mit Tänzern, Bands und Clowns war fürs Fernsehen teilweise vorher aufgezeichnet worden. Die Zahl der sonst beteiligten Helfer wurde um einen Großteil zurückgefahren. Statt von Menschen wurden die riesigen Heliumballons von Fahrzeugen durch das Herz der Ostküstenmetropole gezogen - dieses Jahr waren es unter anderem Snoopy, Chase aus der Serie «Paw Patrol» oder Spongebob Schwammkopf.

Es war die 94. Parade der Kaufhauskette Macy's, die das Spektakel als Werbeaktion ins Leben rief. Jährlich sehen es Dutzende Millionen Amerikaner im Fernsehen.


EU-Parlament stimmt für Steuerermäßigungen bei Corona-Impfstoffen

STRAßBURG: Das Europäische Parlament hat den Weg für Steuerermäßigungen auf Lieferungen eines potenziellen Corona-Impfstoffes frei gemacht. Die Abgeordneten stimmten am Donnerstag für ein entsprechendes Vorhaben, unter dem die EU-Mitgliedstaaten eine Befreiung von der Mehrwertsteuer gewähren könnten. Gleiches gelte für Dienstleistungen, die eng mit den Impfstoffen verbunden seien, hieß es in dem Kommissionsvorschlag. Die Regelung solle zunächst bis zum 31. Dezember 2022 befristet sein. Die Richtlinie muss im nächsten Schritt noch vom Europarat verabschiedet werden.

Steuerbefreiungen oder -ermäßigungen könnten die Staaten dann auch auf Corona-Tests erlassen und Lieferungen so vergünstigen. Damit sollen insbesondere Krankenhäuser und Gesundheitsämter entlastet werden.


Ärztevereinigung zweifelt weiter an amtlichen Corona-Zahlen

ISTANBUL: Trotz der Änderungen, die das Gesundheitsministerium verkündet hat, zweifelt die Ärztevereinigung in der Türkei weiterhin die offiziellen Corona-Fallzahlen an. Die von der Regierung veröffentlichten täglichen Fälle spiegelten nicht die Wahrheit wieder, sagte Sebnen Korur Fincanci, Vorsitzende der Türkischen Ärztevereinigung (TTB), am Donnerstag nach einem Bericht des Online-Portals Gazete Duvar.

Nach den offiziellen Zahlen gab es am Donnerstag 29.132 neue Fälle, 174 Menschen starben. Fincani sagte, basierend auf Erhebungen der TTB von vergangener Woche gehe sie von täglich mindestens 50.000 neuen Fällen aus. Nehme man die falsch-negativ Getesteten hinzu, komme man auf eine noch deutlich höhere Zahl.

Nach monatelanger Kritik hatte die türkische Regierung entgegen der bisherigen Praxis am Mittwochabend die täglichen Fallzahlen der positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen im Land bekanntgegeben. Die seitdem veröffentlichten Zahlen liegen weit über den bisher bekanntgegebenen Werten. Seit Ende Juli waren Gesundheitsminister Fahrettin Koca zufolge nur die Infizierten mit Symptomen als Corona-Fälle gemeldet worden - nicht aber die komplette Zahl der täglichen neuen Fälle. Das hatte unter anderem die TTB immer wieder scharf kritisiert.

Fincanci sagte, allein in Ankara gebe es täglich rund 5000 neue Fälle. Man habe immer gewusst, dass die tatsächlichen Zahlen über den von der Regierung veröffentlichten lägen. «Ich wünschte, wir hätten nicht Recht gehabt.»

Heybet Aslanoglu, Vorsitzender der Vereinigung der Radiologietechniker in der Türkei, sagte der Deutschen Presse-Agentur, das Gesundheitssystem sei aufgrund der steigenden Zahlen von Covid-19-Patienten bereits ausgelastet. «In vielen Provinzen finden wir keine Intensivbetten mehr», die Intensivstationen von fast jedem Krankenhaus seien «randvoll». Experten hatten schon vor Monaten vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems gewarnt.


