Corona-Überblick: Meldungen am Dienstag

Das Eat Out to Help Out-Programms der britischen Regierung. In den teilnehmenden Cafés und Restaurants können die Kunden unter Einhaltung des Mindestabstandes einen Rabatt von 50 % auf Lebensmittel oder alkoholfreie Geträn... Foto: epa/Neil Halle
Das Eat Out to Help Out-Programms der britischen Regierung. In den teilnehmenden Cafés und Restaurants können die Kunden unter Einhaltung des Mindestabstandes einen Rabatt von 50 % auf Lebensmittel oder alkoholfreie Geträn... Foto: epa/Neil Halle

Berater der US-Gesundheitsbehörde stimmen über Impf-Prioritäten ab

WASHINGTON: Ein Beratungskomitee der US-Gesundheitsbehörde CDC hat eine Prioritätenliste für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus in den Vereinigten Staaten vorgelegt. Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sollen demnach vor allen anderen geimpft werden, sobald ein entsprechendes Präparat zugelassen ist. Das teilte die CDC am Dienstag (Ortszeit) nach einer Sitzung des Beratungskomitees mit.

13 Mitglieder des Komitees hätten für diesen Plan gestimmt, eines dagegen, berichteten US-Medien. Die Professorin habe ihr Veto mit der Sorge begründet, dass die Auswirkungen der Impfung auf Bewohner von Alten- und Pflegeheimen noch nicht ausreichend erforscht seien.

CDC-Direktor Robert Redfield muss nun darüber entscheiden, ob die Behörde den Vorschlag des Beratungskomitees annimmt und als Empfehlung ausgibt. Die Entscheidungshoheit liegt aber letztendlich bei den Bundesstaaten.

Bislang sind Anträge auf Notfall-Zulassung für zwei Corona-Impfstoffe bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingegangen. Über beide soll noch im Dezember entschieden werden, unmittelbar danach könnte bei einer Zulassung mit dem Impfen begonnen werden.


England kehrt zu regionalen Lockdown-Regeln zurück

LONDON: In England gelten von Mittwoch an wieder regional unterschiedliche Regelungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie. Eine entsprechende Verordnung der Regierung wurde am Dienstagabend vom Parlament in London abgesegnet. Das Land wird in drei Warnstufen eingeteilt. Trotz heftigen Widerstands aus Teilen der konservativen Regierungspartei wurden die Maßnahmen mit großer Mehrheit angenommen - auch dank zahlreicher Enthaltungen von Seiten der Opposition.

Für weite Teile des Landes bedeutet das eine Lockerung der Regeln. Nicht lebensnotwendige Geschäfte waren seit Anfang November landesweit geschlossen. Auch Restaurants und Pubs durften nicht öffnen. Das wird nun teilweise zurückgenommen. Trotzdem gibt es vor allem in Premierminister Boris Johnsons Tory-Partei immer größeren Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung.

Seit Anfang November hatte die Regierung einen zweiten Lockdown über England verhängt. In den Landesteilen Schottland, Wales und Nordirland gelten eigene Regeln. In Großbritannien wurden am Dienstag 602 neue Todesfälle bei positiv mit dem Virus Getesteten innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Pandemie stieg damit auf mehr als 59.000. Zudem wurden 13.430 Neuinfektionen registriert.


Pariser Eiffelturm soll Mitte Dezember wieder öffnen

PARIS: Der wegen der Corona-Pandemie geschlossene Eiffelturm soll Mitte Dezember wieder öffnen. «Ich freue mich darauf, euch am 16. Dezember zwischen 10.30 Uhr bis 18.30 Uhr wiederzusehen», hieß es auf dem offiziellen Twitteraccount des weltberühmten Pariser Wahrzeichens am Dienstag.

Mit Beginn der neuen Ausgangsbeschränkungen in Frankreich hatte auch der Eiffelturm Ende Oktober geschlossen. Die Beschränkungen sollen nun noch bis zum 15. Dezember anhalten und dann durch eine nächtliche Ausgangssperre ersetzt werden.

Der mehr als 130 Jahre alte Turm unweit der Seine hatte bereits im Frühjahr wegen der Coronakrise mehrere Monate lang geschlossen. Die Betreibergesellschaft beklagte zuletzt, dass auch nach der Wiedereröffnung deutlich weniger Besucherinnen und Besucher kamen als normalerweise. Das liegt unter anderem daran, dass ein Großteil der internationalen Touristen fehlt. Einziger Vorteil: keine langen Warteschlangen am Eingang.


