Corona-Überblick: Meldungen am Dienstag

Leute schauen auf das touristische Kreuzfahrtschiff
Leute schauen auf das touristische Kreuzfahrtschiff "Odyssey of the Seas", das vor der Küste in der Bucht von Mallorca vor Anker liegt. Foto: epa/Atienza

Mallorca verschiebt Sperrstunde auf zwei Uhr morgens

PALMA: Die Party-Insel Mallorca nähert sich im Zuge der guten Entwicklung der Corona-Lage immer mehr der Normalität. Die Sperrstunde für Gastronomiebetriebe und Nachtlokale wird ab Samstagabend auf der spanischen Insel und den anderen Balearen Ibiza, Menorca und Formentera von bisher Mitternacht auf zwei Uhr morgens verlegt. Die neuen Regeln wolle man am Freitag offiziell beschließen, sagte der Sprecher der Regionalregierung, Iago Negueruela, am Dienstagabend vor Journalisten in Palma.

Zudem werden ab Samstag andere Einschränkungen gelockert: In den Außenbereichen von Restaurants, Bars und Cafés dürfen statt wie bisher zehn künftig zwölf Personen an einem Tisch Platz nehmen. Für die Innenbereiche gilt weiterhin die Regelung, dass maximal 50 Prozent der Plätze besetzt werden und maximal sechs Personen an einem Tisch sitzen dürfen. Wirte dürfen ihre Gäste aber wieder auch am Tresen bedienen. Dort sind allerdings neben anderen Auflagen vorerst nur Gruppen von höchstens zwei Personen gestattet.

Diskotheken bleiben auf den Balearen noch mindestens bis Mitte Juli geschlossen. Es gibt weitere Auflagen, wie etwa die Maskenpflicht auch im Freien, die vorerst noch sowohl auf Mallorca, der liebsten Insel der Deutschen, wie auch nahezu überall in Spanien herrscht.

Die Corona-Zahlen gehen in Spanien seit Monaten kontinuierlich zurück. Zuletzt wurden am Dienstag landesweit 43 Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen erfasst. Diese Sieben-Tage-Inzidenz beträgt auf den Balearen derzeit sogar nur rund 19. Damit liegt die Region in Spanien nur knapp schlechter als Valencia (ca. 17) sowie Galicien (ca. 18).


Südafrika verschärft Restriktionen nach Anziehen der Corona-Zahlen

JOHANNESBURG: Als Reaktion auf ein deutliches Anziehen der Corona-Infektionszahlen verschärft Südafrika erneut seine Restriktionen. Präsident Cyril Ramaphosa kündigte am Dienstagabend in einer TV-Rede an die Nation eine Heraufstufung auf die Alarmstufe drei an. Sie sieht Beschränkungen bei Versammlungen, beim Alkoholverkauf sowie nächtliche Ausgangsbeschränkungen vor. «Wir müssen schnell und entschlossen handeln», warnte Ramaphosa. Am schwersten betroffen sei die Region um das Wirtschaftszentrum des Landes in Johannesburg und Pretoria, die rund zwei Drittel aller landesweiten täglichen Neuinfektionen registriert. Dort befindet sich laut Ramaphosa die Gesundheitsinfrastruktur an der Kapazitätsgrenze.

Auf der Südhalbkugel hat der Winter begonnen. Das zahlenmäßig am schwersten betroffene Land Afrikas hat inmitten einer dritten Infektionswelle bisher 1,75 Millionen Fälle dokumentiert. In dem Kap-Staat kursiert eine neue Variante des Sars-CoV-2-Virus, die als besonders ansteckend gilt. Deswegen haben viele Länder Restriktionen für Reisende aus Südafrika verhängt. Bisher sind knapp zwei Millionen Menschen in dem Kap-Staat geimpft. Aktuell würden rund 150.000 Menschen über 60 Jahren pro Tag geimpft - eine Zahl, die bald auf 200.000 steigen sollen.

