Corona-Überblick: Meldungen am Dienstag

Das Eat Out to Help Out-Programms der britischen Regierung. In den teilnehmenden Cafés und Restaurants können die Kunden unter Einhaltung des Mindestabstandes einen Rabatt von 50 % auf Lebensmittel oder alkoholfreie Geträn... Foto: epa/Neil Halle
Das Eat Out to Help Out-Programms der britischen Regierung. In den teilnehmenden Cafés und Restaurants können die Kunden unter Einhaltung des Mindestabstandes einen Rabatt von 50 % auf Lebensmittel oder alkoholfreie Geträn... Foto: epa/Neil Halle

Umstrittener Bolsonaro-Guru Olavo de Carvalho gestorben

BRASÍLIA/RICHMOND: Der als Guru des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro geltende Olavo de Carvalho ist im Alter von 74 Jahren in den USA gestorben. «Mit großem Bedauern teilt die Familie von Professor Olavo de Carvalho die Nachricht von seinem Tod am Abend des 24. Januar in der Region von Richmond, Virginia, mit, wo er im Krankenhaus lag», hieß es in einem Tweet auf dem Profil Carvalhos am Dienstag. Die Todesursache wurde darin nicht genannt.

Heloísa de Carvalho, die mit ihrem Vater gebrochen hat, twitterte, dass er im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben sei. «Am Tag, an dem Olavo sagte, dass es keinen von Corona verursachten Todesfall gibt, habe ich eine liebe Freundin verloren», schrieb sie. Nach Medienberichten unter Berufung auf Anhänger Olavo de Carvalhos war er kürzlich positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Die Bücher und Online-Kurse Olavo de Carvalhos trugen dazu bei, die brasilianische Rechte vor den Präsidentschaftswahlen 2018, aus denen Bolsonaro als Sieger hervorging, zu stärken. Für sie war er ein brillanter Denker. Bei großen Teilen der Linken war er verpönt. In der Corona-Pandemie spielte Carvalho das Virus immer wieder herunter.

Der brasilianische Präsident Bolsonaro, ein Corona-Verharmloser und Impfskeptiker, bezeichnete Carvalho als «einen der größten Denker der Geschichte unseres Landes. Olavo war ein Gigant im Kampf für die Freiheit und ein Leuchtturm für Millionen von Brasilianern. Sein Beispiel und seine Lehren werden uns für immer prägen».


Widersprüchliche Botschaften zu «Partygate»-Untersuchung in London

LONDON: Nach der Ankündigung polizeilicher Ermittlungen zu mutmaßlich illegalen Lockdown-Partys in der Downing Street hat es am Dienstag widersprüchliche Botschaften zum internen Untersuchungsbericht der Regierung gegeben. Zunächst hieß es, der ursprünglich in dieser Woche erwartete Bericht werde sich durch die Ermittlungen der Polizei verzögern, wie ein Regierungsmitglied im Unterhaus sagte. Der Sprecher von Premierminister Boris Johnson sagte vor Journalisten, es könnten zunächst nur Teile des Berichts veröffentlicht werden, die nicht Gegenstand der Polizei-Ermittlungen seien. Später berichteten mehrere Medien, der Bericht könne nun doch noch vollständig in dieser Woche an die Öffentlichkeit gelangen. Nach Informationen des «Mirror» und des ITV-Reporters Robert Peston könnte die Veröffentlichung am Mittwoch erfolgen.

Für Boris Johnson wäre eine baldige Veröffentlichung des Berichts gepaart mit den laufenden Ermittlungen von Scotland Yard nach Ansicht des «Financial Times»-Journalisten Sebastian Payne «die schlechteste aller Welten». Der Premier steht wegen der Lockdown-Feiern seit Wochen in seiner eigenen Partei heftig unter Druck. Viele Tory-Abgeordnete wollten es Berichten zufolge vom Ausgang der internen Untersuchung der Spitzenbeamtin Sue Gray abhängig machen, ob sie beim sogenannten 1922-Komitee einen Brief einreichen und damit ihrem Parteichef das Vertrauen entziehen. Sollten 54 Briefe den Komitee-Chef Graham Brady erreichen, käme es zu einem Misstrauensvotum.


