Corona-Überblick: Meldungen am Dienstag

Leute machen Sport auf dem Primrose Hill in London. Foto: epa/Neil Hallneil Hall
Leute machen Sport auf dem Primrose Hill in London. Foto: epa/Neil Hallneil Hall

«Plan B»: Großbritannien hält sich Maskenpflicht und Impfpässe offen

LONDON: Falls die Zahl der Corona-Fälle in Großbritannien im Winter wieder deutlich steigt, will die Regierung wieder eine Maskenpflicht anordnen und hält sich die Einführung von Impfpässen für Discos oder Stadien offen. Die Maßnahmen seien Teil eines «Plan B», wenn die Pandemie mit Auffrischungsimpfungen nicht unter Kontrolle gehalten werden kann, so Premierminister Boris Johnson bei einer Pressekonferenz am Dienstag in London. Der konservative Politiker fügte hinzu: «Es wäre einfach nicht vernünftig, solche Maßnahmen auszuschließen, wenn sie entscheidend dafür sein könnten, Geschäfte offen zu halten.» Gesundheitsminister Sajid Javid hatte zuvor betont, die Notfallpläne würden nur bei «unhaltbarem» Druck auf den Gesundheitsdienst NHS in England in Kraft gesetzt.

Die britische Regierung hatte im Juni fast alle Corona-Beschränkungen aufgehoben. Sie kann aber nur Regeln für England erlassen, die anderen Landesteile - also Schottland, Wales und Nordirland - sind in ihrer Gesundheitspolitik unabhängig.

«Plan A» stützt sich laut Javid auf Auffrischungsimpfungen für etwa 30 Millionen Menschen, die kommende Woche beginnen sollen. Ansonsten setzt die Regierung auf Freiwilligkeit und Selbstverantwortung. So werden die Menschen «ermutigt», sich möglichst im Freien zu treffen, viel zu lüften, an überfüllten Orten und in geschlossenen Räumen Masken zu tragen sowie ihre Hände häufig zu waschen. Unternehmen wird geraten, Impfpässe zu kontrollieren.

«Dieser Plan zeigt, wie wir dieser Nation die bestmögliche Chance geben, mit Corona zu leben, ohne dass strenge soziale und wirtschaftliche Einschränkungen erforderlich sind», sagte Javid. Er betonte allerdings: «Wir haben erlebt, wie schnell das Virus sich anpassen und sich verändern kann, deshalb haben wir einen Plan B mit Notfallplänen vorbereitet.» In der Konservativen Partei von Premierminister Boris Johnson hatte sich starker Unmut gegen die Einführung von Impfpässen geregt, sodass die Pläne wieder gestrichen wurden.


Kölner Dom aus Impffläschchen

KÖLN: Der Kölner Dom ist schon aus Streichhölzern, Legosteinen und Bierkästen nachgebaut worden - und nun auch aus 220 leeren Impffläschchen. Als er die leeren Flaschen gesehen habe, habe er gedacht «das ist doch schade», berichtete der Kölner Hausarzt Bastian Kirsch.

Dann habe er die Eingebung mit dem Dom gehabt. Die Rückmeldungen seiner Patientinnen und Patienten seien durchweg positiv. Es gehe ihm mit der Aktion darum, die Impfwilligkeit zu steigern. Die 220 Flaschen hätten insgesamt 1500 Impfdosen enthalten.


Großbritannien genehmigt Impfauffrischung für über 50-Jährige

LONDON: In Großbritannien können über 50-Jährige sowie Heimbewohner und Pflegekräfte eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Wie die Regierung am Dienstag mitteilte, gilt die Regelung auch für klinisch extrem gefährdete Menschen sowie für Risikopatienten zwischen 16 und 65 Jahren. Insgesamt kommen damit mehr als 30 Millionen Menschen für eine dritte Impfung in Frage.

