Corona-Überblick: Meldungen am Donnerstag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
Foto: Pixabay/Gerd Altmann

Maas: Rechtsextreme Szene vernetzt sich zunehmend international

BERLIN: Eine Studie im Auftrag des Außenministeriums warnt einem Bericht der «Welt» zufolge vor gewaltorientierten Rechtsextremen. Demnach sei insbesondere seit 2014 eine neue «führerlose, transnationale, apokalyptisch gesinnte, gewaltorientierte rechtsextreme Bewegung» entstanden.

«Die Szene agiert und vernetzt sich zunehmend international. Bisher war wenig erforscht, wie und über welche Kanäle sich Rechtsterroristen verbinden», sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) der «Welt». Dazu liefere die Studie nun wertvolle Erkenntnisse. «Um mit unseren Partnern besser gegen rechtsterroristische Strukturen vorgehen zu können, haben wir das Thema während unserer EU-Ratspräsidentschaft und bei der Uno auf die Agenda gesetzt und werden es auch weiter intensiv verfolgen.»

Die Studie hat nach Angaben der «Welt» die Verbindungen von gewaltorientierten Rechtsextremen in Deutschland, den USA, Frankreich und Großbritannien sowie in zwei skandinavischen Ländern untersucht. In der Studie heißt es demnach, dass es gerade die Corona-Pandemie Rechtsextremen möglich mache, ihre «Mobilisierungsbemühungen rund um regierungsfeindliche Verschwörungsmythen» auszubauen, mit denen die aktuellen Beschränkungen kritisiert werden sollen. Diese würden als Errichtung eines «Polizeistaats» interpretiert. Die Szene versuche auch, die Debatte rund um einen baldigen Corona-Impfstoff auszunutzen, um Impfgegner für ihre Zwecke einzuspannen.


Kalifornien verhängt wegen Coronavirus Ausgangsbeschränkung

SACRAMENTO: Kalifornien führt wegen steigender Corona-Zahlen eine nächtliche Ausgangsbeschränkung ein. Ab 22 Uhr bis 5 Uhr sollen die Bewohner Zuhause bleiben. Dies gab der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom am Donnerstag (Ortszeit) bekannt. Die Anordnung soll am Samstag in Kraft treten und vorerst einen Monat gelten. Betroffen sind die meisten Bezirke des Westküstenstaates mit stark ansteigenden Corona-Zahlen. In Kalifornien leben knapp 40 Millionen Menschen. Für gut 94 Prozent der Bevölkerung gilt nun diese strikte Auflage.

Vergangene Woche hatte der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA die Schwelle von einer Million bekannten Corona-Infektionen überschritten.


«Charlie-Hebdo»-Prozess soll fortgesetzt werden

PARIS: Der seit Wochen unterbrochene Prozess um den islamistischen Terroranschlag auf das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» soll am Montag wieder aufgenommen werden. Ein Hauptbeschuldigter, der sich mit dem Coronavirus angesteckt hatte, könne aber weiter nicht in der Pariser Gerichtssaal kommen und solle nun per Video zugeschaltet werden. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstagabend unter Berufung auf die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft.

Der Prozess war wegen mehrerer Corona-Infektionen seit Anfang des Monats mehrfach unterbrochen worden. Eigentlich sollte er schon am vergangenen Wochenende zu Ende gehen.

Vor einem besonders zusammengesetzten Gericht für Terrorfälle wird seit Anfang September eine mehrtägige Anschlagsserie aufgerollt, bei der es im Januar 2015 insgesamt 17 Todesopfer gab. Von den Anschlägen war nicht nur die Redaktion von «Charlie Hebdo» betroffen, sondern auch ein koscherer Supermarkt in Paris. Die drei Täter wurden damals von Sicherheitskräften erschossen. Den 14 Angeklagten wird vorgeworfen, bei der Vorbereitung der Anschläge geholfen zu haben. Drei von ihnen sind flüchtig.


Biden nennt Trumps Verhalten «völlig unverantwortlich»

WILMINGTON: Der gewählte US-Präsident Joe Biden hat die Blockadehaltung von Amtsinhaber Donald Trump als «völlig unverantwortlich» bezeichnet. Seine Weigerung, das Ergebnis der Wahl vom 3. November anzuerkennen, schade dem Ansehen der Demokratie, sagte Biden am Donnerstag in Wilmington im Bundesstaat Delaware. Mit Blick auf Trumps verschiedene Bemühungen, das Wahlergebnis zu untergraben, sagte Biden, dieser werde als der «unverantwortlichste Präsident» Amerikas in die Geschichtsbücher eingehen.

Biden war am 7. November von führenden US-Medien zum Sieger der Wahl erklärt worden. Trump weigert sich allerdings, seine Niederlage einzugestehen. Er spricht von Wahlbetrug, legt dafür aber keine stichhaltigen Beweise vor. Er hofft, das Wahlergebnis auf dem Rechtsweg anfechten zu können.

Wegen Trumps Haltung kann die vom Gesetz vorgesehene Übergabe der Amtsgeschäfte («transition») noch nicht eingeleitet werden. Eigentlich bekämen Biden und sein Team schon vor der Amtsübernahme Zugang zu Ministerien, Behörden und vertraulichen Informationen der Regierung. Die Übergangszeit von der Wahl bis zur Vereidigung beträgt mehr als zwei Monate. Biden soll am 20. Januar vereidigt werden. Er warnt, dass Trumps Blockadehaltung die Eindämmung der Corona-Pandemie verzögern und zu einer noch größeren Opferzahl führen könnte.


EU-Staaten wollen gemeinsame Standards für Antigen-Schnelltests

BRÜSSEL: Im Kampf gegen die Corona-Pandemie wollen die EU-Staaten gemeinsame Standards für die schnellen Antigen-Tests. Man brauche die gegenseitige Anerkennung der Tests und ihrer Ergebnisse, sagte EU-Ratschef Charles Michel am Donnerstag nach Video-Beratungen mit den EU-Staats- und Regierungschefs.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sagte, die Schnelltests müssten mindestens bei vier von fünf Infizierten anschlagen. Es gebe viele verschiedene Tests unterschiedlicher Qualität auf dem Markt, deshalb brauche es einen gemeinsamen EU-Rahmen für die Anerkennung der Tests, die zusätzlich zu den aufwendigeren PCR-Tests genutzt werden sollten. Die EU-Kommission will eine Bewertung der Tests vornehmen.

