Corona-Überblick: Meldungen am Dienstag

Foto: Pixabay
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Neues Epidemiegesetz verabschiedet - mehr Parlamentsmacht

KOPENHAGEN: Das dänische Parlament hat einem neuen Epidemiegesetz zugestimmt, das neue, weitreichende Beschränkungen zur Eindämmung von Infektionskrankheiten ermöglicht. Das Gesetz wurde am Dienstagabend mit großer Mehrheit verabschiedet. Zum 1. März ersetzt es die Gesetzesänderungen, die im März 2020 zu Beginn der Coronavirus-Pandemie im Schnellverfahren abgesegnet worden waren - kurz nachdem Ministerpräsidentin Mette Frederiksen strikte Corona-Maßnahmen in ihrem Land eingeführt hatte.

Zugleich verleiht das neue Gesetz dem Folketinget - dem Parlament in Kopenhagen - mehr Macht: Der Gesundheitsminister muss sich künftig an die Parlamentarier wenden, um Unterstützung für geplante Maßnahmen zu erhalten, bevor diese erlassen werden. Das bedeutet letztlich, dass die Regierung das Land nicht ohne Parlamentszustimmung in den Lockdown versetzen oder Maßnahmen erlassen kann. Das Folketinget kann jedoch nicht verhindern, wenn ein Minister geltende Bestimmungen aufheben, lockern oder leicht abändern will.

Nicht alle Dänen sind mit dem Gesetz einverstanden. Der Entwurf hatte in Kopenhagen über einen längeren Zeitraum zu Demonstrationen vor Schloss Christiansborg geführt, in dem das Parlament sitzt.

Dänemark befindet sich derzeit noch bis Ende Februar weitgehend im Lockdown. Es wird damit gerechnet, dass Frederiksens Regierung voraussichtlich am Mittwoch verkündet, inwieweit bestimmte Maßnahmen zum 1. März gelockert und welche darüber hinaus verlängert werden. Einen genauen Zeitpunkt für die Bekanntgabe hat die Regierung bisher nicht genannt.


EU-Kreise: Womöglich weitere Lieferengpässe bei Astrazeneca

BRÜSSEL: Beim Corona-Impfstoffhersteller Astrazeneca drohen weitere Lieferengpässe. Unternehmensvertreter hätten der Europäischen Union auch für das zweite Quartal mögliche Produktionsausfälle in Europa angezeigt, sagte ein EU-Vertreter am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Doch könnten diese Mengen theoretisch aus anderen Impfstofffabriken des Herstellers wettgemacht werden. Es gebe noch keinen akzeptierten Lieferplan für das Quartal.

Der EU-Vertreter reagierte damit auf Medienberichte, wonach Astrazeneca die Lieferung im zweiten Quartal von 180 auf 90 Millionen Dosen halbieren wolle. Dies sei so nicht zu bestätigen, hieß es. Offiziell teilte die Kommission mit, die Verhandlungen mit Astrazeneca über den Lieferplan liefen noch. Das Unternehmen sei dabei, den Plan «zu verfeinern und zu konsolidieren, auf Grundlage aller verfügbaren Produktionsstätten in Europa und außerhalb». Die Kommission erwarte «einen verbesserten Vorschlag für einen Lieferplan».

Astrazeneca hatte bereits Ende Januar überraschend eine drastische Kürzung der Liefermenge an die EU angekündigt: Statt 80 Millionen Dosen wollte das britisch-schwedische Unternehmen wegen Produktionsengpässen in Europa nur 31 Millionen an die EU liefern. Schließlich sagte die Firma 40 Millionen Dosen für die Zeit bis Ende März zu. Es sei jedoch unklar, ob diese Menge wirklich erreicht werde, hieß es aus EU-Kreisen.

Eine Astrazeneca-Sprecherin erklärte am Dienstag, die Lieferpläne würden ständig überarbeitet und die Kommission werde wöchentlich darüber informiert. Man arbeite «unglaublich hart» daran, die Produktivität der Lieferkette in der EU zu erhöhen und alles Erdenkliche zu tun, um die globale Lieferkette zu nutzen. «Wir sind hoffnungsvoll, dass es uns möglich sein wird, unsere Lieferungen näher an (die Vereinbarungen) im Kaufvertrag heranzubringen», erklärte die Sprecherin.