Corona-Massentest im Aostatal geplant

ROM: Das Aostatal will als zweite Region in Italien einen Corona-Massentest starten. Die kleine Alpenregion plant für eines der kommenden Wochenenden eine Reihenuntersuchung für rund 84.000 Menschen oder etwa zwei Drittel der Einwohner, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Dienstag berichtete. Vor kurzem hatte bereits die Provinz Bozen-Südtirol einen Großteil der Bevölkerung mit Schnelltests kontrolliert. Die Behörden wollen auf diese Weise Infizierte finden, die nichts von ihrer Ansteckung ahnen. Sie tragen das Virus oft unbemerkt an viele andere weiter.

Im Aostatal, das an Frankreich und die Schweiz grenzt, leben rund 125.000 Menschen. Das Gebiet ist wegen hoher Corona-Zahlen eine Rote Zone mit besonders strengen Beschränkungen. Das genaue Datum der mehrtägigen, freiwilligen Aktion steht noch nicht fest.

In ganz Italien registrierten die Behörden am Dienstag 19.350 Neuinfektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 an einem Tag. Das waren rund 4000 weniger als vor einer Woche. Außerdem starben in dem 60-Millionen-Einwohner-Land 785 Menschen innerhalb von 24 Stunden im Zusammenhang mit Covid-19.


Israels Regierung auf der Kippe - Parlament stimmt über Auflösung ab

JERUSALEM: Israels Regierung steht erneut auf der Kippe. Eine Abstimmung über die Auflösung des Parlaments am Mittwoch könnte ihr Ende einläuten. Die Koalition zwischen dem rechtskonservativen Likud von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem Mitte-Bündnis Blau-Weiß von Verteidigungsminister Benny Gantz besteht erst seit Mai. In der Zusammenarbeit der früheren erbitterten Rivalen hatte es von Anbeginn an stark gehakt, zuletzt verschärften sich die Spannungen erneut. Ein Scheitern der Koalition würde die vierte Parlamentswahl in zwei Jahren in Israel bedeuten.

Am Mittwoch steht ein Vorschlag der Opposition zur Auflösung des Parlaments zur Abstimmung. Gantz sagte am Dienstagabend, Blau-Weiß werde den Vorstoß unterstützen. Es handelt sich allerdings um eine vorläufige Abstimmung, für die endgültige Auflösung der Knesset wären drei weitere Lesungen notwendig. Netanjahu sagte, seine Likud-Partei werde gegen die Auflösung des Parlaments stimmen und sprach sich für nationale Einheit in der Corona-Krise aus. Nach Medienberichten erwägt er zwar eine Neuwahl, aber zu einem späteren Zeitpunkt.

Seit Monaten schwelt ein Streit zwischen den Koalitionären um die Verabschiedung eines Haushalts. Im Koalitionsvertrag ist festgelegt, dass die Regierung einen Haushalt für 2020 und 2021 verabschiedet. Netanjahu hatte diese Zusage aber zurückgezogen und wollte nur einen Haushalt für das laufende Jahr. Der Regierungschef selbst nannte die außergewöhnlichen Umstände der Corona-Krise als Grund. Kritiker gingen jedoch davon aus, dass er damit unter anderem verhindern wollte, dass Gantz im Herbst 2021 vereinbarungsgemäß das Amt des Regierungschefs von ihm übernimmt.


Kopenhagen kämpft gegen hohe Infektionszahlen bei Jugendlichen

KOPENHAGEN: Trotz recht strenger Corona-Maßnahmen steigt die Zahl der Neuinfizierten in Dänemark. Seit Montag seien 1400 weitere neue Fälle registriert worden, sagte Gesundheitsminister Magnus Heunicke am Dienstag in Kopenhagen. Sorge bereitet insbesondere der hohe Anteil junger Menschen. Heunicke appellierte an sie, ihre Kontakte zu verringern. Vor allem in den 17 Gemeinden der Hauptstadtregion sei die Situation besorgniserregend.

In den nächsten Wochen soll deshalb in den Hauptstadtgemeinden massiv getestet werden - vor allem Leute zwischen 15 und 25 Jahren. Sport ist auf höchstens zehn Personen begrenzt. Von nächster Woche an soll der Unterricht für die Oberstufe digital verlaufen.