Ihnen soll frühestens sechs Monate nach der zweiten Dosis das Mittel der Konzerne Biontech und Pfizer gespritzt werden, das Studien zufolge gut als Auffrischung wirken und sehr verträglich sein soll. Alternativ sei auch der Impfstoff von Moderna möglich. Verabreicht werden soll die Spritze zusammen mit der normalen Grippeimpfung. Ob auch gesunde Menschen unter 50 eine sogenannte Booster-Impfung erhalten, soll entschieden werden, wenn mehr Daten vorliegen.


Erstmals mehr als eine Million freie Stellen

LONDON: Wegen der Folgen von Corona-Pandemie und Brexit gibt es in Großbritannien erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen 2001 mehr als eine Million freie Stellen. Das seien 250.000 mehr als vor Beginn der Corona-Krise im ersten Quartal 2020, teilte das Statistikamt ONS am Dienstag mit. Zugleich stieg die Beschäftigung im August auf 29,1 Millionen Menschen und damit auf das Niveau von vor der Pandemie. Die Arbeitslosenquote sank in den Monaten Juni bis August auf 4,6 Prozent. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als in den drei Monaten zuvor (Februar bis April).

In Großbritannien suchen viele Branchen händeringend nach Arbeitskräften. Siren Thiru von der Britischen Handelskammer sprach von einer «akuten Einstellungskrise».

Unter anderem fehlen mindestens 100.000 Lastwagenfahrer, deswegen kommt es immer wieder zu Lieferengpässen. Außerdem werden Zehntausende Krankenschwestern, Pfleger, Programmiererinnen, Köche oder Reinigungskräfte gesucht. Das liegt auch daran, dass während der Pandemie Hunderttausende ausländische Fachkräfte das Land verlassen haben, als sie ihre Jobs verloren oder in Kurzarbeit geschickt wurden. Wegen strenger Zuwanderungsregeln seit dem Brexit kommen nun aber viel weniger Menschen ins Land.

Von der wirtschaftlichen Erholung haben vor allem junge Menschen profitiert, wie ONS weiter mitteilte. Allerdings sei gerade in der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen die Arbeitslosigkeit während der Pandemie in die Höhe geschnellt.


Überwältigende Mehrheit der Polen für Verbleib in der EU

WARSCHAU: Eine überwältigende Mehrheit der Polen ist nach einer Umfrage dafür, dass ihr Land weiterhin in der EU bleibt. Gut 88 Prozent wollen an der EU-Mitgliedschaft festhalten, ergab eine am Dienstag veröffentlichte Befragung von United Surveys im Auftrag der Zeitung «Dziennik Gazeta Prawna» und des Radiosenders RMF. Nur gut 7 Prozent finden, dass Polen die EU verlassen sollte. Einen Austritt Polens halten gut 57 Prozent der Befragten für unwahrscheinlich, knapp 30 Prozent sehen dies als realistisches Szenario.

Polens nationalkonservative Regierungspartei PiS liegt wegen ihrer Justizreformen im Streit mit der EU-Kommission. Zuletzt hatten hochrangige Vertreter der PiS auf einen möglichen «Polexit» angespielt. «Wir müssen darüber nachdenken, wie viel weiter, wie viel mehr wir noch zusammenarbeiten können, damit wir alle in der EU bleiben, und damit diese EU für uns annehmbar ist», hatte PiS-Fraktionschef Ryszard Terlecki in der vergangenen Woche gesagt und auf den Brexit verwiesen. Polen müsse auch über «drastische Schritte» nachdenken. Vize-Fraktionschef Marek Suski sagte in Anspielung auf die Besetzung Polens durch Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg: «Wir werden mit den Brüsseler Besatzern kämpfen.»

Polen war 2020 nach Berechnungen der Deutschen Presse-Agentur der größte Nettoempfänger innerhalb der EU, es bekam aus dem EU-Haushalt 12,4 Milliarden Euro mehr heraus, als es einzahlte. Aus den Corona-Hilfen stehen für Polen zudem 23,9 Milliarden Euro bereit.