Irland bleibt bis April im Lockdown - britische Mutante vorherrschend

DUBLIN: In Irland soll bis mindestens zum 5. April die höchste Stufe der Corona-Maßnahmen gelten. Das sagte Premierminister Micheal Martin am Dienstag im Regierungssitz in Dublin. Die Schulen sollen allerdings schrittweise bereits vom kommenden Monat an wieder geöffnet werden.

Die Infektionszahlen seien zwar rückläufig, so Martin. Doch die britische Virus-Variante B.1.1.7 habe die Situation stark verändert. Inzwischen seien 90 Prozent aller Neuinfektionen in dem Land auf den sich schneller ausbreitenden Virus-Typ zurückzuführen. «Die Wahrheit ist, dass dies die Dynamik erheblich verändert hat, und wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir die nächsten Schritte voran machen», sagte der irische Premier.

Irland hatte zu Beginn des Jahres einen massiven Anstieg der Infektionszahlen verzeichnet. Dieser wurde aber von Experten vor allem mit vorübergehenden Lockerungen an den Weihnachtstagen in Verbindung gebracht.

Inzwischen wird die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner landesweit mit knapp 270 angegeben. In Deutschland liegt der Vergleichswert bei circa 60. Die Zahl wird aber in Irland, anders als in Deutschland, nicht für den Zeitraum von sieben, sondern von 14 Tagen berechnet und bezieht sich auf die ersten beiden Wochen im Februar.


Lockdown-Ende am 21. Juni: Petition für freien Tag in England

LONDON: Ein Feiertag gegen Corona: Mit einer Petition wird in England ein freier Tag gefordert, um das erwartete Ende aller Lockdown-Maßnahmen am 21. Juni zu feiern. Innerhalb weniger Stunden unterzeichneten im Internet weit mehr als 10.000 Menschen den Antrag. Bei mehr als 10.000 Unterschriften muss die Regierung auf eine Petition reagieren, bei 100.000 muss das Parlament darüber diskutieren.

Der 21. Juni ist der frühestmögliche Termin, an dem alle Restriktionen aufgehoben sein sollen, wie der britische Premierminister Boris Johnson am Montag angekündigt hatte. Verbreitet wurde die Petition auch über den Twitter-Kanal @DaysUntil21June (Tage bis zum 21. Juni), der seit Montag die Tage bis zu dem Datum herunterzählt und dem Zehntausende Nutzerinnen und Nutzer folgen.

Der einmalige Feiertag sei eine Gelegenheit für Familien und Freunde, sich endlich wiederzusehen, betonen die Antragsteller. «Covid-19 hat sich auf viele verschiedene Arten negativ auf Menschen und Familien im ganzen Land ausgewirkt, nicht zuletzt auf ihre Möglichkeiten, sich zu treffen.» Als «längster Tag des Jahres» biete der 21. Juni die besten Chancen, in einer coronakonformen Umgebung im Freien zusammenzukommen.

Johnson hatte einen stufenweisen Ausstieg aus dem Lockdown angekündigt und mehrere Daten genannt. Er betonte, die tatsächlichen Lockerungen hingen aber von der Zahl der Neuinfektionen sowie dem Verlauf der Impfkampagne ab.


Griechische Corona-Zahlen trotz Lockdown höher als erwartet

ATHEN: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist in Griechenland stärker gestiegen als von Experten angenommen. Am Dienstagnachmittag meldete die griechische Gesundheitsbehörde 2147 neue Fälle binnen 24 Stunden. Zu Beginn des harten Lockdowns für den Großraum Athen vor knapp zwei Wochen waren es landesweit noch 1526 Neu-Infektionen am Tag. Mit einem Höhepunkt der Fallzahlen seit dem Start des Lockdowns hatte der Corona-Krisenstab der Regierung zwar gerechnet - allerdings nicht mit einem so starken Anstieg, heißt es.

Fast die Hälfte aller aktuellen Neu-Infektionen wurden der Behörde zufolge im Großraum Athen mit seinen vier Millionen Einwohnern registriert. Damit scheint es sicher, dass die Regierung den harten Lockdown für stark betroffene Regionen wie die Hauptstadt um mindestens eine Woche verlängern wird. Ursprünglich war geplant, dass die Maßnahmen am Monatsende, also an diesem Sonntag, gelockert werden und Geschäfte zumindest unter Auflagen wieder öffnen könnten. Mit einer endgültigen Entscheidung über eine Verlängerung des Lockdowns wird nun am Freitag anlässlich des wöchentlichen Zusammentreffens des Krisenstabs gerechnet.