Traditionelles Neujahrsschwimmen in New York wegen Corona abgesagt

NEW YORK: Das traditionelle Neujahrsschwimmen in New York, bei dem normalerweise tausende Menschen in den kalten Atlantik hüpfen, fällt 2021 aus. «Angesichts der anhaltenden Bedenken wegen Massenversammlungen während der Corona-Pandemie haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, das Neujahrsschwimmen, das zum 117. Mal stattgefunden hätte, abzusagen», teilte der «Polar Bear»-Schwimmverein mit.

Der nach eigenen Angaben älteste Winter-Schwimmverein der USA organisiert das Spektakel in der Millionenmetropole seit mehr als 100 Jahren immer am Neujahrstag. In den vergangenen Jahren hatten jeweils tausende Menschen an dem sogenannten «Polar Bear Plunge» (auf Deutsch etwa: «Eisbären-Untertauchen») am Strand vor dem Vergnügungspark Coney Island im Stadtteil Brooklyn teilgenommen.


Madrid weiht umstrittenes «Krankenhaus für Pandemien» ein

MADRID: Trotz einiger Kritik ist in Madrid am Dienstag ein «Krankenhaus für Pandemien» eingeweiht worden. Das Gebäude mit 1056 Betten - davon 48 Intensivplätzen - wurde nur hundert Tage nach Baubeginn seiner Bestimmung übergeben. Die ersten Covid-Patienten werde man «in den nächsten Tagen aufnehmen», sagte ein Sprecher. Mit Kosten von 100 Millionen Euro wurde das Projekt doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. Die konservative Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso wurde bei der Eröffnung ausgebuht.

Die linke Opposition in der sogenannten Autonomen Gemeinschaft Madrid sowie Gewerkschaften kritisieren das Projekt, weil die Regionalregierung kein zusätzliches Personal einstellen, sondern Ärzte und Pfleger aus anderen Krankenhäusern abziehen will - notfalls mit Zwangsversetzungen. Bisher haben sich nur 100 Freiwillige gemeldet. Für die erste Etappe werden knapp 700 benötigt. Zudem wird angeprangert, dass Unternehmen wie der Baukonzern ACS vom Präsidenten des Fußballclubs Real Madrid, Florentino Pérez, begünstigt würden.

Seit Ausbruch der Pandemie wurden in Spanien mehr als 1,6 Millionen Ansteckungen mit dem Coronavirus gezählt. Mehr als 45.000 Menschen starben. Madrid war das Epizentrum der Pandemie im Frühjahr und dann wieder im Sommer. Trotz relativ lockerer Maßnahmen wird die Lage aber seit Wochen immer besser. Die Zahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen fiel innerhalb eines Monats von über 300 auf 107. Zum Vergleich: In Berlin betrug dieser Wert nach Angaben des Robert Koch-Instituts am Dienstag 180.


Macron: Breite Corona-Impfkampagne zwischen April und Juni

PARIS: In Frankreich rechnet Präsident Emmanuel Macron mit einer breiten Impfkampagne gegen das Coronavirus zwischen April und Juni kommenden Jahres. Für die am meisten gefährdeten Gruppen werde es Impfungen bereits rund um den Jahreswechsel geben, sagte Macron am Dienstag nach einem Treffen mit dem belgischen Premierminister Alexander de Croo in Paris. Zugleich bekräftigte er, dass niemand gegen seinen Willen geimpft werde. Man wolle versuchen, so viele Menschen wie möglich durch eine «Strategie der Überzeugung und Transparenz» zu überzeugen.

Das 67-Millionen-Einwohner-Land ist schwer von der Corona-Pandemie getroffen. Bislang starben schon mehr als 52.000 Menschen an den Folgen der Virus-Erkrankung. Seit Ende Oktober gelten Ausgangsbeschränkungen. Seit einiger Zeit verbessert sich die Situation allerdings. Am Montagabend meldeten die Behörden rund 4000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden - der niedrigste Wert seit dem Sommer. In der Spitze zählte Frankreich im November mehr als 60.000 Neuinfektionen.

Seit dem Wochenende hat der Einzelhandel im Land wieder geöffnet - für Mitte Dezember ist das Ende der Ausgangsbeschränkungen geplant. Über die Feiertage sollen sich die Menschen im Land ohne Einschränkungen bewegen können. Restaurants oder Bars dürfen voraussichtlich aber erst Mitte Januar wieder öffnen.


