Chinesische Hacker dringen in Vatikan-Computer ein

Papst Franziskus leitet seinen Sonntag Angelus. Foto: epa/Riccardo Antimiani
Papst Franziskus leitet seinen Sonntag Angelus. Foto: epa/Riccardo Antimiani

ROM/PEKING: Chinesische Hacker sind einem Bericht zufolge in Computer des Vatikans eingedrungen. Betroffen sei auch ein Büro des Heiligen Stuhls in Hongkong, schrieb die «New York Times». Sie bezog sich dabei auf eine Untersuchung von Recorded Future, einem privaten Cybersicherheitsunternehmen in den USA. Dieses machte eine vom chinesischen Staat unterstützte Gruppe namens RedDelta für die Hacker-Angriffe verantwortlich. Das Außenministerium in Peking distanzierte sich von den Berichten. Aus dem Vatikan lag am Mittwoch zunächst keine Stellungnahme vor.

Die Angriffe begannen dem Bericht zufolge im Mai. Sie fielen in eine Zeit, in der die Volksrepublik versuche, die Kontrolle über die Religionsgemeinschaften in China noch zu verschärfen, hieß es. Sie ereigneten sich vor wichtigen Gesprächen zwischen Peking und dem Heiligen Stuhl, die im September anstünden.

Dem Bericht zufolge benutzten die Hacker unter anderem eine Datei, die einem offiziellen Schreiben des Vatikans an den Leiter der Studienmission in Hongkong täuschend ähnlich sah. Außenamtssprecher Wang Wenbin sagte am Mittwoch auf Journalistenfragen in Peking, China sei immer «ein zuverlässiger Verteidiger der Cyber-Sicherheit» gewesen. Wenn es um Cyber-Vorfälle gehe, sollten «ausreichende Beweise» und keine «unvernünftigen Annahmen» präsentiert werden.

Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und dem kommunistischen China ist seit Gründung der Volksrepublik 1949 heikel. 1951 war dort eine Kirche unter staatlicher Kontrolle gegründet worden. Wer als Katholik in China dem Papst die Treue hält, muss Repressionen befürchten. Der Vatikan gehört zu den 15 Staaten weltweit, die Taiwan gegen den Widerstand aus Peking noch diplomatisch anerkennen.

Seit einigen Jahren gibt es aber verstärkt Bemühungen, die Beziehungen zu verbessern. Papst Franziskus hat wiederholt betont, er wolle bessere Kontakte und würde das Land gerne besuchen. Im September 2018 unterzeichneten beide Seiten ein «vorläufiges Abkommen» über die Ernennung von Bischöfen. In diesem September wollen beide Seiten der «New York Times» zufolge zusammenkommen, um über die Bischofsfrage und den Status von Gebetshäusern als Teil einer Erneuerung dieses Abkommens zu beraten.

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