Schottische Regierung zeigt vorsichtigen Weg aus dem Lockdown auf

EDINBURGH: Beim Weg aus dem Corona-Lockdown gibt sich die schottische Regierung zurückhaltender als der britische Premierminister Boris Johnson. Derzeit gebe es nur «begrenzte Möglichkeiten», die Maßnahmen zu lockern, sagte Regierungschefin Nicola Sturgeon am Dienstag im Parlament in Edinburgh. Sie kündigte an, dass in den kommenden zwei Monaten einige Restriktionen in drei Stufen gelockert werden sollen. So sollen vom 15. März an wieder alle Grundschüler sowie mehr ältere Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen. Außerdem dürfen sich dann vier Menschen aus zwei Haushalten wieder im Freien treffen.

In einer nächsten Stufe, die vom 5. April an gilt, werden die Ausgangsbeschränkungen weiter gelockert, einige Geschäfte dürfen wieder öffnen. Am 26. April soll dann wieder ein Stufenmodell in Kraft treten. Mitte März will die Regierung mitteilen, wie danach vorgegangen wird. Zu Urlauben oder Großereignissen äußerte sich Sturgeon - anders als Johnson - zunächst nicht.

Der britische Premier hatte am Vortag einen umfassenden Fahrplan für die Beendigung des Lockdowns in England bekanntgegeben. Diese «Roadmap» sieht vier Stufen aus und nennt bereits das frühestmögliche Datum für das Ende aller Beschränkungen, den 21. Juni. Weil Gesundheit Sache der Regionalregierungen ist, entscheidet jeder Landesteil eingeständig über seine Corona-Maßnahmen.


Italien will verstärkt Corona-Impfstoff in eigenen Land produzieren

ROM: Italiens neue Regierung will das Impftempo gegen Corona beschleunigen und prüft deshalb die Produktion der Impfstoffe im eigenen Land. Der Präsident des Pharmaverbandes Farmindustria, Massimo Scaccabarozzi, sagte der Zeitung «La Stampa» vom Dienstag, potenziell seien Italiens Firmen in der Lage, die zugelassenen Stoffe ebenfalls herzustellen. Allerdings gebe es dabei vieles zu beachten, und es brauche Monate der Vorbereitung.

Der neue Regierungschef in Rom, Mario Draghi, hatte die Impfkampagne in seiner ersten Regierungserklärung vergangene Woche zu einem Schwerpunkt erklärt. Der Pharma-Präsident ist für Donnerstag zu Gesprächen zum Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Giancarlo Giorgetti, über eine nationale Impfstoff-Produktion eingeladen.

«Selbst wenn wir die notwendigen Bioreaktoren finden würden, würde es 4 bis 6 Monate ab dem Zeitpunkt ihrer Aktivierung dauern, um die Impfstoffe zu erhalten», sagte Scaccabarozzi. Außerdem sei er nicht sicher, ob der Druck auf mehr Dosen dann noch so hoch sein werde wie aktuell. Ein nationaler Plan sei trotzdem sinnvoll, auch «im Hinblick auf andere Epidemien». Die Zeitung «La Repubblica» gab zu bedenken, dass in Italien produzierte Dosen nicht automatisch an die Menschen im Land gespritzt würden, sondern womöglich in Europa weiter verteilt werden müssten.

In Italien mit seinen 60 Millionen Einwohnern wurden bisher rund 3,6 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus gespritzt.


Corona-Lockerungen auf Island - Bis zu 200 Zuschauer beim Fußball

REYKJAVIK: Die stark gesunkenen Neuinfektionszahlen auf Island haben für die Menschen auf der Nordatlantik-Insel weitere Lockerungen der geltenden Corona-Maßnahmen zur Folge. Ab Mittwoch dürfen sich wieder maximal 50 statt wie bisher 20 Personen versammeln, wie Gesundheitsministerin Svandís Svavarsdóttir am Dienstag ankündigte. Bis zu 200 Zuschauer dürfen bei sportlichen Wettkämpfen sowie im Theater oder Kino dabei sein, sofern sie sitzen und mindestens einen Meter Abstand zueinander halten können.