Bericht zu Lockdown-Partys verzögert sich durch Polizei-Ermittlungen

LONDON: Der in London mit Spannung erwartete interne Untersuchungsbericht zu Lockdown-Partys in der Downing Street wird sich durch die angekündigten polizeilichen Ermittlungen wohl deutlich verzögern. Das bestätigte ein Regierungsmitglied am Dienstag im Londoner Unterhaus während einer Aktuellen Stunde zu dem Thema. Zuvor hatte Scotland Yard angekündigt, einige Veranstaltungen in der Downing Street «im Zusammenhang mit potenziellen Verstößen gegen die Corona-Auflagen» zu untersuchen. Eigentlich war in dieser Woche mit der Veröffentlichung des Berichts der Spitzenbeamtin Sue Gray gerechnet worden.

Johnson begrüßte die Ermittlungen der Polizei. «Ich glaube, das wird der Öffentlichkeit die Klarheit geben, die sie braucht, und dabei helfen, einen Schlussstrich zu ziehen», sagte der Premier im Parlament. Ein Sprecher hatte zuvor betont, Johnson werde vollumfänglich kooperieren.

Der britische Premier steht seit Wochen wegen Berichten über mutmaßlich illegale Partys in seinem Amtssitz massiv unter Druck. Laufend gibt es neue Enthüllungen über Feiern. Ihm droht ein Misstrauensvotum.

Die Ermittlungen der Polizei stellen eine neue Eskalationsstufe in der sogenannten Partygate-Affäre dar. Andererseits könnten sie Johnson Luft verschaffen, wie unter anderem der ITV-Korrespondent Paul Brand kommentierte. «Es kauft ihm Zeit und lässt Erinnerungen verblassen», schrieb Brand auf Twitter.


EU will Reisen für Geimpfte, Getestete und Genesene erleichtern

BRÜSSEL: Künftig soll ein gültiges EU-Corona-Zertifikat für Reisen in der EU wichtiger als das Infektionsgeschehen im Abreiseland sein. Die EU-Staaten einigten sich am Dienstag darauf, dass vom 1. Februar an nicht mehr entscheidend sein soll, von wo aus eine Reise startet - sondern, ob ein gültiger Impf-, Test- oder Genesenennachweis vorliegt. Das teilten die EU-Länder am Dienstag mit. Damit folgen die Staaten weitgehend einem Vorschlag, den die EU-Kommission vor zwei Monaten präsentiert hatte.

Neben in der EU zugelassenen Impfstoffen sollen der Einigung zufolge auch von der WHO oder nationalen Behörden akzeptierte Mittel ausreichen. Ein PCR-Test solle frühestens 72, ein Schnelltest 24 Stunden vor der Reise gemacht werden. Ein Genesenen-Zertifikat soll 180 Tage gültig sein. Wer kein Zertifikat hat, soll nach Ankunft einen Test machen. Für Kinder gibt es Ausnahmen. Zusätzliche Beschränkungen solle es nicht geben. Ein Sprecher der EU-Kommission betonte: «Das Mindeste, was wir alle erwarten können, ist, dass die Mitgliedstaaten diese Empfehlung auch umsetzen.»

Da sich die Omikron-Variante mittlerweile in ganz Europa verbreitet habe, soll zudem geprüft werden, die angesichts der Variante in manchen Mitgliedstaaten eingeführten Reisebeschränkungen aufzuheben.

Deutschland unterscheidet für die Einreise zwischen Virusvarianten- und Hochrisikogebieten. Geimpfte und Genesene müssen nach der Einreise aus einem Hochrisikogebiet nicht in Quarantäne. Ungeimpfte können sich frühestens fünf Tage nach Einreise freitesten. Derzeit sind alle EU-Länder als Hochrisikogebiete eingestuft, als Virusvariantengebiet ist derzeit kein Land eingestuft. Auch andere Länder wie Italien und Österreich verlangen derzeit teils mehr als nur ein Zertifikat. Wer etwa nur eine Grundimmunisierung hat, muss für einen Österreich-Urlaub zusätzlich einen negativen Test vorlegen.