Von der Leyen kündigte zudem ein Pilotprojekt für ein digitales Rückreiseformular an, an dem sich zunächst zwei EU-Staaten beteiligten. Darüber hinaus könnten zwölf weitere Länder mitmachen, weil sie bereits ein technisch kompatibles Formular nutzten. Auch Deutschland hat bereits ein digitales Formular, das ausgefüllt werden muss, wenn man von Auslandsreisen zurückkehrt.

Um keine dritte Corona-Welle zu riskieren, sollten die jetzigen Einschränkungen nur vorsichtig und schrittweise gelockert werden, betonten Michel und von der Leyen. Man habe gelernt, dass zu hastiges Lockern negative Auswirkungen auf die epidemiologische Lage habe, sagte von der Leyen. Deshalb werde die EU-Kommission einen Vorschlag für einen schrittweisen Ansatz vorlegen. «Das wird sehr wichtig sein, um das Risiko einer weiteren Welle zu vermeiden.» Michel sagte: «Wir wollen Ende des Jahres alle die Festtage feiern - aber sicher.»


Merkel: Werden mit Polen und Ungarn alle Optionen ausloten

BERLIN/BRÜSSEL: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich nicht festlegen, ob nach dem Veto Polens und Ungarns bis Weihnachten eine Lösung im Streit über das europäische Haushaltspaket gefunden werden kann. «Das ist ein schon sehr ernsthaftes Problem, das wir zu lösen haben», deshalb wolle sie nicht spekulieren, sagte Merkel am Donnerstagabend nach Video-Beratungen mit den anderen EU-Staats- und Regierungschefs. «Wir werden hart und ernsthaft daran arbeiten.» Deutschland werde alle möglichen Optionen ausloten. «Da stehen wir noch ganz am Anfang», sagte die Kanzlerin.

Auf die Frage, ob es für sie eine Option sei, Polen und Ungarn mit einem Entzug der Stimmrechte zu drohen, sagte Merkel: «Für mich ist das Wort Drohung in diesem Zusammenhang sowieso kein Wort. Wir haben die Pflicht, zu versuchen, einen Weg zu finden.» Deutschland werde nun als EU-Ratspräsidentschaft weiter mit Polen und Ungarn nach einer Lösung suchen, um eine Zustimmung zu ermöglichen.

Polen und Ungarn hatten am Montag aus Protest gegen eine neue Regel zur Kürzung von EU-Geldern bei bestimmten Rechtsstaatsverstößen einen entscheidenden Haushaltsbeschluss blockiert. Damit drohen Verzögerungen bei dem 1,8 Billionen Euro starken Paket, das auch Corona-Hilfen im Umfang von bis zu 750 Milliarden Euro umfasst.

Sie habe in der Runde am Abend deutlich gemacht, dass sie den mit dem EU-Parlament ausgehandelten Kompromiss für gut und ausgewogen halte, sagte Merkel. Auf der anderen Seite hätten auch Ungarn und Polen nochmals deutlich gemacht, dass sie der Rechtsstaatklausel nicht zustimmen könnten. Für fast alle Mitgliedsstaaten gehe es um ein Gesamtpaket aus mittelfristigem Finanzrahmen, Wiederaufbaufonds und Rechtsstaatsklausel. Im EU-Parlament werde es in der nächsten Woche daher keine Abstimmung geben.


Merkel rechnet mit Corona-Impfstoff vielleicht schon im Dezember

BERLIN: Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet schon im Dezember oder «sehr schnell nach der Jahreswende» mit der Zulassung eines Corona-Impfstoffes in Europa.

«Und dann wird das Impfen natürlich beginnen», sagte die CDU-Politikerin am Donnerstagabend nach dem EU-Videogipfel. «Man muss ja sagen, dass die Nachrichten der letzten Tage bezüglich der Entwicklung eines Impfstoffes sehr zuversichtlich stimmen.».


Corona-Fall: Brüssel und London setzen Brexit-Gespräche online fort

BRÜSSEL: Die Chefunterhändler Michel Barnier und David Frost werden ihre Gespräche über einen Brexit-Handelspakt der Europäischen Union mit Großbritannien online fortsetzen, weil ein Mitglied des EU-Teams positiv auf das Coronavirus getestet wurde. «Die Gespräche werden persönlich fortgesetzt, wenn dies als sicher erachtet wird», teilte ein britischer Regierungssprecher am Donnerstagabend in London mit. Die Gesundheit und das Wohl aller Beteiligten hätten Vorrang.

Die beiden Teams verhandelten seit Wochenbeginn erneut in Brüssel über das angestrebte Handelsabkommen für die Zeit nach 2021. Die Corona-Infektion eines Mitglieds kommt zur Unzeit, denn es bleiben nur noch wenige Tage für eine Einigung. Ein hoher EU-Vertreter hatte den kommenden Montag (23. November) als wichtigen Stichtag genannt.

Großbritannien ist Ende Januar aus der Staatengemeinschaft ausgetreten, befindet sich bis zum Jahresende aber noch in einer Übergangsphase, in der weitgehend die gleichen Regeln gelten wie zuvor. Ohne eine Einigung drohen ab Neujahr Zölle, lange Staus an den Grenzen und andere Handelshürden.


US-Gesundheitsbehörde rät von Familienbesuchen zu Thanksgiving ab

WASHINGTON: Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat angesichts steigender Corona-Infektionszahlen vor Reisen und Familienbesuchen rund um das Erntedankfest Thanksgiving in der kommenden Woche dringend abgeraten. Die Feierlichkeiten gehörten zwar zu den «großartigen Traditionen unseres Landes», mit Blick auf die Pandemie befänden sich die USA aber in einer «kritischen Phase», sagte Henry Walke von der CDC am Donnerstag bei einer telefonischen Pressekonferenz. Stattdessen solle zu Hause und nur mit Menschen aus dem eigenen Haushalt gefeiert werden. Das sei allerdings keine Vorschrift, sondern nur eine «starke Empfehlung».

Thanksgiving zählt für viele Amerikaner zu den wichtigsten Feiertagen. Traditionell kommen Großfamilien oder große Freundeskreise zusammen, College-Stunden besuchen ihre Eltern. 2019 unternahmen dafür Schätzungen zufolge weit mehr als 50 Millionen Menschen längere Reisen.

Erst am Mittwoch hatten die USA nach Angaben der Johns Hopkins University die Viertelmillion-Marke bei der Zahl der Toten überschritten. Seit Beginn der Pandemie starben 250.537 Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Insgesamt haben sich in dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern mehr als 11,5 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert.


