Cannabis-Befürworter fühlen sich ignoriert

Cannabis-Shop in Bangkok. Foto: epa-efe/Narong Sangnak
Cannabis-Shop in Bangkok. Foto: epa-efe/Narong Sangnak

BANGKOK: Kritik an der thailändischen Regierung wird laut, da Gesundheitsminister Somsak Thepsutin beschuldigt wird, in der Debatte um die Cannabis-Gesetzgebung lediglich die Stimmen der Anti-Cannabis-Gruppen zu berücksichtigen. Pro-Cannabis-Gruppen beklagen, bei den vom Gesundheitsministerium organisierten Foren nicht ausreichend zu Wort gekommen zu sein.

In seiner Verteidigung betonte Somsak, dass die Regierung eine ausgewogene Herangehensweise anstrebe und verwies darauf, dass seit dem 16. Mai 2024 alle betroffenen Gruppen aufgefordert wurden, ihre Einwände gegen die Einstufung von Cannabis als Betäubungsmittel vorzubringen.

Die Regierung strebt eine erneute Einstufung von Cannabis als Betäubungsmittel an, um die Nutzung für medizinische Zwecke besser kontrollieren zu können. Dies soll nicht nur der Gesundheitsförderung dienen, sondern auch die Wirtschaft ankurbeln. Somsak reagierte damit auf zunehmende Forderungen nach einem kontrollierten Umgang mit der Substanz, statt einer vollständigen Prohibition.

Innenminister Anutin Charnvirakul, Vorsitzender der Bhumjaithai-Partei, kritisiert die Regierungspläne und fordert mehr Transparenz bezüglich der Entscheidung, Cannabis wieder als Betäubungsmittel einzustufen. Er hinterfragt die Vernachlässigung der gestiegenen medizinischen Nutzung und die Absicht der Regierung, die bisherige Legalisierung rückgängig zu machen.

Das von der Bhumjaithai-Partei vorgeschlagene Cannabis- und Hanfgesetz war in der letzten Legislaturperiode gescheitert, was Somsak auf dessen „Unzulänglichkeiten“ zurückführt. Nachdem Cannabis im Juni 2022 von der Liste der Betäubungsmittel gestrichen wurde, führte dies zu einem rechtlichen Vakuum, das eine Zunahme des Cannabisverkaufs für medizinische und Freizeitzwecke nach sich zog, begleitet von einem Anstieg öffentlicher Beschwerden über das Rauchen von Cannabis.

Die aktuelle Regierung hat noch nicht klargestellt, welche Auswirkungen der neue Gesetzentwurf auf das Cannabisgeschäft insgesamt haben wird.

Die geplante Neuregelung sieht vor, dass für den Anbau und die medizinische Verwendung von Cannabis Genehmigungen erforderlich sein werden, während der Freizeitkonsum verboten bleibt. Somsak versichert, dass das Genehmigungssystem die Öffentlichkeit nicht unzumutbar belasten wird, und kündigt eine Übergangsfrist zur Anpassung an das neue System an.

Die Kontroverse um die Cannabis-Gesetzgebung in Thailand spiegelt die tiefen Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Landes wider und stellt die Regierung vor die Herausforderung, eine Balance zwischen gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen zu finden.

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Thomas Sylten 05.06.24 14:20
Ich bin für eine Gleichstellung aller "weichen" Drogen wie Zigaretten und Joints - ob Alkohol eher zu den weichen oder objektiv gar zu den harten Drogen zu zählen wäre, wird wohl umstritten bleiben, aber auch da gäbe es Unterscheidungsmöglichkeiten wie z B. zwischen Bier und Whisky etc.

Da es wohl vor allem der Gestank ist, der von Zigaretten und Joints die Allgemeinheit belästigt, könnte man den Konsum auf geschlossene oder zumindest eng begrenzte und markierte Räumlichkeiten begrenzen, wie auch den Genuss von Alkohol, der ja selten auf offener Straße, sondern eher in Bars und Biergärten genossen wird.

Eine komplette Prohibition wird die Angelegenheit nur wieder gänzlich unreguliert in den Graubereich eines zwar versteckten, grundsätzlich aber überall anzutreffenden Übels verdrängen, dem man sich dann wieder nur schwer entziehen kann, und damit vor allem Kids und Jugendliche gefährdet.