Die bisherigen Restriktionen hatten eine verheerende Auswirkung auf die Wirtschaft in Südafrika. Millionen Südafrikaner in der informellen Wirtschaft oder ohne Arbeit kämpfen demnach um ihr Überleben, Armut und Nahrungsmittelunsicherheit haben sich in wenigen Wochen dramatisch verschärft. Bereits vor der Corona-Epidemie steckte Afrikas zweitgrößte Volkswirtschaft in einer schwierigen Lage. Das Land mit seiner hohen Arbeitslosigkeit und brutalen sozialen Ungleichheit kämpft seit Jahren mit strukturellen wirtschaftlichen Problemen und einer unzuverlässigen Stromversorgung.

Das Coronavirus hat sich auf dem afrikanischen Kontinent zunächst relativ langsam verbreitet, die Gesamtzahl ist weiter gering im Vergleich zu anderen Regionen. Die Dunkelziffer gilt jedoch als hoch.


Mehr als 600.000 Corona-Tote in den USA

WASHINGTON: Seit Beginn der Pandemie sind in den USA mehr als 600.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das ging am Dienstag aus Daten der Universität Johns Hopkins (JHU) in der US-Stadt Baltimore hervor. In keinem anderen Land der Welt sind so viele Tote im Zusammenhang mit dem Erreger Sars-CoV-2 erfasst worden. In den USA leben rund 330 Millionen Einwohner. Die Vereinigten Staaten sind in absoluten Zahlen auch mit Blick auf die nachgewiesenen Infektionen - mittlerweile knapp 33,5 Millionen - das am schlimmsten von der Pandemie betroffene Land.

US-Präsident Joe Biden hatte den Angehörigen der Toten am Montag in Brüssel seine Anteilnahme ausgedrückt. «Mein Mitgefühl gilt allen, die einen geliebten Menschen verloren haben», sagte er und rief die Amerikaner auf, sich impfen zu lassen. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC haben 52,5 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine Dosis bekommen, 43,7 Prozent sind voll geimpft.

Ende Februar hatte die Zahl der Toten in den USA die Marke von einer halben Million überschritten. Aufgrund des Impffortschritts waren die täglich registrierten Todeszahlen in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. Pro Tag sterben jedoch noch immer mehrere Hundert Menschen in den USA infolge einer Corona-Infektion. Sorge bereitet zunehmend zudem die hochansteckende Delta-Variante.

Die Webseite der Universität wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der US-Gesundheitsbehörde CDC. In manchen Fällen wurden die Zahlen zuletzt aber auch wieder nach unten korrigiert.


Lektionen gelernt: EU-Vorbereitung auf nächste Pandemie

BRÜSSEL: Europa will auf künftige Pandemien deutlich besser vorbereitet sein - entsprechende Vorschläge wie das gehen soll, hat die EU-Kommission am Dienstagabend vorgestellt. Als eine der Lehren aus der Corona-Pandemie soll es ab Ende des Jahres einen europäischen Chef-Epidemiologen geben. Damit soll unter anderem die Kommunikation in einer Pandemie verbessert werden. Zudem ist geplant, noch in diesem Jahr ein neues und verbessertes Informationssystem einzuführen. «Wir müssen nun diese Lehren in Veränderungen umwandeln», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen laut einer Mitteilung.

Künftig soll es auch jährlich einen Bericht über den Status von Vorbereitungen geben, zudem wird die Möglichkeit diskutiert, einen EU-weiten Pandemie-Ausnahmezustand ausrufen zu können. Zudem will die EU in der Lage sein, 500 bis 700 Millionen Impfdosen im Jahr zu produzieren, die Hälfte davon während der ersten sechs Monate einer Pandemie. EU-Vizekommissionspräsident Margaritis Schinas betonte, die Lehren bezögen sich nur auf gesundheitliche, nicht auf wirtschaftliche Aspekte.

Noch sind die Ideen nicht beschlossen. Über die Vorschläge der EU-Kommission soll beim kommenden EU-Gipfel Ende nächster Woche gesprochen werden. Neben den Staats- und Regierungschefs sollen auch die Europaparlamentarier mitreden können. Bis Ende des Jahres will die Kommission dann konkrete Ergebnisse vorlegen.