Schweden bringt lokale Besuchsverbote für Altersheime auf den Weg

STOCKHOLM: Schweden ebnet angesichts steigender Corona-Zahlen den Weg für die Wiedereinführung eines Verbots von Altersheimbesuchen. Die Regierung will die Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten mit der Möglichkeit ausstatten, auf lokaler Ebene ein Besuchsverbot für Altersheime auszusprechen. Das teilte Ministerpräsident Stefan Löfven am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Stockholm mit. Es handele sich um eine sehr eingreifende und weitreichende Maßnahme, die deshalb nur dort eingeführt werden solle, wo sie wirklich gebraucht werde. Für die allerengsten Angehörigen der Heimbewohner solle es Ausnahmen geben.

Im Zuge der Corona-Krise hatte die Regierung solche Besuche im ganzen Land monatelang untersagt - es war eine der striktesten der schwedischen Corona-Beschränkungen gewesen. Dieses nationale Besuchsverbot war zum 1. Oktober nach fast einem halben Jahr von der Regierung aufgehoben worden.

Damals im Spätsommer hatte die Infektionslage in Schweden sehr gut ausgesehen. Seitdem hat sich die Situation in dem skandinavischen EU-Land jedoch wieder erheblich verschlechtert: Täglich kommen mehrere Tausend Neuinfektionen mit dem Coronavirus hinzu, die Zahl der täglichen Todesfälle in Verbindung mit Covid-19-Erkrankungen liegt seit längerem wieder im zweistelligen Bereich. In den vergangenen 14 Tagen sind auf 100.000 Einwohner gerechnet rund 565 Neuinfektionen hinzugekommen, das ist auf die Bevölkerung gerechnet fast der doppelte Wert Deutschlands (311).

Schweden ist in der Corona-Krise einen international beachteten Sonderweg mit weniger strengen Beschränkungen sowie mit Appellen an die Vernunft der Bürger gegangen. Schulen, Restaurants und Geschäfte waren durchweg offen geblieben, allerdings galten besagtes Verbot von Heimbesuchen sowie vereinzelte andere Beschränkungen. Insgesamt liegen die Infektions- und Todeszahlen in Schweden seit Beginn der Pandemie auf die Bevölkerung gerechnet deutlich über denen im Rest Skandinaviens und auch über denen in Deutschland.


Maskenverweigerer versprüht Reizstoff in Schnellrestaurant

BERLIN: Zwei Gäste und zwei Angestellte sind bei einer Reizstoff-Attacke in einem Schnellrestaurant in Berlin-Friedrichsfelde leicht verletzt worden.

Ein Mann mit Sturmhaube soll das Reizmittel in der Nacht zu Donnerstag in dem Lokal versprüht haben, wie die Polizei mitteilte. Den Angaben zufolge soll der Mann das Schnellrestaurant zunächst ohne Mund-Nasen-Schutz betreten haben. Er gab an, ein Attest zur Befreiung von der Maskenpflicht zu haben, konnte dieses jedoch nicht vorweisen. Der Filialleiter verwies ihn des Hauses. Eine Viertelstunde später kehrte der Mann mit seiner etwas anderen Maske zurück. Er entkam unerkannt.


NGO: Corona-Pandemie in indigenen Gebieten Brasiliens außer Kontrolle

BRASÍLIA: Im größten Schutzgebiet für indigene Gemeinschaften in Brasilien ist die Corona-Pandemie nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Stammesvertretern völlig außer Kontrolle geraten. Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus sei in den vergangenen drei Monaten im Reservat der Yanomami und Ye'kwana um 250 Prozent von 335 auf 1202 gestiegen, hieß es in einer am Donnerstag von der NGO Rede Pró-Yanomami e Ye'kwana vorgestellten Studie. Allerdings werde nur sehr wenig getestet, und die Einhaltung von Abstandsregeln sei in den dörflichen Strukturen unmöglich. Die Autoren der Studie gingen davon aus, dass von den rund 27.000 Indigenen in der Region rund 10.000 bereits mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten.

Die Indigenen machen vor allem illegale Goldsucher für das Einschleppen des Coronavirus in ihre Territorien verantwortlich. Vor rund einem Jahr meldete die Führung der Yanomami und Ye'kwana, dass rund 20.000 Bergleute in ihre Ländereien eingedrungen seien. In den vergangenen Jahrzehnten starben in Südamerika immer wieder zahlreiche Indigene an eingeschleppten Krankheiten. Mit über 5,9 Millionen nachgewiesenen Corona-Infektionen und rund 167.000 Todesfällen im Zusammenhang mit der Krankheit Covid-19 ist Brasilien eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder der Welt.


Phase-II-Studie: AstraZeneca-Impfstoff mit vielversprechenden Daten

LONDON: Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca hat Forschern zufolge in klinischen Tests der Phase II auch bei Älteren vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Das berichtet ein Team um Mitarbeiter der Oxford Vaccine Group, die das Präparat entwickelt hat, im Fachmagazin «The Lancet».

In der Phase-II-Studie habe es sowohl bei Teilnehmern sowohl unter als auch über 56 Jahren eine gute Immunantwort gegeben, schreibt das Team. Das an der Universität Oxford entwickelte Vakzin sei von älteren Menschen besser vertragen worden als von jüngeren. Den Angaben zufolge waren rund 240 der insgesamt 560 gesunden Studienteilnehmer über 70 Jahre alt. In der Studienphase II wird unter anderem die Sicherheit einer Präparats geprüft. Zusätzlich auf den Schutzeffekt zielt die Studienphase III ab, die in Großbritannien, Brasilien und den USA bereits läuft und deren Resultate für eine mögliche Zulassung entscheidend sind.

«Wir hoffen, dies bedeutet, dass unser Impfstoff dazu beitragen wird, einige der am stärksten gefährdeten Menschen in der Gesellschaft zu schützen», wird Erstautor Maheshi Ramasamy von der Universität Oxford in einer «Lancet»-Mitteilung zitiert. Ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen zählen zu den Bevölkerungsgruppen mit dem höchsten Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs.

Das Vakzin ChAdOx1 von AstraZeneca gilt als aussichtsreicher Kandidat unter den potenziellen Corona-Impfstoffen. Viele Länder, auch Deutschland, haben mit AstraZeneca bereits Verträge über insgesamt Milliarden Dosen abgeschlossen. Der Konzern hatte die klinische Forschung im September vorübergehend gestoppt, nachdem bei einem Teilnehmer aus Großbritannien gesundheitliche Probleme aufgetreten waren.


