Corona-Überblick: Meldungen am Dienstag

Foto: Pixabay/Gerd Altmann
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Experte zu Corona : Gesundheitssystem droht Zusammenbruch

ISTANBUL: Vor dem Hintergrund steigender Corona-Fallzahlen in der Türkei hat ein Experte vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems gewarnt. Würden die Möglichkeiten zur Behandlung nicht verbessert, könne es zu «großem Chaos» kommen, sagte Vedat Bulut, ehemaliger Chef der Ärztekammer, der türkischen Zeitung «Cumhuriyet» am Dienstag.

Besonders in der türkischen Hauptstadt Ankara sei die Situation schwierig, in Krankenhäusern fehlten Betten. Türkeiweit hätten rund 900 Ärzte ihren Job gekündigt. Hintergründe nannte er nicht. Auch der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca hatte kürzlich auf Twitter mitgeteilt, dass Ankara Corona-Hotspot ist.

Bulut warf der türkischen Regierung eine fehlerhafte Politik und die Verbreitung intransparenter Informationen vor. Der Ernst der Lage werde darum von vielen Menschen nicht verstanden.

In der Türkei ist die Zahl der Corona-Fälle zuletzt wieder stärker gestiegen. Täglich kommen laut offiziellen Zahlen zwischen 1500 und 1700 Neuinfektionen hinzu. Die türkische Ärztevereinigung zweifelt die offiziellen Corona-Fallzahlen immer wieder an und geht davon aus, dass es deutlich mehr Fälle gibt.


Mehr als 600.000 Corona-Infektionen, 30.000 Tote

MADRID: Im Corona-Hotspot Spanien sind die Marken von 600.000 Infektionen und 30.000 Todesopfern überschritten worden. Das Gesundheitsministerium in Madrid meldete am Dienstagabend 9437 neue Ansteckungen. Die Zahl der seit Ausbruch der Pandemie nachgewiesenen Fälle kletterte damit auf mehr als 603.000. Bei den neuen Fällen handele es sich um 3022 positive Testergebnisse der vergangenen 24 Stunden sowie um nachgemeldete Infektionen, hieß es. Die Zahl der Menschen, die mit Covid-19 starben, stieg den Angaben zufolge in den vergangenen sieben Tagen um 303 auf 30.004.

Spanien verzeichnet damit mehr bestätigte Infektionen als jedes andere Land Westeuropas. Die größten Sorgen bereitete weiterhin die Lage in Madrid. Auf die Region um die Hauptstadt entfielen am Dienstag mit 1207 positiven Testergebnissen binnen 24 Stunden knapp 40 Prozent aller neuen Fälle. Dahinter folgen mit großem Abstand die Regionen Navarra (302 Fälle), Baskenland (270) und Andalusien (228).

Nachdem die größte Ärztegewerkschaft Madrids vorige Woche zu einem unbefristeten Streik ab dem 28. September im Bereich der medizinischen Grundversorgung aufgerufen hatte, kündigte Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso am Montag Sonderinvestitionen von 80 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre an. Die Ärzte sagten den Ausstand vorerst trotzdem nicht ab. Schon seit Jahren leide man an einem «Mangel an personellen und wirtschaftlichen Ressourcen», hieß es. Die Corona-Pandemie habe die Lage aber verschlimmert.


Corona-Krise führt zu globalem Bildungs-Notfall

GENF: Die Schul-Schließungen in der Corona-Krise haben nach Einschätzung des Kinderhilfswerks Unicef zu einem globalem Bildungs-Notfall geführt. Aktuell seien noch rund 872 Millionen Kinder in 51 Ländern daran gehindert, in die Klassen zurückzukehren, sagte Unicef-Direktorin Henrietta Fore am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. Nur etwa die Hälfte von ihnen habe die Chance auf Fernunterricht. «Die pure Zahl der Kinder, deren Ausbildung für Monate völlig unterbrochen wurde, ist nichts anderes als ein globaler Bildungs-Notfall», sagte Fore.

