Christus in Thailand - mehr als nur eine Touristenattraktion

Deutschsprachige Gemeinden verbinden Menschen und öffnen Räume

Seit 350 Jahren leben Christen und Buddhisten in Thailand harmonisch miteinander. Papst Franziskus will im November das Königreich besuchen. Fotos: Lenz
Seit 350 Jahren leben Christen und Buddhisten in Thailand harmonisch miteinander. Papst Franziskus will im November das Königreich besuchen. Fotos: Lenz

BANGKOK/PATTAYA: „Das Schöne an unserer Gottesdienstgemeinde ist, dass sie jeden Sonntag ein anderes Gesicht zeigt.“ Ein Chef, der seine eigene „Firma“ lobt, überrascht nicht. Aber die Begeisterung von Jörg Dunsbach, Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Bangkok, kommt aus dem Herzen. Carsten Körber, Dunsbachs evangelischer Kollege, betont: „Die Evangelische Gemeinde Deutscher Sprache in Thailand ist seit 60 Jahren ein Zuhause und eine Heimat für Deutschsprachige, die hier dauerhaft leben oder Urlaub machen“, sagt der Düsseldorfer.

Ökumene – ja bitte

Die beiden Pastoren verstehen ihre Gemeinden im mehrheitlich buddhistischen Thailand als Orte der „Heimat“ für Expats und Touristen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich. Nach den Messen bleibt man noch bei Getränken und Knabbereien für einen Plausch zusammen, Pfarrfeste werden gefeiert, nach der jährlichen Nikolausfeier im Wechsel im Garten des katholischen Pfarrhauses oder im Hof der evangelischen Gemeinde gibt es Christstollen, Würstchen vom Grill, Säfte für die Kleinen und ein Bierchen für die Großen. Ökumene ist für Körber und Dunsbach mehr als nur gemeinsame Gebete und Gottesdienste.

„Menschen verbinden - Räume öffnen - Glauben leben“ – Das ist das Motto des Begegnungszentrums in Pattaya.
„Menschen verbinden - Räume öffnen - Glauben leben“ – Das ist das Motto des Begegnungszentrums in Pattaya.

„Gerade die ungezwungene Atmosphäre und der Kontakt zu einem Pfarrer mit Zeit lassen viele Besucher offen werden. ‚Ach, wenn Sie schon mal da sind... Hätten Sie denn mal Zeit für mich?‘ Eine Frage, die ich regelmäßig höre und immer wieder gerne bejahend beantworten kann“, sagt der Saarländer Dunsbach. Körber, 59, ergänzt: „Ich werde von Menschen aus thailändischen rlaubsorten angerufen und um Rat gebeten. Als Seelsorger haben wir natürlich auch in Thailand Schweigepflicht.“

Weites christliches Feld

Die Aufgaben der beiden Pastoren sind überaus vielfältig. Durch Krankheitsfälle oder persönliche Schicksalsschläge in Not geratene Touristen und Expats suchen bei den Pfarrern Beistand, den sie durch persönliche Gespräche oder Dank ihrer exzellenten Beziehungen zu den Botschaften oder zum Deutschen Hilfsverein leisten können. Aber auch die schönen Dinge des Berufs wie Taufen, Erstkommunion, Konfirmation oder Hochzeiten gehören zum Alltag von Körber und Dunsbach.

Glauben und Rotlicht

Die befreundeten Pfarrer Jörg Dunsbach (l.) und Carsten Körber (r.) schaffen „Heimat“ in der Fremde.
Die befreundeten Pfarrer Jörg Dunsbach (l.) und Carsten Körber (r.) schaffen „Heimat“ in der Fremde.

Eine Besonderheit bietet die deutschsprachige evangelische Gemeinde mit ihrem täglich geöffneten Begegnungszentrum und Café in Pattaya. „In Pattaya sind es vorwiegend Senioren, die sich dauerhaft am Meer niedergelassen haben und ihren Lebensabend hier verbringen. Da stehen die Seelsorge und die persönliche Zuwendung im Vordergrund“, weiß Körber. Im Café des Zentrums tauschen sich die älteren Herrschaften zudem gerne über Gott und die Welt, die Probleme des thailändischen Alltags und auch schon mal darüber aus, in welcher Bar die schönsten Mädels zu finden sind. Glauben und Rotlicht schließen sich in Pattaya nicht aus.

Beide Pastoren genießen die Kultur und die Vielfalt ihrer Wahlheimat und sie geben ihre Erfahrungen gerne weiter. Körber erzählt: „Im Juni waren wir als evangelische Gemeinde in Thailand auf dem Kirchentag in Dortmund vertreten“, erzählt Körber. „Wir wurden vor allem von Menschen angesprochen, die mal nach Thailand reisen wollen und meist zum ersten Mal von einer deutschsprachigen Gemeinde in Thailand gehört haben.“ Dunsbach findet: „Auch nach sieben Jahren Thailand ist jeder Tag ein neues Abenteuer für Leben und Glauben.“

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