Zu wenig Taxi-Fahrten: Londoner Black Cabs stehen auf Wiesen

LONDON: In der Corona-Krise leiden die Londoner Taxi-Fahrer mit ihren berühmten Black Cabs stark unter der sinkenden Nachfrage.

Die Zahl der registrierten Fahrzeuge ist nach Angaben der Verkehrsbehörde innerhalb von fünf Monaten um etwa Fünftel gesunken - von 18.900 am 7. Juni auf 15.000 am 8. November. Unternehmen, die die Taxis an Fahrer vermieten, haben bereits Wiesen und Autoparkplätze außerhalb der britischen Hauptstadt angemietet, um dort nicht benötigte Fahrzeuge zu parken. «In 33 Jahren habe ich London noch nie so ruhig und desolat gesehen», zitierte der Sender BBC einen Fahrer. In England gibt es bis zum 2. Dezember einen Teil-Lockdown. Jeder britische Landesteil entscheidet über seine eigenen Corona-Maßnahmen.


Tschechien verlängert Corona-Notstand bis 12. Dezember

PRAG: Das tschechische Parlament hat einer Verlängerung des Notstands aufgrund der Corona-Pandemie nur bis zum 12. Dezember zugestimmt. 54 der 103 anwesenden Abgeordneten waren am Donnerstag dafür. Die Minderheitsregierung aus populistischer ANO und Sozialdemokraten hatte sich für eine Dauer bis kurz vor Weihnachten ausgesprochen. Sie konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Es gebe gewisse Erfolge, aber die entscheidende Wende im Kampf gegen die Pandemie stehe noch aus, mahnte Regierungschef Andrej Babis.

Der Notstand gilt im stark von der Corona-Krise betroffenen Tschechien bereits seit dem 5. Oktober. Er ermöglicht es der Regierung, die Bürgerrechte einzuschränken und Krisenmaßnahmen ohne Zustimmung des Parlaments zu treffen. Derzeit gilt eine weitgehende Maskenpflicht im Freien und in Innenräumen. Restaurants und die meisten Geschäfte mit Ausnahme derjenigen für den täglichen Bedarf sind geschlossen. Die Opposition kritisierte, dass kleine Betriebe und Selbstständige unverhältnismäßig stark belastet werden.

Nach Angaben der EU-Gesundheitsagentur ECDC verzeichnete Tschechien binnen 14 Tagen 24,5 Corona-Todesfälle je 100.000 Einwohner. Das war der höchste Wert unter allen EU-Mitgliedstaaten. Die Kurve der Neuansteckungen flachte sich indes zuletzt ab. Am Mittwoch kamen 5515 neue Fälle hinzu, wie aus Behördendaten hervorging.


Estland mit Höchststand bei Corona-Neuinfektionen

TALLINN: In Estland hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen am Donnerstag mit 414 Fällen binnen 24 Stunden einen neuen Höchststand erreicht. Mehr als die Hälfte davon wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde in der Hauptstadt Tallinn und der umliegenden Region registriert. Der bisherige Rekordwert lag bei 374 Fällen.

Behördensprecherin Eike Kingsepp sagte einem Rundfunkbericht zufolge in Tallinn, die steigende Corona-Zahlen seien teils durch mehr Tests bedingt. Das Infektionsniveau habe aber im gesamten Land zugenommen. «Die Ausbreitung des Coronavirus ist in Estland weit ausgedehnt und schnell», sagte sie.

Estland mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern verzeichnete bislang 8715 bestätigte Corona-Infektionen und 86 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus. Der Baltenstaat gehört nach Angaben der EU-Behörde ECDC trotz steigender Fallzahlen zu den aktuell weniger stark betroffenen Ländern in Europa.

Angesichts der steigenden Neuinfektionen hat die Regierung in Tallinn zuletzt wieder Corona-Schutzmaßnahmen eingeführt. In einem Videoclip rief in der Vorwoche die Staatsspitze des baltischen EU-Landes die Bevölkerung dazu auf, die Regeln zu befolgen. «Genau wie im Frühjahr müssen wir heute und morgen alle zusammenarbeiten», hieß es darin.


Rund 50.000 Stadionbesucher sehen australisches Rugby-Spiel

BERLIN/BRISBANE: Während in etlichen Ländern volle Stadien wegen der Corona-Pandemie undenkbar sind, haben in Australien fast 50.000 Menschen ein Rugby-Spiel in der Hafenstadt Brisbane besucht. Zum entscheidenden Spiel der Finalserie «State of Origin» strömten am Mittwochabend (Ortszeit) 49.155 Fans ins Suncorp Stadium und sahen den 20:14-Heimsieg von Queensland gegen New South Wales. Das Stadion war somit fast ausverkauft, auf Bildern waren nur wenige Menschen mit Masken zu sehen. Nach Angaben der Veranstalter war es das weltweit größte Sportevent seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie.

Im australischen Bundesstaat Queensland ist die Corona-Lage derzeit entspannt. Am Tag des Spiels meldete der Bundesstaat lediglich einen neuen Fall. Kommt es jedoch zu lokalen Ausbrüchen, werden in Australien strikte Lockdowns verhängt. Während also in Queensland kurz vor dem Spiel wieder eine hundertprozentige Auslastung der Stadien erlaubt wurde, dürfen etwa die Bürger im Nachbarbundesstaat South Australia seit Donnerstag nicht mal mehr zum Sport vor die Tür.

Auch internationale Sport-Events sind von den strikten australischen Regeln betroffen. So ist rund zwei Monate vor dem Start der Australian Open am 18. Januar immer noch nicht geklärt, ob das erste Grand-Slam-Turnier der neuen Tennis-Saison wie geplant stattfinden kann. Die Politik will erst wieder ab 2021 Einreisen aus dem Ausland ermöglichen. Da die Spieler nach der Einreise in eine zweiwöchige Quarantäne müssten, wären keine Turniere vor den Australian Open möglich. Unklar ist auch, ob Zuschauer zugelassen werden.

Im Bundesstaat Victoria, wo mit Melbourne der Austragungsort der Australian Open liegt, war erst im Oktober nach einer zweiten Welle ein monatelanger harter Lockdown beendet worden. Insgesamt ist das 25-Millionen-Einwohnerland mit bisher 27.800 Fällen vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen.


EMA informiert Europäer über Corona-Impfstoffe

AMSTERDAM: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA will Europäer bei einem breiten öffentlichen Treffen über die Zulassung der Corona-Impfstoffe informieren und Fragen zu Sicherheit und Wirksamkeit beantworten. Bei dem Online-Treffen am 11. Dezember könnten sich Bürger mit Fragen und Beiträgen beteiligen, teilte die Behörde am Donnerstag in Amsterdam mit. Die EMA ist für die Zulassung der Impfstoffe gegen das Coronavirus für den europäischen Markt verantwortlich und prüft die wissenschaftlichen Studien für die Entwicklung.

