Corona-Überblick: Meldungen am Dienstag

Foto: Freepik
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Krankenhaus überschwemmt: Mindestens 16 Tote

TULA: Bei einem Hochwasser in Mexiko sind in einem überschwemmten Krankenhaus mindestens 16 Patienten ums Leben gekommen. In der Klinik in der zentralmexikanischen Stadt Tula konnten Covid-19-Patienten wegen eines Stromausfalls infolge der Überschwemmung nicht mit Sauerstoff versorgt werden, teilte der Chef des staatlichen Instituts für Soziale Sicherheit (IMSS), Zoé Robledo, in einem Video mit, das die Regierung am Dienstag auf Twitter veröffentlichte.

Drei Flüsse waren am Montagabend (Ortszeit) nach schwerem Regenfall über ihre Ufer getreten. Auch in der Stadt Ecatepec, wenige Kilometer von Mexikos Hauptstadt entfernt, kam es zu Überschwemmungen.

In dem Krankenhaus in Tula, das im Bundesstaat Hidalgo liegt, waren laut Robledo 56 Patienten behandelt worden - der Großteil wegen Covid-19-Erkrankungen. Die Überlebenden würden in Sicherheit gebracht. Medienberichten zufolge mussten auch Neugeborene in Brutkästen evakuiert werden. Hunderte Menschen hatten im Morgengrauen in Notunterkünften Unterschlupf suchen müssen. Die mexikanische Regierung erklärte in 27 Gemeinden in Hidalgo den Notstand und schickte Soldaten zur Hilfe in die betroffenen Gebiete.


Regierung und Opposition Venezuelas vereinbaren humanitäre Bemühungen

MEXIKO-STADT: Die venezolanische Regierung des autoritären Staatschefs Nicolás Maduro und die Opposition um den selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó wollen gemeinsam die humanitäre Krise des Landes angehen. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung der beiden Seiten vom Montagabend (Ortszeit) hervor. Demnach wurde unter anderem die Schaffung einer Arbeitsgruppe mit Vertretern beider Parteien vereinbart, um die Bedürfnisse der Bevölkerung nach Gesundheitsversorgung und Lebensmitteln - besonders in Hinblick auf die Folgen der Corona-Pandemie - zu befriedigen. Nach Angaben der Opposition sollen dabei auch Mittel zum Kauf von Corona-Impfstoffen aufgetan werden.

Der Präsident bezeichnete die Vereinbarung bei Twitter als Erfolg für die Venezolaner, Guaidó sprach von Fortschritten, durch die Leben gerettet werden könnten. Der Oppositionsführer Guaidó hatte sich Anfang 2019 zum Interimspräsidenten erklärt und war von zahlreichen Ländern - darunter Deutschland und die USA - als legitimer Staatschef anerkannt worden. Es gelang ihm bisher jedoch nicht, Maduro aus dem Amt zu drängen. Angesichts weit verbreiteter Armut und Gewalt in dem einst reichen Land haben rund 5,6 Millionen Venezolaner ihre Heimat verlassen.

In den vergangenen Jahren waren mehrere Gesprächsrunden zwischen Regierung und Opposition gescheitert. Der neue Dialog wurde im August eingeleitet. Maduros sozialistische Regierung verlangt unter anderem eine Lockerung internationaler Sanktionen, die Opposition fordert freie Wahlen und die Freilassung politischer Gefangener.


Schweden will die meisten Corona-Beschränkungen aufheben

STOCKHOLM: Nach Dänemark will auch Schweden seine Corona-Beschränkungen weitestgehend aufheben. Sozialministerin Lena Hallengren sagte am Dienstag, dass die Personenbegrenzungen bei öffentlichen Veranstaltungen wie Konzerten und Fußballspielen und bei privaten Feiern am 29. September aufgehoben würden. Auch die Empfehlung, von zu Hause aus zu arbeiten, werde zurückgenommen.

«Dank einer erfolgreichen Impfkampagne sind wir im Umgang mit der Pandemie weit gekommen», sagte die Ministerin. Die schwedische Gesellschaft befinde sich in einer besseren Situation. Nun seien es hauptsächlich ungeimpfte Menschen, die krank würden und im Krankenhaus behandelt werden müssten. Am Dienstag lagen 57 Patienten wegen einer Covid-19-Infektion auf einer Intensivstation.