«Zurück ins Leben wie wir es kennen»: 70 Prozent in New York geimpft

NEW YORK: Nachdem mehr als 70 Prozent der Erwachsenen im US-Bundesstaat New York mindestens eine Impfdosis gegen das Coronavirus bekommen haben, hat Gouverneur Andrew Cuomo alle noch verbliebenen Einschränkungen aufgehoben. «Heute ist ein bedeutsamer Tag», sagte Cuomo am Dienstag bei einer Pressekonferenz. «Wir können jetzt in das Leben zurückkehren, was wir kennen.» Zuvor hatte es unter anderem noch Beschränkungen für Großveranstaltungen und ähnliches gegeben, die meisten Einschränkungen des Alltags waren allerdings schon in den vergangenen Wochen aufgehoben worden.

Mit 70 Prozent Erstimpfungen bei Erwachsenen hat der Bundesstaat auch das von US-Präsident Joe Biden landesweit bis zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli vorgegebene Ziel erreicht. Zur Feier solle es in der Nacht zum Mittwoch an zahlreichen Orten im Bundesstaat Feuerwerk geben, außerdem sollten berühmte Gebäude in Gold und Blau leuchten, sagte Cuomo. Nicht alle Bundesstaaten sind schon so weit, landesweit haben nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC rund 65 Prozent aller Erwachsenen mindestens eine Impfdosis erhalten.

New York war im vergangenen Frühjahr zum Epizentrum der Coronavirus-Pandemie in den USA geworden. Inzwischen ist das Infektionsgeschehen weitgehend unter Kontrolle - Gouverneur Cuomo rief die New Yorker aber auf, weiter wachsam zu bleiben. Zudem sind beispielsweise in Schulen und in öffentlichen Transportmitteln weiter Masken vorgeschrieben. «Ich gebe mein Handdesinfektionsmittel noch nicht her», sagte Cuomo.


Lettland lockert Corona-Einreisebeschränkungen

RIGA: Lettland hat die coronabedingten Einreisebeschränkungen für nachweislich Geimpfte und Genese gelockert. Wer bei Einreise in das baltische EU-Land ein digitales Covid-19-Zertifikat vorlegt, muss sich von Mittwoch an nicht mehr testen lassen und nicht mehr für 10 Tage in Quarantäne. Auch darf jeder künftig wieder ohne triftigen Grund in den Ostseestaat im Nordosten Europas einreisen. Dies teilte das Verkehrsministerium in Riga am Dienstag mit.

Die Ankündigung folgt auf neue Vorrechte für Geimpfte, Getestete und Genesene bei Veranstaltungen und in der Gastronomie. Die Regierung in Riga beschloss am Dienstag zudem Lockerungen der allgemeinen Maskenpflicht und der geltenden Corona-Regeln im Einzelhandel.

In Lettland mit seinen 1,9 Millionen Einwohnern hat sich die Corona-Lage zuletzt deutlich entspannt. Dennoch ist die Entwicklung weiter schlechter als in Deutschland. Der Baltenstaat weist nach Angaben der EU-Behörde ECDC aktuell noch immer eine der höchsten Infektionsraten in Europa auf. Auch die Impfkampagne verläuft bislang durchwachsen.


Neue Corona-Fälle auf Grönland - Flüge aus Nuuk eingestellt

KOPENHAGEN: Nach neuen Infektionen im relativ coronafreien Grönland sind alle Flüge aus der Hauptstadt Nuuk eingestellt worden. Schiffe dürfen den Hafen nicht mehr verlassen. Zuvor waren auf der weltweit größten Insel mindestens sechs neue Corona-Fälle entdeckt worden, wie der Rundfunksender KNR und die Zeitung «Sermitsiaq» (Dienstag) berichteten. Bis zu 200 Menschen, die mit den Infizierten Kontakt hatten, sollen nun getestet werden.