«Die Covid-19-Pandemie ist eine beispiellose globale Krise, mit zerstörerischen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen», teilt die EMA mit. Ein sicherer und effektiver Impfstoff sei dringend notwendig, um die Krise zu bekämpfen.

Die Behörde prüft derzeit drei Impfstoffe nach dem sogenannten Rolling Review-Verfahren. Dabei werden Ergebnisse von Studien ausgewertet, noch bevor der Antrag auf Zulassung gestellt wurde. Dadurch wird das Verfahren erheblich verkürzt. Nach Angaben der EMA gelten aber dieselben Standards für Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit wie bei der Zulassung anderer Impfstoffe und Medikamente.

Bürger können Fragen oder Beiträge bis zum 27. November schriftlich einreichen. Das Treffen wird live im Internet ausgestrahlt.


Corona-Ausbruch im Gefängnis von Assange

LONDON: Im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh, in dem Wikileaks-Gründer Julian Assange sitzt, gibt es einen Corona-Ausbruch. Viele Insassen haben dem 49-Jährigen zufolge behördliche Schreiben erhalten, in denen sie über Covid-19-Fälle informiert worden seien. Sport und auch das Duschen sind demnach verboten worden, Mahlzeiten dürfen nur noch in Zellen eingenommen werden.

Assange sitzt seit etwa eineinhalb Jahren in der Haftanstalt. Die Anwältin Stella Moris, mit der er zwei kleine Kinder hat, äußerte sich «extrem besorgt». Ihr Partner sei ohnehin schon gesundheitlich angeschlagen. Ein offizieller Vertreter des Gefängnisses bestätigte «eine Anzahl von positiven Fällen». Es soll ein Flügel betroffen sein, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. In Großbritannien gibt es in vielen Haftanstalten Corona-Infektionen.

Die US-Justiz fordert die Auslieferung von Assange. Sie wirft ihm vor, der Whistleblowerin Chelsea Manning geholfen zu haben, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan zu veröffentlichen. Bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten drohen Assange bis zu 175 Jahre Haft. Die Wikileaks-Enthüllungen hatten zur Aufdeckung von Kriegsverbrechen durch US-Soldaten geführt.

Assange war 2012 aus Angst vor einer Auslieferung an die USA in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, da er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte.


Litauens Präsident nominiert Ex-Finanzministerin als Regierungschefin

VILNIUS: Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda hat Ingrida Simonyte am Donnerstag als Ministerpräsidentin des baltischen EU- und Nato-Landes nominiert und mit der Regierungsbildung beauftragt. Die 46-jährige parteilose Ex-Finanzministerin war in den beiden Runden der Parlamentswahlen am 11. und 25. Oktober als Spitzenkandidatin der konservativen Partei Vaterlandsunion angetreten. Die bisherige Oppositionskraft will eine Mitte-Rechts-Regierung mit zwei liberalen Parteien bilden. Das Dreierbündnis hält 74 der 141 Parlamentssitze.

Nauseda schlug Simonyte verfassungsgemäß dem Parlament für das Amt des Regierungschefs vor. «Wir müssen dringend zusammenarbeiten, um die Ausbreitung der Coronavirus-Infektionen einzudämmen», sagte er in seiner Rede vor den Abgeordneten. «Dies wird die erste Aufgabe der neuen Regierung sein, aber wir müssen auch auf die Zukunft Litauens schauen.» So sollte sich die neue Ministerriege auch für mehr soziale Gerechtigkeit und ein «grünes Litauen» einsetzen.

Simonyte hatte zuvor am Mittwoch die Kandidaten für ihr Kabinett vorgestellt. Demnach soll etwa die Hälfte der Ministerposten in ihrer Regierung mit Frauen besetzt werden. Die Ernennungen bedürfen noch der Zustimmung durch den Präsidenten und des Parlaments. Litauen ist gegenwärtig stark von der Corona-Pandemie betroffen.


Meiste Corona-Maßnahmen für dänische Nerzzucht-Region aufgehoben

KOPENHAGEN: Die dänische Regierung hebt die meisten der Corona-Beschränkungen für die von der Nerzzucht geprägte Region Nordjütland vorzeitig auf. Der Großteil der Maßnahmen werde schon an diesem Donnerstag gelockert, weil neue Daten eine fallende Tendenz bei den Infektionen durch bei Nerzen auftretende Coronavirus-Varianten zeigten, teilte das Gesundheitsministerium mit. Ab Freitag wird auch der öffentliche Nahverkehr wiederaufgenommen, Restaurants und Lokale sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen dürfen dann ebenfalls wieder öffnen. Ursprünglich war geplant gewesen, dass die Beschränkungen bis zum 3. Dezember gelten sollten.

Seit Montag durften die rund 280.000 Einwohner der sieben betroffenen Kommunen bereits wieder über die kommunalen Grenzen fahren. Fünft- bis Achtklässler, die zuvor für ein paar Tage aus der Ferne unterrichtet wurden, durften in dieser Woche zudem zurück in die Schule.

Die Regierung in Kopenhagen hatte die Maßnahmen aus Sorgen vor Coronavirus-Varianten eingeführt, die innerhalb der Nerzbestände im Land aufgetreten waren. Mittlerweile sind alle Pelztiere auf den infizierten Nerzfarmen getötet worden.

Besonders die sogenannte Cluster-5-Variante war vom dänischen Gesundheitsinstitut SSI als besorgniserregend und mögliche Gefahr für künftige Corona-Impfstoffe eingestuft worden. Sie ist bislang bei zwölf Menschen in Nordjütland nachgewiesen worden. Nun erklärte das Gesundheitsministerium, dass seit dem 15. September keine weiteren Fälle dieser Variante beim Menschen entdeckt worden seien. Das SSI komme deshalb zu der Einschätzung, dass diese Variante mit großer Wahrscheinlichkeit ausgestorben sei.


Bundesregierung erwartet keine rasche Einigung im Haushaltsstreit

BERLIN/BRÜSSEL: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet nach dem Veto Ungarns und Polens nicht mit einer raschen Lösung im Streit über das europäische Haushaltspaket. «Eine Einigung ist heute nicht zu erwarten», sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Merkel und die anderen EU-Staats- und Regierungschefs wollen am Abend (18.00 Uhr) über einen möglichen Ausweg aus der Krise beraten.