Corona-Tests im Kräuterladen - Polizeiaktion

ROM: Das millionenfache Testen auf eine Corona-Infektion führt in Italien zu Wildwuchs bei den Teststationen. Die Mängel reichen von fehlenden Zulassungen bis zum freien Verkauf von medizinischen Profi-Sets in Kräuterläden. Das ergaben Überprüfungen der Polizei in rund 285 Einrichtungen im ganzen Land. Wie die für Gesundheitsfragen zuständigen Fahnder am Dienstag berichteten, registrierten sie knapp 100 Unregelmäßigkeiten in 67 Labors, Geschäften und Testzentren.

Festgestellt wurden zahlreiche Hygienemängel. Außerdem stieß die Polizei auf positive Corona-Resultate, die nicht oder verzögert an die Gesundheitsbehörden weitergeleitet wurden. Zudem verkauften Apotheken, Drogerien, Kosmetikgeschäfte und Kräuterläden unerlaubt Analyse-Kits, die nur für den Profi-Gebrauch im Gesundheitswesen bestimmt sind. Es hagelte Anzeigen. Einige Testeinheiten wurden geschlossen.

Offizielle Stellen lassen im Kampf gegen die Pandemie in dem 60-Millionen-Einwohner-Land täglich oft rund 200.000 Corona-Abstriche machen. In Italien wurden bisher mehr als 1,6 Millionen Menschen positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet.


Corona-Pandemie : In vielen Kliniken wenige Betten frei

MOSKAU: Angesichts von mehr als 26.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag spitzt sich in Russland die Lage in vielen Krankenhäusern zu. In 17 Regionen des Landes seien nur noch weniger als fünf Prozent der Klinikbetten für Infizierte frei, sagte Gesundheitsminister Michail Muraschko am Dienstag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Besonders angespannt sei die Lage in St. Petersburg und der Ostsee-Exklave Kaliningrad.

Der Regierung zufolge sind in dem 145-Millionen-Einwohner-Land 79 Prozent der für Corona-Patienten bestimmten Betten in Krankenhäusern belegt. 276.000 gebe es insgesamt. «Ich möchte darauf hinweisen, dass es noch ausreichend Betten auf Intensivstationen gibt», sagte Muraschko. Fast 80 Prozent der Erkrankten werden demnach ambulant behandelt.

Am Dienstag meldeten die Behörden mit 569 Toten einen neuen Tageshöchstwert seit Beginn der Pandemie. Demnach sind in Russland bislang mehr als 40.400 Menschen mit dem Virus gestorben. Mehr als 2,3 Millionen Infektionen wurden registriert. Allein am Dienstag kamen 26.402 neue Fälle hinzu.


Einreiseverbot nach Bulgarien für Nicht-EU-Bürger verlängert

SOFIA: Das südöstliche EU-Land Bulgarien hat wegen steigender Corona-Neuinfektionen ein Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger bis Ende Januar 2021 verlängert. Es gibt allerdings zahlreiche Ausnahmen wie etwa für die Einreisenden aus den Nachbarstaaten Serbien, Nordmazedonien und der Türkei sowie unter anderem den Schengen-Staaten, aus Israel, Kanada, Australien, der Ukraine. Für Bus- und Fernfahrer sowie Piloten gilt die am Dienstag in Kraft getretene Verordnung von Gesundheitsminister Kostadin Angelow nicht.

Bulgarien hat wegen kontinuierlich steigender Corona-Neuansteckungen am Freitagabend einen Teil-Lockdown verhängt. Die gesamte Gastronomie, alle Schulen und Universitäten, Fitnessstudios sowie teilweise Einkaufszentren mussten schließen. Für den Lieferservice von Restaurants fiel ab Dienstag der Mehrwertsteuersatz von 20 auf jetzt neun Prozent. Die bürgerlich-nationalistische Regierung beschloss weitere Corona-Hilfen für die vom Lockdown getroffenen Bereiche.

In dem Balkanland mit einer Bevölkerung von 6,9 Millionen sind aktuell 90.700 Menschen infiziert. Bis 00.00 Uhr am Dienstag gab es binnen 24 Stunden 2814 Corona-Neuinfektionen. Im fast zwölfmal so großen Deutschland lagen die Neuansteckungen bei 13.604. Seit Beginn der Pandemie wurden in dem Balkanland insgesamt 145.300 Corona-Infektionen nachgewiesen, wobei das Land im Frühjahr noch relativ gering betroffen war. Insgesamt 4.035 Menschen starben in Bulgarien im Zusammenhang mit Covid-19 - am Dienstag wurde mit 221 Corona-Toten binnen 24 Stunden ein Rekord verzeichnet. Der Personalmangel in den Corona-Stationen verschärft sich vielerorts.

Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz ist seit Oktober in Bulgarien auch im Freien wieder obligatorisch, wenn ein Corona-Abstand unmöglich ist. Die ersten 125.000 Corona-Impfstoff-Dosen von Pfizer-Biontech werden in dem EU-Land bis Jahresende oder im Januar 2021 erwartet, wie Gesundheitsminister Angelow ankündigte. An einem Impfplan werde noch gearbeitet.


Niederlande wollen Anfang Januar mit Corona-Impfungen beginnen

DEN HAAG: Die Niederlande wollen bereits kurz nach dem Jahreswechsel mit Corona-Impfungen beginnen. Das teilte Gesundheitsminister Hugo de Jonge am Dienstag auf Twitter mit: «Wir sorgen dafür, dass wir startklar sind. Wenn alles klappt, können wir um den 4. Januar herum mit dem Impfen beginnen.»

Zuvor hatte die in Amsterdam ansässige Europäische Arzneimittel-Agentur Ema mitgeteilt, dass sie bis spätestens zum 29. Dezember über eine Zulassungsempfehlung für den Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer entscheiden will. Eine Entscheidung über den Impfstoff des US-Konzerns Moderna werde zum 12. Januar angestrebt.

Die drei Unternehmen hatten ihre Anträge auf Zulassung für die EU am Montag eingereicht. Sollte die Ema grünes Licht geben, kann die EU-Kommission die Verwendung der Impfstoffe für alle Mitgliedsländer der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) genehmigen. Die Kommission folgt in der Regel der Ema-Empfehlung.


FDA-Chef: Wissenschaftler bekommen Zeit für Impfstoff-Zulassung

WASHINGTON: Der Chef der US-Arzneimittelbehörde FDA hat vor einem Besuch im Weißen Haus betont, dass er keinen politischen Druck für eine schnellere Zulassung von Corona-Impfstoffen zulassen werde. «Unsere Wissenschaftler werden das entscheiden, und sie werden sich die Zeit nehmen, die für eine richtige Entscheidung notwendig ist», erklärte Stephen Hahn in einer Stellungnahme an die Website «Axios» am Dienstag.

«Axios» berichtete, dass Hahn ins Weiße Haus zitiert worden sei, weil Präsident Donald Trump mit dem Tempo bei der Zulassung von Impfstoffen gegen die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 unzufrieden sei. Aktuell geht es um eine Erlaubnis für den Einsatz des Impfstoffs der deutschen Firma Biontech und des Pharmakonzerns Pfizer, die vor rund 10 Tagen einen Antrag auf Notfallzulassung in den USA gestellt hatten. Trump hatte bereits vor der Präsidentenwahl vergeblich versucht, Druck auf die FDA auszuüben. Er machte unter anderem «Bürokraten» in der Behörde dafür verantwortlich, dass kein Impfstoff - wie von ihm in Aussicht gestellt - schon vor der Wahl am 3. November verfügbar war.


Tödliche Gefängnisrevolte wegen Corona: Sri Lanka entlässt Häftlinge

COLOMBO: Nach einer tödlichen Revolte in einem Hochsicherheitsgefängnis auf Sri Lanka hat die Regierung angekündet, 607 Gefangene freizulassen. Es handle sich um Häftlinge, die wegen kleineren Vergehen in verschiedenen Gefängnissen säßen, sagte Justizminister Ali Sabri am Dienstag dem Parlament des Inselstaates. Auch weitere Gefangene sollten angesichts mehrerer Corona-Ausbrüche in den notorisch überbelegten Gefängnissen entlassen werden. Nach offiziellen Angaben sind in dem Land zurzeit mehr als 1100 Gefangene mit Corona infiziert.

So hatten Häftlinge in mehreren Anstalten bessere Einrichtungen, die das Abstand-Halten eher zulassen, sowie regelmäßige Corona-Tests gefordert, wie ein Beamter, der für die Gefängnisse des Landes zuständig ist, sagte. In einem Gefängnis 15 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo ist die Lage am Sonntag eskaliert. Gefangene hätten Medikamente aus einem Medikamentenraum gestohlen, Gefängniswärter angegriffen, versucht zu fliehen, Gebäude und Dokumente angezündet sowie zwei Wächter zeitweise als Geiseln genommen. Die Polizei habe das Feuer eröffnet und die Situation in der Nacht zu Montag unter Kontrolle gebracht. Insgesamt sind nach Polizeiangaben bei der Revolte und an den Folgen mindestens elf Menschen gestorben und 108 verletzt worden.


