Demonstrationen mit Wasserwerfern aufgelöst

Die Polizei beginnt mit der Absperrung des Geländes von Demonstranten auf dem Museumplein während einer Demonstration gegen Bürgermeister Halsema, in Amsterdam. FotoEpa/ROBIN VAN LONKHUIJSEN
Die Polizei beginnt mit der Absperrung des Geländes von Demonstranten auf dem Museumplein während einer Demonstration gegen Bürgermeister Halsema, in Amsterdam. FotoEpa/ROBIN VAN LONKHUIJSEN

AMSTERDAM: Sie nennen es «Kaffeetrinken für die Freiheit». Einmal mehr kamen in Amsterdam Lockdown-Kritiker zusammen, ohne sich um Corona-Vorschriften zu scheren. Und einmal mehr wurden sie mit Wasserwerfern vertrieben.

In Amsterdam ist die Polizei am Wochenende mit Wasserwerfern gegen hunderte Teilnehmer nicht genehmigter Kundgebungen gegen die staatlichen Corona-Beschränkungen vorgegangen. Fast 60 Menschen wurden allein am Samstag festgenommen, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP. Am Sonntag kamen wie schon am Vortag trotz Verbots zahlreiche Demonstranten auf dem zentralen Platz vor dem Reichsmuseum zusammen - und wurden kurz darauf von der Polizei abgedrängt.

Die Aktionsgruppe «Niederlande im Widerstand» hatte für Sonntag erneut zum öffentlichen «Kaffetrinken für die Freiheit» auf dem Museumsplatz aufgerufen. Auf Spruchbändern war zu lesen «Liebe, Freiheit» und «Keine Diktatur». Fast zeitgleich berieten in Den Haag Ministerpräsident Mark Rutte und mehrere Regierungsmitglieder über Möglichkeiten zur Lockerung von Lockdown-Maßnahmen.

Größere Erleichterungen seien von dem Treffen nicht zu erwarten, hieß es in Medienberichten. Angesichts wieder steigender Infektionszahlen gebe es kaum Spielraum, erklärte der Virologe Menno de Jong vom Medizinischen Zentrum der Universität Amsterdam in einem Interview des Senders AT5. Er gehört zum Pandemie-Beratungsteam der Regierung. Auch die vielfach geforderte Öffnung von Straßenrestaurants zu Ostern wäre zu gefährlich, erklärte der Wissenschaftler.

In den Niederlanden ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen zuletzt ebenfalls wieder deutlich nach oben gegangen - allein von Freitagmorgen bis Samstagmorgen seien 7668 neue Corona-Fälle registriert worden, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Das sei die höchste Zahl innerhalb eines Tages seit Anfang Januar.

Die Stadtverwaltung von Amsterdam begründete das Vorgehen der Polizei am Sonntag damit, dass die Kundgebungsteilnehmer Abstandsregeln missachtet und Beamte beschimpft hätten. Demonstrationen seien durchaus möglich, sofern sie auf einem sicheren Areal und unter Einhaltung der Schutzvorschriften abgehalten werden.

Bei Kundgebungen aus Anlass des Internationalen Tages gegen Rassismus in Amsterdam und weiteren niederländischen Städten gab es am Sonntag keine derartigen Probleme, hieß es in Medienberichten. Allerdings ordnete die Polizei bei der Anti-Rassismus-Demo in Amsterdam eine Schließung des Geländes im Westerpark an, als die erlaubte Höchstzahl von 500 Teilnehmern erreicht war.

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