Schwimmbäder und Fitnessstudios dürfen ab Mittwoch bis zu 75 Prozent ihrer maximalen Auslastung erreichen, Restaurants und Kneipen am Abend bis 23.00 Uhr und damit eine Stunde länger als bislang öffnen. Im Supermarkt und anderen Geschäften müssen die Isländer aber weiter einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wie Svavarsdóttir klarmachte.

Bei Spielen in der ersten isländischen Fußballliga und anderen Sportveranstaltungen waren Zuschauer zuletzt im vergangenen Herbst live dabei gewesen. Damals hatte die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf der abgeschiedenen Insel ihren Höchststand erreicht, seitdem ist sie rapide gesunken. Im europäischen Vergleich hat Island auf seine kleine Bevölkerung gerechnet die mit Abstand niedrigsten Neuinfektionszahlen aller Länder des Europäischen Wirtschaftsraums.


Streit über Grenzen: EU-Kommissionsvize erwartet Konsens mit Berlin

BRÜSSEL: Im Streit mit Deutschland über verschärfte Grenzkontrollen in der Corona-Krise erwartet die EU-Kommission eine Einigung. «Wir sehen Bewegung bei der deutschen Regierung, um zu einem Konsens zu kommen», sagte Vizepräsident Margaritis Schinas am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson machte klar, dass sie von Deutschland erwarte, die gemeinsamen Empfehlungen der EU-Staaten zu erfüllen und Grenzen so weit wie möglich offen zu halten. «Es waren die Mitgliedsstaaten selbst, die darüber entschieden haben», sagte die Schwedin der dpa. Man müsse sicherstellen, dass Waren weiter fließen und Grenzpendler zur Arbeit könnten. «Wir können nicht eine Situation haben, in der ein Mitgliedsstaat etwas zustimmt und es dann nicht befolgt.» Sie erwarte, dass die Länder sich an die gemeinsamen Beschlüsse hielten.

Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen der verschärften Einreiseregeln für Tschechien, die Slowakei und Tirol kritisiert und einige Vorgaben als unverhältnismäßig oder unbegründet bezeichnet. In einem Brief an den deutschen EU-Botschafter Michael Clauß mahnte die Brüsseler Behörde binnen zehn Werktagen eine Antwort an.

Vizepräsident Schinas spielte den Konflikt herunter. Man arbeite eng mit Berlin zusammen und verstehe, dass Deutschland versuche, seine Bevölkerung vor mutierten Coronaviren zu schützen, sagte er. «Dies ist kein Konflikt. Wir sind im Kontakt und haben noch Zeit, das zu diskutieren. Ich bin sicher, dass eine Art gemeinsames Verständnis entstehen wird.» Generell gelte es, in der Pandemie an einem Strang zu ziehen, sagte Schinas.


Stockholm rät Einwohnern zum konsequenten Maskentragen

STOCKHOLM: Die schwedische Hauptstadt Stockholm legt ihren Einwohnern angesichts wieder steigender Neuinfektionszahlen den umfassenden Gebrauch eines Mund-Nasen-Schutzes ans Herz. «Wir wollen, dass man während des gesamten Tages Mundschutz im öffentlichen Verkehr verwendet», sagte die Infektionsschutzärztin der Region Stockholm, Maria Rotzén Östlund, am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Auch in bestimmten überdachten Bereichen - etwa beim Friseur, in der Apotheke oder im Lebensmittelmarkt - sowie bei Bedarf am Arbeitsplatz werde zum Mundschutz geraten. Die Empfehlungen gelten mit sofortiger Wirkung und vorläufig bis zum 22. März.

Schweden ist in der Corona-Krise einen Sonderweg mit vergleichsweise freizügigen Corona-Maßnahmen sowie Empfehlungen und Appellen an die Vernunft der Bürger gegangen. Damit einhergegangen waren höhere Infektions- und Todesfallzahlen als zum Beispiel in Deutschland. Seit einem neuen Höchststand bei den Neuinfektionen im Dezember sind die schwedischen Corona-Zahlen wieder gesunken, allerdings halten sie sich seit längerem auf einem Niveau mit mehr als doppelt so vielen neuen Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner wie in Deutschland. Das Niveau sei definitiv zu hoch, sagte Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

In der Hauptstadtregion Stockholm sind die Fallzahlen in der vergangenen Woche um 27 Prozent gestiegen, nach einem Anstieg um 24 Prozent der Woche davor. Bislang war den Schweden das Maskentragen nur in Stoßzeiten im Nahverkehr empfohlen worden.


