Chef von Moskaus Auslandsspionage wirft EU Impfstoff-Blockade vor

Der Direktor des russischen Auslandsgeheimdienstes (SVR), Sergej Naryschkin (R), nimmt an einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates in Moskau teil. Foto: epa/Alexei Druzhinin / Sputnik / Kre
Der Direktor des russischen Auslandsgeheimdienstes (SVR), Sergej Naryschkin (R), nimmt an einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates in Moskau teil. Foto: epa/Alexei Druzhinin / Sputnik / Kre

MOSKAU: Der Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes, Sergej Naryschkin, hat der EU eine Blockade gegen die in Moskau entwickelten Impfstoffe gegen das Coronavirus vorgeworfen. «Dahinter steckt eine unfreundliche Konkurrenz, banale Korruption und eine unmenschliche Politik, bei der Krankheiten, das Leiden und der Tod von Menschen zweitrangig sind», sagte Naryschkin einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung der Auslandsspionage SWR zufolge. An erster Stelle stünden für die EU politische Motive, die Zulassung des russischen Impfstoffs Sputnik V in Europa zu verhindern.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft seit einigen Wochen eine mögliche Zulassung von Sputnik V, eine Entscheidung wird im Sommer erwartet. «Der Widerstand der Beamten der EU ist eine echte Bremse für die Ausweitung des Maßstabs der Impfungen in den europäischen Staaten», kritisierte Naryschkin.

Russland wirft dem Westen immer wieder politische Stimmungsmache gegen seinen inzwischen in fast 70 Staaten zugelassenen Impfstoff vor. Allerdings hatte auch die russische Führung schon zu einem frühen Zeitpunkt erklärt, die vielfach eingesetzten westlichen Impfstoffe wie die von Moderna und Biontech nicht zuzulassen. Russen sollten vielmehr die in ihrem Land entwickelten Vakzine nutzen.

Naryschkin beklagte zudem, dass die EU eine «weitere Verleumdungskampagne» vorbereite, mit der Russland beschuldigt werde, die Bewegung der Impfgegner im Ausland zu unterstützen. In einem Interview des britischen Fernsehsenders BBC wies er insgesamt Vorwürfe des Westens gegen Russland zurück. «Diese Themen, die im Zusammenhang stehen mit Vergiftungen, Cyberattacken und Hackerangriffen, mit der Einmischung in Wahlen, die Russland zugeschrieben werden, sind so abstrus und manchmal sogar ärmlich (.). Sie sind wie ein schlechter Krimi», sagte er.

Zugleich sagte er, der SWR sei bereit zu Gesprächen mit dem britischen Geheimdienst MI6. Er habe deshalb MI6-Chef Richard Moore geschrieben und hoffe auf einen persönlichen Kontakt. Kremlsprecher Dmitri Peskow lobte die Initiative. «Ein solcher Kontakt ist in jedem Fall im Interesse unserer beiden Länder», sagte er der Agentur Interfax zufolge. Die Beziehungen Russlands zu Großbritannien sind wie die zur EU und zu den USA auf einem Tiefpunkt.

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