In Schweden haben inzwischen rund 82 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahren eine Impfdosis und 70 Prozent zwei Dosen bekommen. Der Direktor der Gesundheitsbehörde, Johan Carlson, sagte, Geimpfte könnten nach dem 29. September im Prinzip ein normales Leben führen. Für Ungeimpfte bestehe weiterhin die Gefahr einer schweren Erkrankung.


30.000 ultraorthodoxe Juden feiern Neujahrsfest

UMAN: Ein Jahr nach einer Corona-Zwangspause haben Zehntausende ultraorthodoxe Juden in der Ukraine das jüdische Neujahrsfest gefeiert. Rund 30.000 Chassiden seien zu den Feierlichkeiten am Grab des Rabbi Nachman in der Kleinstadt Uman eingetroffen, teilte die Polizei des Gebietes Tscherkassy am Dienstag mit. Größere Zwischenfälle habe es nicht gegeben.

Noch im vergangenen Jahr hatte die Ukraine wegen der Coronavirus-Epidemie den Pilgern die Einreise nicht erlaubt. Auch Israel hatte damals um das Einreiseverbot gebeten, um eine weitere Ausbreitung des Virus unter den Pilgern zu verhindern. Hunderte versuchten trotzdem, über Belarus (Weißrussland) in die Ukraine zu reisen. Sie strandeten jedoch im Grenzgebiet zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken und kehrten erst nach mehreren Tagen wieder um.


Corona-Impfstoffe decken bald weltweiten Bedarf

GENF: Die Verfügbarkeit von Corona-Impfstoffen steigt nach Einschätzung von Experten weiter deutlich an. Bis Ende 2021 werden zwölf Milliarden Dosen produziert sein, wie die auf Unternehmens- und Wissenschaftsdaten spezialisierte Firma Airfinity am Dienstag in Genf mitteilte. Rund die Hälfte davon gehe auf das Konto chinesischer Vakzine, die andere Hälfte produzierten westliche Hersteller, hieß es. Aktuell sei fast jeder dritte Mensch auf der Erde vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Auch jüngste Daten zeigten, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Infektion und vor allem gegen schwere Verläufe sehr hoch sei. Dies gelte auch für die besonders ansteckende Delta-Variante des Virus.

Die USA, Kanada, die EU und Großbritannien würden Ende September über so viele Impfdosen verfügen, dass sie ohne weiteren Schaden für eigene Impfkampagnen rund 500 Millionen Dosen an andere Staaten weitergeben könnten, so Airfinity-Chef Rasmus Bech Hansen.

Für 2022 rechnet Pfizer-Vorstandschef Albert Bourla mit einer weiteren Produktionssteigerung auf vier Milliarden Dosen des Impfstoffes von Pfizer/Biontech. Ein großer Teil davon werde bereits in ärmere Länder geliefert. 2022 werde die Versorgung mit Impfstoffen zum Beispiel für Afrika so gut sein, dass sich nicht mehr die Frage stellen werde, ob man sich impfen lassen könne, sondern - analog zu Europa und den USA - ob sich die Menschen impfen lassen wollten, meinte Bourla.

Im Schatten der Impfdiskussion hätten sich auch große Fortschritte bei der Behandlung von Covid-19 etabliert, so Bech Hansen. Habe es zu Beginn nur eine allgemein anerkannte Therapie gegeben, seien es nun acht, hieß es. Diese Entwicklung habe Millionen Leben gerettet.


Deutscher Bundestag beschließt mehrere Corona-Neuregelungen

BERLIN: Die Zahl der Corona-Patienten in den Kliniken soll in Deutschland künftig die wesentliche Messlatte zur Beurteilung der Pandemielage sein. Das sieht eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes vor, die der Bundestag am Dienstag beschlossen hat.

Dies soll die bisherige Orientierung an den Infektionszahlen ablösen, die angesichts der Impfungen nicht mehr als so aussagekräftig gelten. Berücksichtigt werden sollen aber auch «weitere Indikatoren». Genannt werden die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, verfügbare Intensivkapazitäten und die Zahl der Geimpften. Die Länder sollen dann jeweils festlegen können, wo kritische Schwellen liegen, ab denen weitergehende Alltagsbeschränkungen greifen.