Grönland zählt zum dänischen Königreich, ist aber weitgehend autonom. Monatelang hatten es die Menschen dort geschafft, das Virus bis auf wenige Fälle fernzuhalten. Im Mai gab es dann in Nuuk einige Fälle, weshalb für vier Tage strikte Beschränkungen erlassen wurden. Wie lange Flugzeuge nun aufs Neue am Boden bleiben müssen, ist noch unklar.

Nach Regierungsangaben wurden seit Beginn der Pandemie auf Grönland 49 Infektionen nachgewiesen. Niemand starb daran. Von den etwa 56.000 Einwohnern haben mehr als 21.000 die erste Impfung erhalten. 9400 bekamen bereits eine zweite Spritze.


Auch Schottland wird weitere Corona-Lockerungen wohl verschieben

EDINBURGH: Wie in England müssen sich auch die Menschen in Schottland wohl noch länger gedulden, bis weitere Corona-Maßnahmen gelockert werden. Regierungschefin Nicola Sturgeon sagte am Dienstag in Edinburgh, es sei sehr unwahrscheinlich, dass am 28. Juni weiter gelockert werden könne. Ursprünglich sollte an diesem Datum das gesamte Land wieder weitgehend zur Normalität zurückkehren. Eine endgültige Entscheidung soll kommende Woche getroffen werden.

Man müsse sich genügend Zeit verschaffen, um noch deutlich mehr Menschen vollständig zu impfen, sagte Sturgeon. Wegen der rapiden Ausbreitung der zunächst in Indien entdeckten, sehr ansteckenden Delta-Variante liegen die Corona-Fallzahlen in Schottland derzeit wieder fünfmal so hoch wie noch Anfang Mai.

Premierminister Boris Johnson hatte am Montag für England eine Verlängerung der noch geltenden Corona-Maßnahmen bis voraussichtlich zum 19. Juli angekündigt. Anders als England setzt Schottland je nach Infektionslage auf regionale Unterschiede bei den Corona-Maßnahmen. So gelten etwa auf den abgelegenen Inseln bereits deutlich weniger strikte Regeln als etwa in den Städten, wo die Fälle zuletzt wieder deutlich zunahmen.


Namibia verschiebt Debatte über Abkommen mit Deutschland

WINDHUK: In Namibia verschiebt sich die parlamentarische Debatte über das unterschriftsreife Abkommen zur Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit. Wegen der Corona-Pandemie würden alle Sitzungen in dieser Woche ausgesetzt, gab die Parlamentsverwaltung am Dienstag in der Haupstadt Windhuk bekannt. «Die Aussetzung ist begründet in der zunehmenden Zahl von Mitarbeitern und Abgeordneten, die positiv auf Covid 19 getestet wurden.» Das Parlamentsgebäude müsse umfangreich desinfiziert werden.

Im Winter der Süd-Hemisphäre wird Namibia wie viele andere Staaten Afrikas gerade von einer dritten Corona-Welle überrollt. Deshalb werden die geltenden Corona-Maßnahmen ab Mitternacht für 14 Tage verschärft. Dies gab Präsident Hage Geingob in einer Fernsehansprache bekannt. Demnach soll der Bezirk Windhuk, wo mehr als 52 Prozent aller Infektionsfälle aufgetreten sind, abgeriegelt werden. Auch sollen die Schulen für zwei Wochen geschlossen bleiben.

Mit Blick auf das mit Deutschland ausgehandelte Abkommen sagte Parlamentssprecher David Nahongandja der Deutschen Presse-Agentur: «Das Abkommen wurden dem Parlament bisher noch nicht vorgelegt, das ist Sache der Regierung.» Unklar blieb, wann genau das nun für kommende Woche vorgesehen ist.

In dem Abkommen erkennt die Bundesregierung mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen der deutschen Kolonialmacht im heutigen Namibia die Gräueltaten an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord an. Die Nachkommen will Deutschland offiziell um Vergebung bitten und mit insgesamt 1,1 Milliarden Euro unterstützen. Die Verhandlungen wurden von Beauftragten der beiden Regierungen geführt, Herero und Nama waren eng eingebunden. Von einigen Vertretern der Volksgruppen gab jedoch harsche Kritik.