Schicksal von Nerzzüchtern rührt dänische Regierungschefin zu Tränen

KOPENHAGEN: Das Schicksal der Nerzzüchter in Dänemark geht auch Ministerpräsidentin Mette Frederiksen an die Nieren. Die Züchter sollten wissen, dass es nicht ihre Schuld sei, dass all die Tiere getötet werden müssten, sagte die Regierungschefin am Donnerstag sichtlich berührt auf einer Nerzfarm in der Nähe von Kolding. Den Tränen nahe berichtete sie von ihrem emotionalen Besuch auf der Farm, wo ein Vater und sein Sohn innerhalb kürzester Zeit das Ende ihres Lebenswerks miterleben müssten. «Das war nicht wegen ihnen, nicht, weil sie schlechte Nerzzüchter gewesen wären. Das ist wegen Corona», sagte sie, wie ein Mitschnitt der Sender TV2 und DR zeigte.

Darüber hinaus bat Frederiksen nach Angaben der Nachrichtenagentur Ritzau die Züchter um Entschuldigung. «Ich denke, es gibt Grund dafür, sich für den Verlauf zu entschuldigen. Es wurden Fehler gemacht, und das muss man sowohl bedauern als auch entschuldigen können», wurde Frederiksen von Ritzau zitiert. An dem Beschluss, dass alle Pelztiere gekeult werden müssten, hielt sie demnach aber fest.

Frederiksen hatte am 4. November angekündigt, dass alle Nerze im Land getötet werden sollen, weil das Coronavirus in den Tieren mutiert sei und sich bereits auf den Menschen übertragen habe. Besonders eine mutierte Variante des Virus war vom dänischen Gesundheitsinstitut SSI als besorgniserregend eingestuft worden, weil diese nach Angaben des Instituts mögliche Auswirkungen auf künftige Corona-Impfstoffe haben könnte. Wie sich herausstellte, fehlte für die Massenkeulung zum Zeitpunkt der Ankündigung aber die nötige Rechtsgrundlage. Das hatte Lebensmittelminister Mogens Jensen erst mehrere Tage später eingeräumt. Er räumte letztlich seinen Ministerposten.

Millionen Tiere sind bereits gekeult worden. Wie Aufnahmen dänischer Medien zeigten, sind die Leichen Hunderter Tiere in einem Grab in der Region Jütland wegen sich in ihren Körpern ausdehnender Gase wieder an die Oberfläche gelangt. Sie sollten erneut mit Erde bedeckt werden.


Slowakei verschiebt landesweite Corona-Massentests

BRATISLAVA: Die Slowakei rückt schrittweise von ihrer Strategie landesweiter Corona-Massentests ab. Am Mittwochabend kündigte Ministerpräsident Igor Matovic nach regierungsinternen Unstimmigkeiten an, die für das erste Dezember-Wochenende geplanten erneuten landesweiten Corona-Massentests an fast der gesamten Bevölkerung auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Der Städte- und Gemeindebund ZMOS forderte, überhaupt keine solchen flächendeckenden Tests mehr durchzuführen. Stattdessen sollten sich künftige Testaktionen auf besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen konzentrieren.

Die am Donnerstag veröffentlichten Corona-Statistiken der Gesundheitsbehörden zeigten, dass die Zahl der Neuinfektionen trotz der Massentests wieder leicht angestiegen ist. Gegner der Massentests hatten schon davor gewarnt, kurzfristige Rückgänge der Neuinfektionen seien nicht den Testungen zu verdanken, sondern einem Teil-Lockdown im Oktober.

Die Slowakei hatte am 31. Oktober und 1. November Corona-Massentests im ganzen Land durchgeführt. Formell war die Teilnahme zwar freiwillig, doch wer keinen negativen Test vorweisen konnte, durfte anschließend zwei Wochen nicht einmal mehr zur Arbeit gehen. Deshalb unterzogen sich allein in der ersten von mehreren Testrunden 3,6 Millionen der 5,5 Millionen Einwohner einem Antigen-Schnelltest.


Polens Agrarminister: Doch keine Corona-Infektion bei Nerzen

WARSCHAU: Erste Befunde von Wissenschaftlern, die erstmals in Polen einen Corona-Ausbruch bei Nerzen auf einer Pelztierfarm nachgewiesen hatten, haben sich nach Angaben des Agrarministeriums nicht bestätigt. Untersuchungen des Veterinärinstituts in Pulawy hätten keine Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 nachgewiesen, sagte Landwirtschaftminister Grzegorz Puda am Donnerstag in Warschau. Nur die Ergebnisse von Untersuchungen in Laboren dieser Behörde seien anerkannt.