Auktion zur Rettung des Athener Benaki-Museums - Künstler schenken

ATHEN: Mit einer ungewöhnlichen Auktion von Malereien und zahlreicher anderer Kunstgegenstände versucht sich das renommierte Benaki-Museum von Athen zu retten. Die Online-Auktion hat am 30. November begonnen und wird am Montag (7. Dezember) enden. Dies sagte am Dienstag die Pressesprecherin des Museums, Athina Isaia, der Deutschen Presse-Agentur. «Wir brauchen dringend Unterstützung», sagte sie.

Das Museum ist wegen der Corona-Pandemie seit Wochen geschlossen. Es muss 70 Prozent seines Budgets selbst erwirtschaften - 30 Prozent kommen vom Staat.

Wie die Sprecherin des Museums weiter der dpa sagte, werden keine eigenen Exponate versteigert. «Zahlreiche Künstler, die unser Problem kennen, haben uns - ohne eigenen Gewinn - Kunstwerke gegeben, um sie zu versteigern», sagte Isaia. Die Auktion laufe ihren Worten nach sehr gut. Im Angebot sind Objekte, die zwischen wenigen Euro bis zu 50.000 Euro angeboten werden, hieß es. «Wir haben auch sehr viele Angebote aus Deutschland», sagte die Sprecherin.

Das Benaki-Museum befindet sich im Zentrum Athens. Es führt mit der Ausstellung von Objekten aller Art, Trachten und Karten durch die gesamte griechische Geschichte vom Altertum bis zur Neuzeit.


Chef der Hamas im Gazastreifen mit Corona infiziert

GAZA: Der Chef der Hamas im Gazastreifen, Jihia al-Sinwar, ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Wie sein Büro am Dienstag mitteilte, geht es ihm gut. Al-Sinwar habe sich selbst in Isolation begeben und arbeite weiter. Nach einem vergleichsweise milden Beginn hat die Corona-Pandemie den von der islamistischen Hamas beherrschten Gazastreifen inzwischen schwer getroffen.

Wie das Gesundheitsministerium des abgeriegelten Gebiets mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 815 neue Fälle gemeldet. Die Quote der positiven Tests betrug 32 Prozent. Insgesamt wurden bislang 24.461 Infektionen bekannt, 111 Menschen starben. In dem Palästinensergebiet leben etwa zwei Millionen Menschen unter schlechten Bedingungen. Auch die medizinische Versorgung ist schlecht.

Israel und die Hamas haben sich seit deren gewaltsamer Machtübernahme im Gazastreifen 2007 drei Kriege geliefert. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Die Hamas hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahne geschrieben.


starten Corona-Massentests in kleiner Gemeinde

ANNABERG-LUNGÖTZ: Österreich setzt bei der Eindämmung der Corona-Pandemie auf freiwillige Massentests der Bevölkerung. Den Auftakt machte am Dienstag die Gemeinde Annaberg-Lungötz im Salzburger Land. Die 2200 Bürger sind aufgerufen, sich am Dienstag und Mittwoch testen zu lassen. Das Aufspüren von auch symptomfreien Corona-Infizierten gilt als wichtiger Baustein zur Unterbrechung von Infektionsketten. In den Bundesländern Tirol, Vorarlberg und Wien beginnen die mehrtägigen Massentests am Freitag (4.12.). In Wien ist die Kapazität auf bis zu 150.000 Menschen pro Tag ausgelegt. Der Nachweis einer Corona-Infektion erfolgt via Antigen-Test, der bei positivem Ergebnis mit einem PCR-Test überprüft werden soll.

Nach den Worten eines Experten hofft die Bundesregierung auf eine sehr rege Teilnahme von mehreren Millionen Menschen. «Eine ideale Größe wäre zum Beispiel sechs Millionen», sagte der Simulationsexperte Niki Popper am Montagabend in der ORF-Nachrichtensendung «ZiB2». Österreich hat knapp neun Millionen Einwohner. Die Tests sollen wiederholt werden. Eine entscheidende Phase sei die Zeit nach Weihnachten. Dann werde klar, wie sehr die Feiertage das Infektionsgeschehen beeinflusst hätten, so Popper.

Österreich ist bis zum 6. Dezember in einem Lockdown. Über etwaige Öffnungsschritte danach will die Bundesregierung voraussichtlich am Mittwoch informieren. Die Infektionszahlen sind zuletzt deutlich zurückgegangen.

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