Sorge vor Ausbreitung der Delta-Variante

PARIS: In Frankreich wächst die Sorge vor einer Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante des Coronavirus. Derzeit werde bei zwei bis vier Prozent der positiven Corona-Tests, die auf Varianten untersucht werden, die zunächst in Indien entdeckte Variante festgestellt, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran am Dienstag in Paris. Das klinge zwar nach wenig, sei aber vergleichbar mit der Lage in Großbritannien vor einigen Wochen.

Die Delta-Variante hat die Corona-Zahlen in Großbritannien wieder ansteigen lassen. Die geplante Aufhebung aller Restriktionen wurde deshalb am Montag um vier Wochen verschoben.

In Frankreich hat sich die Corona-Lage zuletzt deutlich entspannt. Zuletzt wurden landesweit etwa 43 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gezählt. Bis Montagabend erhielten knapp 46 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine Spritze. Seit diesem Dienstag können sich auch Jugendliche ab 12 Jahren impfen lassen. Dafür brauchen sie die Zustimmung der Eltern.


Hochzeit, aber ohne Tanzen - Englische Paare enttäuscht

LONDON: Die Verlängerung der geltenden Corona-Maßnahmen in England stellt viele heiratswillige Paare vor Herausforderungen. Zwar gibt es für Hochzeiten ab dem 21. Juni - anders als für viele andere Bereiche - tatsächlich Lockerungen, allerdings können weiterhin keine rauschenden Feste ohne Auflagen stattfinden. So dürfen zwar wieder mehr als 30 Gäste zu Hochzeiten eingeladen werden, aber drinnen sind keine Tanzflächen erlaubt. Auch draußen wird vom Tanzen abgeraten, da Abstandsregeln weiter eingehalten werden sollen.

Der konservative Abgeordnete Elliot Colburn erklärte laut einem Bericht von «Sky News» am Dienstag, er sei am Boden zerstört, dass Zehntausende Paare, wie auch er selbst, ihre Hochzeitsfeiern immer wieder aufs Neue verschieben müssten, da sie nicht so feiern könnten wie geplant.

In England sind wegen der hochansteckenden Delta-Variante die noch geltenden Corona-Beschränkungen bis voraussichtlich 19. Juli verlängert worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in Großbritannien wieder bei knapp 68. Allerdings finden im Rahmen von Pilotprojekten trotzdem einige Großevents statt - wie etwa das EM-Finale in Wembley mit rund 40.000 Zuschauern.


6,6 Millionen digitale Impfnachweise - System zeitweise überlastet

LUXEMBURG/BERLIN: Großer Andrang auf den neuen digitalen Corona-Impfnachweis hat am Dienstag zwischenzeitlich zu einzelnen technischen Verzögerungen geführt. Das System sei wegen des Ansturms zeitweise überlastet gewesen, teilte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage in Berlin mit. Insgesamt seien aber bis zum Nachmittag inzwischen 6,6 Millionen Zertifikate von Impfzentren, mobilen Diensten, Arztpraxen und Apotheken ausgegeben worden.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte am Rande eines Treffens mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg, gerade jetzt zu Beginn des Sommers und der Reisezeit sei es für viele Bürgerinnen und Bürger wichtig, dass es eine Einheitlichkeit gebe: «Dass ein digitaler Impfpass, der in Deutschland oder Spanien oder Finnland ausgestellt wird, eben auch dann in allen europäischen Ländern genutzt werden kann und gültig ist», sagte der CDU-Politiker.