Eine Unicef-Analyse in 158 Ländern zeige, dass jeder vierte Staat weiterhin kein Datum für die Wiederöffnung von Schulen habe. Geschlossene Schulen hätten aber «verheerende Folgen für Kinder», sagte Fore. Es werde noch schwerer, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen. «Je länger Schüler von der Schule fernbleiben, desto weniger wahrscheinlich wird ihre Rückkehr.» Laut einer Hochrechnung werden 24 Millionen Kinder die Schule gänzlich abbrechen, darunter viele Mädchen. «Das ist der Grund warum wir an Regierungen appellieren, die Öffnung der Schulen voranzutreiben», so Fore.


Irische Regierung geht komplett in Quarantäne

DUBLIN: Die gesamte irische Regierung hat sich nach dem Rat von Gesundheitsexperten in Corona-Quarantäne begeben.

Nachdem Gesundheitsminister Stephen Donnelly am Dienstag Covid-19-Symptome gezeigt hatte, seien seine Kabinettskollegen vom Parlament aufgefordert worden, sich selbst zu isolieren, wie unter anderem die «Irish Times» berichtete. Bei einer Kabinettssitzung hatte der Minister zuvor viele seiner Kollegen persönlich getroffen. Außerdem hatte er gemeinsam mit dem irischen Premier Micheál Martin am selben Tag eine Pressekonferenz gegeben. Das Parlament soll nun den Berichten zufolge eine Woche lang pausieren. Donnelly selbst wollte sich schnellstmöglich auf das Coronavirus testen lassen.


Schulrückkehr - Streit über Masken

SOFIA: In Bulgarien ist die Wiederaufnahme des Schulunterrichts nach einer halbjährigen Corona-Pause von Streit über Masken und Isolierräume begleitet worden. Das neue Schuljahr begann am Dienstag landesweit für gut 700.000 Schüler mit Temperaturmessungen. Die Feierlichkeiten auf den Schulhöfen wurden wegen der Corona-Regeln eingeschränkt. Soweit werden rund 300 Schüler auf Wunsch ihrer Eltern wegen Corona zu Hause Fernunterricht erhalten, wie Bildungsminister Krassimir Waltschew erläuterte.

Schutzmasken müssen in dem Balkanland nicht im Unterricht, aber auf den Gängen und in anderen geschlossenen Räumen der Schule getragen werden. Gegen diese gemäßigte Regelung protestierten am Bildungsministerium in Sofia aufgebrachte Eltern, die frei entscheiden wollten, ob ihre Schulkinder Masken tragen sollen. Für Unmut sorgte auch die Einrichtung von Isolierräumen, wo Schüler mit Fieber oder Covid-19-Symptomen aufgenommen werden müssen, bis ihre Eltern sie abholen. Die Demonstranten bemängelten, dass das bulgarische Wort «Isolator» für diese Einrichtung bei den dort untergebrachten Schülern Schuldgefühle auslösen könnte.

Das EU-Land im Südosten ist von der Coronavirus-Pandemie inzwischen wieder weniger stark betroffen als im Juli und August. Bei einer Bevölkerung von knapp sieben Millionen Menschen gab es am Dienstag 4402 aktive Corona-Fälle. Eine Reisewarnung für die Schwarzmeerregion Warna und Dobritsch im Nordosten wurde vom Auswärtigen Amt in Berlin wieder aufgehoben. Derzeit gibt es in Bulgarien nur noch einen regionalen Infektionsherd in Blagoewgrad im Südwesten des Landes.


Lettland verkürzt Corona-Quarantäne von 14 auf zehn Tage

RIGA: Lettland schickt Neuankömmlinge und Heimkehrer aus Risikogebieten künftig nur noch zehn statt 14 Tage in Corona-Quarantäne. Die Regierung in Riga nahm auf einer Kabinettssitzung am Dienstag einen entsprechenden Vorschlag des Gesundheitsministeriums an. Bislang mussten sich Menschen, die aus Ländern mit hohen Infektionsraten in das baltische EU-Land einreisen, für zwei Wochen isolieren.