Am Dienstag hatte die Medizinische Universität in Danzig (Gdansk) mitgeteilt, dass bei acht Tieren eines Zuchtbetriebs in der Wojwodschaft Pommern im Westen des Landes eine Infektion mit Sars-CoV-2 festgestellt worden sei. Insgesamt habe man 91 Nerze untersucht. Eine Sprecherin der Universität wollte die Äußerungen des Landwirtschaftsministers am Donnerstag nicht kommentieren.

Der Leiter des Veterinärinstituts in Pulawy betonte, gegenwärtig gebe es keinen Nachweis für einen Corona-Ausbruch auf polnischen Nerzfarmen. Die Situation werde aber genau beobachtet. Seit Mai gebe es ein landesweites Monitoring der Pelztierfarmen, sagte der Direktor des Hauptveterinäramtes, Bogdan Konopka. Bislang habe man 280 Betriebe untersucht. Insgesamt gibt es demnach in Polen 840 Pelztierfarmen, davon 340 mit Nerzen.

In den vergangenen Wochen hat es in mehreren europäischen Ländern Fälle von Corona-Infektionen bei Nerzen gegeben, unter anderem in Dänemark, Schweden, Frankreich und den Niederlanden.


Achtjähriger an Premier Johnson: Kommt Weihnachtsmann trotz Corona?

LONDON: Kann der Weihnachtsmann in Zeiten der Corona-Pandemie überhaupt sicher durch das Land reisen und Geschenke verteilen? Das hat sich ein Junge in Großbritannien gefragt und einen Brief an Premier Boris Johnson geschrieben. «Lieber Mr. Johnson, (...) Ich habe mich gefragt, ob Sie und die Regierung daran gedacht haben, dass der Weihnachtsmann dieses Weihnachten kommen kann», sorgte sich der achtjährige Monti in einem Brief, den Johnson bei Twitter veröffentlichte. «Wenn wir Hand-Desinfektionsmittel bei den Keksen lassen, kann er dann kommen?», schlug der Junge vor.

«Ich verstehe, dass Sie sehr beschäftigt sind, aber könnten Sie und die Wissenschaftler bitte darüber reden», schrieb Monti. Johnson kam der Bitte des Jungen sowie weiterer um das Fest besorgter Kinder nach und antwortete: «Ich habe am Nordpol angerufen und kann dir versichern, dass der Weihnachtsmann bereit ist und in den Startlöchern steht - ebenso wie Rudolph und die anderen Rentiere.»

Niemandes Gesundheit sei in Gefahr, wenn der Weihnachtsmann sich wie gewohnt verantwortungsbewusst verhalte und schnell und sicher arbeite, schrieb der britische Premier in seiner am Mittwoch veröffentlichten Antwort weiter. Er lobte Monti für seine Idee: «Hand-Desinfektionsmittel zu den Keksen zu stellen, ist eine ausgezeichnete Idee, um dabei zu helfen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.» Großbritannien gilt mit mehr als 65.000 Toten mit Covid-19 auf dem Totenschein zu den am schwersten von der Pandemie getroffenen Staaten in Europa.


Griechenland verlängert Lockdown bis mindestens zum 7. Dezember

ATHEN: Wegen der hohen Zahl von Coronavirus-Infektionen hat die griechische Regierung den seit Anfang November geltenden Lockdown bis zum 7. Dezember verlängert. Ursprünglich sollten bereits am kommenden Montag (30. November) erste Lockerungen eintreten. Die Infektionsfälle seien zwar leicht zurückgegangen, dennoch seien die Ergebnisse des Lockdowns nicht zufriedenstellend, begründete der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas am Donnerstag im Staatsfernsehen (ERT) die Entscheidung.