In Rheinland-Pfalz geriet die Ausgabe der digitalen Zertifikate am Dienstag wegen technischer Probleme auf der Bundesplattform ins Stocken, wie das Landesgesundheitsministerium mitteilte. Wie ein Sprecher sagte, hielt diese Situation vier Stunden lang an. Demnach kam es zu Verzögerungen. Laut Landesapothekerverband waren etliche Apotheken betroffen. Im Saarland wirkten sich ebenfalls technische Probleme auf der Bundesplattform auf Impfzentren aus, wie das Landesministerium erklärte. Mitarbeiter sollten betroffene Bürger notieren, damit ihnen nachträglich die Zertifikate zugeleitet werden können.

Der EU-weit vereinbarte digitale Nachweis einer vollständigen Impfung ist eine freiwillige Ergänzung zum weiter gültigen gelben Impfheft aus Papier. Erstellt werden soll der digitale Nachweis direkt an der Impfstelle, nachträglich ist es seit Montag auch in vielen Apotheken möglich. Wegen großen Interesses kam es vielerorts zu technischen Problemen und überlasteten Servern. Die Apotheken rieten dazu, dass sich nicht alle sofort einen digitalen Impfnachweis holen sollten.


Ab Mittwoch Impfung für alle ab 18

ATHEN: Von Mittwoch an können sich in Griechenland alle Erwachsenen im Alter ab 18 Jahren impfen lassen. Die Impfpriorisierung nach Altersgruppen wird damit aufgehoben, wie das griechische Impfkomitee am Montagabend mitteilte.

Zudem wurde der Einsatz des Impfstoffs Astrazeneca erneut eingeschränkt - er soll künftig nur noch Menschen über 60 verabreicht werden. Begründet wird die Entscheidung mit den niedrigen Fallzahlen in Griechenland. Den Impfexperten zufolge ist es für jüngere Menschen derzeit unwahrscheinlicher, sich mit Corona zu infizieren, als durch Astrazeneca ein lebensgefährliches Blutgerinnsel zu entwickeln.

Fast die Hälfte der rund elf Millionen Einwohner des Landes ist nach Angaben der Gesundheitsbehörde bisher mindestens einmal geimpft worden. Am Montag zählte die Behörde 472 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. In Griechenland sind die meisten strengen Corona-Auflagen mittlerweile abgeschafft; es gelten allerdings zahlreiche Abstands- und Sicherheitsmaßnahmen sowie Maskenpflicht im öffentlichen Raum.


Japans Regierungschef Suga übersteht Misstrauensvotum

TOKIO: Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga hat ein Misstrauensvotum der Opposition überstanden. Mit einer Mehrheit der Abgeordneten seiner Liberaldemokratischen Partei (LDP) und ihres kleineren Koalitionspartners Komeito stimmte das maßgebliche Unterhaus des Parlaments am Dienstag gegen die Opposition. Diese kritisiert Suga wegen seines Umgang mit der Corona-Pandemie und seines unbeirrten Festhaltens an den Olympischen Spielen. Das zersplitterte Oppositionslager wollte die Debatte hierüber fortsetzen, doch ihre Forderung nach Verlängerung der laufenden Parlamentssitzung wies die Regierung als unnötig zurück.

Suga, dessen Amtszeit als Partei- und damit Regierungschef am 30. September endet, muss spätestens am 21. Oktober Unterhauswahlen ansetzen. Beobachter gehen davon aus, dass er damit bis nach den Olympischen Spielen warten dürfte. Ein Machtwechsel gilt jedoch angesichts der Zersplitterung und Schwäche des Oppositionslagers sowie der verbreiteten Politikverdrossenheit als unwahrscheinlich. Viele sehen zu den Regierungsparteien weiterhin keine Alternative.

Suga hofft laut politischen Beobachtern, dass die Olympischen Spiele trotz der Pandemie erfolgreich verlaufen und sich die Stimmung im Volk doch noch dreht. Dies könnte ihm Rückenwind für die Wahl zum LDP-Parteichef und die anstehenden Wahlen zum Parlament verschaffen.