Bei der Videokonferenz stehe die gemeinsame Herausforderung durch die Corona-Pandemie im Mittelpunkt, betonte der Regierungssprecher in Berlin. Außerdem werde die deutsche EU-Präsidentschaft über die erreichten Fortschritte und noch bestehenden Bedenken bei den Verhandlungen über den mehrjährigen Finanzrahmen, das EU-Aufbaupaket in der Corona-Krise und den Konditionalitätsmechanismus berichten.

Polen und Ungarn hatten am Montag aus Protest gegen eine neue Regel zur Kürzung von EU-Geldern bei bestimmten Rechtsstaatsverstößen einen entscheidenden Haushaltsbeschluss blockiert. Damit drohen Verzögerungen bei dem 1,8 Billionen Euro starken Paket, das auch Corona-Hilfen im Umfang von bis zu 750 Milliarden Euro umfasst.


OECD-Bericht: Länder müssen mehr in Gesundheitspersonal investieren

PARIS: Die Corona-Pandemie hat gravierende Schwachstellen in den Gesundheitssystemen vieler europäischer Länder offenbart. Staaten müssten vor allem mehr in ihr Gesundheitspersonal investieren, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit Sitz in Paris.

Der Mangel an Personal sei in der Krise eine größere Einschränkung als der Mangel an Krankenhausbetten gewesen. Das zeige, dass die Ausbildung von qualifiziertem Gesundheitspersonal mehr Zeit in Anspruch nehme als die Schaffung temporärer Einrichtungen. Außerdem sei es wichtig, Reservekapazitäten beim Personal zu schaffen.

Die Untersuchung kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Regierungen effektive Strategien für Lockerungen von Corona-Maßnahmen erarbeiten müssen, um weitere Lockdowns zu vermeiden. Wichtig seien dabei Tests zur Kontaktnachverfolgung und Kontaktbeschränkungen, heißt es in dem Bericht weiter, der sich mit den Auswirkungen der Pandemie auf die Gesundheitssysteme von EU-Staaten auseinandersetzt. Die Ausbreitung des Virus werde maßgeblich gebremst, wenn große Versammlungen verboten würden und die Menschen im Home-Office arbeiteten. Ebenfalls zentral sei das Tragen von Corona-Schutzmasken.

«Viele Länder hatten in den ersten Monaten der Krise Mühe, die Verfügbarkeit von Masken und anderer persönlicher Schutzausrüstung zu erhöhen», schreiben die Autoren. Die meisten Länder hätten auch Mühe gehabt, ihre Testkapazitäten zu erhöhen, was die Wirksamkeit der Rückverfolgungsbemühungen eingeschränkt habe. Dadurch seien nur wenige Optionen geblieben, um die Ausbreitung des Virus während der ersten Welle einzudämmen, was schließlich strengere Eindämmungsmaßnahmen erforderlich machte.


Geldstrafe für Corona-Gegner wegen Beleidigung von Minister

BERGISCH GLADBACH: Für die Beleidigung von des deutschen Gesundheitsministers Jens Spahn zahlt ein Gegner der Corona-Maßnahmen eine Geldstrafe von 2800 Euro.

Der Mann habe keinen Einspruch gegen den Strafbefehl der Kölner Staatsanwaltschaft eingelegt, sagte eine Sprecherin des Amtsgerichts Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Damit sei das Verfahren abgeschlossen und es komme nicht zum Prozess.

Spahn war Ende August am Rande eines Wahlkampftermins in Bergisch Gladbach von Demonstranten ausgepfiffen worden, die offensichtlich mit der Corona-Politik der deutschen Regierung nicht einverstanden waren. Ein Teilnehmer hatte den homosexuellen Minister unter anderem als «schwule Sau» beschimpft. Daneben stehende Polizisten hörten dies und erstatteten Anzeige gegen den 39-Jährigen. Daraufhin beantragte die Kölner Staatsanwaltschaft gegen ihn einen Strafbefehl über 70 Tagessätze zu je 40 Euro.


Kroatiens Gesundheitsminister Beros an Corona erkrankt

ZAGREB: Der kroatische Gesundheitsminister Vili Beros ist am Coronavirus erkrankt. Der Politiker habe Fieber, fühle sich aber sonst gut, sagte der Staatssekretär im Gesundheitsministerium, Tomislav Dulibic, am Donnerstag bei einer Regierungssitzung. Demnach hat ein Test ergeben, dass sich Beros mit dem Coronavirus angesteckt hat. In den vergangenen zwei Tagen habe er weder Regierungschef Andrej Plenkovic noch andere Kabinettsmitglieder getroffen, hieß es.

Beros ist erst seit Januar im Amt. Der 55-jährige Neurochirurg aus den Reihen der konservativen Regierungspartei HDZ trat die Nachfolge von Milan Kujundzic an, der über eine Korruptionsaffäre gestolpert war. Seine Amtszeit war fast von Beginn an vom Kampf gegen die Corona-Pandemie geprägt, die Kroatien im Februar erreicht hatte.

Während das auch bei Deutschen beliebte Urlaubsland relativ gut durch den Sommer gekommen ist, befindet es sich nun ziemlich fest im Griff der Pandemie. Am Mittwoch meldeten die Behörden 3251 nachgewiesene Neuansteckungen in den letzten 24 Stunden. 38 Menschen starben im selben Zeitraum im Zusammenhang mit einer Corona-Erkrankung.

Bis Mittwoch waren in Kroatien 90.715 Menschen nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, das die Krankheit Covid-19 auslösen kann. Die Zahl der akuten Fälle wurde mit 16.891 angegeben, die der Toten mit 1151. Das EU-Land hat 4,2 Millionen Einwohner.


Dänemark führt regionales Modell für Reisebeschränkungen ein

KOPENHAGEN: Dänemark will bei seinen Reisebeschränkungen für Deutschland und andere europäische Länder künftig nicht mehr die Corona-Zahlen des ganzen Landes zugrundelegen. Stattdessen werde ab Anfang Dezember ein regionales Modell als Basis für die Maßgaben für EU- und Schengenländer einschließlich Großbritannien eingeführt, teilte das dänische Außenministerium am Donnerstag mit. Dies solle Reisen in Regionen mit niedrigeren Infektionszahlen ermöglichen, aber auch Reisen in Risikogebiete in Ländern mit ansonsten verhältnismäßig guter Corona-Lage verhindern.