Also bleiben Tavernen, Bars und Geschäfte in Griechenland weiterhin weitgehend geschlossen. Wer zur Arbeit geht, muss eine Bescheinigung des Arbeitgebers mit sich führen. Wer aus anderen Gründen auf die Straße möchte, muss darüber per Sms den griechischen Zivildienst informieren. Möglich sind etwa Arztbesuche, Einkäufe im Supermarkt, die Versorgung von älteren Familienmitgliedern, sportliche Betätigung oder auch der Spaziergang mit dem Hund.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Griechenland mit seinen rund elf Millionen Einwohnern bisher nicht so stark von Corona betroffen gewesen. Allerdings schnellten die Zahlen in den vergangenen Wochen vor allem in den Großstädten Athen und Thessaloniki unkontrolliert in die Höhe, und das Gesundheitssystem gerät an seine Grenzen. Insgesamt verzeichnet das Land seit Ausbruch der Pandemie bisher knapp 97.000 Infektionen. Bis zum 25. November sind 1902 Menschen gestorben.


Gegen Gewalt an Frauen - Pizza bestellen für guten Zweck

ROM: In Italien will die Hilfsorganisation Action Aid mit einer Pizza-Bestell-Aktion Geld für Zentren sammeln, die Frauen mit Gewalterfahrungen unterstützen. Anlass für die Kampagne «Call4Margherita» sei der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen gewesen, wie die Nichtregierungsorganisation (NGO) mitteilte. Zu diesem Anlass hätten sich Mitglieder der NGO unter anderem mit Italiens Justizminister Alfonso Bonafede und der Ministerin für Geschlechter-Gleichberechtigung, Elena Bonetti getroffen, um «effektivere Instrumente gegen Gewalt» zu fordern.

In den Großstädten Rom, Mailand, Bologna oder Neapel können Menschen bis Anfang Dezember bei teilnehmenden Lieferdiensten eine Pizza Margherita bestellen. Ein Teil des Geldes wird für den Erhalt der Zentren verwendet, wie es in Mitteilung der NGO am Mittwoch hieß.

Die Pizza-Aktion geht auf einen Vorfall aus diesem Sommer zurück. Eine Frau in Turin hatte sich und ihren Sohn laut der Nachrichtenagentur Ansa vor ihrem gewalttätigen Lebensgefährten retten wollen und die Polizei gerufen. Am Telefon hatte sie jedoch eine Pizza in ihre Straße bestellt, vermutlich um nicht aufzufliegen. Der Beamte verstand die versteckte Botschaft, der Mann wurde wenig später festgenommen.

Margherita - nicht nur der Name der Pizza-Variante, sondern auch ein italienischer Frauenname - steht Action Aid zufolge deshalb bei der Call4Margherita-Aktion für alle Frauen, die Gewalt erfahren. Die Organisation kritisierte die mangelnde Finanzierung der Zentren in Italien, besonders seit der Corona-Pandemie. «In unserem Land drohen sich immer mehr Türen für die Frauen zu schließen», hieß es weiter.


Oberster Gerichtshof kippt Corona-Besucherlimit in New Yorks Kirchen

WASHINGTON: Der Oberste Gerichtshof der USA hat eine coronabedingt eingeführte Besucherbegrenzung in religiösen Einrichtungen im Bundesstaat New York aufgehoben. Die Anordnung verstoße gegen das im ersten Verfassungszusatz festgehaltene Recht auf Religionsfreiheit, hieß es in der am späten Mittwochabend (Ortszeit) veröffentlichten Entscheidung. Mit fünf zu vier Stimmen gab damit das Gericht jeweils einem Eilantrag der katholischen Kirche und einer jüdisch-orthodoxen Organisation statt. Ausschlaggebend war dabei die von Präsident Donald Trump ernannte konservative Richterin Amy Coney Barrett.

Der Bundesstaat New York und die darin gelegene gleichnamige Metropole an der US-Ostküste waren im Frühjahr zum Epizentrum der Pandemie in den USA geworden. Über den Sommer hatte sich das Infektionsgeschehen dort stabilisiert, zuletzt hatte sich die Lage aber wieder angespannt. Der demokratische Gouverneur Andrew Cuomo hatte deshalb die Zahl der Anwesenden in religiösen Einrichtungen je nach Infektionsrate auf 10 oder 25 beschränkt. Dagegen hatten das katholische Bistum Brooklyn und die jüdische Organisation Agudath Israel of America einen Eilantrag beim Gericht eingereicht.