Suga hatte sich zu Beginn seiner Amtszeit Umfragewerte um die 70 Prozent erfreut. Doch eine Serie von Skandalen um Vetternwirtschaft von Mitgliedern seiner Partei sowie Sugas Umgang mit der Corona-Pandemie und der erst spät in Schwung gekommene Impfprozess ließen seine Umfragewerte stark absinken. Auch sein Festhalten an den Olympischen Spielen in Tokio trotz der Pandemie sorgt für Kritik. In mehreren Umfragen hatte sich eine Mehrheit der Japaner dafür ausgesprochen, die Spiele erneut zu verschieben oder ganz abzusagen.


Datenanalyse: Impfung verhindert Klinikaufenthalt bei Delta-Variante

LONDON: Ein vollständiger Impfschutz mit zwei Dosen der Mittel von Biontech/Pfizer oder Astrazeneca verhindert einer britischen Datenanalyse zufolge sehr gut schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante des Coronavirus. Die Effektivität sei in etwa so hoch wie bei der zuvor dominierenden Alpha-Variante, teilte die Behörde Public Health England (PHE) am späten Montagabend mit.

Das Risiko für eine Krankenhauseinweisung wurde bei den vollständig Geimpften jeweils um mehr als 90 Prozent verglichen mit dem von Ungeimpften verringert. Die Untersuchung bestätige, wie wichtig es sei, die zweite Impfung zu erhalten, sagte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock. Vor allem beim Astrazeneca-Impfstoff fiel die Schutzwirkung nach der ersten Dosis der Auswertung zufolge noch merklich geringer aus.

Für die PHE-Studie wurden zwischen dem 12. April und dem 4. Juni insgesamt symptomatische 14.019 Infektionen mit der Delta-Variante in England berücksichtigt, von denen 166 in Krankenhäusern behandelt wurden. Zuvor hatte bereits eine im Fachjournal «Nature» veröffentlichte Studie ergeben, dass der Impfstoff von Biontech und Pfizer vor der zuerst in Indien aufgetretenen Corona-Variante Delta (B.1.617.2) gut schützt.

Wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante, die mittlerweile in Großbritannien deutlich dominiert, hat der britische Premierminister Boris Johnson die für den 21. Juni geplante Aufhebung aller Corona-Maßnahmen um vier Wochen verschoben. In Deutschland dominiert derzeit noch die zuerst in Südostengland entdeckte Alpha-Variante, auch hier wird aber eine starke Ausbreitung der deutlich ansteckenderen Mutante Delta in den kommenden Monaten befürchtet.


Israel hebt Maskenpflicht bis auf wenige Ausnahmen auf

TEL AVIV: Israel hebt wegen der anhaltend niedrigen Zahl von Corona-Neuinfizierten die Maskenpflicht bis auf wenige Ausnahmen auf. Ab Dienstag müssen etwa nur noch ungeimpfte Besucher und Mitarbeiter in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen Masken tragen. Hintergrund ist das erhöhte Risiko der Patienten und Senioren, krank zu werden. Auch Personen, die sich auf dem Weg in ihre Quarantäne befinden, sowie Passagiere und Personal in Flugzeugen müssen weiter Masken tragen. Dies teilte das Gesundheitsministerium am Montagabend mit.

Das Neun-Millionen-Einwohner-Land Israel setzt seit dem 19. Dezember erfolgreich eine Impfkampagne um. Fast 5,5 Millionen Menschen haben bereits eine Erstimpfung und mehr als 5,1 Millionen eine Zweitimpfung erhalten. Neuinfektionen und schwere Erkrankungen gingen in den vergangenen Monaten stark zurück. Am Montag teilte das Gesundheitsministerium mit, binnen 24 Stunden seien nur vier neue Fälle registriert worden.

Zum 1. Juni hatte Israel bereits wegen des starken Rückgangs von Corona-Neuinfektionen und schweren Erkrankungen die staatlichen Beschränkungen weitgehend aufgehoben. Seither gab es bereits im Freien keine Maskenpflicht mehr. Zuletzt haben allerdings viele Israelis bereits in Geschäften keine Masken mehr getragen. Experten warnen weiter davor, dass neue Varianten aus dem Ausland eingeschleppt werden könnten.

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