Cannabis: Regierung will Freizeitkonsum verbieten

Ein Tourist betrachtet die Menükarte mit den verschiedenen Cannabis-Sorten vor einem Cannabis-Laden in der Khaosan Road in Bangkok. Foto: epa/Narong Sangnak
Ein Tourist betrachtet die Menükarte mit den verschiedenen Cannabis-Sorten vor einem Cannabis-Laden in der Khaosan Road in Bangkok. Foto: epa/Narong Sangnak

BANGKOK: Die thailändische Regierung plant, den Freizeitkonsum von Cannabis bis Ende des Jahres zu verbieten, wie Gesundheitsminister Cholnan Srikaew am Mittwoch (21. Februar 2024) bekannt gab. Dies könnte das Aus für Tausende von Cannabisgeschäften und -Farmen bedeuten, die seit der Entkriminalisierung vor zwei Jahren im ganzen Land florierten.

Thailand strebt an, ein neues Cannabisgesetz, das den Freizeitkonsum ausdrücklich untersagt, bis Ende Oktober dieses Jahres durch das Unterhaus zu bringen, bevor das Parlament in die Pause geht, so Dr. Cholnan in einem Interview mit der internationalen Nachrichtensendergruppe „Bloomberg“ in Bangkok. Der Gesetzentwurf soll nach einer Kabinettsüberprüfung nächsten Monat vorgelegt werden.

Der liberale Umgang mit Cannabis wurde im Vorfeld der nationalen Wahlen im letzten Jahr, ein Jahr nach der Entkriminalisierung in Thailand, zu einem wichtigen politischen Thema. Ein Versuch, die Marihuanabranche zu regulieren, scheiterte, was nach Ansicht vieler Politiker zu einem Anstieg der Drogensucht führte.

„Die Gesetzeslücke hat zu einem freien Gebrauch von Cannabis geführt, und es gibt nicht genügend Vorschriften, um Missbrauch zu verhindern“, sagte Dr. Cholnan. Der vorgeschlagene Gesetzentwurf soll den Freizeitkonsum von Cannabis streng kontrollieren und damit auch das Aus für viele Unternehmen bedeuten.

Der drohende Schritt stellt eine existenzielle Bedrohung für Anbauer, Abgabestellen und Unternehmen dar, die sich in ganz Thailand entwickelt haben, um die steigende Nachfrage nach Marihuana zu bedienen. Betreiber von Cannabis-Shops betonen ihre Rolle bei der Erholung des Tourismussektors, einem Schlüsselfaktor für das Wirtschaftswachstum.

Cannabis-Aktivist auf einer Demonstration gegen das Freizeitkonsumverbot in Bangkok. Foto: epa/Narong Sangnak
Cannabis-Aktivist auf einer Demonstration gegen das Freizeitkonsumverbot in Bangkok. Foto: epa/Narong Sangnak

Laut Dr. Cholnan könnten Personen, die nach dem neuen Gesetz Cannabis zu Freizeitzwecken rauchen oder konsumieren, mit Geldstrafen von bis zu 60.000 Baht belegt werden. Verkäufer von Freizeit-Cannabis riskieren bis zu einem Jahr Gefängnis oder 100.000 Baht Geldstrafe oder beides.

Tausende von Cannabisläden im ganzen Land müssen sich schnell an die neuen Regeln anpassen oder hohe Strafen riskieren, so Dr. Cholnan. Der Gesetzentwurf sieht auch strengere Lizenzierungsvorschriften für den Anbau, Verkauf, Export und Import von Cannabis vor.

„Das wird wie ein Paukenschlag wirken“, so Dr. Cholnan. Die vorgeschlagenen Strafen könnten jedoch die aufstrebende Branche wieder in den Untergrund drängen, warnt Rattapon Sanrak, Gründer der Cannabis-Lobbygruppe „Highland Network“.

Unter dem derzeitigen System könnte die Cannabisindustrie bis 2025 einen Wert von 1,2 Milliarden US-Dollar erreichen. Das Verbot könnte jedoch verheerende wirtschaftliche Auswirkungen haben, besonders für kleine Unternehmen und Farmen.

Dr. Cholnan spielte Bedenken herunter und betonte, dass die Position von Cannabis als Wirtschaftspflanze nicht beeinträchtigt werde. Die Anbauer müssen sich lediglich an strengere Vorschriften halten, um die medizinische Verwendung zu fördern. Etwa 15.000 Unternehmen, die mit Cannabis zu tun haben, sind offiziell bei der Regierung registriert.

„Es ist richtig, dass wir versuchen, die Wirtschaft anzukurbeln. Aber wir unterstützen keine Aktivitäten, die für die öffentliche Gesundheit gefährlich sein könnten“, sagte er. Den Gesetzentwurf bezeichnete Dr. Cholnan als einen Kompromiss im Vergleich zu einem möglichen vollständigen Verbot: „Wir können es so machen, oder wir können Cannabis wieder zu einem Betäubungsmittel machen, und jeder wird strafrechtlich verfolgt werden.“

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Stefan Siebert 22.02.24 21:10
Sämtliche Cannabis Shops leben von den Touristen! Und die sind nach einigen Wochen wieder weg! Die Thailänder brauchen, um zu Kiffen, keine Shops! Welcher Thailänder hat die Kohle und ist so bescheuert, sich ein Gram Gras, für 200 bis 1200 Baht zu kaufen?
Norbert G. 22.02.24 19:40
Irgendwie lustig
In Deutschland ist der Freizeitkonsum demnächst erlaubt, in Th nur zu medizinischen Zwecken,
Ok, wieviel kostet ein ärzliches Attest und wo bekommt man das?
Thailand hat leider ein ganz anderes Drogenproblem - diese ganzen Speed- und Amphetamintabletten für ein paar Bath machen mir mehr Angst als die Kiffer.
Günter Jack 22.02.24 18:30
Das ist genau einer der vielen Gründe, warum es mit ausländischen Investitionen hier nicht so recht klappen will: Die fehlende Rechtssicherheit. Wer will denn als Ausländer hier ein Geschäft aufbauen, wenn heute das Eine und morgen das Gegenteil gilt?!
Ingo Kerp 22.02.24 14:20
Nichts in TH ist so beständig wie die Unbeständigkeit. Diese Feststellung gilt seit etlichen Jahren für gesetzl. Vorgaben. Heute Hüh und morgen Hott. Kein Wunder, das sich kaum jemand an diese ständig wechselnden Vorgaben hält. Das Risiko aufzufallen kann man getrost in Kauf nehmen. Bis die Behoerden einschreiten koennen, gibt es nämlich längst wieder eine neue Vorgabe.
Florian Hochmair 22.02.24 12:17
Cannabis ist und bleibt eine Pflanze die der Menschheit so viel bieten kann!früher oder später werden die guten an der Macht sein und Cannabis wird weltweit legal sein!
Detlev 21.02.24 21:00
Gesetz
Normalerweise wird hier ein Gesetz schneller umgesetzt,wie die Tinte Zeit hat zum trocknen.Daran sehen wir doch,wer daran Geld verdient. Sonst wäre es schön längst Geschichte.
Tondidi 21.02.24 20:05
Ohhhhh
.....ja, und was machen die Millionen von Cannabis-Touristen, die alle auf dem Sprung stehen und in der 2. Jahreshälfte, wie geplant, kommen sollen?
Andy 21.02.24 19:40
Cannabis Verbot
Für mich so wichtig wie der Sack Reis in China, der umfällt.
Um die Existenz der Leute, die viel Geld investiert haben, um einen Shop zu eröffnen, würde ich mir viel mehr Sorgen machen.