Ende Oktober hatte Amy Coney Barrett die Nachfolge der liberalen Richterin Ruth Bader Ginsburg nach deren Tod im September angetreten. Die Konservativen verfügen damit am Gericht über eine Mehrheit von sechs der neun Richter. Vor Ginsburgs Tod hatte das Gericht ähnliche Eilanträge von Kirchen in Nevada und Kalifornien abgelehnt. Der konservative Vorsitzende Richter John Roberts hatte sich in der Entscheidung für eine Beibehaltung der Maßnahmen ausgesprochen und sich damit der Meinung der liberalen Richter angeschlossen.


Südkorea und China betonen Kooperation im Atomstreit mit Nordkorea

SEOUL: Südkorea und China wollen für die friedliche Lösung des Atomstreits mit Nordkorea und die Stabilität in der Region weiter eng zusammenarbeiten. Chinas Außenminister Wang Yi sagte zu Beginn des ersten Treffens mit seiner südkoreanischen Amtskollegin Kang Kyung Wha seit einem Jahr am Donnerstag in Seoul, sein Besuch verdeutliche trotz der andauernden Corona-Pandemie, dass Peking daran gelegen sei, die Wichtigkeit der bilateralen Beziehungen «durch konkrete Aktionen» zu unterstreichen. Die Beziehungen zeigten «jetzt Robustheit und offensichtlich größere Vitalität».

Beide Seiten hätten sich geeinigt, weiter eng miteinander zu kommunizieren, um den Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel vorwärtszutreiben, teilte Südkoreas Außenministerium mit. Ihre Kooperation müsse zugleich dafür sorgen, dass die aktuelle Situation stabil bleibe. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Ministeriumsbeamten berichtete, hätten beide Minister die Meinung vertreten, dass die Führung in Pjöngjang derzeit den Übergang zur nächsten Regierung in den USA nach der Präsidentenwahl beobachte und auch wegen Covid-19 eine Abwarte-Haltung einnehme.

Die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm kommen seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen dem abgewählten US-Präsidenten Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im Februar 2019 in Vietnam nicht weiter. Beide Seiten konnten sich nicht auf die atomare Abrüstung Nordkoreas und die Gegenleistungen Washingtons einigen.

Wang Yi bekräftigte, dass Chinas Präsident Xi Jinping weiter plane, nach Südkorea zu kommen. Beide Seiten betonten, der Besuch werde möglich sein, sobald sich die Situation um die Pandemie stabilisiert habe. Zudem vereinbarten sie, weiter daran zu arbeiten, dass bald auch ein neuer trilateraler Gipfel mit Japan zustandekommen könne.


Streiks - Fähren bleiben in den Häfen

ATHEN: Wegen eines Streiks der Seeleute und der Staatsbediensteten ist es in Griechenland am Donnerstag zu erheblichen Verkehrsbehinderungen gekommen. Zahlreiche Inseln blieben von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Fähren nicht ausliefen. Zudem wurden Züge und Metro-Linien in Athen bestreikt, auch Schulunterricht fiel aus.

Das Personal der staatlichen Krankenhäuser beteiligte sich mit kurzen Arbeitsniederlegungen an den Protesten - diese Streiks dauerten jedoch wegen der Corona-Pandemie jeweils nur wenige Minuten, wie der staatliche Sender ERT berichtete.

Die Gewerkschaften fordern mehr Geld sowie die Einstellung zusätzlicher Beamter. Wegen der Corona-Pandemie solle außerdem mehr Personal für die Krankenhäuser bereitgestellt werden.


Corona in Moskau: Senioren dürfen bis Mitte Januar nicht aus dem Haus

MOSKAU: Angesichts stark steigender Coronazahlen dürfen ältere Moskauer ihr Zuhause weiter nicht verlassen. Die bereits Ende September verhängte Maßnahme, die Menschen über 65 Jahre und chronisch Kranke in der russischen Hauptstadt betrifft, wurde bis zum 15. Januar verlängert, wie Bürgermeister Sergej Sobjanin am Donnerstag mitteilte. Auch Freizeiteinrichtungen für Kinder bleiben geschlossen. Unternehmen sind angewiesen, mindestens 30 Prozent ihres Personals im Homeoffice zu beschäftigen. Auch Silvester werde in diesem Jahr nur als «Familienfeier» stattfinden können, kündigte Sobjanin an - «im kleinen häuslichen Kreis».