Ausgenommen von der Verkürzung sind Personen, die in Kontakt mit einem Corona-Infizierten waren - sie müssen weiter 14 Tage in Quarantäne. Das gilt grundsätzlich auch für Mitarbeiter von Gesundheits-, Sozial- und Bildungseinrichtungen, die in engem Kontakt mit anderen Menschen sind. Lettland mit seinen 1,9 Millionen Einwohnern verzeichnete bislang 1482 bestätigte Infektionen und 35 Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus.


Schweden hebt Besuchsverbot in Altersheimen auf

STOCKHOLM: In Schweden dürfen Bewohner von Altersheimen bald wieder von ihren Angehörigen besucht werden. Ein entsprechendes und seit fast sechs Monaten geltendes Besuchsverbot für die Heime werde zum 1. Oktober aufgehoben, gab Sozialministerin Lena Hallengren am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Stockholm bekannt.

Das Verbot sei für viele Ältere und ihre Angehörige die wohl weitreichendste Beschränkung der Corona-Krise gewesen, im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus aber notwendig gewesen, sagte Hallengren. Der Leiter der nationalen Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten, Johan Carlson, mahnte jedoch an, dass es jetzt zu keinem Besucheransturm auf die Heime kommen dürfe.

Im Gegensatz zu Deutschland, seinen skandinavischen Nachbarn und vielen weiteren Ländern hatte Schweden mit vergleichsweise lockeren Maßnahmen auf die Corona-Krise reagiert. Schulen, Restaurants und Geschäfte waren durchweg offen geblieben, allerdings galten besagtes Verbot von Heimbesuchen sowie eine Beschränkung von öffentlichen Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern. Der schwedische Sonderweg hatte international für Schlagzeilen gesorgt, jedoch auch mit sich gebracht, dass die Schweden im Vergleich etwa zu Dänemark, Norwegen und Finnland deutlich höhere Infektions- und Todeszahlen zu verkraften hatten.


Wegen Corona: Halloween fällt in Wohngebieten der US-Armee aus

WIESBADEN: Wegen der Corona-Pandemie fällt Halloween in den Wohngebieten der US-Armee in Wiesbaden in diesem Jahr aus.

Wie die US-Armee am Dienstag mitteilte, werden die Zugänge am Abend des 31. Oktober geschlossen. Die dort lebenden Menschen seien von der Regelung ausgenommen. Die Wohngebiete für US-Soldaten und ihre Angehörigen seien am Tag der aus den USA stammenden Halloween-Tradition beliebt und gut besucht von amerikanischen und auch deutschen Kindern. In diesem Jahr gehe aber die Gesundheit der Bewohner und Besucher vor. In Wiesbaden befindet sich die Zentrale der US-Armee in Europa.


Neue Corona-Beschränkungen für Großraum Kopenhagen

KOPENHAGEN: Die Dänen müssen wegen steigender Infektionszahlen in ihrer Hauptstadt Kopenhagen künftig im Restaurant und in der Kneipe einen Mundschutz tragen. Wie in Deutschland darf dieser abgenommen werden, sobald man am Platz sitzt. Restaurants, Bars und Cafés in der Hauptstadtregion müssen zudem bereits um 22.00 Uhr schließen, wie die dänische Regierung am Dienstag auf einer Pressekonferenz mitteilte. Auch im privaten Kreis müssten Veranstaltungen wie Hochzeiten und Konfirmationen um diese Uhrzeit enden, sagte Gesundheitsminister Magnus Heunicke. Die Maßnahmen gelten demnach ab Donnerstag und zunächst bis zum 1. Oktober.

Regierungschefin Mette Frederiksen hatte zuvor auf Facebook geschrieben, die Infektionszahl sei auf einem hohen Niveau, die Zahl der Patienten sei gestiegen. Nächtliche Feiern, wie man sie zuletzt in Kopenhagen gesehen habe, seien in dieser Lage unangebracht.

Dänemark hatte die Corona-Krise nach der ersten Hochphase im Frühjahr mit frühzeitigen und strikten Maßnahmen recht zügig in den Griff bekommen. Seit einigen Wochen steigen die Infektionszahlen im nördlichsten deutschen Nachbarland aber wieder an. Das liegt vor allem an einer Reihe lokaler Ausbrüche, etwa in Aarhus, Ringsted und zuletzt immer stärker im Raum Kopenhagen.