Der entscheidende Grenzwert für Dänemark ist bislang, ob es in einem Land in den vergangenen zwei Wochen mehr als 30 neue wöchentliche Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner gegeben hat. Wird dieser Wert überschritten, wird den Dänen von Reisen dorthin abgeraten. Gleichzeitig werden Menschen aus diesen Staaten nur noch mit einem triftigen Einreisegrund wie den Besuch von Partnern oder nahen Verwandten ins Land gelassen. Wer aus einem der betroffenen Länder nach Dänemark zurückkehrt, wird zudem aufgefordert, für 14 Tage zu Hause zu bleiben.

An diesem Grenzwert wird nun auch bei den Regionen festgehalten. Die Regel zur 14-tägigen Quarantäne wird auf zehn Tage reduziert. Mit einem negativen Corona-Test ist es ab dem vierten Tag möglich, diese Quarantäne vorzeitig zu beenden.


EZB-Präsidentin Lagarde deutet erneut Lockerung der Geldpolitik an

BRÜSSEL: Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte angesichts der zweiten Corona-Welle auf eine zusätzliche Lockerung ihrer schon sehr lockeren Geldpolitik zusteuern. Auf der nächsten Zinssitzung im Dezember werde die Notenbank ihre Instrumente auf Basis aktueller Informationen anpassen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag vor einem Ausschuss des EU-Parlaments. Sie bekräftigte damit frühere Äußerungen.

Lagarde wurde jedoch etwas deutlicher als noch vor wenigen Wochen. Auf die erste Corona-Welle im Frühjahr habe die Notenbank schnell und kraftvoll reagiert. Dieses Vorgehen sei sehr erfolgreich gewesen. «Wir werden die aktuelle Phase der Krise mit demselben Ansatz und derselben Entschlossenheit angehen», kündigte Lagarde an. Der Euro fiel nach den Bemerkungen auf ein Tagestief zum US-Dollar.

Etwas konkreter wurde Lagarde mit Blick auf die zu erwartenden Schritte. Grundsätzlich stünden alle Optionen zur Verfügung. Allerdings seien die milliardenschweren Corona-Wertpapierkäufe (PEPP) und die langfristigen Billigkredite für die Banken (TLTRO) im aktuellen Umfeld wirksam gewesen. Sie könnten «dynamisch» angepasst werden, sagte Lagarde. «Sie dürften daher die wichtigsten Instrumente zur Anpassung unserer Geldpolitik bleiben.»

Das Corona-Wertpapierkaufprogramm der EZB hat gegenwärtig ein Volumen von 1,35 Billionen Euro, das bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Hinzu kommen extrem günstige Langfristkredite, mit denen die EZB die Geschäftsbanken in mehreren Runden versorgt hat. Nach derzeitiger Planung stehen noch zwei weitere Geldspritzen dieser Art an.


Griechisches Kirchenoberhaupt mit Corona-Infektion im Krankenhaus

ATHEN: Der griechisch-orthodoxe Erzbischof Hieronymos II. ist am Donnerstagmorgen mit einer Corona-Infektion in das Athener Krankenhaus «Evangelismos» gebracht worden. Der 82-jährige Geistliche habe Symptome und leichtes Fieber und werde deshalb vorsorglich auf der Intensivstation behandelt, berichtete der griechische Fernsehsender Skai. Er nehme nun an jener Prüfung teil, die Tausende im Land und Millionen weltweit betreffe, ließ das griechische Kirchenoberhaupt vor seiner Einweisung mitteilen. «Ich teile ihre Qual, den Schmerz und die Angst, die wir mit unserem Glauben an Gott überwinden werden.» Er rief die Menschen dazu auf, die Corona-Maßnahmen einzuhalten.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie stand die Haltung der Kirche in Griechenland immer wieder in der Kritik. So kursierten in sozialen Medien Videos von Gottesdiensten ohne Masken und von Gläubigen, die in Kirchen weiterhin wie üblich die Ikonen küssten. Ein Geistlicher warb gar für den Einsatz von Weihwasser, das Infektionen verhindern könne.

Ende vergangener Woche hatte sich Hieronymus II. mit dem griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis getroffen, um über die Öffnung der Kirchen zu Weihnachten zu beraten. Er habe jedoch vor dem Treffen einen Corona-Test gemacht und sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht infiziert gewesen, teilte die Kirche mit.

Im Vergleich zu anderen Ländern ist Griechenland mit seinen rund elf Millionen Einwohnern bisher nicht so stark vom Coronavirus betroffen gewesen. Allerdings schnellten die Zahlen in den vergangenen Wochen vor allem in den Großstädten Athen und Thessaloniki unkontrolliert in die Höhe. Am Mittwoch zählte die griechische Gesundheitsbehörde 3200 Neuinfektionen und 60 Tote binnen 24 Stunden.


Afrika überschreitet Zwei-Millionen-Marke bei Corona-Fällen

JOHANNESBURG: Afrika hat laut der Afrikanischen Union (AU) die Marke von zwei Millionen nachgewiesener Corona-Fälle überschritten. 2.013 388 Fälle wurden bislang auf dem Kontinent dokumentiert, wie Zahlen der Gesundheitsorganisation der AU, der Africa CDC, am Donnerstag zeigten. 48.408 Menschen seien bislang gestorben. Demnach stellt Südafrika mit rund 760.000 Fällen den Großteil der registrierten Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2. Weitere Schwerpunktländer sind Marokko, Ägypten, Nigeria oder Algerien. Nach Expertenansicht liegt die Dunkelziffer auf dem Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Menschen jedoch weitaus höher.

Das Coronavirus hat sich zunächst relativ langsam auf dem Kontinent verbreitet, die Gesamtzahl ist noch immer gering im Vergleich zu anderen Regionen. Der erste Fall trat in Afrika später auf als anderorts, und die meisten Regierungen haben rasch strenge Maßnahmen verhängt. Allerdings hat das Tempo der Ausbreitung deutlich zugelegt: «Es brauchte fast sechs Monate um die Zahl von einer Million Fällen zu erreichen, und gerade mal etwas mehr als drei Monate um die Fallzahl von zwei Millionen zu erreichen», beobachtete die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC).

Vor allem die Bevölkerung in Krisenregionen sei durch eine bevorstehende zweite Welle extrem gefährdet, so das IRC. Die oft strengen Lockdown-Maßnahmen haben verheerende Auswirkungen auf Menschen und Volkswirtschaften gehabt. Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft (AV) sowie diverse Hilfsorganisationen gehen von mehreren Millionen Jobs aus, die so vernichtet wurden - sie warnten bereits vor schlimmen Folgen für den Kontinent. Den ärmsten Ländern fehlen zudem die finanziellen Mittel, um die Krise zu bewältigen.