In Russland erreichen die Corona-Neuinfektionen seit Tagen immer wieder neue Höchststände. Mit mehr als 25.400 bestätigten neuen Fällen binnen eines Tages meldeten die Behörden am Donnerstag erneut einen Rekord. Auch die Zahl der innerhalb eines Tages Gestorbenen war mit 524 so hoch wie noch nie zuvor seit Beginn der Pandemie. Allein in Moskau wurden 6075 Neuinfektionen gemeldet, die Totenzahl stieg um 73 auf 8603.


Merkel verteidigt Beschlüsse für Kontaktbeschränkungen

BERLIN: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den zunächst bis Ende November beschlossenen und nun verlängerten Teil-Lockdown als unausweichlich verteidigt.

«Es ist nicht auszudenken, wo wir heute stünden, wenn wir vor vier Wochen, als es buchstäblich 5 vor 12 war, nicht zu dieser nationalen Kraftanstrengung bereit und in der Lage gewesen wären», sagte Merkel am Donnerstag im Bundestag in einer Regierungserklärung zur Corona-Politik.

Die Kontakte seien durch die im November geltenden Maßnahmen um etwa 40 Prozent zurückgegangen, das dramatische exponentielle Wachstum der Infektionszahlen habe gestoppt werden können, betonte Merkel.

Bund und Länder hatten in Deutschland am Mittwochabend beschlossen, dass der Teil-Lockdown mit der Schließung unter anderem von Restaurants, Theatern, Fitnessstudios und Freizeiteinrichtungen bis zum 20. Dezember verlängert wird. Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten sollen auf maximal fünf Personen aus dem eigenen und einem weiteren Haushalt begrenzt werden. Kinder bis 14 Jahre sollten nicht unter diese Regelung fallen. Weihnachten solle aber gefeiert werden können, im engsten Familien- und Freundeskreise mit maximal zehn Menschen, Kinder bis 14 Jahre nicht eingerechnet.


Corona-Fälle bei pakistanischem Kricket-Team

WELLINGTPN: Sechs Spieler des pakistanischen Kricket-Nationalteams sind in Neuseeland positiv auf Corona getestet worden. Insgesamt seien 53 Mitglieder der Mannschaft aus Lahore angereist und am Dienstag in einer Isolationseinrichtung in Christchurch getestet worden, teilten die Gesundheitsbehörden am Donnerstag mit. Die positiv Getesteten seien nun in Quarantäne.

Alle anderen Spieler müssten in Isolation bleiben und dürften nicht trainieren, «bis die Untersuchungen abgeschlossen sind», hieß es. Vor der Reise nach Neuseeland seien alle Mitglieder des Teams vier Mal negativ getestet worden. Die gesamte Mannschaft wurde zudem verwarnt, weil einige Spieler gegen Isolationsregeln verstoßen haben sollen.

Die erste Partie gegen die neuseeländischen Black Caps im Rahmen der T20-Serie soll am 18. Dezember in Auckland stattfinden. Der Inselstaat im Südpazifik hatte das Virus im Oktober zum zweiten Mal für besiegt erklärt. Das Land ist zu einer weitgehenden Normalität zurückgekehrt.


Erstmals seit Wochen mehr als 1000 Corona-Neuinfektionen

TEL AVIV: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat in Israel erstmals seit mehr als vier Wochen wieder die Marke von 1000 überstiegen. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 1069 neue Fälle registriert. Mehr Neuinfektionen an einem Tag waren zuletzt am 21. Oktober mit 1172 vermeldet worden. Die Zahl der in dem Mittelmeerland gemachten Tests war mit knapp 60.000 allerdings sehr hoch, die Quote der positiven Tests lag mit 1,8 Prozent weiter auf dem Niveau der vorherigen Tage.

In dem Neun-Millionen-Einwohner-Land verlief die Pandemie im Frühjahr vergleichsweise milde, auch wegen strikter Maßnahmen der Regierung. Nach umstrittenen Lockerungen nahmen die Zahlen im Sommer jedoch massiv zu. Die Regierung verhängte Mitte September einen zweiten landesweiten Lockdown. Ab Mitte Oktober begann die Regierung damit, schrittweise Lockerungen umzusetzen.