Corona-Regierungsgelder in Millionenhöhe veruntreut

PRETORIA: Dienstleister der Regierung haben in Südafrika im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Verträge in Millionenhöhe veruntreut. Das teilte das Präsidialamt am Dienstag mit. Von mehr als 4500 untersuchten Verträgen hätten sich demnach 62 Prozent als regelwidrig erwiesen.

Präsident Cyril Ramaphosa hatte im Juli 2020 eine Kommission beauftragt, den mutmaßlichen Missbrauch von Corona-Geldern in allen Regierungsbereichen zu untersuchen. Die Kommission überprüfte insgesamt 5467 Verträge im Gesamtwert von 14,3 Milliarden Rand (830 Millionen Euro), die an 3066 Dienstleister vergeben wurden. Die Untersuchung von 900 der Verträge sei noch nicht komplett abgeschlossen, hieß es. Ein endgültiges Ergebnis werde Mitte des Jahres erwartet.

Ramaphosa bezeichnete die Befünde als «inakzeptabel». Die Dienstleister hätten geglaubt, «sie könnten einen Moment nationaler Verwundbarkeit ausnutzen, um sich zu bereichern», sagte der Präsident. Die Staatsanwaltschaft werde Verfahren einleiten. Die Untersuchung habe nach Angaben des Präsidialamts einen potenziellen Verlust von 114,2 Millionen Rand (6,6 Millionen Euro) verhindert. Verträge im Wert von 170,4 Millionen Rand (9,9 Millionen Euro) seien auf Eis gelegt worden.

Das Land mit rund 60 Millionen Einwohnern gehört zu den am meisten von der Corona-Pandemie betroffenen Ländern in Afrika. Nach Angaben der panafrikanischen Gesundheitsorganisation Africa CDC wurden in Südafrika bislang knapp 3,6 Millionen Corona-Infektionen sowie 94.000 Todesfälle gemeldet.


Scotland Yard ermittelt wegen Lockdown-Partys in der Downing Street

LONDON: Die Londoner Polizei ermittelt zu mehreren Lockdown-Partys im Amtssitz von Premierminister Boris Johnson und in anderen Regierungsgebäuden. «Ich kann bestätigen, dass die Metropolitan Police zu einer Reihe von Veranstaltungen im Zusammenhang mit potenziellen Verstößen gegen die Corona-Auflagen ermittelt (...)», sagte Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick am Dienstag in einem Ausschuss des Londoner Stadtrats.

Johnson steht seit Wochen wegen Berichten über mutmaßlich illegale Partys in seinem Amtssitz massiv unter Druck. Laufend gibt es neue Enthüllungen über Feiern. Erst am Montag berichtete der Sender ITV von einer Geburtstagsparty für Johnson mit bis zu 30 Teilnehmern.

Für Johnson wird die Lage immer prekärer. Noch in dieser Woche werden die Ergebnisse einer internen Untersuchung der Spitzenbeamtin Sue Gray zu den mutmaßlich illegalen Partys erwartet. Vom Ausgang dieser Untersuchung könnte Johnsons politisches Schicksal abhängen. Mehrere Mitglieder seiner eigenen Fraktion wollen ihn stürzen. Die neuen Enthüllungen dürften Wasser auf ihre Mühlen sein. Insider halten ein Misstrauensvotum inzwischen für unausweichlich.


Südkorea verzeichnet Rekordhoch bei Neuinfektionen

SEOUL: Angesichts der rapiden Ausbreitung der Omikron-Variante von SARS-CoV-2 hat Südkorea den bisher stärksten Anstieg von Neuinfektionen an einem Tag seit Beginn der Pandemie verzeichnet. Wie die Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilten, wurden am Montag 8571 Fälle nachgewiesen. Die Gesamtzahl kletterte demnach auf knapp 750.000. Es war das erste Mal, dass die Zahl der Neuinfektionen die Schwelle von 8000 überschritten hat.

