China hofft auf gemäßigten Kurs der Taliban

Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, spricht auf einer regulären Pressekonferenz im Außenministerium in Peking. Foto: epa/How Hwee Young
Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, spricht auf einer regulären Pressekonferenz im Außenministerium in Peking. Foto: epa/How Hwee Young

PEKING: Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan hofft China auf eine gemäßigte Politik der militanten Islamisten in seinem Nachbarland. Außenamtssprecherin Hua Chunying verwies am Donnerstag in Peking auf jüngste Zusicherungen der Taliban, eine offene und inklusive Regierung bilden zu wollen sowie die Rechte von Frauen auf Arbeit und Meinungsfreiheit zu achten und Diskriminierung abzulehnen.

«Wir hoffen, dass die Taliban diese positiven Erklärungen wahr machen und Einheit unter den politischen Parteien und ethnischen Gruppen durch Dialog und Konsultationen herstellen», sagte die Sprecherin. «Wir hoffen, dass sie eine gemäßigte, umsichtige Innen- und Außenpolitik verfolgen, sich von Terrorismus und kriminellen Akten lossagen und einen reibungslosen Übergang sicherstellen.»

Unter Hinweis auf das Misstrauen in der internationalen Gemeinschaft gegenüber den Taliban wegen deren Vergangenheit sagte die Sprecherin: «Nichts ist für immer unverändert.» Auch fügte sie hinzu: «Wir müssen die Vergangenheit und die Gegenwart sehen. Wir müssen den Worten zuhören und die Taten sehen.»

Am Vortag hatte ein Pekinger Außenamtssprecher auf die Frage nach einer formellen Anerkennung der neuen Machthaber in Kabul durch China gesagt: «Es ist übliche internationale Praxis, dass die Anerkennung einer Regierung nach ihrer Bildung erfolgt.» China hoffe, dass die Taliban eine weitgehend repräsentative Regierung bildeten, die die Wünsche der Volkes und der internationale Gemeinschaft widerspiegele.

Nach Einschätzung von Experten will China vermeiden, dass das Nachbarland ein Nährboden für Terrorismus wird. Es fordert von den Taliban, gegen Terrorgruppen und Separatisten vorzugehen, die in der angrenzenden Region Xinjiang in Nordwestchina für eine Unabhängigkeit des früheren Ostturkestans kämpfen könnten. Um frühzeitig Kontakt aufzunehmen, hatte Außenminister Wang Yi einer ranghohen Taliban-Delegation schon Ende Juli einen großen Empfang bereitet und sie damit diplomatisch aufgewertet.

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Ingo Kerp 20.08.21 12:40
Die Taliban werden sicherlich den Chinesen gegenüber einen freundlichen Kurs einschlagen. Immerhin haben sie mit denen bereits Verträge über das Schürfen von Bodenschätzen. Das bringt den Taliban das notwendige Kleingeld das sie benoetigen, nachdem die USA die afgh. Guthaben eingefroren haben. Experten schätzen die afgh. Bodenschätze auf 3 Bio Dollar.