Außerdem sollen Beschäftigte in Kitas, Schulen und Pflegeheimen für die Zeit der Krise vom Arbeitgeber gefragt werden können, ob sie geimpft sind. Die Änderungen im Infektionsschutzgesetz wurden an das Gesetzesverfahren angehängt, mit dem ein milliardenschwerer Hilfsfonds für den Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands eingerichtet wird. Der Bundesrat soll den Neuregelungen in einer Sondersitzung am Freitag noch zustimmen.


Kuba beginnt mit Corona-Impfung von Kindern ab zwei Jahren

CIENFUEGOS: Kuba hat mit der Impfung von Kindern im Alter zwischen zwei und elf Jahren gegen das Coronavirus begonnen. Die ersten Kinder dieser Altersgruppe seien im Kindergarten «Amiguitos del Granma» in Cienfuegos im Zentrum der Karibikinsel mit dem in Kuba entwickelten Impfstoff Soberana 02 geimpft worden, teilten die örtliche Gemeindevertretung und das staatliche Pharmaunternehmen BioCubaFarma am Montag mit.

Erst Ende vergangener Woche hatte das staatliche Zentrum für die Kontrolle von Medikamenten und medizinischen Geräten (Cecmed) dem Impfstoff Soberana 02 eine Notfallzulassung für Kinder ab zwei Jahren erteilt. Kuba verfügt über viel Erfahrung bei der Entwicklung von Impfstoffen. Im Juli war mit Abdala der erste in Lateinamerika entwickelte Corona-Impfstoff in Kuba zugelassen worden. Später kamen die Vakzine Soberana 02 und Soberana Plus hinzu. Die Studienergebnisse zu den kubanischen Corona-Impfstoffen wurden allerdings bislang nicht unabhängig geprüft.


Mehr als 40 Millionen Corona-Infektionen in den USA

WASHINGTON: Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in den USA auf mehr als 40 Millionen gestiegen. Bislang wurden 40.018 326 Fälle registriert, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore vom Dienstagmorgen (MESZ) hervorging. Damit lagen die USA in absoluten Zahlen weltweit an erster Stelle vor Indien und Brasilien.

Rund 649.000 Menschen starben laut JHU bisher in den Vereinigten Staaten in Zusammenhang mit dem Virus. Im Durchschnitt der vergangenen Woche infizierten sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC landesweit pro Tag etwa 150.000 Bürger in den USA mit Sars-CoV-2.

Der Immunologe Anthony Fauci, der zu den Beratern von US-Präsident Joe Biden zählt, warnte angesichts der Corona-Ausbreitung vor einem Krankenhaus-Notstand in einigen Regionen. Mediziner könnten sich gezwungen sehen zu entscheiden, wer zuerst ein Bett auf der Intensivstation erhalte. «Wir sind gefährlich nah dran», sagte Fauci dem Sender CNN. Er rief deshalb erneut dazu auf, sich impfen zu lassen und Masken zu tragen. Laut CDC sind in dem rund 330 Millionen Einwohner zählenden Land bislang 53 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Die Johns-Hopkins-Webseite wird regelmäßig aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder der CDC. In manchen Fällen werden die Zahlen - unter anderem die der Neuinfektionen binnen 24 Stunden, aber auch die der Toten - nachträglich aktualisiert.


GDL-Streik beendet - Bahnverkehr läuft wieder an

BERLIN: Der dritte Streik im laufenden Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn ist am frühen Dienstagmorgen wie geplant zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) bestätigte, der Arbeitskampf sei wie angekündigt um 2.00 Uhr vorerst beendet worden. Eine Bahnsprecherin sagte, der Zugverkehr laufe in Deutschland wieder wie gewohnt an. Die Bahn teilte weiter mit, sie gehe davon aus, dass die Züge im Laufe des Dienstags wieder überwiegend nach dem normalen Fahrplan fahren würden. Ein Fazit kündigten beide Seiten für den weiteren Tagesverlauf an.

Mehr als fünf Tage lang hatte der Streik den Güter- und Personenverkehr in Deutschland stark eingeschränkt. Im aktuellen Tarifstreit beim Konzern war es die bisher längste Streikrunde. Gelöst ist der Tarifkonflikt allerdings noch nicht.

Die GDL kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder. Sie fordert insgesamt 3,2 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 28 Monaten sowie einer Corona-Prämie von 600 Euro. Die Bahn hatte zuletzt eine Laufzeit von 36 Monaten angeboten und der Corona-Prämie zugestimmt.

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