Zwist in Pariser Regierung wegen fleischlosen Essens in Schulen

PARIS: Ein Streit über fleischloses Essen in Schulkantinen in Lyon sorgt innerhalb Frankreichs Regierung für Krach. Für Landwirtschaftsminister Julien Denormandie ist die entsprechende Maßnahme in Lyon aus sozialer Sicht eine «Schande». Es seien die Schwächsten, die keinen Zugang zu ausgewogenen Mahlzeiten hätten und durch diese Entscheidung bestraft würden, sagte er am Dienstag dem Sender RTL. Umweltministerin Barbara Pompili postete hingegen auf Twitter «ein ausgewogenes und leckeres vegetarisches Menü» für Kinder bestehend aus Kürbissuppe, Spaghetti mit Linsen, Karotten und Tomaten sowie Ziegenkäse und Birnen.

Grund für den Konflikt war eine Ankündigung des grünen Bürgermeisters in Lyon, Grégory Doucet. Die Stadt hatte erklärt, mit Beginn dieser Woche in Schulkantinen ein einheitliches Menü ohne Fleisch einzuführen. Hintergrund ist, dass wegen der Corona-Pandemie in den Schulen mit dem Ende der Winterferien ein neues Hygienekonzept gilt. In den Kantinen soll dann alles schneller ablaufen. Diese Maßnahmen gelten nun vorübergehend - auch im vergangenen Jahr gab es eine solche Regelung. Die Stadtverwaltung machte außerdem deutlich, dass das Essen nicht vegetarisch sei und auch Fisch oder Eier enthalte.

Denormandie monierte, dass im Gegensatz zu anderen Städten quasi nur das Rathaus in Lyon nicht in der Lage sei, die Kinder mit Fleisch zu versorgen. Eine Verstimmung innerhalb der Regierung wies er allerdings zurück. Nur ein vegetarisches Essen anzubieten, sei aber ernährungstechnisch «absurd». Zuvor hatten sich auch andere Regierungsmitglieder wie Innenminister Gérald Darmanin über die Maßnahme in Lyon echauffiert. Pompili hingegen beklagte Medienberichten nach «altmodische Klischees», wonach vegetarische Kost eine unausgewogene Ernährung wäre.

Lyons Bürgermeister Doucet betonte, dass es generell nicht das Ziel sei, Fleisch auf den Teller zu bringen, sondern sicherzustellen, dass alle Kinder Zugang zu Qualitätsprodukten hätten. Die aktuelle Debatte lenke nur von den sozialen und ökologischen Krisen ab, die es aktuell gebe.


Sorge in einigen Regionen Frankreichs über Explosion der Covid-Zahlen

PARIS: In einigen Regionen Frankreichs herrscht große Beunruhigung wegen der alarmierenden Corona-Situation. In der nordfranzösischen Küstenstadt Dunkerque (Dünkirchen) ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner der Regionalen Gesundheitsbehörde zufolge zuletzt auf mehr als 900 angestiegen. Regionalpolitiker fordern nun eine schnelle Reaktion. «Wenn strenge Maßnahmen zur Eindämmung notwendig sind, müssen diese zumindest an den Wochenenden ergriffen werden», sagte Jean-René Lecerf, der Präsident des Département-Rats Nord, am Dienstag dem Sender Franceinfo.

Für Teile von Frankreichs Mittelmeerküste ist zuletzt wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus ein Teil-Lockdown verhängt worden. An den kommenden beiden Wochenenden soll für die städtische Küstenregion des Département Alpes-Maritimes ein Lockdown gelten. Angesichts der Varianten sei es dringend notwendig, zu handeln, wo immer es nötig sei, sagte Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi dem Sender BFM TV. Die Küstenmetropole ist besonders schwer getroffen. Im gesamten Département liegt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, also der sogenannte Inzidenzwert, bei mehr als 580.