Im Gazastreifen mit seinen etwa zwei Millionen Einwohnern bleibt die Situation indes äußerst angespannt. Nach Zahlen vom Donnerstag fiel zuletzt etwa jeder vierte Corona-Test positiv aus - 656 neue Fälle binnen 24 Stunden wurden nach Angaben des von der islamistischen Hamas geführten Gesundheitsministeriums registriert. Der Generalkommissar des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA), Philipe Lazzarini, warnte, das Gesundheitssystem in dem abgeriegelten Küstengebiet stehe angesichts der hohen Zahl an Infektionen am Rande des Zusammenbruchs. Er wies zugleich darauf hin, dass auch die finanzielle Lage des Hilfswerks schwierig sei.

In Deutschland, das gut 80 Millionen Einwohner hat, meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut (RKI) nach Zahlen vom Donnerstag binnen 24 Stunden 22.268 neue Fälle.


Corona-Infektionen weiter auf dem Vormarsch

SEOUL: Die Zahl der erfassten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Südkorea ist erstmals seit mehr als acht Monaten um mehr als 500 pro Tag gestiegen. Die Gesundheitsbehörden teilten am Donnerstag mit, dass tags zuvor 583 Fälle festgestellt worden seien. Die meisten davon entfielen demnach auf den Großraum Seoul. Die Gesamtzahl kletterte auf mehr als 32.000 Infektionen. Bisher wurden in dem 52-Millionen-Einwohner-Land 515 Todesopfer in Verbindung mit dem Virus gemeldet.

Südkorea erlebt nach Angaben der Behörden derzeit die dritte Ansteckungswelle mit Sars-Cov-2. «Da die dritte Infektionswelle an Umfang und Tempo zunimmt, müssen wir die Regeln für die soziale Distanzierung streng befolgen», wurde Gesundheitsminister Park Neung Hoo von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert. Die Regierung hatte zuletzt die Beschränkungen für soziale Kontakte wieder verschärft, nachdem die Zahl der Neuinfektionen seit Anfang November wieder dreistellig gestiegen war.

Von den Neuinfizierten steckten sich den Angaben zufolge 553 Menschen im Land an, während 30 Fälle aus dem Ausland eingeschleppt wurden. Ein Grund für den Anstieg der lokalen Infektionen sind Häufungen in militärischen Stützpunkten, Fitnessstudios, Schulen, Kirchen und anderen Einrichtungen. Bisher kam Südkorea ohne großflächigen Lockdown aus.


Coronavirus bei Nerzen festgestellt

VILNIUS: Bei mehreren Nerzen auf einer Pelztierfarm in Litauen ist das Coronavirus festgestellt worden. Nach Angaben der staatlichen Lebensmittel- und Veterinärbehörde des baltischen EU-Landes wurde das Virus bei 169 Tieren nachgewiesen, die plötzlich gestorben waren. Eine zusätzliche Untersuchung von 22 weiteren Tieren habe den Befund bestätigt, teilte die Behörde in Vilnius am Donnerstag mit. Demnach könnte ein Mitarbeiter der betroffenen Farm in der Region Jonava die Tiere infiziert haben.

Um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, wurden vom Veterinäramt Betriebsbeschränkungen verhängt. Zugleich wurde der Transport von Tieren, Futtermitteln und anderen tierischen Produkten aus der betroffen Nerzfarm untersagt. Weiter sollen knapp 40 Tiere gekeult werden, hieß es in der Behördenmitteilung. In der Nerzfarm werden den Angaben zufolge 60.000 Tiere gehalten.

Der Gesundheitsbehörde in Vilnius zufolge ist es der erste bestätigte Fall einer Infektion mit Sars-CoV-2 bei Tieren in Litauen. «Wir hatten vorher keine solchen Fälle», sagte Behördensprecher Justina Petraviciene der Agentur BNS. Litauen mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern ist gegenwärtig stark von der Pandemie betroffen.

In den vergangenen Wochen hat es in mehreren europäischen Ländern Fälle von Corona-Infektionen bei Nerzen gegeben. Litauen hatte deshalb Mitte November ein Einfuhrverbot für lebende Nerze verhängt.

In Polen haben sich erste Befunde von Wissenschaftlern, die erstmals in dem Land einen Corona-Ausbruch bei Nerzen auf einer Pelztierfarm nachgewiesen hatten, nach Angaben des polnischen Agrarministeriums nicht bestätigt.

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