Chemikalien aus Deutschland wurden Chemiewaffen in Syrien

Eine Außenansicht der Zentrale des deutschen Chemieunternehmens Brenntag AG in Essen. Foto: epa/Friedemann Vogel
Eine Außenansicht der Zentrale des deutschen Chemieunternehmens Brenntag AG in Essen. Foto: epa/Friedemann Vogel

BASEL: Chemikalien aus Deutschland sollen nach einem Schweizer Zeitungsbericht in Syrien zur Produktion von Chemiewaffen verwendet worden sein. Die Bestellung bei der Schweizer Tochter der deutschen Firma Brenntag in Basel stammte von dem Pharmaunternehmen MPI in Syrien, wie die «Sonntagszeitung» berichtete. Aber MPI habe nur rund ein Fünftel der bestellten Menge erhalten. Was mit dem Rest geschehen sei, sei unklar. Der syrische Ex-Brigadegeneral Zaher al-Saket sagte der Zeitung: «Mit Sicherheit und ohne jegliche Fragen gingen sie in die Produktion von Chemiewaffen ein.»

Das Unternehmen betont, die Lieferung habe nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Die Brenntag-Lieferungen waren vor drei Jahren schon in den Schlagzeilen.

Es geht um die Chemikalien Isopropanol und Diethylamin. Damit habe MPI Schmerztabletten herstellen wollen, teilt Brenntag in Essen mit. Die Stoffe waren nach Informationen der «Sonntagszeitung» zuvor aus Duisburg nach Basel gebracht worden, wo sich die Filiale Brenntag Schweizerhall befindet. Aus den Chemikalien lässt sich aber auch der chemische Kampfstoff Sarin herstellen. Mit diesem Gift waren seit 2013 bei Angriffen in Syrien Hunderte Menschen ums Leben gekommen.

Brenntag sagte am Sonntag auf Anfrage, dass die «Lieferung beider Produkte in Einklang mit dem geltenden Recht getätigt wurde». Die Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) habe «die Einhaltung der bestimmungsgemäßen Exportabwicklung an MPI vor der Ausfuhr bestätigt. Auch im Nachgang (2018) hat die SECO den Sachverhalt nochmals umfassend geprüft und kein Fehlverhalten festgestellt.»

Der syrische Ex-General arbeitete nach Angaben der Zeitung im militärischen Chemiewaffenprogramm. Er sei 2013 ins Ausland geflüchtet. Nach seinen Angaben haben Pharmafirmen direkte Verbindungen zum wissenschaftlichen Forschungszentrum des militärischen Chemiewaffenprogramms. Firmen hätten der Regierung geholfen, ein Embargo zu umgehen, das Syrien keinen Zugriff mehr auf Chemikalien für Kampfstoffe gewähren sollte. Anders als in der EU sei der Export von Isopropanol nach Syrien in der Schweiz nicht bewilligungspflichtig, schreibt die Zeitung.

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Rene Amiguet 05.07.21 15:10
Buisiness
Unter dem Vorwand Schmerztabletten herstellen zu wollen, konnte dem Unternehmen MPI (wer immer das sei möge?) Chemikalien verkauft werden womit man bekannterweise auch Giftgas herstellen kann. Gut getarnt von Deutschland über die Schweiz! Es gibt immer findige Köpfe die solche Tricks austüfteln um Illegale Geschäfte zu legalisieren. Allein die Tatsache das sich dieses Geschäft über die Schweiz sollte die zuständigen Behörden aufhorchen lassen, aber wer weiss vielleicht sind ja die Breamten in der Schweiz auch korrupt.
Ingo Kerp 05.07.21 13:20
Wenn heute ein Land etwas benoetigt, das einem Exportverbot unterliegt oder dem Land wegen Sanktionen der Zugang versperrt ist (sein sollte), so gibt es definitiv etliche Moeglichkeiten das zu erlangen, was man haben moechte. Im Zweifel in N.Korea nachfragen, was zu tun ist. Wird eine legal gelieferte Ware zweckentfemdet, hat der Lieferant/Verkäufer keinen Einfluß darauf.