Ähnliche Maßnahmen wie am Mittelmeer fordern einige Politiker nun auch für Dunkerque. «Es ist eine Welle im Anmarsch, und wir versuchen, die Ausbreitung zu stoppen (...)», sagte der Pariser Abgeordnete aus dem Département Nord, Paul Christophe, dem Sender Franceinfo. In Nizza habe es jetzt möglicherweise eine so schnelle Reaktion gegeben, weil die Stadt als wichtiges Touristenziel gelte. Die Strände von Dunkerque seien jedoch das Ziel für Menschen aus der gesamten Region Lille, so Christophe. Medienberichten nach soll sich nun auch Premierminister Jean Castex für strengere Maßnahmen ausgesprochen haben.

Insgesamt ist die Corona-Situation in Frankreich weiter angespannt, aber die Lage war recht stabil. Allerdings ist der landesweite Inzidenzwert zuletzt wieder leicht auf mehr als 200 angestiegen. Im gesamten Land gilt seit mehreren Wochen eine strenge Ausgangssperre ab 18 Uhr. Anders als in Deutschland sind Schulen und Einzelhandel weitgehend geöffnet.


Kaum noch freie Intensivbetten - Hilfe aus dem Ausland

PRAG: Wegen der Corona-Pandemie könnten die Kapazitäten der Intensivstationen in Tschechien schon bald vollständig erschöpft sein. Davor warnte am Dienstag der stellvertretende Gesundheitsminister Vladimir Cerny. In einer solchen Situation sei das Land noch nie gewesen, betonte der Medizinprofessor.

Tschechien habe begonnen, über mögliche Hilfe aus dem Ausland zu verhandeln. Aus Deutschland liege ein Angebot zur Übernahme von neun Intensivpatienten vor. Zudem sollen weiter Patienten innerhalb Tschechiens in weniger stark betroffene Gebiete umverteilt werden.

Derzeit sind mehr als 6500 Covid-19-Patienten in den tschechischen Krankenhäusern in Behandlung. Von ihnen müssen mehr als 1300 intensivmedizinisch behandelt werden. Größtes Problem ist der Mangel an qualifiziertem Gesundheitspersonal. Mit 968 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von 14 Tagen steht Tschechien EU-weit an der Spitze, wie aus den jüngsten Vergleichszahlen der EU-Gesundheitsagentur ECDC hervorgeht.

Derweil wurde der Start einer verschärften FFP2-Maskenpflicht an stark frequentierten Orten wie Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmitteln auf Donnerstag verschoben. Sie hätte eigentlich bereits am Montag in Kraft treten sollen. Doch in vielen Apotheken und Geschäften waren die Masken vorübergehend ausverkauft.


Bekannte Journalistin erhält erste Impfdosis

KABUL: Afghanistan hat am Dienstag mit seinem Impfprogramm gegen das Coronavirus begonnen. Die erste Dosis erhielt die bekannte Journalistin Anisa Schahid, die vergangenes Jahr für ihre Berichterstattung über die Corona-Pandemie ausgezeichnet worden war. Danach wurden eine Ärztin sowie zwei Angehörige der Sicherheitskräfte geimpft.

Die Veranstaltung im Beisein von Präsident Aschraf Ghani und seiner Frau Rula wurde im Staatsfernsehen übertragen. Ghani bedankte sich bei Soldaten, Journalisten und Ärzten. «Die Mitarbeiter im Gesundheitswesen sind unsere Helden», sagte der Präsident bei der Eröffnungszeremonie vor Gästen und Spitzenpolitikern in Kabul.

Indien hatte Anfang Februar 500.000 Dosen des Pharmakonzerns Astrazeneca an Afghanistan gespendet. Zunächst sollen etwa eine Viertelmillion Menschen geimpft werden. Den Anfang machen nun Sicherheitskräfte und Beschäftigte im Gesundheitswesen, die Corona-Patienten behandeln. Die Regierung plant, im nächsten Schritt etwa 40 Prozent der Landesbewohner zu impfen.

Bislang wurden in Afghanistan rund 55.000 Infektionen und mehr als 2400 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus nachgewiesen. Vermutet wird, dass die Dunkelziffer deutlich höher ist, da wenig getestet wurde. Afghanistans Gesundheitssystem ist nach über vier Jahrzehnten Krieg und Konflikten schlecht ausgestattet und angeschlagen.

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