Im internationalen Vergleich kam Südkorea bisher gut durch die Pandemie. Die Fallzahlen steigen jedoch schon seit einigen Tagen deutlich. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Südkorea mit seinen rund 52 Millionen Einwohnern lag am Dienstag laut weltweiten Erhebungen verschiedener Institute einschließlich des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 97,2. Der Wert gibt an, wie viele Menschen sich in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Menschen rechnerisch mit dem Virus angesteckt haben. Für Deutschland gab das RKI am Morgen einen Wert von 894,3 an.

Omikron ist inzwischen auch in Südkorea zur vorherrschenden Variante geworden. Sie gilt zwar als hochansteckend, aber milder im Verlauf. Die Behörden befürchten, dass sich in der nächsten Woche das Infektionsgeschehen, über die Feiertage zum Mondneujahr, verschärfen könnte. Die Regierung hat die Menschen daher darum gebeten, von Reisen im Inland und Familienbesuchen abzusehen.

Mitte Januar hatte Südkorea stärkere Kontaktbeschränkungen beschlossen, die zunächst drei Wochen gelten sollen. Dazu gehören auch frühere Schließzeiten für Gastronomiebetriebe.


Rekordwert von mehr als 500.000 Corona-Neuinfektionen

PARIS: Frankreich hat mit mehr als einer halben Million registrierter Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages einen Höchstwert seit Pandemiebeginn verzeichnet. Wie die französische Gesundheitsbehörde am Dienstagabend angab, wurden binnen 24 Stunden 501.635 neue Ansteckungen registriert. Allerdings liegen die Werte montags oft deutlich niedriger als an anderen Wochentagen.

Die bereits enorm hohen Fallzahlen in Frankreich stiegen damit erneut weiter an. Der Inzidenzwert, also die Zahl der Ansteckungen auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb einer Woche, lag landesweit zuletzt bei etwa 3726. Die Omikron-Variante macht in dem Land mit seinen gut 67 Millionen Einwohnern mittlerweile mehr als 95 Prozent der Fälle aus.

Im Kampf gegen die immer höher kletternden Infektionszahlen setzt Frankreichs Regierung auf stärkere Einschränkungen für Menschen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft und auch nicht genesen sind. Sie haben seit dieser Woche keinen Zugang mehr zu Restaurants, Bars, Kultureinrichtungen, Sportveranstaltungen und Fernzügen. Zuvor war der Eintritt auch mit einem negativen Corona-Test möglich gewesen.


Bayerns Ministerpräsident Söder erneut für Lockerungen im Sport

BERLIN: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat trotz des Bund-Länder-Beschlusses, an den bisherigen Corona-Regeln festzuhalten, erneut Lockerungen für den Sport in Bayern angekündigt. «Es ist nicht ganz fair, dass wir in Hamburg in der Elbphilharmonie 2000 Leute haben, und woanders geht das nicht. Dass wir in einigen Fußballstadien 15.000 Leute haben, wir haben Geisterspiele. Also wenn, muss das schon vernünftig gleich sein», sagte der CSU-Chef am Montagabend in den ARD-Tagesthemen: «Und deswegen werden wir da einiges an Anpassungen machen.» Konkreter wurde Söder (55) aber nicht. Einheitliche Regeln wären besser, betonte Söder.

Im Sport gehe es nicht nur um den Fußball. «Ob der FC Bayern München jetzt mehr oder weniger Zuschauer hat, der gewinnt trotzdem. Aber es muss fair und angemessen stattfinden», sagte Söder. So seien viele Vereine zum Beispiel im Handball, Basketball und Eishockey sehr stark betroffen.

Bund und Länder hatten bei ihren Beratungen am Montag derzeit Lockerungen von Corona-Auflagen ausgeschlossen, die Maßnahmen aber auch nicht verschärft. Damit bleibt es in den großen Profiligen weitgehend bei Geisterspielen. Die Staats- und Senatskanzleien sollen aber bis zum 9. Februar eine einheitliche Regelung für überregionale Großveranstaltungen vereinbaren. Fußball-Drittliga-Tabellenführer 1. FC Magdeburg hatte am vergangenen Sonntag gegen den TSV Havelse vor 13.385 Zuschauern gespielt. Das ließ die Verordnung in Sachsen-Anhalt zu, wonach die Stadien bis zu 50 Prozent gefüllt werden dürfen.

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