Die Corona-Hilfen hält die EU aber derzeit zurück, weil es Bedenken gibt, ob Polen gegen rechtsstaatliche Prinzipien verstößt. Außerdem hat die EU-Kommission beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) finanzielle Sanktionen gegen das Land beantragt. Hintergrund ist die fortgesetzte Tätigkeit der polnischen Disziplinarkammer zur Bestrafung von Richtern. Der EuGH hatte in einer einstweiligen Anordnung den Stopp der Kammer verfügt, sie tagt dennoch weiter.


Neuer Corona-Ausbruch : Metropole Xiamen geht in Lockdown

PEKING: Ein neuer Ausbruch der Delta-Variante des Coronavirus hat für Menschen im Südosten Chinas weitreichende Einschränkungen zur Folge. Die Behörden der Küstenmetropole Xiamen in der Provinz Fujian forderten Bewohner am Dienstag dazu auf, die Stadt nicht mehr zu verlassen. Großveranstaltungen wurden abgesagt, Restaurants und Einkaufszentren angewiesen, die Zahl der Besucher zu reduzieren. Schulen schwenkten auf Online-Unterricht um.

Die Maßnahmen erfolgten, nachdem in der Stadt am Montag 32 neue Corona-Fälle entdeckt worden waren, womit die Zahl der Infektionen in der Provinz Fujian seit der vergangenen Woche auf über 100 angestiegen ist.

Der aktuelle Ausbruch hatte seinen Ursprung in der Stadt Putian, die nördlich von Xiamen liegt. Es wurde vermutet, dass ein Familienvater nach seiner Rückkehr aus Singapur das Virus eingeschleppt hat. Der Mann war am 4. August zurück nach China gereist, verbrachte 21 Tage in Quarantäne und war neun Mal negativ auf das Virus getestet worden. Am vergangenen Freitag fiel ein Test dann aber positiv aus. Auch Putian befindet sich seit dem Wochenende im Lockdown.

Die chinesische Regierung verfolgt eine «Null-Covid-Strategie». Mit Ausgangssperren, Massentests, Kontaktverfolgung, Quarantäne und strengen Einreisebeschränkungen hat das Land das Coronavirus weitgehend im Griff. Zuletzt hatte es eine Häufung lokaler Ausbrüche der Delta-Variante gegeben, die aber bislang mit strikten Maßnahmen stets wieder unter Kontrolle gebracht werden konnten.


Australiens Hauptstadt bleibt einen weiteren Monat im Lockdown

CANBERRA: Die Region Australian Capital Territory (ACT) mit der australischen Hauptstadt Canberra bleibt einen weiteren Monat im Lockdown. Diese Entscheidung traf die Regionalregierung am Dienstag, nachdem die Behörden in dem Territorium 22 Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet hatten.

Canberra ist vom Bundesstaat New South Wales umschlossen, der von der derzeitigen Welle besonders schwer betroffen und seit einem guten Monat im Lockdown ist. Mitte August wurde im ACT erstmals seit einem Jahr wieder ein Corona-Fall bestätigt.

Die Regionalregierung teilte weiter mit, dass bislang etwa 50 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft seien. Im Australian Capital Territory leben rund 430.000 Menschen. Die Beschränkungen sollen erst dann gelockert werden, wenn mindestens 70 Prozent der Bürger zwei Impfdosen erhalten haben, hieß es.

Auch die Bundesstaaten New South Wales mit der Metropole Sydney und Victoria mit der Millionenstadt Melbourne sind weiter im Lockdown. Australien mit seinen 25 Millionen Einwohnern hat seit Beginn der Corona-Krise eine Null-Covid-Strategie verfolgt und war wegen extrem strikter Regeln lange erfolgreich im Kampf gegen die Pandemie. Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante häufen sich aber die Lockdowns.

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