WHO-Europa-Chef: Wir müssen Jugendliche beim Corona-Kampf mitnehmen

KOPENHAGEN: Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO mahnt an, die Sorgen und Nöte junger Menschen in der Corona-Krise ernstzunehmen. Man müsse sich klarmachen, dass Jugendliche wegen der Coronavirus-Pandemie einen Sommer und ein fantastisches Jahr ihres Lebens verpassten, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Kopenhagen. «Viele junge Leute haben das Gefühl, dass die Pandemie für sie mit einem geringen Risiko und hohen Kosten kommt.» Für den daraus entstehenden Frust müsse Verständnis aufgebracht werden.

Zugleich müsse gemeinsam mit der jungen Generation nach Lösungswegen gesucht werden, ohne Verbote auszusprechen, sagte Kluge. «Wir dürfen nicht sagen: Tut dies nicht, tut das nicht.» Vielmehr müsse man neue Wege finden, wie soziale Kontakte auf sichere Weise gepflegt werden könnten. «Sozialer Umgang ist so wichtig, um Einsamkeit zu verhindern.» Das Gefühl des Alleinseins sei bereits vor der Corona-Pandemie eine der größten Sorgen der Jüngeren gewesen.

Vor dem Winter mit einer sich voraussichtlich wieder etwas verschlechternden Corona-Lage gehe es letztlich generell auch darum, den Sorgen der Menschen zu begegnen und die Gesundheit gleichzeitig weit oben auf die politische Agenda zu setzen, sagte Kluge weiter. «Wir müssen eine Covid-Müdigkeit vermeiden.»


Corona-Reproduktionszahl steigt auf 1,59

PRAG: Die Corona-Reproduktionszahl ist in Tschechien nach Angaben von Experten deutlich gestiegen. Der R-Wert liege bei 1,59, teilte das Amt für Gesundheitsstatistik (UZIS) am Dienstag mit. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Mittel während seiner Erkrankung ansteckt. «In diesem Moment kann man vom Risiko einer flächendeckenden exponentiellen Ausbreitung sprechen», teilte eine Sprecherin der Behörde mit.

Am Montag kamen 1038 neue Fälle hinzu. Das waren weniger als an den Vortagen, wie aus den Daten des Gesundheitsministeriums in Prag hervorging. Die Zahl der aktiv Infizierten lag bei rund 14.600. Gesundheitsminister Adam Vojtech betonte, dass die Kapazitäten der Krankenhäuser für die aktuelle Entwicklung ausreichend seien.


Gates: Corona hat Fortschritte bei Armutsbekämpfung zunichte gemacht

NEW YORK: Die Corona-Pandemie hat nach Einschätzung von Microsoft-Gründer Bill Gates zahlreiche in den vergangenen Jahren erzielte Fortschritte bei der Bekämpfung von Armut und Krankheiten zunichte gemacht. «Die Pandemie hat den Fortschritt angehalten und uns zurückgedrängt», sagte der 64-Jährige bei einer telefonischen Pressekonferenz anlässlich der Veröffentlichung des «Goalkeepers»-Berichts am Dienstag. Der seit 2017 jährlich veröffentlichte Report bilanziert den bislang erreichten weltweiten Fortschritt beim Kampf gegen Armut und Krankheiten und prognostiziert, wie es weitergehen könnte.

Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, sei seit Beginn der Pandemie beispielsweise um sieben Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht. Die weltweite Impf-Abdeckung von Menschen sei auf das Niveau der 90er Jahre zurückgefallen - und habe damit «die Welt in 25 Wochen um 25 Jahre zurückversetzt». Außerdem verstärkten die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bestehende Ungleichheiten, da Frauen und Minderheiten sowie Menschen, die in extrem armen Verhältnissen leben, deutlich stärker betroffen seien.

Die Welt müsse deswegen gemeinsam die Pandemie und ihre Auswirkungen bekämpfen - vor allem durch die Entwicklung von Behandlungsmethoden und Impfstoffen, fordern Bill und seine Frau Melinda Gates in dem Bericht. «Dies ist eine gemeinsame globale Krise, die eine gemeinsame globale Antwort verlangt.»

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