Mehr als 1800 Corona-Tote und 170.000 Neuinfektionen in den USA

BALTIMORE: Die Zahl der Toten mit einer Coronavirus-Infektion in den USA ist auf den höchsten Wert seit Anfang Mai gestiegen. Am Mittwoch meldeten die Behörden 1848 Tote binnen 24 Stunden, wie aus Daten der Universität Johns Hopkins (JHU) in Baltimore vom Donnerstagmorgen (MEZ) hervorging. Auch die Zahl der bestätigten Neuinfektionen erhöhte sich mit 170.161 Fällen weiter. Am gleichen Tag in der Vorwoche waren es noch rund 143.000 gewesen. Der bislang höchste Wert war am Freitag registriert worden, als mehr als 177.000 Neuinfektionen gemeldet wurden.

Erst am Mittwoch hatten die USA nach Angaben der JHU die Viertelmillion-Marke bei der Zahl der Toten überschritten. Seit Beginn der Pandemie starben 250.537 Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Die meisten Todesfälle wurden in den Bundesstaaten New York, Texas und Kalifornien gemeldet. Insgesamt haben sich in dem Land mit rund 330 Millionen Einwohnern mehr als 11,5 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen wurden Zahlen - unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden - nachträglich korrigiert. Dies gilt auch für die Zahl vom vergangenen Freitag, die zunächst mit mehr als 184.500 angegeben worden war.


Möglicherweise erster Corona-Fall in Samoa

SYDNEY: Möglicherweise gibt es einen ersten Corona-Fall im Inselstaat Samoa in Polynesien. Ein Seemann sei positiv auf das Virus getestet worden, nachdem er von Europa aus über Neuseeland nach Samoa zurückgekehrt sei, sagte Premierminister Tuilaepa Sailele Malielegaoi am Donnerstag. Ein zweiter Test sei allerdings negativ ausgefallen. Der Mann befände sich in Isolation in einem Krankenhaus. In einer Rede an die Nation rief Malielegaoi die Bürger zur Ruhe auf. Der Plan der Regierung zum Umgang mit Covid-19 werde umgesetzt. Am Nachmittag sollte eine Kabinettssitzung stattfinden.

Samoa war eines der letzten Länder, in dem es bislang keine bestätigte Infektion gab. Auf den Inseln leben etwa 200.000 Menschen. In der vergangenen Woche war im Pazifikstaat Vanuatu erstmals ein Corona-Fall verzeichnet worden. In anderen Inselstaaten der Südsee wie Kiribati und Tuvalu gibt es bislang weiter keine bestätigten Fälle.


US-Arzneimittelbehörde erteilt Corona-Test für Hausgebrauch Zulassung

WASHINGTON: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals einen Corona-Test für den Hausgebrauch zugelassen. Der Testkit des US-Herstellers Lucira Health habe eine Notfall-Zulassung bekommen, teilte die FDA mit. «Diese neue Test-Möglichkeit ist ein wichtiger Diagnose-Fortschritt, um die Pandemie zu bekämpfen und die öffentliche Last der Krankheitsübertragung zu reduzieren», sagte FDA-Chef Stephen Hahn. Der Test, der auf Erbgut des Erregers Sars-CoV-2 reagiert, sei im Hausgebrauch für Menschen ab 14 Jahren geeignet und zunächst nur auf Verschreibung eines Arztes erhältlich.

Wer den Test benutzt, muss mit einem Stäbchen eine Probe aus der Nase entnehmen, dieses dann in ein Röhrchen legen und das Röhrchen wiederum in einem Testmodul befestigen. In maximal 30 Minuten zeige das Display des Testmoduls dann ein positives oder negatives Ergebnis an, heißt es von der FDA.

Wer ein positives Ergebnis bekomme, solle sich isolieren und seinen Arzt kontaktieren. Wer ein negatives Ergebnis habe, aber trotzdem Symptome entwickle, solle ebenfalls seinen Arzt kontaktieren, denn der Test könne eine Infektion mit dem Coronavirus nicht hundertprozentig ausschließen.

Laut Hersteller ist der Test zuverlässig: Im Vergleich zu einem anderen von der FDA zugelassenen Verfahren habe er 94 Prozent der Sars-CoV-2-Infektionen und 98 Prozent der Corona-freien Proben richtig zugeordnet. Auf den Markt kommen soll der Test demnach in Florida und Kalifornien in der nahen Zukunft und landesweit im Frühling.


Luxushotel auf den Malediven bietet unlimitierten Jahresaufenthalt

MALE: Auf einer Insel mit weißem Sand und bunten Fischen leben, wann immer man im kommenden Jahr Lust darauf hat - ein Luxushotel auf den Malediven bietet genau das zu einem Fixpreis. 30.000 Dollar (rund 25.000 Euro) kostet der Spaß für zwei Personen in einem Bungalow, wie es von dem Hotel Anantara Veli heißt. Die zwei Gäste dürfen dann im Jahr 2021 bis zum 23. Dezember so oft kommen und gehen, wie sie wünschen - Frühstück und Rabatte auf Essen und Wellness-Dienstleistungen inklusive. Mit solchen Sonderangeboten versuchen Hotels auf dem vom Tourismus abhängigen Inselstaat nach einer vergleichsweise kurzen coronabedingten Pause von mehr als drei Monaten im Frühjahr wieder mehr Urlauber ins Land zu locken.

Verglichen mit einigen anderen Malediven-Angeboten ist dieses günstig. Kürzlich hatte etwa ein anderes Hotel ein Angebot für rund 20.000 Euro die Woche für zwei Personen angekündigt. Dort bekommen die Gäste allerdings auch einen persönlichen Assistenten und Yoga-Privatstunden und können Delfine von einer Jacht aus beobachten, während die Kinder betreut sind und die Wäsche gemacht wird.

Das Land selbst versucht ab Dezember mit einem neuen Belohnungssystem Viel-Urlauber anzulocken. Dabei können sich Gäste registrieren und Punkte sammeln - 50 Punkte gebe es etwa für die Einreise, 30 Punkte für Besuche, um Flitterwochen, Hochzeitsjubiläen oder Geburtstage zu feiern, fünf Punkte für jede Nacht im Land, heißt es vom Tourismusministerium der Malediven. Was man aber genau für die Punkte erhält, wollte das Ministerium noch nicht verraten. In dem Inselstaat gibt es laut Johns Hopkins Universität mehr als 12.300 Corona-Fälle und 44 Tote, die coronapositiv waren.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als vollfarbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.